Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 9 (1911)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1911)
- Date
- 1911-06-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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- Piła 2× ep/1048100
- Głogów 1× ep/1047915
- Minsk 1× ep/1000754
- Mohel 1× ep/1006163
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Mafte M fit. 24 des ÜMfifttttet IfmBlififdien FamikmklaM- Brief aus Rußland. Die Demoralisierung der Behörden. —i Die wirtschaftliche Lage der Juden. —> Jeder Tag bringt neue Entrechtrmgen. — Wo ist die Rettung? Ein Prozeße der sich dieser Tage vor dem Tribunal in Kischinew abspielte, wirft ein grelles Bild auf die durch die Judeiwerfolgungen gezüchtete Demoralisierung 7 der Behörden. Statt der durch die goldene Medaille ausgezeichneten jüdischen jungen Leute fanden an der Odessaer Universität, der Hochburg des Patriotismus, diejenigen Aufnahme, die sich durch schweres Geld das Protektorat gewisser Frauen erkauft hatten. Drei Frauen saßen auf der Anklagebank, gewöhnliche Frauen aus dem Volke, in deren Händen die Entscheidung lag, ob die Oddessaer Universität einen Juden aufnahm oder nicht. Natürlich erhielten die Univcrsitätsbehörden von dem jüdischen Gelbe ihren entsprechenden Anteil. Vor Gericht entblödetc der Rektor sich nicht, dies Protektionsunwcsen damit zu entschuldigen, daß gerade die Medailleninhaber häufig nicht „politisch zuverlässig" seien und er deshalb auf Empfehlungen angewiesen sei. Tie russische Judenheit regt sich über derartige Kleinigkeiten längst nicht mehr auf; ihre Siorge bildet vielmehr die verzweifelte ökonoj» mische Lage der großen jüdischen Masse. Ein Expose, das die Wilnaer jüdischen Führer dieser Tage an die Reichsduma sandten und in dem sie die zwingende Notwendigkeit, den Ansiedlungsrayon aufzuheben, darlegen, gibt erschreckende Zahlen. So verdienen die 32,000 (— 29o/o der jüdischen Bevölkerung) jüdischen Handwerker des Wilnaer Gouvernements durchschnittlich 240—300 Rubel das Jahr. In den Strumpffabriken, die Tausende jüdischer Frailen beschäftigen, wird ein Höchstwochenlohn von 1 Rubel 40 Kopeken bezahlt. Tie jüdischen Händler und Krämer sind so zahlreich, daß mehr Verkäufer als Käufer da sind, und das ganze Kapital dieser Zlverggeschäfte beträgt meistens wenige hundert Rubel. Daß der Appell an die Reichsduma etwas nützen wird, ist ausgeschlossen, denn die Regierung scheint mehr denn je das Plehwesche Rezept, „ein Drittel der Juden zum Auswandern, ein Drittel zum Zugrundegehen und ein Drittel zur vollständigen Assimilation zu bringen", zu befolgen. Das Joch der Regierung lastet auf der russischen Judenheit mit einer Schwere, daß der Atem zum Leben zusammengepreßt wird. Tag für Tag werden neue Entrechtungen und Schikanen gegen die jüdische. Bevölkerung ersonnen. So hat dieser Tage der Gouverneur von Nischni- Nowgorod plötzlich verboten, daß die Juden, wie es stets geschah, auf dem Lande zum Sommeraufenthalt wohnen dürfen. So werden jetzt in Petersburg bei angesehenen jüdischen Bürgern täglich nächtliche Haussuchungen veranstaltet, unl ihr Aufenthaltsrecht einer peinlichen Prüfung zu unterziehen; auch ist ihnen gleichfalls das Beziehen der Sommerwohnungen verboten worden. Hätte Rußland nie eine Revolution gesehen und nie eine Duma bekommen! — vorher ging es den Juden in den schlimmsten Zeiten besser. Unsere Brüder im Auslande scheinen sich keine Vorstellung von unserer Lage zu machen; sonst würden sie all' chre Kraft anstrengen, uns beistehen zu wollen. Personalien u. Kleine Mitteilungen. Frankfurt a. M. Paul Ehrlich ist zum Wirklichen Geheimrat mit dem Titel Exzellenz ernannt worden. —> Paul Löwenthal wurde zum Konsul von Siam ernKNnt. — Leopold Hirschler, bekannt durch seine Arbeit in der jüdischen Wohlfahrtspflege Frankfurts, feierte dieser Tage seinen 70. Geburtstag, und Philipp Schiss wird in kürze diesen Tag feiern. Berlin. Hier verschied nach langer Krankheit der Maler und Schriftsteller G. Tschorni, ein Schüler des Münchener Meisters Stuck, im Alter von 35 Jahren. Das Talent des in Mir bei Minsk (Rußland) Geborenen wurden von dem dortigen Fürsten Swatopolk-Mirski entdeckt, doch ist er nur als Illustrator jüdischer Lehrbücher — und zwar als der erste Illustrator solcher Bücher — bekannt geworden. Armut und Krankheit lähmten sein' Schaffen. Berlin. Geh. Medizinalrat, ordentl. Honorarprofessor Dr. Bernhard Frankel, der Leiter der Klinik und Poliklinik für Hals- und Nasenkranke, tritt aus Altcrsriicksichten —; er ist 75 Jahre alt — init dem Schluß des Sommerscmesters in den Ruhestand. —; linker den hier in den letzte» Wochen ans dem Judentum Ausgetretenen finden sich u. a. folgende Namen: Redakteur Erich Knttner, Verlagsbuchhändler Dr. Georg Bondi, Regierungsbaumeistcr Julius Leeser, Rechtsanwalt Hugo Roseuberg und Chemiker Dr. Heinrich Loebell. Nürnberg. 14. Juni. Prinz Ludwig von Bayern besuchte gestern die Synagoge d e r „A daß Isr 0 el" - Vc r e i n i g u n g. Rabbiner Dr. Klein hielt eine Ansprache. Der hohe Gast zeigte für die Bestrebungen der Orthodoxie volles Verständnis. In der Unterhaltung wurden puch die Bestrebungen auf Revision des Judenedikts von 1813 gestreift. Marbnrg. Der Gemeindeälteste und Mohel Moses B l n m e n f e l d ist im Alter von 62 Jahren Vers ch i c d e n. Koppel Strauß erhielt anläßlich der Niederlegung seines Amtes als Gcmeindcältestcr — er ist 81 Jahre xilt — den Kronenorden 4. Kla sse. Jchenhausen, 13. Juni. Dem I. Kultusvorstand der hiesigen Gemeinde, Magistratsrat Michael Sulz er, wurde heute, anläßlich der Feier seines 80. Geburtstages, »ach einstimmigem Beschluß des Magistrats und Gcmeindekollegiiims in Anerkennung seines ersprießlichen Wirkens aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens das E h r e n b ü r g e r r e ch t verliehen. Bielefeld. Geh. Justizrat Friedländer erhielt anläßlich seines 60 jährigen Dienstjubiläums den Krone norden 3. Klasse. Neustadt a. Hardt.' Der Stadtrat genehmigte die Schenkung eines Bauplatzes ay das zu errichtende israelit. Kreisasyl. Aschaffenburg. Im Nathaussaale überreichte der Bürgermeister das Nussteuerstipendium der Dilsheimerschen Stiftung im Betrage von 2000 Mark Fräulein Emma Stern aus Rohrbach mit einer Ansprache und nahm sodann die standesamtliche Trauung vor. Das Stipendium fällt abwechselnd einem christlichen und einem jüdischen Mädchen zu. Bonn. Die Verhandlungen zwischen den „nicht konfessionelleu" und dm „k0nfessi0nell e u" Studentenverbindungen haben zu einer befriedigenden Lösung geführt. Die Freistudentenschaft und die jüdische Verbindung Rheno-Silcsia waren bereits in dieVertretervcrsammlnng der nichtkonfessionellen Verbindungen ausgenommen worden. In diesem Jahre wird zum erstenmal die gesamte Studentenschaft als einheitliches Ganze sich am Bismarckfackelzng beteiligen. ll-l Moschin. Hier verschied — erst 51 Jahre alt — der Kaufmann und Magistratsschöffe Emil M a n h e i m e.r. Baden bei Wien. Der im 92. Lebensjahre der» storbenen Gutsbesitzer Jakob Adler hat sein Vermögen von 1 % Millionen Kronen der Alliane Jsraelite Universelle, ver - m a ch t. Czernowitz. Der Holzindustrielle Eugen Löwy erhielt das Goldene Verdien st kreuz mit der Krone. Prag. Finanzrat Dr. Alois Koserak ist zunl Oberfinanz rat befördert worden. London. Die Jewish Labs Brigade wird aus Wunsch des Königs an dem Krönungsm a r s ch e teilnehmen. Diese jüdische Knabenbrigade wurde 1895 von Oberst 'Albert Goldsmith s. A. gegründet. Sie hat ihre eigene Kaserne und bezieht alljährlich 10 Wochen in der Provinz ein Feldlager. Aus der Lehrerwett. Berlin. Zu Gastpredigten sind Rabb. Dr. Dienemann-Ratibor und Rabb. Dr. Lewk 0 w i tz - Schneidemühl eingeladen worden. Cassel. Der Regierungtzpräsioent hat entschieden, daß den jüdischen Lehrern, welche Steuerfreiheit genießen, das Recht der Teilnahme an den Gemeindeversammlungen und das Stimmrecht in ihnen nicht versagt werden kann, weil die Steuerbefreiung gls ein aus religionsgesetzlichen Bestimmungen herrührender Brauch anzusehen ist. Stratzburg. Hier fand eine Konferenz statt, auf der die Gründung eines Vereins der liberalen Rabbiner in Elsaß-Lothringen beschlossen wurde. Dem neuen Verein gehören