Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 46 (24.11.1911)
- Date
- 1911-11-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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zu Nr. 46 des iFmnfcfutfec IsmeMMu Fumkeuklaltes. Persoualieu «. Kleine Mitteilungen. Frankfurt a. M. DasSeligmann Fuld'sche Ehepaar feierte die goldene Hochzeit. Interessant ist, daß Frau Fulds 9ll jährige Mutter noch lebt. Darmftadt. Im Großherzogtum Hessen haben die Juden in,dem Jahrfünft 1905—10 wieder abgenommen und zwar um 2,6°/». Berlin. Anläßlich der ersten Wiede»kehr des Todestages Dr. Hirsch Hildesheimers wird am 25. dss. Mts., 12i/« fthr, am Grabe des Verstorbenen (Friedhof der Gemeinde Ädaß Jisroel, Weißensee, Falkenberger Chaussee) eine Gedenkfeier veranstaltet. Zur Erinnerung ist ein Gedeukbuch erschienen, bas des Verstorbenen Lebensgang, sowie die Nachrufe, Trauerreden usw., die ihm gewidmet worden sind, enthält. Es soll zugunsten der Dr. Hirsch Hildes hei in er- Stiftung verkauft werden. Sein Mindestpreis ist auf 3 Jk festgesetzt; jeder höhere Betrag tvird die Stiftung vergrößern helfen. Stuttgart. Frau Paula Ehrenbacher erhielt von der spanischen Königin, vor der sie.sang, eine Brillant-Brosche mit Krone und Name ns zu g der Königin. (Li). Posen. Simon Rosenbeim, einer der wenigen Laien mit umfangreichem jüdischen Wissen, erlag einem Unglückssalle. Er ist 80 Jahre alt geworden. — Dem Sanitätsrat Dr. Arnold Breslauer wurde der Charakter als Geheimer »aiti< tätsrat verliehen. Budapest. Hier verschied im 92. Lebensjahre der Sektionschef a. D. im Ministerium des Innern B. Grün Wald und in N y i r e g y h a z a im. 66. Lebensjahre der verdienstvolle.Ehrenpräsident der dortigen orthodoxe» Gemeinde, M. D. gar» kacz. — ßmanuel Ehrlich erhielt das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens. — Im Monat S e p t c m b e r sind in Ungarn 54 jüdisch-christliche Ehen geschlossen worden. Zlotecki lGaliz^en». Hier verschied nach langem Leiden Rabbi Mordechai Mendel Wahrmann. Mit dem Verblichenen ist eine interessante jüdische Persönlichkeit von hervorragendem talmudischem Wissen aus dem Leben geschieden. Er stammte väterlicherseits von dem Rabbi Abraham Wahrmann aus Baczaz, bekannt unter dem Namen „Der Baczazer Rabbi" (dieser führte seinen Stammbaum bis aus den „Marschah", den großen Gaon, zurück) Der Verblichene war der Typus jener alten großen Rabbinen, wie wir sic heute nur wenig haben. Er betrieb kein Geschäft, sondern widmete sich nur dem Talmudstudimn. Für seine,» Lebensunterhalt sorgte seine gottesfürchtige Frau, die ihm aber schon lange im Dode..vorangegangen ist. Seitdem lebte er bei seiner Schwester, Obwohl er selbst arm war, / übte er. reiche Wohltätigkeit, und sobald er selbst nur einige Heller besaß, verschenkte er sie an andere. Seine mustergiltige Frömmigkeit machte ihn milde und tolerant seinen Mitmenschen gegenüber, und so war er auch in dieser Hinsicht der Typus eines wahren großen, echt jüdischen Raws. Ehre seinem Andenken. Krakau «Galizien). Nachdem vor einigen Wochen der internationale M ä d ch e n h ä n d l e r Mendel Fromer arretiert worden ist, hat man jetzt zwei kleinere Mädchenhändler — den 19jährigen Salomo Fruchtzweig und