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Neue jüdische Presse · 1912-03-22 · Heft 12 (22.3.1912) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 12 (22.3.1912)
Date
1912-03-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12. meist in ihr neues Arbeitsgebiet rasch eingelebt. Bon den Frauen finden manche in der Hanswirtschaft der Kolonisten Beschäftigung. Tie Jemeniten fühlen sich hier sehr wohl. . In T a g a n j a h kamen vor kurzem 60 I e in e n i t c n an. 30 von ihnen wurden vorläufig ans der Farm Kinereth der Palestine Land Development Company nutergcbracht, während die übrigen in Daganjah blieben und sich größtenteils als Hilfsarbeiter in ' der Landwirtschaft nützlich machen. G fenilMon. © AMa. Hiftor l s ch e Erzählung von Friedrich Rott. «Fortsetzung!. Sie brachte in der Tat noch drei Münzen in das Säckchen, mehr gingen nicht hinein. Tie atmete tief auf. „Wenn Du Dir jetzt meine haare abschneiden willst, ich bin bereit." „Willst Du nicht zuvor Tein Geld in Sicherheit bringen? Ich würde cs in das andere Zimmer geben." Rahel befolgte seinen Rat. Als sie zurückkayi, hatte er bereits eine Schere in der Hand. „Setze Dich, liebe Jungfrau, und sei ohne Sorgen, ich lwiederholc Dir, ich werde wohl eine große Schönheit von Dir nehmen, aber Du wirst dadurch nicht weniger schön sein." Sic erlviderte nichts, aber sie atmete schwer, und bange Seufzer entrangen sich ihrer Brust, ivährend der Händler kunstgerecht die ivunderschönen Haare abschnitt, nicht vollständig, sondern genau so, wie er es versprochen hatte. Nachdem er alle Haare gleichmäßig abgeschnitten hatte, befeuchtete er ihre kurzen Haare mit frischem Wasser und fuhr dann mit einem glatten Holzkamm in einer Weise durch die haare, daß sie zurück auf das Haupt fielen und in glänzend schwarzen Ringeln das liebliche Antlitz umrahmten. Dann zog er einen kleinen Mctallspiegcl hervor und hielt ihn ihr vor die Augen. „Ucberzeuge Dich, daß ich Dir nichts Böses getan habe und behalte den Spiegel zum Andcukcu." Damit raffte er die erworbenen Zöpfe zusammen und verließ eilig das Häuschen, denn er wäre der alten Frau bei ihrer Heimkehr ungern begegnet. Inzwischen betrachtete Rahel mit geteilten Empfindungen ihr holdes Bild in dem kleinen Spiegel. Sic mißfiel sich durchaus nicht in ihrer neuen Haartracht und war überglücklich bei dem Gedanken an das volle Säckchen mit den Silbermünzen. 'Aber was würden die Leute sagen, ihre Freunde und Bekannten, daß Kalba Sabuas Tochter sich das Haar für Geld hatte abschneiden lassen? — Aber würde es denn ein Geheimnis bleiben, daß ihr Bater sic verstoßen hatte? — Sic war doch geradezu gezwungen, es den Leuten mitzuteilen, da sie Arbeit suchen muhte, um sich ihr Brot verdienen zu können. Es währte nicht lange, so kam Frau Bclc mit einem ziemlich kleinen Packen, den sie auf den Tisch legte. „Das ist alles. Dein Bater hat geschimpft und geflucht, daß ich das ungeratene Kind, das er aus dem Hause gejagt hat, in mein Halls gcnominen habe, und als ich ihn um Deine Sachen gebeten habe und um Dein Bett, da hat er geschrieen, um solche Sachen kümmere er sich nicht, ich soll zu seiner Frau gehen." „Aber das hast Du doch nicht getan!" rief Rahel erglühend. „Natürlich bin ich zu ihr gegangen, denn ich hätte Dir doch zu gern Deine Sachen gebracht unD Dein Bett — denn, leider Gottes, ich kann Dir keines geben." „Aber das macht doch nichts; ein Lager auf Stroh ist auch gut." „Gut, das; Du so denkst! Das Weib gibt ja nichts her. Das Bett braucht sie, hat sie gesagt, und Deine Sachen hättest Tu Dir schon selber genommen, nur etliche Kleinigkeiten bringe ich da noch. Aber; Rahel, mein Kind!" rief sie plötzlich, stailnend das junge Mädchen betrachtend, „ivie hast Du Dich so - schön gemacht!" „Gefalle ich Dir?" fragte Rahel lächelnd. „Na, und ob! noch größer schaust Du aus und . so fein, so nobel — —Aber plötzlich schrie sie laut auf: „Gott! wo sind 2«'^ Zöpfe?" „Das will ich Dir zeigen," versetzte Rahel, indem sic in das Nebenzimmer eilte und gleich dar- Frankfurter Israelitisches Familienblatt. ans mit dem Säckchen mit Silbermünzen