u. a. bereits an: Oberrabbiner Weil- Colmar, Dr. D r e y f u s - Saargemünd, Dr. Ginsburger -Gebweiler und Dr. Meyer- Thann. (L.) Pose», 12. Juni. Rabbiner D> Wolf Feilchenfeld, 1827 in Glogau geboren, von 1855—1872 Rabbiner in Düsseldorf und seit dieser Zeit hier im Amte, vollendete gestern sein 84. Lebensjahr. — Rabbiner Dr. Bloch erhielt anläßlich seines 70. Geburtstages den Titel Professor. — In Schneidemühl feierte Kantor a. D. Czechan 0 w i c z, früher in Wreschen, die goldene Hochzeit. (L) Posen. Der Verein jüd. Lehrer in den O st p r 0 v i n z e n hielt hier am 6. Juni seine 23. Jahresversammlung ab. Die Beteiligung war eine zahlreiche. Hauptlchrer Herbst-Lissa präsidierte. Für das nächste Jahr wurde wiederum Posen als Versammlungsort bestimmt. Emde». Zur Biographie des seligen Landrabbiner Dr. Löb sei noch nachgetragen: Er wurde 1849 in Pfungstadt (Hessen) geboren, besuchte das Berliner Rabbinerseminar, zu dessen ersten Schülern er gehörte, wurde zuerst Amtsnachfolger feines nach Fulda berusenen Studiengenossen Dr. M. Cahn m Samter, nach wenigen Jahren Rabbiner in Rawitsch, wo er 18 Jahre amtierte, und wurde dann nach hier berufen. Jerusalem. Der bekannte Pädagoge und Leiter der Schule in Pethach-Tikwah Dr. Jehuda M a r s ch a ck ist nach hier berufen worden, um die Schule „Cheder Tauroh" zu leiten. Dr. Marsch ack gedenkt, dieses Cheder zu reoganisieren, reale Fächer und Türkisch einzuführen. Nach den Erfahrungen dieser Reorganisierung sollen dann später die anderen Chedorim umgeäudert werden. I» den hiesigen orthodoxen Kreisen ist man über die Wahl Dr. Marschacks sehr erfreut, denn Marschack ist iricht nur ein hervorragender Pädagoge, sondern auch ein begeisterter gesetzestreuer Jude und verfügt über reiches jüdisches und profanes Wissen. > Ans den Vereinen. Frankfurt a. M. Aus dem Büro des „Montefi0 r e"-Bereins wird uns geschrieben: Die in unserem Sommerprogramme angekündigten Turnspiele im Freien sollen nunmehr zur Ausführung kommen, da nach gepflogener Verhandlung mit der städtischen Verwaltung uns von derselben ein Spielplatz am Ostpark überlassen wilrde. Die Spiele finden Sonntags statt. Unsere Mitglieder, die sich an den RPsenspielcn beteiligen wollen, sind höslichst eingeladen, sich behufs Besichtigung und Besprechung über die Spiele nächsten Sonntag, nachmittags 4 Uhr am Ostpark einfindcu zu wollen. Frankfurt a. M. „M 0 nt e f i 0 r e"-B er e i n. Das Sommer-Programm erfreut sich eines ungemein starken Interesses seitens der Mitglieder. Besonders groß ist die-Beteiligung der jungen Leute an den S ams t a g-N achm ittag-Zusammenkünften, welche — in diesem Sommer erstmalig eingeführt — sicherlich in Zukunft einen wertvollen Bestandteil der Bereinstätigkeit bilden werden. Bei diesen Zusammenkünften werden, nachdem zunächst von berufener Seite eine Besprechung der Sidrah erfolgt ist, jüdische aktuelle Fragen von allgemeinem Interesse behandelt. Aber auch bie Mittwo ch-Dorträge sind erfreulicher Weise sehr gut besucht; der prachtvolle Garten, in welchem alle Sommer-Veranstaltungen bei geeigneter Witterung stattfinden, ist aber auch ein geradezu idealer Aufenthaltsort an einer» schönen Sommerabend. Der S ams ta g-V or mittag-S chiur, welcher im Winter von Herrn Dr. May mit so außerordentlichem Erfolge gehalten wurde, wird auf lebhaften Wunsch auch während des Sommers durchgeführt. Nicht unerwähnt soll das große Interesse bleiben, welches die Einrichtung der gemeinsamen Ausflüge und Besichtigungen gefunden hat. Ebenso erfreulich ist der Umstand, daß die Turn-Abteilung des Vereins starken Zuspruch findet, so daß die Errichtung einer zweiten Riege erforderlich war. Aus -er zionistischen Bewegung. Budapest. Auf der zion. Landeskonferenz hatten sich 28 Delegierte eingefunden. Ungarn hat nur 1600 Schekelzahler. Der Wirrwarr in den jüdischen Zuständen und bie Tatsache, daß die Regierung immer noch nicht die Statuten der Organisation genehmigt hat, hemmen die Fortschritte der zion. Bewegung in Ungarn. VammSaLa Gustav Schwarz I DnilirnD I^Kallenlstrasssll I KMMILIIE nächst dem Schauspielhaus. Kein Laden. Tel. 13479.