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Neue jüdische Presse · 1912-05-03 · Heft 17 (3.5.1912) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 17 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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An die Vorstände der dem Deutsch- Jsraelit. Gemeinde-Bund angehörenden kleinen «nd mittleren Gemeinden. Der Delegiertentag ist ans den 16. Mai a. er. einbcrufen. An diesem Tag soll darüber entschieden werden, ob die freiheitliche, durch 40 Jahre bewährte Fassung des Bundes erhalten bleibe» oder aber durch eine zrrr Autokratie des Ausschusses führende neue Satzung ersetzt rverden soll. Vergebens versucht der Ausschuß durchs Rundschreiben und Zeitungsartikel über den wahren Charakter seiner Aenderungsvorschläge hinwegzutäuschen, es . handelt sich für. ihn und., seine Freunde-, um eine nackte Machtfrage. Nicht.mehr sollen!die kleinen und, mittleren Gemeinden in der 'Lage sein, eineWorlüge des Ausschusses abzulehnen, wie es im Fahre 1909 mit dem Entwurf zur Zwangsorganisation der preußischen Juden heit der Fall war. Daß dies das wahre Motiv für das Vorgehen des Ausschusses ist, haben wir bereits in unseren früheren Rundschreiben dargelegt, wir können uns daher auf eine kurze Wiederholung beschränken. Der Ausschuß beantragt: a) Vermehrung der Stimmen der Groß gemein den. Ber l in soll erholten statt 5 Stimmen, 50 Stimmen Frankfurt a. M. 5 „ 27 Hamburg „ 5 ,24 Breslau „ „ 5 „ 22 „ u. s. f. Insgesamt sollen 11 Großgemeinden über 200 Stimmen erhalten, weil sie angeblich nicht den Einfluß haben, der ihnen nach demokratischen Prinzipien zukommt. - .Verschwiegen wird, daß sie in den provinziellen Verbänden die unbestrittene Führung haben, dort.'also schon eine» dominierenden Einfluß besitzen. Es wird ferner verschwiegen, daß eine Stimmenvermehrung bei den Großgemeindew nM best Einfluß der Gemeinde- Mitglieder, die den Vorwand dafür abgeben müssen, verstärken würden, sondern lediglich die Macht des jetveiligen Vorstandes. Ein glänzendes Beispiel dafür bietet Berlin, dessen 140000 jüdisch: Seelen .stets als Motiv für die Not- Ivendigkeit einer Aenderung des Stimmrechtes in das Feld geführt werden.; Wer bestimmt heute die Vertretung der Großgemeinde Berlin auf den Telegiertentagen? Das ge- S weder durch die 55 Gemeinden, die Berlin «nge- :t sind, noch>durch.die 140000 Gemeindemit-; glieder. Die Vertretung bestimmen die 7 Mitglieder des Vorstandes, unter denen sich nich t e in Vertreter der religi ö skon ser v ativen Richtung befindet. Die Annahme des Antrages würde für Berlin nur bewirken, daß diese. 7 Herren künftig statt-über 5 Stimmen über 50 Stimmen verfügen. Und das alles wirb.gefordert im Rainen des demokratischen Prinzips! Ganz das gleiche.gilt für Breslau, Cöln, Frankfurt-«. M. usw. Bei den Verhandlungen über diesen Punkt wurde auf unserer Seite betont, daß Nur einer mäßigen Vennehrung her Stimmenzahl der Großgemeinden zusammen könnten, wenn dafür!die den Gemeinden zusteheiwen Stimmen nicht wie heute von einem Delegierten abgegeben würden, sondern mehreren Delegierten, gemäß den in den Gemeinden vorhandenen Richtungen, zugeteilt würden. Diese gerechte Forderung wurde von den sich liberal nennenden Herren niedergestimmt. Gehen die. Vorschlägedes Ausschusses durch, so wird sich das Stimmrecht folgendermaßen gestalten: Großgemeinden ^206^Stimmen Provinzialverbände 100 „ Ausschußmitglieder 45 - „ ■ ' zusammen 351 Stimmen. Auf dem Papier verbleibt den kleinen und mittleren Gemeinden ja auch dann, noch die Mehrheit, aber ein Blick auf die ^Präsenzlisten der Tagungen in 1909 und 