zurückkam, die sie auf die Tischplatte ausschüttcte. „Ta sind meine Zöpfe," sagte sie lachend und berichtete in wenigen Worten von dem abgeschlossenen Handel. Staunend schüttelte die Alte den Kopf. „Kino, Kind, wie bist Du so brav! Dir wird» noch 'mal gut gehen, darauf kannst Tu Dich verlassen." „Es geht mir schon gut," enviderte Rahel mit glücklichem Lächeln, „bin ich doch bei meiner lieben, guten Muhme, -- mit schau Dir nur das viele Geld an, Muhme Bele, es ist ja noch viel mehr, als ich ihm sonst habe schicken können, denn sonst habe ich doch das Säckchen immer zugebuiiden. Aber heute, ich. weiß selber nicht, wie es mir gerade eingefallen ist, aber ich habe gesagt, das Säckchen muß so voll sein, daß keine einzige Münze mehr hineingeht." „Schade ist es doch um die prächtigen Zöpfe." „Ach, laß doch, was ist's darum schade? — Wie gut werde ich schlafen, iveun's auch auf Stroh ist, wenn ich mir denke, daß Du morgen, das Geld Akiba bringen wirst, und oaß er dann noch weniger Zeit für seinen Unterhalt wird arbeiten müssen." „Wenn es Dir lieber wäre, könnte ich'ö ihm noch heute hintrageu." „Das möchtest Tu» Du gute, liebe Muhme? — Bist Du denn nicht müde?" „Ich lverde mich jetzt ansruhen, und wenn'» Nacht ist, gehe ich zu Akiba, denn mir scheint, die Welt redet über das, was Dein Bater Dir getan hat, und wer kann ivissen, lvas die Milka noch dazulügcn wird. — Da werde ich lieber gleich Akiba unterrichten." „Aber nur das von Milka und dem Gärtnerburschen nicht! — Ich bitte Dich, Muhme Bele, das nicht! — Ich habe ja doch nichts gesehen — —" „Sorge nicht, Kind, was Tn nicht willst, das erzähle ich nicht. Aber wenn Du, wie Du sagst, nichts gesehen hättest, so wärst Du heute nicht hier bei mir, und wir wären noch lange nicht so weit." „Wir wären noch lange nicht so iveit?" wiederholte Rahel, die alte Frau verständnislos ansehcnd, „was nullst Du damit sagen, Muhme?" „Nichts, Kind, gar nichts, das Wort ist mir nur so aus dem Munde gesprungen. —- Aber nun geh zum Nachbar, ich habe schon mit ihm geredet, er hat reines Stroh und wird Dir geben, was Du brauchst. Und mir scheint, sein Weib will etwas von Dir, sic hat gesagt, sie wäre froh, ivenn Du ihr helfen möchtest."' Die Alte nickte ihr liebevoll zu, ein eigentümliches Lächeln zuckte wiederholt um ihre welken Lippen, während sie dem jungen Mädchen zusah, das rüstig aus- und cinging, Stroh vom Nachbar in das anstoßende Zimmer trug, >vo sie in der Nacht zu schlafen gedachte, dann die Sachen ordnete und alle Geräte in den Zimmern säuberte und in Ordnung stellte, svdaß die ärmlichen Räume sehr bald ein ganz anderes 'Aussehen bekamen. „Du verstehst's," lobte Frau Bele, „die Nachbarin wird ihre Freude an Dir haben. Doch nun ivird's bald Zeit, daß ich mich auf den Weg zu Akiba mache. Du mußt etliche Münzen aus dem Säckchen herausnehmen, daß man cs znbinden kann, daß keine herausfällt. Das wäre Sünde." Rahel entsprach der Weisung und übergab der Greisin dann das geschlossene Säckchen. „Gehe in Frieden, Du liebe, gute Muhme, und habe Tank für Deine Mühe." „Soll ich Akiba von Dir 'was sagen?" Rahel schüttelte vernienend das Köpfchen, indem eine Blntivelle ihr Antlitz höher färbte. „Brauchst ihm nichts dabei zu sagen," flüsterte sie lächelnd, „er weiß schon alles, was ich ihm sagen lassen möchte." „Das werde ich ihm sagen," versetzte Frau Bele, gleichfalls lächelnd; dann verlies; sic das Häuschen. Rahel hatte sie bis vor die Haustüre begleitet, und ivährend sie ihr nachschaute, vergegenwärtigte sie sich, wie die treue Alte dem Geliebten ihres Herzens das Säckchen mit den Silbermünzen übergeben würde, oa begann ihr Herz zu klopfen, so rasch, so laut, so überlaut, daß ihr ivar, als müßten die 'Nachbarn im Nebenhaus es hören können. Hastig zog sie sich zurück in das Innere des Hauses, aber ihre Gedanken begleiteten ihre Muhme auf Schritt und Tritt. — Jetzt würde sie seine Wohnung gleich erreicht haben; ob er daheim sein würde oder ob sie auf ihn warten wüsse? — Sie hätte sie beneiden mögen, daß sic ihn nun sehen würde, den herrlichen, hochgewachsenen Mann, und sein liebes, schönes, geistvolles