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Neue jüdische Presse · 1912-03-22 · Heft 12 (22.3.1912) · page 17

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 12 (22.3.1912)
Date
1912-03-22
Page
– (sequence 17)
Language
German
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SM 2. „ zu Ir. 12 rfes MMsmter Kunst und Ltteralur. Jüdisches Genosseuschiaftswesen in Rußlaud von Anselm Hillmann, Doktor der Staatswissenschaften. Verlag des Bureans für Statistik der Juden, Berlin 6., An der Spandauerbrücke 15. Preis 2.— M. Die Arbeit' gibt über ein bis jetzt völlig unbearbeitetes Gebiet, nämlich das jüdische Genossenschaftswesen in Rußland, in eingehender und sachkundiger Weise Ausschluß, Der Verfasser ist sowohl mit der allgemeinen Lage der russischen Juden als insbesondere mit der behandelten Materie innig vertraut, sodaß wir ein Werk vor uns haben, welches für jeden, der sich über die Wirtschaftslage der Jlü»en in Rußland orientieren will, unentbehrlich ist. Aus dem reichen Inhalt der Schrift entnehmen wir folgende charakteristischen Einzelheiten: Der äußere Druck, der auf der Gesamtheit der Juden in Rußland lastet, die rechtlichen Beschränkungen und die besonderen wirtschaftlichen Verhältnisse, die sie von der übrigen Bevölkerung unterscheiden, haben das Zusammengehörigkeitsgefühl der Juden gefördert und die Entstehung besonderer jüdisch-wirtschaftlicher Organisationen ins Leben gerufen-. Im Laufe der Zeit haben diese, entsprechend den sich ändernden Verhältnissen, verschiedenartige Formen angenommen und sind als der Vorläufer des jüdischen Genossenschaftswesens anznsehen, wie es gegenwärtig in Rußland blüht. Am 1. Januar 1910 zählte man bereits 549 jüdische Leih- und Spargenossenschaften. Die Mitglieder derselben bestehen im Durchschnitt zu 41»/» aus Handwerkern und Kleinindustriellen, zu 36»/» aus Händlern, zu 8»/» aus Landwirten und 15°/o gehören den sonstigen Berufen an. Die durchschnittliche Mtgliederzahl der Genossenschaften beläuft sich auf 497. Charakteristisch für das jüdische Genossenschaftswesen ist der kleine Geschäftsanteil, in der Regel 10 Rubel; daher ist die Atitgliedschaft auch dem kleinen Mann zugänglich, der seine geringen Ersparnisse seiner Genossenschastskasse - anvertraut. Die jüdischen Genossenschaften verstehen es sogar, das Vertrauen der russischen Beamten und Landwirte der Umgebung zu gewinnen, die der Genossenschaft ihre Depositen anvertrauen, da die schlechten Verkehrsmittel sie hindern, die größeren Bank- Plätze aufzusuchen. Der jährliche Reingewinn kommt selten zur Verteilung. Er wird in der Regel zur Bildung und Verstärkung verschiedener Fonds bestimmt. Vorstand, und Auffichtsrat üben ihre Funktionen meistens ehrenamtlich aus. . Was die Formen des Genossenschaftswesens anlangt, so ist gegenwärttg der Konsumverein gänzlich, ausgeschlossen. Die erste Voraussetzung hierfür wäre nämlich daß große jüdische Arbeitermassen lokal organisiert werden. Die jüdischen Arbeiter haben aber zu den Großunternehmungen keinen Zutritt; sie können daher nicht massenweise organisiert werden, uut einen Stamm von Konsumenten zu bilden. Außerdem lebt ein ganz bedeutender Teil der Juden gerade vom Handel mit gebrauchsfertigen Produkten, sodaß die Konsum- Vereine viele jüdische Familien brotlos machen würden. Versuche zur Bildung von Produktionsgenossenschaften sind mehrfach gemacht worden, jedoch ohne großen Erfolg,, weil der Individualität der einzelnen Genossen zu wenig Rechnung getragen wurde. Ganz besonders möchten wir zum Schlüsse nochnrals auf den ersten Abschnitt des Buches „Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden in Rußland" Hinweisen, welcher auf Grund neuen Materials eine wertvolle Ergänzung des Heft 2 der Veröffentlichung des Bureaus für Statistik der Juden über „die soziale Läge der Juden in Rußland" bildet und damit eigentlich, über den Rahmen der durch das Thema gekennzeichneten Spezialuntersuchung hinausgeht. Gerade dieses Abschnitts wegen wird das Buch das Interesse weiterer Kreise Hervorrufen, so daß seine ' Lektüre nur empfohlen werden kann. " ii lamitienßCatfes. Mafteach Hatalmud. Talmudische Realenzyklopädie von Dr. Michael Guttmann, Professor am jüdisch - theologischen Seminar in Budchrest. Band 2. Heft 1. Das vorliegende Heft des großen Werkes ist der Beginn des 2. Bandes. Es umfaßt die Schlagworte von Adamah bis Umoth heolam. Alles, was die früheren Hefte versprochen, bietet auch dieses. Es wäre dringend zu wünschen, daß dem Werke rechte materielle Förderung zuteil würde, damit die Schaffenslust des gelehrten, arbeitsfreudigen Verfassers nicht durch Sorgen um die Finanzierung gehemmt würde. Darum sei es den Freunden talmudischer Literatur wärmstens zur Subskription empfohlen. L. : SCHMIDT & SCHIEFER' Telephon 13430. Im Trutz 38. Telephon 13430.1 Gas-, Wasser- und Hebungs-Anlagen. —Xederae , Bäder und Glosets. Reparaturen prompt bei zivilen Freisen. Inhalt des Hauptblattes. Artikel.: Die Frau im Judentum. — Brief aus f England. — Aus den Ereignissen des Tages: 1. Die Sombart» affäre; 2. Zum 30jährigen Jubiläum TfchlenowS wich Uffifchkins. — Aus aller Welt. — Feuilleton: Akiba — Wochen-Kalender — Familiennachrichten. Inhalt Ser Beilage. Artikel: Zum 13. Gemeindetag. — JüdischeJugead. — Frankfurter Berichte. — Personalien und Kleine Mitteilungen. — AuS der Lehrerwelt. — Aus den Vereinen.— Aus der zionistischen Bewegung rc. 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