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Neue jüdische Presse · 1912-07-05 · Heft 26 (5.7.1912) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 26 (5.7.1912)
Date
1912-07-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Leite 5. Nr. 26. Frauffürker Zf«MtWeA ZauGeMatk. er sich ungerne an die Religion erinnern, die er verlassen hat, und nun kommt der Geistliche selbst, der sie getauft hat, und erinnert sie M ihr Judentum. Sie waren auch, tatsächlich alle furchtbar empört, und einige beschlossen sogar, ihre Empörung in einer geharnischten Schrift an den Pfarrer zum Ausdruck zn bringen. Lemberg. Zum R e k t o r der hiesigen Universität ist zum ersten Male ein Jude gewählt worden: der 49 Jahre alte hervorragende Pathologe Prof. Dr. Adolf Beck. Paris. Louis Ratisvonne, dessen Denkmal im Jardin du Luxembourg enthüllt wurde, gehörte einer angesehenen jüdischen Familie in Straßburg an. Zwei seiner Onkel, Söhne eines Bankiers und Präsidenten des israelitischen Konsistoriums von Straßburg, hatten durch' ihre seinerzeitigen Uebcrtritte zum Ehiristcntnme nicht geringes Aufsehen erregt. Louis Ratisbonne ist bis an sein Lebensende Jude geblieben. S lenißeton. Gerda. Novelle aus dem chassidischen Leben. Bon Terese P o nr e r a n z - Elberfeld. (Fortsetzung.) O! Gerda kannte dieses Wort aus dem Munde eines Tentschen! Sie wußte, nneviel Haß und Ber-. achtnng cs enthielt! Sie starrte ihren Mann >vie geistesabwesend an! Dahin war es also schon gekomnien, o Gott! Gerda stand auf und verließ das Zimmer. Es vergingen Wochen und Monate, ein Gcnlisch zwischen Glück und Verzweiflung, bis eines Tages ein Brief von Chane kam, Gerda möchte, wenn noch ein Funken von kindlicher Liebe in ihr glinime, sofort kommen, ihr Vater sei schwer erkrankt, das ganze Haus voll frenider Menschen, keine liebevolle Hand rege sich zn seiner Pflege. — — — * In' demselben grauen Reisekleide, in dem Gerda Goldstein vor 6 Monaten dem O-Zug entstieg, bestieg jetzt Frau Dr. Oppenheimer wieder den Expreßzug, um zuihrem kranken Vater zu eilen und ihn zu pflegen. „Solch ein Pollack," hatte Richard gesagt. — O nein, ihr Vater war ihr teuer, und Richard hatte gewußt, daß sie die Tochter eines polnischen Juden ivar! Aber solch ein „Pollack", wie die Deutschen Juden sich einen denken, das war ihr Vater nicht. Das wollte sie ihren! Gatten doch beweisen. Jetzt war die Gelegenheit da. Gerda war dem Schicksal fast dankbar, Laß ihr" durch die plötzliche Erkrankung ihres Vaters Gelegenheit geboten wurde, nach Hause zu fahren. Hoffentlich würde es ihr gelingen, ihn gesund zu pflegen, dann wollte sic seine Verleihung schon erflehen. Tann mochte Richard entrvcder sein Wort zurncknehmen, oder sie blieb bei ihrem Vatpr^ und wenn sie nur die Stelle eines Dienstmächhens einnehmen sollte. * Als Dr. Oppenheimer nachts aus dem Klub kam, fand' er die Zimmer dunkel und kalt. Er rief nach Licht, aber keiner antwortete. Das Dienstmädchen halte sich, als seine Herrin abgereist war, einen nächtlichen Spaziergang geleistet. Richard tastete sich bis ins Schlafzinrmer durch, steckte Licht an, aber Gerdas Bett'war leer, die Schränke verschlossen, die Schlüssel auf seinem Schreibtisch mit einem Briefchen: Lieber Richard! Verzeih den Irrtum, der eigentlich beiderseits geschehen _ ist. Ich bin die Tochter eines polnischen ' JuKen und Du ein Deutscher. Ich fürchte, wir werden uns nie - verstehen. Vorläusig ist mein Vater . krank, und ich efle zu ihm, ihn zu pflegen. Das weitere kannst' Du, wenn Du willst, veranlassen. Gerda. - Richard war sprachlos! Nette Bescherung für ihn! Ein öffentlicher Skandal! „Das ist der Dank dafür, daß inan ein vom Hause entlaufenes, vorläufig ganz mittelloses Mädchen nimmt, dessen Familie man eigentlich nicht einmal kennt." Er lachte bitter auf. Hätte er jetzt zu Tante Cäcilie gekonnt, — aber nachts Lärm machen, schickte W wohl nicht! Er stützte seinen Kopf in die Hände — und Wies 'ein. Er erwachte, als. es schon graute. Ruhig überdachte er jetzt noch einmal seine Lage. Auf seiner Seite konnte er gar kein Unrecht finden. Daß er ihren Vater im Zorn „Pöllack" genannt? Gott, ja, war er das denn nicht? Daß er jeden Abend in den Klub ging und" Gerda allein ließ? 