Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1911-06-23 · Heft 25 (23.6.1911) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 25 (23.6.1911)
Date
1911-06-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2692297-2692716-2692741--06264-2701258
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sk. 25. Sette 5 Ihr Mann machte große Augen. .Habt Ihr es denn so groß vor?" „Unbedingt. Um der politischen Rechte würdig zu sein, müssen wir sie auch .kennen, und wir Frauen haben bis heute eine rührende-Unkenntnis in diesen Dingen. Einzelne Damen des Frauenwohl sollen als politische Rednerinnen geschult werden, und es gehört außer der rednerischen Begabung auch gründliche Kenntnis dazu, in der Diskussion allen Anfragen, allen Angriffen begegnen zu 'können." Er lachte. .Liebe Frau, wenn Du ivüßtest. wie sonderbar diese Reden aus einem Iveiblichen, aus Deinem Mimde klingen." „Das ist heute noch das Ungewohnte. Heute lacht Ihr über uns, bald werdet Ihr mit uns rechnen müssen. Und dann, lieber Mann, mir scheint eine Vorstandsdame, Frau Baumeister Nettcl, antisemitische Allüren zu' haben, sie redet so viel von der rein deutschen Bewegung, die durch Hineintragen fremder Elemente ihres Charakters entkleidet würde, und daß deshalb die germanischen Frauen sich aneinander schließen müßten. Ich möchte doch auch durch meine Tätigkeit den Beweis liefern, daß wir, daß die Jüdinnen ebenso deutsch denken und fühlen wie alle anderen." Sic erhob sich und ging langsam aus dem Zimmer, ihr Mann schaute ihr verblüfft nach. — Der Vorstand der Gemeinde hatte eine neue Lehrkraft für den Religionsunterricht an den höheren Schulen angestellt. Dieser, Doktor Bauer, ein junger .Mann, machte bei Doktor Weil, der Mitglied, des Repräsentanten - Kollegiums war, mit seiner Gemahlin Besuch. Die Herrschaften waren sich gleich sehr sympathisch, sodaß der anfangs zeremonielle Ton rasch einer angeregten Unterhaltung Platz machte. Da Doktor Weil seines Berufs wegen sich seinen Gästen nicht länger widmen konnte, brach dieser nach einigen Minuten auf. Frau Weil wollte Frau Bauer für ihren Verein gewinnen und sagte ihren Gegenbesuch für die nächste Zeit zu. Als sic weggegangen waren, sagte Weil scherzend zu seiner Gattin: - ,Berta, ich vermißte etwas bei Dir. Du hast unseren Besuchen stets unfern größten Schatz, unsere Kleinen, mit nicht unberechtigtem Mutterstolz vorgeführt. Heute hast Du dies vergessen. Wie kommt das?" Sie errötete. „Heinrich, . ich dachte wohl daran, jedoch, jedoch —" Er ermunterte sie: „Nun?" „Ich habe sie den Nachmittag noch nicht gesehen und weiß nicht, ob sie in punkto Sauberkeit präsentabel sind." Er hatte bereits den Hut auf, sagte aber: „Davon wollen wir uns einmal gleich überzeugen." Sie gingen ins Kinderzimmer, wo die Kinder allein, ohne Aufsicht spielten. Sie krabelten auf dem Teppich herum und schienen ihrem Aussehen nach, den Aschenkasten des Ofens als passendes Spielobjekt benutzt zu haben. Jauchzend eilten sie auf die Eltern zu, die Mutter wehrte entsetzt ab. „Aber Klärchen, Erich, wie seht Ihr aus?" „Mutter, wir spielen Schornsteinfeger." „Aber wo ist denn Lina?" „Lina ist sortgegangen." Doktor Weil furchte die Stirn und ging Lina suchen. Nach einem Augenblick rief er: „Berta, komme bitte einmal rasch in die Küche." Seine Frau eilte herbei, und .