Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1911-08-11 · Heft 32 (11.8.1911) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 32 (11.8.1911)
Date
1911-08-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2692297-2692716-2692748--06367-2701358
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

letfaflß MNr. Z2 des fmnfifnctet UmMslkm famiMfaffes, Generalversammlung des Israel. Lehrerveretns für das Königreich Bayer«. Kitzingen, 7. August. Weit über 100 Kollegen hatten sich eingesunden. Der rechtskundige Bürgermeister Gr aff, rührig wie-immer, hatte nicht versäumt, in freundlicher Weise durch Beflaggung am Bahnhofe den israel. Lehrern offiziell den Willkommensgruß zu bieten. Um 9 Uhr morgens wurde die Versammlung eröffnet durch die Begrüßung des Vorstandes, G o l d stein-Heidingsfeld. Es richteten hierauf Begrüßungsworte an die Versammlung: Distriktsrabbiner Bambcrger-Würzburg als Verweser des Rabbinats Kitzingen, zugleich des entschlafenen Rabbiners I. Adler-Kitzingen gedenkend; Bürgermeister G r a f f namens der Stadt, Kultusvorstand Reis als Vertreter der Kultusgemeinde, Lehrer B a m b e r g e r als Ortskollegc. Aus der Berichterstattung vernahm man das Wachsen und Gedeihen des Vereins, der nun nahe an 200 Mitglieder zählt. Das Vcreinsvermögcn ist rund 150000 Jk Punkt 1 der Tagesordnung, Bildung einer Rcchtsschutzkommission, wurde vom Antragsteller selbst zurückgezogen, die Bildung von Bezirksvereincn, von einem Ehrenrat und Schiedsgerichten, die bei Konflikten zwischen Gemeinden, Rabbinern und Lehrern in Funktion zu treten hätten, in der seitens der Verwaltung gefaßten Form gutgeheißen. Ebenso angenommen ein Antrag Dingfe ld er-München, die Kuratorien der Präparandenschulen Höchberg, Burgpreppach und des 'Seminars in Würzbnrg zu. ersuchen, je einen Vertreter der Lehrerschaft zu kooptieren. ■ Der Jungmannschast unter den bayerischen Lehrern machten die beiden folgenden Referenten Klugmann-Höchberg nnd Ehrenreich- Forchheim alle Ehre. Ersterer verbreitete sich in klarer nnd fesselnder Sprache über des Lehrer s Fürsorge für die schulentwachsene Inge n d. Er berührte dabei die Schritte, welche der moderne Staat hier unternahm und ging dann auf die speziell jüdischen Probleme über. In Ehrenrcich - Forchheim lernte die Versaminlung einen ebenso fleißige» wie tüchtigen Sozialpolitiker kennen, der trotz seiner verhältnismäßig jungen Jahre die spröde Materie der „P r i v a tb e a m t e nv c r s i ch e r n n g" mit souveräner Klarheit überschaut und beherrscht. Behufs Stellungnahme znm Privatbeamten-Versicherungsgesetz wurde eine Kommission gebildet, in die der Referent Ehrenreich einstimmig gewählt wurde. Beim gemeinschaftlichen Mahle gab es noch einen Strauß ernster nnd heiterer Reden. Als nächster Tagcort wurde Bamberg bestimmt. M. Personalien «. Kleine Mitteilungen. Frankfurt a. M. Stadtverordneten Josef Fromm, dem Sohne des unvergeßlichen Rabbiners S. Fromm, wurde vom Großherzog von Hessen das Ritterkreuz erster Klasse des Ordens Philipps des Großmütigen verliehen. Berlin. John G A. Letshman, der neue Botschafter dar Bereinigten Staaten in Berlin, ist Jude. 1857 in Pittsburgh geboren, war er Präsident der Carnegie Steel Comp., bis er 1897 als Gesandter nach der Schweiz ging. 1901 wurde er nach Konstantinopel versetzt nnd 1909 nach Rom. Es ist das erste Mal, daß ein Jude in Berlin als -Botschafter