den 25jährigen. Leiser Gläser — arretiert. Solange die soziale"Lage des jüdischen Proletariats Galiziens eine so furchtbare wie jetzt ist, wird aber trotz aller/ Arretierungen der Mädchenhandel nicht verschwinden. Paris. Ernst Meyer wurde zum Staatsrat und der Großindustrielle Georges Julien Schwöb zum Kommandeur der Ehrenlegion crnännL Paris. Frankreich hat gegenwärtig drei Präfekten, .die Juden sind: A. A. Schram eck, M. Handle und M. B r i s a c. Landau. Der König ernannte Israel Alexander S y m m o n s zun, Metropolitan Police Magistrate. Es ist das erste Mal, daß ein Jude dieses Amt .erhält. Bukarest. Der Advokat Dr. Nikolaus Schartzan und der Gewerbetreibende Sack..wurden ivegen Erpressung verhaftet. Sie hatten, um von ihm Geld zu erhalten, einen jüdischen Kaufmann beschuldigt, einem christlichen Kinde Blut abgezapft zu haben. Warschau. 38 jüdische junge Leute sind hier und Z9 in Odessa z u r h e r r s ch e n d e n.R e l i g i o n übergetreten, da ihnen sonst die Aufnahme auf . die Universität verweigert worden wäre. 7 Rew-Uork. Albert und Harry Levh-Cincinnati und Frau Jacob E. Friend-Milwaukee übergaben den Bereinigten jM/ Wohltätigkeitsgesellschaften in. Cincinnati 50000^ Dollars für eine Alb ert und James Levy - Stiftnng>. — In Boston verschied 71 ,Jahre alt Max Friedmann, Schatzmeister der dortigen Bereinigten jüd. Wohltätigkeitsgesellschaften und des Baron-Hirsch-Fonds. — Dr. Simon Flexner, der Direktor des Rockefeller Instituts, für Medizin. Forschungen in New Uork, ist vom deutschen Kaiser zum Ehrenmitglied des König l. Instituts für experimentale Therapie ernannt worden. Rew-Uork. Im September kamen im hiesigen Hafen 7079 jüdische Einwanderer davon 5033 aus Rußland und 934 aus Oesterreich) an gegen 8153 im gleichen Monate des Vorjahres. Rew-Uork. In San Francisco verichi-d ein 106 jähriger Jude namens A b r a h a m Jsaacs. Er lebte in dem Glauben, daß das Rauchen das Leben verlängere — was sich ja bei ihm anscheinend bewahrheitete — und starb mit der Zigarette im Munde. — Präsident Taft wohnte in M i l w a u k e e einem Meeting des Jüdischen Franc »Vereins bei. Der Präsident sprach selber einige Worte und sagte hierbei, daß er die Juden als die loyalsten und gesetzestrcuesten Bürger und Ivegen ihrer Energie in sozialen Dingen schätze. — Nahnm Sionschz, Professor an der Pariser Unitersität.. .hält hier einen Bortrags-- zyklns über die Juden in Afrika. Cvicaao. Nach längerer K ankheit verschied — 70 Jahre alt — der bekannte Philanthrop Leon Mandel. Er war u. «..Gründer der Bereinigten Jüd. Wohltätigkeitsvereine, nach deren Muster in anderen Städten Amerikas gleiche Organisationen gebildet wurden. Aus -er Lehrerwett. Dffenbach. Mit der Frage der Schulpflicht der Kinder der hier ansässigen Auslä nd er hatte sich bereits früher der Schulvorstand und städtische Verfassungsausschuß beschäftigt und beschlossen, diese zum Besuch der Fortbildungsschule heraiizuziehen. Nach dieser Richtung ■ hin ist man auch beim Ministerium vorstellig geworden, das aber einen gegenteiligen Standpunkt eiiinimmt und sich auf die Verfassung vom Jahre 1877 beruft, wonach die Ausländer-Kinder zum Besuch der Fortbildungsschule nicht verpflichtet sind. Das Ministerium hat