1911 — der meist besuchten seit Bestehen des Bundes —. zeigt, daß die Zahl von 700 Mandate» nicht erheblich überschritten wird. Hiernach wird also künftig dem Ausschüsse mit seinen 350 Stimmen auch auf stark besuchten .Tagungen die Mehrheit von vornherein gesichert sein. d) Passives. Wahlrecht. Frei und unbeschränkt kann heute jede Gemeinde über ihr Mandat verfügen; siekann ihren eigenen Delegierten entsenden, sie kann das Mandat einem früheren nach der Großstadt verzogenen Mitgliede übertragen, sie kann es jedem Mitglied einer Bundesgemeinde übertragen, das ihr Gewähr für die richtige Ausübung des Mandates zu bieten scheint. Dem soll nun ein Ende bereitet werden. Zu diesem Zwecke führt man die turbulenten Szenen ins Feld, die sich auf dem letzten Gemeindetage angeblich ereignet haben; in Wirllichkeit ist nichts anderes vorgekommen, als - es auch bei, anderen Tagungen der Fall ist, wo widerstreitende Meinungen im Redekampfe aufeinanderprallen. Aber nehmen wir die Behauptung von den turbulenten Szenen einen Augenblick als richtig an. Sind nicht im deutschen Parlament, im preußischen Abgeordnetenhaus, in den süddeutschen Vorkammern weit heftigere Szenen vorgekommen, ohne daß es einem Menschen eingefallen wäre, deshalb eine Aenderung des Wahlrechtes zu verlangen? Die einfache Ueberlegung ergibt, daß jenes Märchen nur ein Mäntelchen abgeben soll, um den wahren Zweck: Ausdehnung der Macht des Ausschusses zu verdecken. e) Wahlrecht der Äusschußmitglieder- H ' e , . un d Die legierten. / Währevd der Ausschuß die Befugnisse der Gemeinden ei n z n schrä n ken sucht, ist er gleichzeitig darmif bedacht, seine eigenen zn vermehren: Mitglieder des Ausschnsses sollen ohne weiteres von allen Gemeinden wählbar sein. Fermer wählbar sind Delegierte, die der Arlsschuß aus eigener Macht in beliebiger An-- zahl ernennen kann. Ter Antrag Apfel, der zuerst abgelehnt wurde, jetzt aber wiedsc von dem Ausschuß cingeführt wurde, kann die Beschränkung der Gementden nicht beseitigen. Bei einer Besprechung, die einige Mitglieder unseres Komitees mit Herren des Ausschusses hatten, wurde auf unserer Seite eine Aenderung des Antrages dlpsel vorgeschlagc», der folgenden Wortlaut haben sollte: - 'ur „Vertreter zum Gemeindetage müssen euttveder Mitglied 'der sie entsendenden Gemeinde sein oder innerhalb derselben Provinz wie die entsendende Gemeinde ihr Domizil hab'en oder gehabt haben oder endlich mindestens. 3 Jahre, persönliches Mitglied des D.-J, G.-B. sein. Bis zum Jahre 1915 ruht 'die Karenzzeit hinsichtlich der Dauer der persönlichen Mitgliedschaft." Diese Erweiterung des Antrages Älpfel sand vor den klugen des Ausschusses keine Gnade. So muß der vom 'Ausschüsse; uns aufgezwungene Kamps bis zum Ende geführt werden. Zu den Verdächtigungen, gegen die wir uns zu wehren hüben,: gehört auch die Ausstreuung, unser Komitee bezwecke, den ,,Gemeindebund zn sprenge»." Nichts -liegt uns ferner. Wie unhaltbar diese aus der Luft gegriffene Behatlptung ist, ergibt schon die einfache Ueberlegung, daß wir es ja sind, die für die Erhaltung des Bestehenden ernteten. Wer sind denn eigentlich die Friedensstörer? Sind -vir es, die für die Erhaltung der bewährten, bestehenden Verfassung kämpfen, oder ist es jene kleine Gruppe, die ihren Wlllen dem ganzen Bunde aufdrücken will, obgleich die vorjährige Tagung doch zur Genüge erwiesen hat, daß für eine schrankenlose Ausdehnung der : Macht der Großgemeinden und für eine damit Hand in Hand gehende Beschränkung des Bertretungsbefugnisses der mittleren und lleinen Gemeinden die erforderliche Mehrheit auf dem Delegiertentag nicht zu