akkreditiert ist. Breslau. Sawtätsrat Dr. Sandberg, Oberarzt am israelit. Krankcnhäuse, erhielt den Titel Geheimer Sanitätsrat, Privatdozent Dr. Otto Sacknr den Titel Professor, Kursmakler Lnbwig Mamroth den Kroneno r d en 4. Klasse und Professor Dr. Conrad Alexander und .Rittergutsbesitzer Dr. Paul Schott lau der dxn Roten Adlerorden 4. Klasse. —, Anläßlich der Jahrhundertfeier der Universität sind folgende Inden zu Ehrendoktoren promoviert worden: Justizrat Ad. H c ilberg- Breslau, Wirklicher Geheimer Rat Dr. Paul Ehrlich-Frankfurt und- Geh. Kommerzienrat Dr. Eduard Simon-Berlin. Bad Neuenahr. Für weite Kreise dürste ein Prozeß von Interesse sein, der sich dieser Tage vor dem Amtsgericht des benachbarten Städtchens Ahrweiler abspielte. -Wegen Beleidigung und unlauteren Wettbewerbs war die Inhaberin des „Hotel Landskron", Frau Kowalski, von dein Inhaber des Hotels „'Stadt London", Herrn A. Borg, verklagt worden, weil sie behauptet hatte, das Hotel „Stadt London" könne nicht als koscher angesehen werden. Das Ergebnis der Beweisaufnahme war für den Privatkläger so ungünstig, daß der als Sachverständige vernommene Rabbiner Dr. Wolf aus Cöln in seineni Gutachten zu dem Resultat kam, der Betrieb des Hotels „Stadt London" könne in der Tat nicht als koscher bezeichnet werden, Das Gericht erkannte deshalb auf Freisprechung der Beklagte» und führte in der inündlichen Urteils-Begründung aus, abgesehen dqpon, daß der Wahrheitsbeweis der. Beklagten gelungen sei, habe sie in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt, wenn sie von ihrem religiösen Standpunkte aus ihrer Ueberzeugung heraus dem Hotel „Stadt Lon- Ldon" die Qualität „koscher" abgesprochen habe. Burgkunvftadt (Bayern). Im 65 Levensjadre verschied dahier Salomon Rothschild, bis vor wenigen Jahren langjähriger Vorsteher der Gemeinde nnd deren Wohltätigkeitsanstalten und seitdem ihr Ehrenmitglied. Am Grabe sprachen Rabb. Dr. E. G o i t e i n und Vorsteher M o r. L o n n e r - städter. — Noch einen zweiten schweren Verlust hat unsere Gemeinde zu beklagen. Frau Fanni Bamberg e r, Vorsteherin des Israelit. Frauenvereins, verschied plötzlich im 61. Lebensjahre. Dinslaken. Simon Jacobs, seit 35 Jahren Vorsteher der jüdischen Gemeinde, ist verschieden. Er war einer der Gründer des hiesigen israelitischen Waisenhauses und gehörte 18 Jahre dem Stadtverordnetenkollegium an. Metz. Steuerinspektor Levh ist zum Oberzollrevisor befördert worden. Mülheim a. Rh. Dr. med. David Simon ist zum Stabsarzt der Reserve befördert worden. (L.) Posen. Die Stadt verfügt über Stiftungen im Gesamtbeträge von 1900 000 J&; davon sind 566 000 Ji. von jüdischen Erblassern. ll^) Posen. In Schocken feierten Michaelis Kochmann nnd Flora geb. Oelsner, die goldene Hochzeit. — In Buk verschied Moritz Golland nnd in Schroda Hermann Barnch, beides Männer, die sich innerhalb der jüdischen Gemeinde stets lebhaft betätigten. Baltimore (Amerika). Die biesige Judenheit befindet sich in lebhafter Erregung. Der seit sieben Jahren an einer hiesigen orthodoxen Synagoge amtierende Kantor Jaffö kündigte plötzlich seinen .Posten nnd heiratete eine C h r i st i n. Jaffa. In der Kolonie Jemna ist Frau Dr med. Blumenfeld als Kolonialarzt angcstellt tvorden. Aus der Lehrerwett. Cassel. Am 1. August verschied hier Lehrer a. D. Moses N e u h a u s. Er hat 54 Jahre in Hebens- Hausen und Harmutsachsen amtiert. Köln a. Rh. Es