aber eine Aenderung dieser Bestimmungen bei der .Erledigung de» Schulgesetzes in Aussicht gestellt. -t. Mülhausen 1. Elf. B. Mach. Direktor dcr israelitischen Gewerbeschule, ist verschieden. Kryftynopol (Galizienl. Ravdiner I s a k Thum im, einer der hervorragendsten Rabbiner Galiziens, verschied im Älter von 73 Jahren. Aus der zionistischen Bewegung. Fraukfurt a. M. Am 20. d. fand eine Versammlung der Zionistischen Jugendgruppe statt, in der Oberlehrer Dachauer über „D i e hi st arischen Grundlagen der modernen Bewegungen i in I u d c n t it m" referierte. In einem umfassenden und inhaltsreichen Referate entwarf der Redner, nachdem er einleitend die Entwicklung des Judentums in der Diaspora bis zur Emanzipationszeit in großen Zügen gezeichnet hatte, ein anschauliches, scharf mnrissenes Bild von den vier modernen Bewegungen im Judentum: Auflösung, Assimilation, Orthodoxie und Nationalismus. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion, an der sich M e i r Berlin (Redakteur des „Haibri"), Fritz Selka und Nach um G o l d m a n n beteiligten. Nach einem Schlußwort des Referenten schloß in später Stunde der Vorsitzende die anregend verlaufene Versammlung. Frankfurt a- M. Der von der Zion Vereinigung veranstaltete Disknssionsabend wurde von Rechtsanwalt Dr. Schwarzschild mit einem längeren, den Gegenstand erschöpfenden Referate über die bedeutendsten Vorkommnisse dcr letzten Monate in der jüdischen Welt eingeleitet. Dem Referate schloß sich eine längere Diskussion an, die sich zum Schlüsse auch mit Bereinsanlegenheiten beschäftigte. Es sprachen u. a. Fritz Sondheimer, Redakteur Geis, N. Goldmann und Gottheimer. Luzern. Zum aüßerordentl.Delegiertentage des Schweiz. Zionisten- Verbandes hatten sich 30 Delegierte eingefunden. Der Entwurf eines neuen Statuts wurde beraten und angenommen. Ferner würde ei» Kolonisationsfonds gegründet. Vermittels dieses Fonds soll in Palästina Boden gekauft und unter Verwaltung des P. L. D. C. eine Olivenpslanznng angelegt werden, damit in Palästina eine schweizerisch-jüdische Kolonie entsteht. Erwähnenswert ist "Luch der Dv. Strauß'sche Bortrag Wer Propaganda. Er wünscht, daß daS Programm des Zionismus möglichst weit gefaßt werde, daß es auch allgemeine jüdische Fragen einbeziehe, denn der Hauptzweck sei, Abwendung der Assimilation und Rückkehr zum Judentum. — Im Anschluß an den Delegiertentag ist hier eine Ortsgruppe gegründet worden. Auch wurde dieser Tage in Basel eine jüdisch-akademische Verbindung — „Nehardea" — gegründet. AuS den Vereinen. Frankfurt a. M., 23. November. Mit einem Mär ch enab end überraschte gestern der „M in» tcfiore"-Verein seine Mitglieder, und wahrlich er hätte den Tag, an dem er vor 15 Jahren zum ersten Male an die Oesfentlichkeit trat, nicht schöner feiern können. In Lied, in Prosa und in Vertonung ward das Märchen lebendig, wob seine glitzernden Fäden und ließ leise erklingen Stimmen aus der Kindheit Tage. Und Hunderte aus dem Publikum lauschten, lauschten und träumten. Der Traum der Kindheit ward zur Wirklichkeit. Diese Atmosphäre der Illusion vermochten nur Künstler zu schaffen. So bedürfen denn die Mitwirkenden — Hedi Weil, Nelly Bamberger, Emmy Li.ndheimer, Helene Lorsch Fritz Stern, Hugo