'Er konnte eben das Seufzen und die rotgeweinten Augen nicht vertragen! Aber einigen Respekt bekam er doch. „An Mut fehlt es meiner Kleinen nicht!" Er hatte sie doch lieb, trotz alledem. Er betrachtete ihr Bild ans seinem Schreibtisch: „Bist doch meine liebe, süße Gerda." Er durchstöbertc im Geiste alle jungen Mädchen und Frauen seiner Bekanntschaft. Mit seiner Gerda konnte sich doch' keine messen! Ob man wohl' hinfährt'?? Nein! Das nun doch nicht! Znm Pantoffelhelden iverden darf man nicht. Aber ein Briefchen kann nicht schaden. Liebe Gerda! Tein Benehmen ist mir unverständlich! Es ist doch selbstverständlich, daß Du zu Deinem kranken Vater fahren durstest! Ich hosfe, daß, wenn Tn ihn gesund gepflcgi hast. Tu bald zurückkehrst zu Deinen! Dich sehnsüchtig erwartenden Richard. * Es war in der Mittagstunoe, als der Zug in R. einlief, und 10 Minuten später hielt der Wägen vor „Villa Gerda". Tie ganze Familie ivar im Krankenzimmer versammelt, man erwartete Reb Mordechais letzte Stunde. Er rief im Fieberlvahn: „Gerda, Kind, ich will Dich nicht totsagen. Tu bist und bleibst mein Liebling! — Geh, Gerda, Du tust mir Schande an, ich schäme mich, Gitel sollst Tu heißen, wie meine fromme Mutter hieß! — Geht alle, was wollt Ihr hier? —Gitsche! reich mix Wasser! So, Kind, nur aus Deiner Hand! — Weg, — wer bist Tn? Sarah, meine Schwägerin, geh'!" Hier öffnete sich die Tür, und Gerda trat ein, blieb an der Tür stehen und sah den Kranken an. Tic Anwcscnden verzehrten sic schier mit ihren Blicken. Onkel Jakob streckte die Hand aus und wies streng zur Tür. „Gerda, mein Kind, >oo bleibst Du denn, reich' mir doch Wässer!" Hier stürzte die junge Frau ans Krankenbett, schob Tante Sarah beiseite, entriß. ihr das Wasserglas und reichte es dem Kranken an den Mund, der es in großen Zügen leerte. Sic erneuerte die Umschläge, schob die Kissen zurecht und sank ermattet in den nächsten Stuhl, der neben dem Bette stand. Der Kranke ergriff ihre Hand, hielt sie fest umklammert und schlumnierte ein. So saß Gerda bis znm späten Abend am Krankenbette. Reb Mordechai schlug die Augen ans, starrte Gerda an, riß sie an sich und schrie: „Gerda, wo bist Du, Gitsche? Nein, ich will Dich immer Gerda nennen!" Der Kranke wälzte sich unruhig herum, schrie allerlei unsinniges Zeug, ließ aber sein Kind nicht los, bis er in einen tiefen, wohltuenden Schlaf sank. Dr. Safier blieb während der Nacht bei dem Kranken. „Wenn er uns diese Nacht erhalten bleibt, haben wir gewonnen," flüsterte er Gerda zu, „Sic haben recht getan, Fräulein, daß Sie zu Ihrem Vater . . ." „Bitte, Sie gestatten," fiel Gerda ihm ins Wort, „Frau Dr. Oppenheimer!" „Ah, Pardon, gnädige Frau, aber hier in dem Nest laufen ja allerlei Gerüchte herum," stotterte der Doktor verlegen. Dann fügte er sogleich hinzu: „Glauben Sie mir, Frau Doktor, Ihre Ankunft Ivird die beste Arznei für Ihren Herrn Vater sein." Reb Mordechai schlief in dieser Nacht zum ersten Male bis morgens früh durch, Er hielt Gerdas Hand krampfhaft fest,-und wollte sie ihm die Hand entziehen, wurde er unruhig. * Die Krisis warüberstanden. — Reh Moroechai ließ sich von seiner Tochter pflegen und verwöhnen wie ein Kind, fragte und erwähnte aber nichts von dem Geschehenen. So kam die junge Frau in den ersten 14 Tagen kaunt aus den Kleidern, bis der Arzt merkte, daß ihre Kräfte erschöpft waren und sie der Pflege jetzt eher bedurfte als der Rekonvaleszent. __(Schluß folgt.) __ AmBPihanischBFits-u Pincmz T I™ Grosse Answahl in amerik. und deutscher Optik. J. V. Albert, Ecke Nene Mainzerstr. n. WeMranenstr. 