ist gelungen, Rabbiner Dr. Roscnthal zu veranlassen, ans die Bern fung nach Berlin zu verzichten. Norderney. Am verflossenen Schavvos-Chason, welcher nach Norderneyer Gebrauch dem Gedächtnis all derer gewidmet ist, die sich uni die religiösen Institutionen der Insel verdient gemacht haben, hielt der als Badegast anwesende Rabb. Dr. Freund-Hannover auf Veranlassung des Kuratoriums dec „Syliagogenstiftnng auf Norderney" eine Gedenkrede ans den jüngst verstorbenen Vorsitzenden des Knratoriunis, Landrabbiner Dr. Jonas L ö b - Emden, zu dessen! Bezirk Norderney bekanntlich ''gehörte. , Von dem Seebilde ausgehend, das uns von dem Propheten Jona entrollt wird, schilderte der Redner in gedrängter Kürze und in geschickter, eindrucksvoller Weise die Persönlichkeit und den Charakter des Entschlafenen, der in allen Stürmen des Lebens sich als „Jwri onauchi" gefühlt und glänzend bewährt habe, und dem auch das Norderneyer jüdische Publikum so außerordentlich viel zu verdanken habe. Die überaus zahlreich erschienenen Shnagogenbesucher waren tief bewegt von der nach Form und Inhalt gleich vortresflichen Ansprache, durch die Rabb. Dr. Freund sich den aufrichtigen Dank des Kuratoriums, sowie der Zuhörer erworben hat. Stettin. Dr. Heinemann Bogetstein, seit drei Jahrzehnten Rabbiner der hiesigen Gemeinde, stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland und auch in einer Reihe anderer jüdischer Organisationen leitend tätig, ist — wenige Monate nach seinem 70. Geburtstage — während eines Kuraufenthaltes in St. Moritz verschieden. London. Ravbl Avigdor Chaikin ist zum D a j e n der Bereinigten Synagogen vorgeschlagen worden. Seine Wahl gilt als gesichert. Rabbi Chaikin wurde 1852 in Shklow (Rußland) geboren, war 1884—1888 in Paris Rabbiner der russischen Juden, dann kurze Zeit Rabbiner in Rosww a. d. Don und kam dann nach England. Hier amtierte er erst ~ in Sheffield. Seit 1891 ist er Lehrer bei den Vereinigten Synagogen in London. Er veröffentlichte folgende Bücher: „Apologie des Juiss" und „The Celebrities of the Jews." Rom. Oberrabbiner Professor Bittorio Castiglioni ist verschieden. In ihm verliert .die italienische Judenheit einen ihrer hervorragendsten Gelehrten, Ans de« Vereinen. Meran. Das „Genesungsheim" des Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten" wird mit 1. Oktober für die Herbstsaison wieder eröffnet. Mittellose Bewerber wollen sich brieflich an die Kanzlei des Vereines wenden unter der Adresse: „Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran" (Tirol) und ihre Gesuche um Aufnahme inöglichst bis Ende August einreichen. Kunst nnd Ltteratnr. Hassinim. Bon S. M. Perlmann, London 1911. Es ist das erste Werk, das in der hebräischen Sprache über China erscheint und dürste diejenigen interessieren, die Mer China und die Chinesen genau unterrichtet sein wollen. Der Verfasser, ein hoch gebildeter Jude, der zugleich auch ein großer Talmud-Chochom ist, hat mehrere Jahre in China gelebt und Land und Leute genau betrachtet. Was er berichtet, ist wahrheitsgetreu und frei von Sensationshascherei. Der Sohn des ältesten und höchsten Kulturvolkes der Welt, den das Schicksal in die Mitte des ebenso alten nnd kulturrellen Volkes von China brachte, interessierte sich für die fremde, Umgebung und gab sich jede Mühe, sie kennen zu lernen. Was wir hier über China erfahren, ist daher authentisch und gewissenhaft. Wir