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Neue jüdische Presse · 1912-07-05 · Heft 26 (5.7.1912) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 26 (5.7.1912)
Date
1912-07-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die erste Versammlung der Agudoh in Frankfurt. Die Leitung der „Agndath Jisroel" veranstaltete Montag obend im großen Saal der Börse eine Versammlung zwecks Gründung .einer Ortsgruppe. Die Tatsache, daß die erste Versammlung trotz des schönen Sommerabends außerordentlich! stark von . allen konservativen Kreisen — auch die Rabbinen Dr. Nobel und Dr. Horovitz waren der Einladung gefolgt — besucht war und die große Aufmerksamkeit, die die Anwesenden den Reden des Abends entgegengebracht haben, zeigen, 'wie groß das Interesse des Publikums für' die Agudoh ist. ' Die Leitung der Versammlung lag in Händen des in allen Kreisen beliebten, hochverehrten Kommerzienrat Louis Feist, Vorsitzenden des provisorischen Komitees der Agudath Jisroel, — und dieses wirkte von vornherein versöhnend auf die Anivesenden. Aber auch der tlmstand, daß Dr. M. Hildesheimer-Berlin, der gleichfalls bei allen Parteien der Judenheit beliebt und geächtet ist, der Redner des Abends war, machte einen sehr günstigen. Eindruck. Es muß gesagt werden, daß die Leitung mit der Berufung dieses populären Mannes eine glückliche Idee hatte. Bbeutet' doch der Name Hildesheimer ein Programm: Trennung, die zur Bereinigung und zum Frieden übergeht! Schon dieses Moment. allein muß bei den abseits Stehenden Vertrauen einflößen, daß ein Mann, der aus der vollsten Trennung hervorging, ein begeisterter Mahner zur Einigung ohne Vorbehalt geworden ist. " Dies hätte dem Frankfurter begeisterten, unvcrsöynlichen .Verfechter der Trennung als eine dringende Mahnung dienen'müssen. Doch weit gefehlt! Um alle Illusionen von der endlichen Versöhnung Rabbiners Dr. Breuer zu nehmen, hat es der Sohn des Meisters her- Trennung, Dr. Jsaac Breuer, der init seiner kalten Konsequenz und Scharfmachcrci. noch seinen Lehrer und Vater übertrisst, Uipp und klarerklärt, daß von einem Nachgeben, von einer Versöhnung mit Andersdenkenden gar keine Rede sein kann. Zerreißung und 'nur Zerreißung, Kainpf und nur Kamps, Kampf der Alliance und Kainpf dem Zionismus und all denen, die auf dem Boden der 'Einheit Israels stehen, —i Tm§ ist die Parole dieser Männer. Was der Vater in der Versammlung in Krakau zum Schaden der „Ägudoh" zu verkünden, gut fand, dies .hat auch-- der Sohn auf der Versammlung in unserem Frankfurt für ^;ut gefunden; nur hat dieser Standpunkt hier, noch mehr Befremden hcrvorgerusen angesichts der versöhnenden Worte Dr. Hildesheiincrs, der ebenso ein Sohn eines'Mannes der Trennung ist. Da sah jeder den Unterschied zwischen Gefühl und — Gefühlskälte. . . . Groß war der Schaden, den der treue Sohn seines Vaters angerichtet hat, er wäre noch größer gewesen, wenn nicht der Vorsitzende sich zu erklären beeilt hätte, daß däs, was Dr. Jsaac Breuer gesagt hat, nicht im Sinne der Agudoh ist. * Mit großer Begeisterung -sprach in längeren Ausführungen der Redner des Abends, Herr Dr. Hildesheimer. Es würde zu'weit führen, wollten wir hier all die Gedanken und schönen Erklärungen des trefflichen Redners wiedergeben; wir begnügen uns daher mit denr Grundgedanken des Vortrags, der dahin ging, daß die Agudoh eine Einigung und Verbrüderung des e l a l Jisroel" anstreht. Dabei erwähnte er den bekannten „Midrasch": Schelau joschuwu learzom ad schelau jihjn laägudo achas (sie werden nicht nach ihrem Lande zurücklehren, solange sie nicht zu einem einzigen Bunde geworden sind). Als einzelner Tropfen kann man sich schwerlich halte», cs muß ein Erdreich unter den Füßen geschaffen werden, dazu ist die Organisation, die Verbündung nötig. Derr nächste Redner, Herr I. R o s e n h e i m, beweist die Notwendigkeit eines Organs, das ' im Geiste der Torah und im Sinne der „Gedaulci hatoroh" funktioniert. Dieses Organ soll volkstümlich sein, es „darf nicht verbürokratisiert werden.." Die Agudoh will die Massen der vier Strömungen in der Judenheit: 1.. Die östlichen Ctzasidim. 