finden sein wird? Die Behauptung, unser Komitee beabsichtige „den Gemeindebnnd zn sprengen" ist völlig haltlos. Ist ja zur Herstellung des Friedens nichts weiter nötig, als daß der Ausschuß daraus verzichtet, in Bezug ans Stimmrecht und passives Wahlrechtgrnndstürzende Aenderungen vorznnehmen. Denn auch wir wollen den Frieden. Allerdings nicht den Frieden um jeden Preis; nicht den Frieden unter Preisgabe dessen, was Recht und Gerechtigkeit fordern. Bereits haben Hunderte von Gemeinden uns und unseren Freunden ihreMandate zur Herstellung des Friedens anvertraut. Wir bitten daher auch Sie, uns, sofern es nicht schon geschehen ist, diesmal Ihre Vertretung zu übergeben, damit der Gemeindebund das bleibe, was er war, ein' Verband, auf dessen Tagungen neben den Großgemeinden auch die Vertreter der lleinen und mittleren Gemeinden zn Worte kommen können. Geht der Statuten-Entwurf durch, so wird auch der Versuch zn einer; Zwangsorganisation der preußischen Judenheit zn gelangen, in nächster Zeit wieder anftaucheu. Alle nach dieser Richtung hin unternommenen Beschwichtigungsversuche können darüber nicht hinwegtäuschen. Jene Zusagen, es werde das Organisationsgesetz nicht wiederkehren, sind teils» ganz unverbiudkich. teils nur für die nächste Zeit giltig, gegeben worden. Aber auch ohne Einschränkung gegeben, würden sie nur jene Persönlichkeiten verpflichten, die zur Zeit die Führung hüben, aber Personen wechseln, Satzungen bleiben und die Selbständigkeit der jüdischen Gemeinden ist ein zu hehres Gut, als daß sie dem Experiment .eines Staatskirchentums ansgesetzt werden dürste. Geben Sie daher das Mandat Ihrer Gemeinde nur entern Vertreter, der mit uns dafür eintritt, daß der „Deutsch- Israelitische Gemeinde-Bund" nicht der Autokratie des Ausschnsses unterstellt, sondern in seiner bisherigen, bewährten Form erhalten bleibe! / Das Komitee zur WahrnnL der Rechte der kleinen und mittleren Gemeinden.*) Fraukfnrler Berichte. Auf der 29. o r d e n t l. G e n e r a l v e r sa m m l u » g der Israelit. Wohlfahrtskasse (früher Ist. Sterbekasse) erstatte Max G. Adler, der Vorsitzende, den Bericht. Es wurde dem Vorstand Entlastung gewährt und sür Max G. Adler, der nach achtjähriger Führung den Vorsitz niederlegte, I. B. Levy zum Vorsitzenden und an desseit Stelle Hermann F r i e s l ä n d e r zum Schriftführer gewählt. Es sei bei dieser Gelegenheit aus das sozial segensreiche Wirken der Wohlfahrtskasse hingewiesen. Bei einem Jahresbeittage von 12 M. gewährt sie ein Sterbegeld von 500 J£ Die Israelit. Volksschule (Rektor: B- Falk) wurde in ihrem abgclaufcnen Schuljahre von 381 Kindern (188 Knaben und 193 Mädchen) besucht und beanspruchte 34 748 M. an Gehältern und 8517 M. an sonstigen Ausgaben. Da. an Schulgeldern nur 6024 JL eingingen, waren 37 241 Jt. durch Jahresbeiträge, Geschenke und. Zinsen *.) Dem Komitee gehören auch, folgende Frankfurter Herren' an: Kommerzienrat Louis Feist, Dr., phil. I. Heinemann imd Jacob Strauß. aufzubringen. Leider blieb ein Defizit von. 10179- JL, denn auch diese so notwendige und segensreich wirkende Institution leidet durch die Verminderung philanthropischer Juden mit jüdischem Interesse und durch die zunehmende Zahl jüdischer Wohlsahrtseinrichtungen. Die Jahresbeiträge betrugen 1906 noch 10045 JL, und sind heute auf 7470 Mark gefallen. Dagegen ist das Gehälterkonto von Mark 29 519 im Jahre 1909 aus 34 748 im Jahre 1911 gestiegen. Wer ner S omb ar t, der bekannte Rationalökonom der Berliner Universitär, wird im Aufttage der „Frankfurter Zion. Vereinigung" am Montag, 13. Mai im großen Saale des Kansm. Vereinshauses über das - Thema ,D;ie Zukunft der Inden" sprechen. In Berlin, Wien, München und anderen Städten hat Sombart vor. übersiilltem Saale über das gleiche . Thema gesprochen. Es wttd daher gut sein, - schon jetzt Eintrittskarten bei B. Firnberg (Schillerstr. 