lernen viel Interessantes über die Geschichte der Chinesen, ihre Sitten, ihre Tugenden nnd Fehler, ihren Handel und ökonomischen Zustand und -ihre Verwaltung. Die größte Aufmerksamkeit 'scheint der 'Verfasser der kulturellen und religiösen Seite ihres Lebens geschenkt zu haben, denen er auch einen großen Teil seines Buches widmet, dieses Kapitel gewinnt auch an besonderem Interesse für den jüdischen Leser dadurch, daß der Verfasser beständig Parallelen zwischen den Lehren des Judentums und der Welt an schau - nng der Chinesen zieht. Das Buch, - das sich auch durch die Feinheit des Stils auszeichnet, schließt mit einem großen Kapitel über vjjie chinesischen Juden, die Perlmann bereits vor einigen Jahren in seiner englischen Broschüre „The 9)ews in China" beschrieben hat. Es ist das ein trauriges, wenn auch hochinteressantes Kapitel aus der Geschichte unseres Volkes, das viel Stofs zum Nachdenken giebt. Dr. I. M. 8—d. Indi s ch e Geschichte von der Zerstörung des II. Tempels bis zur Gegenwart in Charakterbildern bärgest eilt von S. Müller. Mit 13 Bildnissen. 332 Seiten. Geb. 2.75 Jk Stuttgart, I. B. Metzlersche Buchhandlung. lieber dieses neue jüdische Geschichtsbuch läßt sich viel Rühmenswertes sagen. Schon die Darstellung der jüdischen Geschichte an der Hand von Charakterbildern ist verdienstvoll. Diese Neuerung dürfte das Buch nicht nur für dir Schule, sondern auch für die Familie zu einer beliebten Lektüre machen und so die Kenntnis der jüdischen Geschichte auch dort verbreiten, wo man einem Schulbuche nicht zugängig wäre. Dazu wird diese zweckmäßige Gliederung noch von einer klaren und angenehm zu lesenden Schreibweise unterstützt. Aber auch ideell unterscheidet sich das Buch vorteilhaft von so manchem jüdischen Geschichtsbuche, denn durchweg macht sich das Bestreben des Verfassers, objektiv zu schildern, bemerkbar. Das Streben nach Objektivität kann freilich auch ein Mangel sein, und ist es hier initnnter. Diese Objektivität nämlich sichtet nicht und richtet nicht nnd verfehlt dadurch mitunter ihren Zweck, ein Spiegelbild der Wahrheit zn sein. So können Kompert, Mosenthal und Franzos in einer jüdischen Geschichte nur einen geringen Raum beanspruchen, denn sie sind nur interessant als Charakteristika einer Zeitepoche; Müller gewährt diesen für die Geschichte des jüdischen Volkes bedeutungslosen Männern jedoch einen Raum, als wenn sie zu den Persönlichkeiten der jüdischen Geschichte gehören würden. Oder, uni ein anderes Beispiel anzuführen: Das heutige Italien wird für seine Juden als das sonnige Land der' Freiheit geschildert, mit keinem Wort wird aber erwähnt, daß diese Freiheit Innerhalb eines halben Jahrhunderts die fast völlige Assimilierung und damit trostlose Verödung der italienischen Judenheit erzielt hat. Diese Erwähnung hätte den Verfasser Stellung zu dem Zukynftsproblem der Judenheit zu nehmen gezwungen,— und dann wäre er nicht mehr objektiv gewesen. Das Programm des Zionismus von Rich. Lichtheim. 52 Seiten. 30 Psg. Charlottenburg, Zionistische Bereinigung für Deutschland. Klar, korrekt und erschöpfend, mustergültig in der Kürze und getragen von Wärme, — all' das vereint, machen die Broschüre zu einer wertvollen Informationsquelle über Begründung und Wesen des Zionismus. „Die soziale Lage der jüdischen Massen" wird beleuchtet, auf die „Judenfrage" über-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.