— da saß Lina mit geschlossenen Augen auf einem Stuhl, das Dienstmädchen war beschäftigt, ihr die Essigslaschc unter die Nase zu halten und erzählte ganz bestürzt, vor einer Stunde sei Lina in die Küche gekommen, ' hätte gesagt: „Thekla, ich sterbe" und sei auf den Stuhl gefallen. Wie sich später herausstellte, hatte diese Stunde allerdings keine drei Minuten gedauert. Nun, die bittere Tatsache bestand, daß Lina vorläufig nicht mehr arbeiten konnte und zu ihrem Bruder nach einem kleinen Orte reisen mußte, um sich während des Winters und des Frühjahrs zu pflegen und zu schonen. Der Abschied war tränenreich. Sie bat: „Herr Heinrich, geben Sie mir die Kinder mit, ich Pflege sie gut. Ich habe ja keine Ruhe, wenn ich an die Kinder denke." Diese Bitte wurde nun selbstverständlich nicht erfüllt, und da ° wandte sie sich an die Mutter der Kinder. „Liebe Frau Doktor, achten Sie nur gut auf die Herzchen. Wenn ich nicht da bin, dürfen Sic die Kleinen nicht allein lassen. Geben Sie die Pflege nicht aus Ihren Händen. Ich komme wieder, sobald ich wieder kräftiger geworden bin." Die Frau Doktor versprach mit einiger Ungeduld alles. Nur um den Wschied zu verkürzen und sagte später ihrem Mann: „Ich begreife die alte Person nicht, wie kann die mich an meine 'Pflichten erinnern?" Ihr Gemahl begütigte: „Du wirst ihr verzeihen, was sie aus übergroßer Liebe zu unfern Kindern spricht. Bedenke, daß sie mich auch :großgezogen hat." ' Frau Weil hatte nun die nicht angenehme Aufgabe, für einen Ersatz der Lina zu sorgen. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. und das Dienstmädchen Tlzekla, „ein braves, aber etwas dummes Frauenzimmer," avanzicrte zur Hüterin der Kinder, wenn die Mutter durch anderweitige Pflichten verhindert, ivnr. ,. t : Und Frau Doktor Weil war oft verhindert: Sie hatte so viel zu studieren, sich vorzübereiten, daß sie häufig stundenlang sich von den Kleinen nicht stören lassen konnte und diese, nachdem sie von der Mutter einigemal unwirsch 'fortgewiesen wurden, sich daran gewöhnten, sich gleich an Thekla zu wenden, die de» Kindern alles erlaubte, dainit sie nur ruhig seien. Der Vater, der von einem Beruf vollauf in Anspruch genommen wurde, ah wohl ein, daß die körperliche und geistige Pflege seiner Kinder zu wünschen übrig ließ. Er bat feine Frau, diese, wie früher, unausgesetzt zu beaufsichtigen, aber sie erwiderte ihm, sie ließe an der Pflege, an der Beaufsichtigung nichts 'ehlen, aber die Kinder müßten auch selbständig werden und nicht immer an' der Schürze der Mutter hängen. Außerdem habe sie so viel für den Verein zu tun, daß ihre Zeit nicht ausreiche. Dieser Tätigkeit könne und dürfe sie sich nicht mehr entziehen, sie habe, für das allgemeine Wohl zu wirken, und ihr Mann müsse dies anerkennen und gutheißen, wenn auch die eigene Häuslichkeit scheinbar dadurch um ein weniges leide. Es sei dies auch nur scheinbar, denn was sie der Allgemeinheit nütze, käme auch den einzelnen Individuen, also auch ihren Kindern zugute. Ihr Mann konnte nun nicht einsehen, was die Frauenbewegung seinen Kindern nütze, wenn sie mit ungepflegtem Körper und verdorbenem Magen herumliefen. . „Liebe Berta", sagte er, „überlasse doch die Arbeiten und die Fortentwicklung der Bewegung den Frauen, die nichts anderes zu tun haben, die keine Pflichten vernachlässigen, weil sie keine haben. Wer Dein Reich, das Feld der Frau und der Mutter ist das Heim, dort beglückst Du und wirst selber glücklich. 