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Neue jüdische Presse · 1912-05-24 · Heft 20 (24.5.1912) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 20 (24.5.1912)
Date
1912-05-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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ftii ik 20 Frankfurter Berichte. Frankfurter Zionistische Vereinigung. — Die Generalversammlung wählte die bisherigen Borstandsmitglieder — S a l y Geis, I. L. G o i t e i n, S. H. G o l d m a n n, A. L e w i s o h n, Martin L e v i - gard, Rechtsanwalt Dr. Schwarzschild, Fritz Sond Heini er und Max Wolfs — wieder und für Rechtsanwalt Dr. Kowalski Vorsitzenden für das neue Geis gewählt. A. Tachancr neu. Zum Geschäftsjahr wurde S a l y Eine hochachtbare, weithin bekannte und geschätzte Frau ist unter großer Beteiligung zu Grabe getragen worden: Frau Toni Carlebach, Tochter von Rahel und Einanuel Schwarzschild. Frau Carlebach wurde nur 49 Jahre alt; starb nach kurzem, schweren Leiden. Ihre Verdienste schilderten am Grabe Rabbiner Dr. Breuer- Frankfurt und Seminardirektor Rabbiner Dr. Carlebach-Cöln. Im Hanse sprach noch Rabbiner Dr. Roseil ak-Bremen. Alle Redner hoben in bewegten, herzlichen Worten die außerordentlichen Verdienste der Entschlafenen hervor und' rühmten ihre seltenen Tugenden als treuliebende Gattin, als sorgsame, gute Mutter, .als Esches Chajil in des Wortes schönster Bedeutung. Frau Carlebach gehörte zu den gottbegnadeten seltenen Naturen, die immer froh und heiter und zufrieden sein können, — — selbst bei den grausamsten schmerzlichsten Heimsuchungen. Ihre frohe Natur half über alles hinweg. Dazu hätte sie ein selten braves, gutes Herz und eine offene Hand. Im Verborgenen tat sie gutes, übte echte Wohltätigkeit. . Vieles hätte sie noch wirken können zur Freude ihrer Familie, zu Nutz und Frommen der Menschheit. L. R. Den Bemühungen des hiesigen palästinensischen HülfsVereins „Lemaan Zion" ist es gelungen' in Herrn Dr. A. Ticho, z. Zt. Assistent an der Klinik des Herrn Professor Dr. Bergmeister in Wien, einen Augenarzt zu gewinnen, der die Leitung der Jerusalemer Augenklinik des Vereins .in nächster Zeit übernehmen wird. Bei der so bedauerlichen Verbreitung von .Angenkrankhcitcn im heiligen Laitde, die nur zu oft zur Erblindung arbeitsfähiger Leute "und damit zum Ruin ganzer Familien führe», kann die Entsendung eines Spezialisten, dem der beste Ruf vorausgeht, nicht freudig genug begriißt >»erden. Aus der zionistischen Bewegung. Darmstadt. Zu einer äußerst interessanten Debatte über den Zionismus gestaltete sich die Bersammlnng bvm 20. Mai, in der Herr Parteisekretär K u r t Rosenbaum über „Die Gegenwart der Juden" referierte. Veranlaßt durch die Erregung, die der Sombartvortrag auch hier ausgelöst hatte, war ein großer Teil der liberalen Lvgenkrcisc erschienen, die sonst sich niemals zu zionistischen Versammlnngcn cinfinden. Nach dein mit Beifall aufgcnommenen Vortrag des Herrn. Rosenbaum in dein er ein Bild von der gegenwärtigen Lage der Juden entwarf, und den Nachweis führte, daß das Judenproblem in der ganzen Welt in seinem Wesen dasselbe sei und demzufolge nur eine Lösung finden köiine im Zionismus, ergriff als erster Diskussionsredner Herr Prof. Dr. I. G o l d st e i n das Wort. In äußerst interessanter, rhetorisch, glänzender Weise suchte. der bekannte Redner den Zionisinns zu widerlegen. Die Judenfrage sei in Westeuropa total verschieden von der' in Osteuropa. Der deutsche Jude sei durch Aufnahme der deutschen Kultur deutsch-national geworden, da eine Nation nicht durch Rassenmomente, sondern durch eine Summe gleicher »euerer Erlebnisse gebildet wird. Die Assimilation sei notwendig, da man die Juden nicht n;ehr ins Ghetto zurückführe» könne, und der europäische Jude die europäische Kultur aufnehmen müsse. Der Zionismus sei unjüdisch, weil er die Religion ausgebe; 'das Wesen des Judentums aber sei die Religion. Ihm erwiderte in gleich vorzüglicher Weise Herr Nachum Goldman n. Er ging Argument für Argument des Vorredners durch und widerlegte sie schlagend. Die Judenfrage ist überall gleich,, weil ihr. Wesen überall das ist, daß eine jüdische nationale Minorität innerhalb fremder nationaler Majoritäten lebte. Der Unterschied zwischen dem Problem der westeuropäischen und dem der Ostjuden sei. nur zeitlicher Natur. Vor 100 Jahren war das deutsche Judentum in derselben Lage, in der sich das russische heute befindet. Die Definition der Nation durch Herrn Prof. G o l d st e i n führte praktisch angewandt, dazu, daß man die Nationen nicht nach Deutschen, Franzoseil gliedern sollte, sondern nach den kulturellen Niveaus der einzelnen Schichten. Die Aneignung der europäischen Kultur will der Zionismus auch. Doch verlangt er dabei die Wahrung der eigenen nationalen Eigenart. Die liberalen Inden haben nicht das Recht, den Zionismus vom Standpunkte der Religion zu