Michel, Siegfried Würzburger und Artur Holde — nicht der speziellen Kritik. Frankfurt a. M. Unter dem Vorsitze Stadtrats Stiebel fand die Generalversammlung des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen statt. Der Verein zählt 946 Mitglieder und hat 34 Schwestern und 7 Lehrschwestern unter sich. Fraukfurt a. M. Im Verein für jüd. Geschichte und Literatur sprach Rabbiner Dr. Lazarus über das Thema: „Zur Geschichte der Inden-Emanzipation". Sein Vortrag sollte den Auftakt bilden sür die bevorstehenden Jahrhundertfeiern, die den 28. 12. 1811 und den 11. 3. 1812 uns als die Tage der Verleihung des Bürgerrechtes an die Juden Frankfurts und Preußens, ins Gedächtnis rufen werden. Um darum nicht vorzugreifen, >var eint Behandlung all der Einzcltatsachen, die diese Ereignisse bedingen oder ans ihnen folgen, ausgeschlossen. Dcr Redner zeigte vielmehr, wie eng die Geschichte der Judeueinaiizipation mit der Geschichte der Einanzipationsidee überhaupt verknüpft ist, wie das biblische Judentum die Forderung der Frcmden-Emanzipation zuerst aufgestellt und durchgeführt, wie aber das Christentum mit der von ihni veranlaßten judenfeindlichcn Gesetzgebung, die Unterdrückung der Juden in religiöser, wirtschaftlicher und gesellschaftlich-sozialer Beziehung veranlaßt hat. Die Rückkehr zur Bibel und damit zur Humanitätsidee des alte» Testaments läßt den ersten Vorkämpfer für die Inden-Emanzipation in Johann Renchlin erstehen, während die auf halbem Wege dann stehen bleibende Reformationsbewegung den Juden im unwürdigen Zustand der Unfreiheit beharren läßt. Erst die Zeit der französischen Revolution — nach Nietzsche ein Sieg jüdischer Ideen — bringt den Juden Westeuropas und Amerikas den Beginn ihrer äußeren Emanzipation, die auch heute dort noch nicht in allen Stücken, geschweige denn in allen Landen beendet ist, ja im Osten Europas nicht einmal den Anfang genommen hat. Hand in Hand mit ihr geht die innere Emanzipation der Jude». — das ist die Betonung seiner. Menschenwürde oder die Befreiung von jeglichem Knechtsinn, der sich jüdischer Vergangenheit und jüdischer Gemeinschaft schämt. Und es kämpfen heute die Juden, — zuerst waren es nur Einzelne, jetzt sind es die vielgestaltigen Judenorganisationen der Gegenwart — wieder für den altjüdischen Eman-, ziipationsgedanken. Zumal, wenn sie eintreten nicht nur für ihre eigenen Menschen- und Bürgerrechte, sondern auch für die Menschenwürde aller der Juden, die eine gehässige Gesetzgebung irgendwo und irgend» wann in einem Hörigkeitsverhältnis halten will. Redner schließt mit dem Wunsche, daß die Geschichte der Jndenemanzipation, heute noch eine Ge» schichte der Gegenwart, gar bald der Vergangenheit angehören möge. Frankfurt a. M. Im „M oute fror e"- Verein sprach am 12. dss. Mts. der Nahrungsmittelchemiker Dr. Rothschild ' über Nahrungsmittel und Nahrungsmittel fälschung. Zunächst führte der Vortragende aus, welche- Aufgabe den einzelnen Nahrimgsstossen, den Ei»? weißkörperii, Fetten und Kohlehydraten im Organismus zukommt. Er betonte, daß als rationellste Kost eine sogenannte gemischte gelten muß, d. h. eine solche, die sich aus den verschiedenen Nahrungsflössen znsammensetzt, daß also eine rein vegetarische 4780