Antlitz würde schauen können. Wann würde ihr dieses lange und heißersehnte Glück Seite 5 zuteil werde»? O, wie sie sich danach sehnte! Sie barg das glühende Antlitz in ven Händen, als wolte sie die Glut desselben vor feemden Augen, vorbei gen, und sie war doch allein. — Sie mußte über sich selbst lächeln. ' Doch jetzt vernahm sie Stimmen vor dem Hause; sollte die Muhme schon heimgekehrt sein? — Richtig, sie war'S, sie sprach mit der Nachbarin. Wie hatte die gute, alte Frau sich beeilt, den weiten Weg zurnckzntegen! - Aber wenn nur die Nachbarin sich schon entfernen würde! — Sie hätte sich so gern erzählen lassen, wie sic Akiba getroffen, was - sie mit ihm gesprochen hatte.; Endtick, endlich hörte sie, wie die beiden Frauen einander gute 'Nacht wünschten, gleich darauf drehte sich die Haustür in den Angeln, Frau Bele trat ein. - Rahel öffnete rasch das Zimmer, sie hatte bereüs; ein Octlämpchcn augezüntet, das mit flackerndem, doch sreundtichem Schein das dürftige Stübchen mäßig erhellte. Rahel blickte der Heimgekommenen erwartungsvoll ins Gesicht. Frau Bele lächelte ihr liebevoll zu» . sagte jedoch nichts. Rahel wechselte wiederholt die Farbe, : sic ertrug das Schweigen nicht länger. c „Ich bin Dir so vielen Dank schuldig, Muhme Bele, unk ivie Tu Dich beeilt hast, wie rasch Du den;; weilen Weg hin und her znrückgelcgt hast." „Ich bin nicht in seiner Wohnung gewesen, halbwegs habe ich ihn getroffen, er hat noch ins Lehrhaus; gehen wollen.". „lindda hast Du ihm das Säckchen gegeben'? — Und was hast Du ihm gesagt? Was hat ec darauf, ge- A sagt?" fragte das junge Mädchen hastig. Tie Alle antwortete nicht sogleich; mit seltsamem 'Ausdruck ruhte ihr Blick ans dem Gesicht des jungen Mädchens, in dem Verlegenheit und war- : tende Erregung miteinander rangen. „Was hat er darauf gesagt?" wiederholte Rahel. „Gesagt hat er gar nichts, — die Tränen stürzten ihm aus den Augen, er machte kehrt, und anstatt ins Lehrhaus, rannte er davon, — ich weiß nicht tvohin." Rahel war glühend rot geworden, auch in ihren Augen glänzten Tränen, aber ihre Lippen umspielte ein glückliches Lächeln. Sie schlang die Arme um die alte Frau. „Dank Dir, Du liebe, gute Michme, und schlafe wohl und gesund." (Fortsetzung folgt).__ fIBTIK 1«. »IM Mt fc ümteft s Ur I I IT EckeNvuaHainzerstr.u.Weissfraueostr.tL Elektr. Kleinbeleuchtung. Taschenlampen. Schlafzimmer-Einrichtungen Betteniahrikation, Bett-W äsche. Georg Amendt, Nachf. 'Bleidenstrasse 10. Woche«-Kale«Ser. «Zeitangaben nach dem Loacb.) Samstag, den 23. März (=5 Nissan»: Sabbat-Anfang in Frankfurt o. SR. 6 Uhr 10 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 30 Min. in Berlin 7 Uhr 05 Min. Wochenabschnitt: Wajikro. — Die verschiedenen Arten von Opfern imd die Vorschriften für dieselben. ' Es gab freiwillige und Pflichtopfer, Gemeinde- und private Opfer, je nach dem Opfergegenstande, Tier- und Mvhlopfer (Speiseopfer), auch Wein- und Gußopser. -Als s Opfertiere sind Rinder, Stiere, Kalb, Ziege uni» Tauben genannt. Tie Mehlopser konnten gebacken und ~ in verschiedener Zubereitung gebracht werden oder auch als » reines Mehl. Das Sprengen des Opferblutes gegen den Altar war Hauptsache, nickt das Schlachten. Mmiche Opfer wurden ganz ans dem Altarfcuer verbrannt, von andern wurden verschiedene Teile von den .Priestern gegessen, das übrige verbrannt. Es sind gufgezählt: Ganz- oder Emporopfer, Sündopfer, Schnldopfer, Dankopfer. Friedensopser und verschiedene Mehlopser. Auch sind die Sünden genannt, wegen derer Sühn- oder ^chnldopfer \ zu bringen war. (Eidesaussage, Veruntreuung heiligen j Guts, Entweihung des Heiligtums im -Zustande körperlicher Unreinheit usw.). Wochengottesdicnste in Frankfurt. Morgens: 6 Uhr 15 Min. (Hauptsynagoge und Synagoge Königsteiuerskraste 7 Uhr 30 Min.). 'Abends: 6 Uhr (Hauptsvnagoge -l Uhr, Synagoge Königstcinerstraße 7 Uhr). Kaiser Friedrich Quelle - Oflenbadi s. H. ' Gegen Glicht and Sheamsttemos bewährt. Alleiniger General ^Vertreter: Frladrioh Stahl, .; Frankfurt a. M., Stallbnrgstr. 9« Tel. 259 u. 714. '

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