bekämpfen, da sie ja dieselbe aufgegcben haben. Monotheismus und Ethik der Propheten, worin sich ihre Religion erschöpft, sind heute Gemeingut aller Menschen, nicht spezifisch Jüdisches inehr. Versteht man aber unter Religiösem, wie Prof. Goldsteiu, ethische Begeisterung, Hingabe an eine Idee, dann ist der Zionismus die religiöseste Partei im Judentum. Auf die Rede, die mit stiirmischem _ Beifall ausgenommen wurde, erwiderte wieder Prof. Goldstein. In seiner Rede, in der er erklärte, für den deutschen Juden sei Zion nur „eine Erinnerung, aber keine Hoffnung", war das Wesentlichste das Zugeständnis, daß das Judenproblem im Osten ein nationales sei, im Westen aber nicht. Von diesem Zugeständnis ging Herr N. G o l d - mann in der nun folgenden Erwiderung ans. Die Lage der deutschen Juden sei ja bei der Emanzipation dieselbe gewesen^ wie die heutige der russischen Juden. Also sei vor 100 Jahren das Problenr der deutschen Juden auch ein nationales gewesen, die Juden mithin eine Nation, Durch Emanzipationsedikt eines Ministers also sind über Nacht die Juden von einer Nation zu einer Religionsgemeinschaft geworden. Das Haltlose dieser Behauptung ergibt sich von selbst. Ferner aber: Wenn die Juden bis zur Emanzipation national ivaren und es heute nicht mehr sind, so gibt Herr Prof. Goldstein zu, daß die Juden durch die Aneignung der deutschen Kultur ihr Nationales ausgegeben, mithin sich assimiliert haben. Auf diese logisch schlagende Argumentation erwiderte Herr Prof. Go loste in durch längere Ausführungen über den Begriff der nationalen Eigenart und suchte dann die Propheten als diejenigen, die das Nationaleim Judentum gesprengt haben, für sich als Kronzeugen anzuführen. Wieder erwiderte Herr Goldmann treffend, indem er an schlagenden Beispielen die nationale Basis des Prophetismus nachwies. Die großen Gedanken der Propheten hat der Zionismus auch. Auch er glaubt an die ethische Ausgabe Israels. Diese aber läßt sich nur erfüllen, wenn es normal auf eigenem Boden lebt. Nach einem Schlußwort des Herrn Rosen bäum schloß die im höchsten Maße anregende und geistvoll verlaufene Debatte, die durchwegs aus hohem Niveau stand und ans glle Teilnehmer einen tiefen, bleibenden Eindruck machte. Solche hochstehende Diskussionen und solche geistvolle Diskussionsredner wären auch für andere Städte zu wünschen. Sie sind das beste Mittels Klarheit über den Zionismus zu verbreiten. ' Aus der Lehrerwett. Berlin. Die Lehranstalt für die Wissen», schuft des Judentums versendet soeben ihren 30. Bericht. Die Zahl der ordentlichen Hörer betrug im Sommersemester 1911: 42, im Wintersemester 48. Das Hauptvermögen der Anstalt ist auf 794 937 an gewachsen. Daneben ist die Lehranstalt Eigentümerin der - Moses Mendelssohn-Stiftung und des Gustav Oppert'schen Nachlasses.• - Taschentücher empfehle» in grosser Auswahl and allen Preislagen F. C. Strubberg & Co. 25 Nene Mainzerstrasse 25. Kunst und Literatur. Arnold Beer. Das Schicksal eines Inden. Roman von Max Brod. 176 Seiten. 3 Mk., geb.. 4 Mk. Berlin/Charlottenburg, Axel Jancker Verlag. „Ich habe es nirgends unternommen, den Typus des Juden oder der Jüdin zu schildern, weil ich einen 1^» Bekanntmachung. zitm 1. jtUgUff wird das Original ^2 Pfund-Paket des neuen selbsttätigen Wasch- und Bleichmittels -ws „Sei xein“ -tcd anstatt zu 35 Psg. MM DopMgSPpeiS von 23 ifffjabgegeben, damit sich die w. Hausfrauen auf billige Weise von der Gute desselben überzeugen können. "ittD „Sei tritt“ wäscht vollkommen selbsttätig, ohne Zusatz von Seife und Soda und macht die Wäsche blntenweiß! garantiert ttnfchSdkich! Erhältlich in den einschlägigen Geschäften, wo nicht, wende man sich an I. Michek ^enerat^ertrie% ^xanlUntl a. M. Auch General-Vertrieb der ifrs Königin von Saba-Seife: Doppelstück 30 Psg. 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Gesucht auf sofort oder später für eine größere Anstalt (45 Personen) nach Frankfurt a. M. eine tüchtige, erfahrene, religiöse Wirtschafterin. Dieselbe muß gut kochen können und die Küche und Nebenräume in tadelloser Ordnung erhalten. Gleichzeitig wird die Beaufsichtigung über dasHauspersonal verlangt. Erwünscht nur Meldungen, die bereits im größeren Betrieb tätig gewesen, mit Gehaltsansprüchen und Zeugnissen unt. 1237 an die Exp. d. Bl. ln streng rel. Hanse gut möbl. Zimmer mit oder ohne Kost abzageben. Off. u. 1228 a. d. Exp. d. Bl. Stütze in kleinen rituellen Haushalt (ältere Dame u Sohnin nächster Nähe von Gießen gesucht. Dienst Mädchen vorhanden. Bild, Zeugn. und Gehaltsanspr. unter M. 4660 an die Expedition d. Bl. erbeten. Gesucht junges Mädchen, das mit Kindern umzugehen versteht und das KaschruS in der Küche überwachen kan». Photogr, Zeugn. undGehaltsänsprüche erbet, unter 1286k an die Exped. d. Blattes. Gesucht für sofort: bei Hemmendinger, Metzgermeister, Mülhausen i. 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