2.' Die östlichen Misnagdim. 3. Die ungarische Orthodoxie. 4. Die Gesetzestreuen Westeuropas umfassen. Allein sie nintmt Unterstützung auch von andern Richtungen an. Der Agudoh stehen gewaltige Aufgaben bevor, aber sie vertraut auf die Hilfe . Gottes und glaubt, - daß die Agudoh etwa als „min haschomajim"" von „häschgochoh pcrotis" gekommen sei. Dr. Simon, Mitglied des Vorstandes, wirft die Frage ans, weshalb grade Frankfurt, ein Hort der Trennung, der Ausgangspunkt der Agudoh fein müsse. Redner würde cs gern gesehen haben, daß auch' die Führer der andern Richtung — die Rabbinen Dr. Nobel und Dr. Horo'vitz — in der Leitung der Agudoh gewesen wären. Dr. Jsaac Breuer als nächster Redner gab daraus zur Antwort, daß Frankfurt die Wortführcrin der Eedankcngänge Hirschs sei und die Agudoh, die den Zionismus und die Alliance verwerfe und bekämpfe, nur im Geiste Hirsch geführt werden solle. Redner wird mit ,Oho-" und „Schluß"-Rufcn fortwährend unterbrochen, und seine Worte werden mit großem Mißbehagen sowohl seitens des Vorstandes wie auch seitens der Versammlung ausgenommen. Darauf ergreift Dr. May das Wort. Er geißelt in scharfen Worten die Ausführungen Breuers, die nichts - anderes als Zerreißung kennen und erstreben; es habe noch andere große Männer im Judentum außer Hirsch gegeben, die alle Frieden, Versöhnung und Einigung erstrebten. Redner findet es sonderbar, daß die - Agudoh, die angibt, eine Einigung zu erstreben, bisher - die hiesigen Rabbinen der Orthodoxen der anderen' Gemeinde ausgeschaltet hat, er fordert die Versammlung dringend auf, nicht der Agudoh beizutreten, solange die Rabbinen der hiesigen Konservativen nicht in ihr vertreten sind. Nach den beiden Rednern befindet sich die Bersamnilung in großer Aufregung. Erst als der Vorsitzende die Erklärung abgab, daß Dr. Breuer nur für seine eigene Person sprach und der Vorstand seine Anschauungen nicht teile, erst dann zieht wiederum Ruhe in die Versammlung ein. Der Vorsitzende wiederholte seine Worte, die er bei der Erösfnung der Versammlung sagte, die dahingingen, daß die Agudoh niemanden, weher, die Alliance noch die Zionisten, zn bekämpfen beabsichtigt, sondern lediglich positiv auf ihre Art arbeiten lvill, und daß ihr jeder Jehudi willkommen ist. Es sprachen u. a. noch L. Perlmuttex, Oppenheimer, Levigard, Wolfs, Louis Kahn, alle für die Agudah. Zum Schluß ergreift der Referent des Wends das . Wort. Mit flannnenden Worten, die aus dem Herzen kamen und zunr Herzen gingen, geißelt er die Unversöhnlichkeit und mahnt, .den alten Streit zu begraben. Er führt sich indirekt als Beispiel an, der trotz seiner Separations-Anschauungen ein Weg zur Einigung gefunden . hat. Divergierende Anschauungen waren in der Judenheit stets, und sie standen allezeit im Frieden nebeneinander. Warum sollte das jetzt nicht möglich sein? Diese Worte machten tiefen Eindruck auf die An-- wesenden. Doch glaube,: wir nicht fehlzugehen, wenn wir behaupten, daß solange nicht mindestens einer der geistigen Führer der anderen hiesigen gesetzestreuen Richtung — Dr. Nobel, Dr. Horovitz oder Jakob S. Posen, einer der größten Lomdim Deutschlands — in der Leitung der Agudoh ' vertreten ist, die Agudoh nicht Fuß fassen kann. Will die Agudoh sich ansbreiten, so muß sie unbedingt z u n ä ch st e i n e E i n i g u n g in Fr an kfurt, dem Sitz der Leitung, zustande bringen. Die Agudoh kann schwerlich Vertrauen Julius Öbernzenner Zoll 73-79. Gegründet 1878 Frankfurt a. M. Fortsetzung Saison-Rflumunss- Enorm billige Sonderangebote aussergewöhnliche Vorteile. I Grosse Posten KONFEKTION für Damen und Kinder weit unter Preis. 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