11. Schlafzimmer-Einrichtungen Bettenfabrikation, Bett-Wasche. Bleidenstrasse 10. Taschentücher empfehlen in grosser Auswahl und allen Preislagen F. C. Strubberg & Co. 25 Nene Hainzerstrasse 25. - Bunte Chronik. Die Kolonie Mesha in Palästina. Unsere Kolonie, die erst vor zirka 9 Jahren begründet wurde, liegt mit Fuße des Berges Tabor, der die Ebene Jesreel beherrscht. Sie ist etwa 2—3 Stunden von den Kolonien Jemma, Merchawja und Sedjera entfernt. Noch vor zwei Jahren zählte sie 23 Kolonistensamilien, heute aber wird sie von 37 Ackcrbauerfamilien und 5 Familien anderen Berufes bewohnt. Der Körnerban ist der Hauptwirtschaftszweig. Viehzucht wird in geringem Maßstabe getrieben, inunerhin wird so viel Geflügel und Milch produziert, als zum eigenen Be- - darfe notwendig ist. Die Kolonisten besitzen auch einen Wald und guten Weideboden, wodurch die Haltung von 'Schafen und Ziegen ermöglicht wird. Ein wichtiges Institut haben die Kolonisten vor zwei Jahren durch die Begründung einer Darlehenskasse ins Leben gerufen. Den Kredit hat die Darlehenskasse von der Jca bekommen, heute aber verfügt sie schon selbst über ein Kapital von 11ODO Frcs. und - führt ihre Geschäfte auf eigene Rechnung. In diesem Jahre hoffen wir nicht schlichter als voriges Jahr abznschlirßen. Um den Kolonisten alle Waren billig zn verschaffen, haben wir einen Kons umverein gegründet. Jede Aktie kostet 100 Frcs., und niemand darf niehr als 5 Aktien kaufen. Die Bilanz des ersten Jahres haben wir mit einem Umsatz von 20000 Frcs. abgeschlossen. .Bis jetzt pflegten wir Wasser aus der von der Kolonie fünf Atinuten entfernten Quelle zu schöpfen. Schon lange haben wir den Augenblick ersehnt, Wasser zn Hanse z» haben und nicht jeden 'Augenblick mit dem Faß zur Quelle fahren zu müssen. Sinn sind wir in der glücklichen Lage, diesen Wunsch verwirklicht' zn sehen. Durch einen Elektromotor, der von der Quelle 15 Meter entfernt ist, wird das Wasser in ein großes Bassin hinaufgepnmpt, und Haus und Garten sättigt sich an Wasser. Derselbe Motor betreibt auch eine Getreidemühle. Besitzer dieser Mühle sind die Kolonisten, die den Kostenpreis von 15000 Frcs. von der zionistischen Bank, der Anglo-Palestine Company, mif vierjährige Auszahlung bekommen haben. Der Initiator aller dieser Verbesserungen ist Herr David Kohn. Seit einigen Monaten ist in unserer Kolonie der Wunsch nach Anlage von Pflanzungen sehr rege geworden. Hoffentlich wird auch dieses Streben bald der Verwirklichung emgegengesührt werden. I Einziges rituelles Hotel anf Hans I. Banges, den Nordseeinseln. 80 Zimmer. Massige Pensionspreise. £4alser Frledricü Quelle —— Offenbach a. M. - Gegen Gicht and Bheamatismag bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Franklart a. M., Stallburgstr. 9. TeL 259 n. 714. Wocheu-Kalerrder. (Zeitangaben nach dem Loacb.) Samstag, den 6. Juli (= 21. Tamns): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 8 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt.«. M. 9 Uhr 35 Mi«, in Berlin 9 Uhr 30 Min. Wochenabschnitt: P i n ch a s. — Pinchas, der Sohn . j Eleasars, ersticht in heiligem Eifer den jüdischen Stammsürsten Siinri nebst einer midjanitischeir Stammfürstin, da sie öffentlich den 'Abfall zeigten durch Vermischung. Israels mit den Heidenvölkern. Daraufhin erfolgt eine - Zählung Israels nach den Einzelstämmen. Es wird der 1 Berteilungsmodns für das einst in Besitz zu nehmende Land Kanaan mitgeteilt, die Stammes- und Famikiemzahl bilde den Maßstäb. — Zeloschads Töchter beanspruchen einen Landanteil für ihren verstorbenen Bater. Moses befragt Gott. Der Anspruch wird als gerecht- . fertigt erachtet. Das Erbfolgerecht wird dabet fixiert. Moses bestellt zn seinem Nachfolger den Jofua. Er autorisiert ihn durch „Händeauslegen." Den zweiten . Teil der Sidra bilden die Opferabschnitte: Das bc- . ständige Opfer und die sogenannten ,Lugabeopser" für Sabbat, Neumond und Fasttage. Lehre: Das beständige Opfer lehrt die beständige, d. h. alltägliche Lebens- Weihe; die Zugabeopser lehren die gehobene Weihe des betr. Tages'.; Wochengottesdienste in Frankfurt a. M. Morgens: 6 Uhr (Hauptsynagoge 7 Uhr, Synagoge Kömgsteinerstraße 7 Uhr 30 Min.). - Abends: 7 Uhr 45 Min. (Hauptsynagoge 4 Uhr, Synagoge Königsteinerstraße 7 Uhr). , SCHMIDT & SCHIEFES Telephon 13430. Im Trotz .38. Telephon 13439. Gas-, Wassernad Heizungs-Anlagen. —Moderne Bäder nnd Closets. Reparaturen prompt hei zivilen Preisen. r 38

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