20) zn kaufen. Entwurf zum Haushaltsplan der israelit. Gemeinde. (l. 'April 1912 bis 31. März 1913.) Ordinarinm. Einnahme: Ausgabe: AUgem. Verwaltung -.- 38550.— Hauptsynagoge 7 600.— 48980.— Synagoge Börneplatz 24450.— 39680.— „ Königsteinerstraße ,, Bockenheim und Reli- 22100.— 40 750.— gionsschule 2100 — 13780.— Sonstige Gottesdienste 1200.— 7060.— Pensionen —.- 29200.— Philanthropin -.- 99500.— Hospttal -.- 60 500.— Beerdignngswesen Schlachtwesen und sonstige rituelle 51100.— 24 765.— Betriebe 30350 — 48720.— Rittralbad Verwaltung und Unterhaltung der 2800.- 3580.— Gemeindegebäude 4405.— 44900.— Bersicherungen -.- 4000.— Zinsen Stenern 30 640.— 212303.— 611000.— 12000.— Religionsunterricht —.- 2838a— Beträge s. atlgem. Zwecke -.- 16200.— Diverses 103.— 15060.— 787848.— 787 848.— Ertra-Ordinarinm. Neubau des Krankenhauses -.- 854000.— Anlage eines neuen Friedhofs 300000.— 1154000— Persouatte» u» Kleine MMeilrmge». Berlin. Die Israeli t. Gemeinde überwies dem „Hilfsvercin der Deutschen Juden" 5000 Jfe für die Juden in Fez. Karlsruhe. Das Friedrich-Luisen-HosPiK Solbad und Erholungsheim sür israelit. Kinder und erwachsene Mädchen in Bad Dürr he im, eine für 70 Insassen bestimmte und mit den modernsten Einrichtungen versehene Anstalt; wird Anfang August eröffnet werden. Zur Oberiu ist Schwester Dorothea Kochmann--Frankfurt a. M. berufen worden. — Die einst blühende, Jahrhunderte alte jüdische Gemeinde Ehrstädt zählt heute mir noch vier jüdische Seelen; die Synagoge soll daher verkauft werden. Thor«. D. Wolfs, Bmfitzrnder der istael. Gemeinde, feierte den 70. Geburtstag. (L ) Posen. Das Mendel'sche Ehepaar in Mogiino feierte die goldeneHochzeit. — Der Rentier David Wolfs Lippmann, der . älteste Bürger der Stadt Labischin, ist im Alttr von 98 Jahren verschieden. — In Zempelbnrg hat die Chewra Kadischa durch den Tod ihres Borsitzenden, Meyer Brückmann, einen schweren Verlust erlttten. Hatberstadt. Der Großindustrielle Aron Hirsch hat dem Generaldirektor Ballin von der Hamburg-Amerika- Linie anläßlich des „Titanic"-Unfalles mitgedttlt, daß er einen Preis von 20000 Mark fui denjenigen Ingenieur aussetze, der ein Rettungsboot konstruiert; das im Notfälle sofort und praktisch. zu verwenden ist. Budapest. Dr. Mür. Szilägyi, gewesener Borsteher der Bülaßagyarmater Gemeinde, ist in den Adelsstand erhoben worden. — Franz Kleinberger, Kunsthändler in Paris, hat den Franz Josefsorden erhalten. London. Die aus Staatskosten erbaute Milttärsynagoge in Aldershott, dem Hauptlageik der Armee, ist dieser Tage eingeweiht worden. ■ Warschau. Infolge des Bündnisses der Ortho» - boxen mit den Assimilunten bei den Wahlen in die Leitung unserer 360 000 Seelen zählende« jüdischen Gemeinde sind die zionistische« Kandidaten unterlegen. So wttd denn die größte, jüdist^ Gemeinde Rußlands auch weiterhin von Elementen gelesiet werden, die zum Teil nur eine Beziehung zum Jude«, tum haben — den jüdischen AntisemitrsmuL Immerhin haben die'" Zionisten eine stattliche Anzahl von Stimmen ausaebracht. Mailand. Dr. Gino Modigliani stiftet« 100000 Lire zur Herstelürng einer Natiannlans» gäbe sämtlicher Werke von Leonardo da Binei. Jerusalem. Das Beth^Haam lBoWbiUinnMeunt veranstaltete zn Ehren des Herrn Tr. Bodenheimer; Vorsitzenden des Indischen Nationalp»nds,unbd«S $•* 4785

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