'Alle Erfolge, die Du bei Deinen urteilslosen Zuhörerinncn als Rednerin erntest, wiegen nicht das Lächeln und die Küsse Deiner Kinder auf, wenn Du sie ins Bett bringst. Der Geist und das Herz einer Akutter wird so sehr von der Freude und von der Sorge für ihre Kinder in Anspruch genommen, daß für die Fragen der Gleichberechtigung kein Raum mehr bleibt. Die Mädchen können ja studieren und lernen, was sie wollen und so weit ihr Verstand reicht, was wollt Ihr denn noch mehr?" „Lieber Mann, das verstehst Du nicht. Wir sind noch weit von unfern Zielen entfernt, und ich stehe — ich darf cs sagen — als bekannte Führerin da, ich kann mich nicht zurückziehen, wenn ich es auch wollte. Lasse mich nur, unsere Haushaltung wird so wenig leiden, wie die meiner Kolleginnen, und daß Deine Gemütlichkeit nichts zu enbe'hren haben wird, dafür werde ich Sorge tragen." Und damit muhte sich der Mann bescheiden. _(Fortsetzung folgt.)_ „Fit-sure" Pincenez doubls, 14 k Goldäuflage, M. 7.50, Nickel Mk. 550. Operngl., Feldst., nur beste Fabrikate in großer Auswahl. Lorgnons, Brillen, Pincenez; Spezialwerkstätte für Optik, Mechanik, Elektrotechnik. Physikalische Lehrmittel. „I. W. Albert, Inh. Paul Wanderey, HauS Neptun, Ecke Neue Mamzerftr. u. Weißfrauenstr. 11. Tel. 7254, Amt I.' Wir bitten «usere Leser» ihre« Bedarf u«ter Bezugnahme aus unser Blatt bei uusere» Jusereuteu zu decke». Frankfurter Israel. Familieublatt. Kunst «Ud Literatur. Palästina, Monatsschrift sür die Erschließung Palästinas. Wien IX, Türkenstraße 9. Abonnementspreis 3.— Jt. jährlich. Inhalt des Maiheftes: Die finanzielle Krisis in den Jerusalemer Wvhltätigkeitsanstalten (I. Feldmann-Jaffa). — Frauenarbeit. — Die chemische Erforschung des Toten Meeres (A. Friedmann- Königsberg.) — Projekt eines Wasserkraft-Elektrizitätswerkes am Toten Meere. — Der Bachar (M. Wilkansky.) — Verschiedenes. Es sei hier das Wesentlichste aus dem Inhalte des ersten Artikels wiedergegeben: In Jerusalem Heftchen — entsprechend den Herkunftsländern der dortigen Inden —. 19 Verwaltungsstellen (Kolelim) für die Verteilung der Chalukahgelder, und so konimt es, daß die wohlhabenden Elemente eines reichen Kolel mehr erhalten als die ärmsten Juden eines schlechtgestellten Kolel. Während bei den Kolelim wenigstens noch eine gewisse Ordnung ist, sind bei den Wohltätigkeitsanstalten Mißwirtschaft und unkontrollierbare Geldgebahrung vorherrschend. Jeder unternehmende Kopf kann eine solche Anstalt errichten; das Geld kommt schon vom Auslande, ohne daß. es Rechnungsahlage oder derartiger Dinge bedarf. So mutzte der Krach kommen. Wenn Ordnung und Billigkeit hergestellt werden sollen, dann muß sich zuerst in Europa. die Erkeinitnis der Notwendigkeit der Abschaffung der 19 Kolelim, sowie jeder Separation auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege Bahn brechen. lieber die Oertlichkeit der Synagogen zur Zeit des Talmuds. Herr Epstein behauptet in einem seiner Briefe, daß die Synagogen zur Zeit des Talmuds außerhalb der Stadt haben liegen müssen. Durch diese Behauptung gerät Herr Epstein in Konflikt mit unserm weisen Lehrer Raschi. Diesen Streit glaubt' er für beigelegt, indem er einfach Raschis Annahme für irrig erklärt. Rabb. Dr. Grünhut in Jerusalem, weist in der „Moria" Nr. 82 nicht nur nach, daß Herr Epstein im Unrecht sei, sondern vielmehr, daß sich sein Gegenpartner mit feinen eigenen Worten schlägt. In einer belehrenden Notiz führt er weiter unter Quellenangabe die unbedingte Richtigkeit seiner Behauptung aus. Benau schel Hoamitti. Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbach a. HL —— Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl, Frankfurt a. M., Stallbnrgstr. 9. Tel. 259 n. 714. BDeutsches Beobachtungen pr. St 1 Mk. Ermit- PlAPfllT. telongen, Recherchen n. Auskünfte vlwvUI v. 5 Mk. an. Gewissenhafte Aus- Institut .führung n. strengste Diskretion als FrazeUIW,tL"mehrjähriger Polizeiu. Kriminal- -Tel. 11391. beamte gesichert Wocherr-Kalender. (geitangaden nach dem Losch.)' Samstag, den 24. Juni (— 28. Siwan): Sabbat-Anfang in.Frankfurt a. M. 8 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 9 Uhr 40 Mm., in Berlin 9 Uhr 35 Min. Wochenabschnitt: Schelach - lecho. — Die Kleingläubigkeit des Volkes. Trotz der göttlichen Versicherung, daß Palästina ein gutes Land ist, senden sie zwölf Kundschafter dorthin, angesehene Männer, darunter Josira und Kaleb. Nach 40 Tagen kehren diese heim, bringen riesengroße Trauben mit, auch Datteln und Feigen. Sie loben das Land, flößen aber dem Volke Furcht und Grauen ein vor den riesengroßen Ureinwohnern.—Das Volk murrt, will eine neue Regierung einsetzen und nach Egypten zurück. Josua und Kaleb suchen zu beruhigen: das Volk will sie dafür steinigen. —, Da erscheint Gottes Herrlichkeit Wie bei der Sünde des goldnen Kalbes soll die ganze Nation vernichtet werden, um auf Moses allein ein anderes, besseres Volk anfznbauen. Mojes fleht inbrünstig. Die Strafe wird gemildert Das ganze lebende Geschlecht — Josua und Kaleb ausgenommen — soll in einer vierzigjährigen Wüstenwanderung die Sünde abbüßen; nur das jüngere Geschlecht wird ins gelobte Land kommen. Die Lügenknndschafter starben sofort. Trotz Verwarnung will das Volk auf eigene Faust hineinziehen. Zu spät — sie werden geschlagen. Der Wochenabschnitt enthält ferner Vorschriften für die Speise- und Genußopfer. — Vom Teige ist eine Hebe für Gott — Challo genannt — abzusondern. Lehre daraus: Weihe des täglichen Genusses. — Sühne für Vergehen durch Götzendienst und abgöttliche Berehrnngsarten. — Ein Sabbatentweiher wird betroffen, interniert bis zur göttlichen Entscheidung über die Art seiner Bestrafung. Er wird schließlich gesteinigt. — Schluß der Sidra ist „Parschas Zizis", bekannt aus dem täglichen Gebete. Die Schausäden an den Kleiderecken lehren, nrit dem tierischen Körper auch das Tierische zu verhüllen, die Leidenschaften und bösen Triebe zu zügeln! Montag und Dienstag: R a n s ch - C h a u d e s ch. Offenbaeber Druckluft-Anlage Telefon 123. Qffanbach a> H. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste TappIchralnl0BIl(J. Spende«. Beim Franks. Israelit. Familienblatt gingen sür den I ü d. Nationalfonds ein: Leo Dalsheim . 1,— -M. N. N. 3,- „ S. B. in B. 0,50 „ A.-f. anläßlich freudiger Gelegenheit 0,50 „ Hedwig Wohlfarth 1 Oelbaum auf den Namen des jungen Ehepaares Weill-Loewensberg in Zürich , 0,— „ Zerline Fromm gratuliert Jenny Geis zur Verlobung . 1.— „ Maurice Rosenheimer gratuliert Jenny Geis zur Verlobung _1,— „ 13,—Jt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.