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Neue jüdische Presse · 1911-04-21 · Heft 16 (21.4.1911) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 16 (21.4.1911)
Date
1911-04-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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HeUftfle p He. 16 des fcmikfnrtec IsmeliWm FamilimkluM. Das Register eines Mohels aus der ersten Halste des XVIII. Jahrhunderts. Von Dr. I. M. S a l k i n d. Als ich vor einiger Zeit auf dem Bücherkarren eines Antiquars herumstöberte — eine Schwäche, die allen Bücherfreunden eigen ist —, stieß ich auf ein Bändchen, das zwei Handschriften enthielt. Die eine Handschrift enthielt Glossen und Novellen zum Talnmd rind Schulchan - Arnch und schien kaum 30 Jahre alt zu sein. Nach der Handschrift zu urteilen, ' hatte das Manuskript einen litauischen Talmud-Chochom zu seinem Verfasser. Man konnte auch leicht merken, daß es nicht zu gleicher Zeit mit dem anderen Manuskript gebunden war. Das Bändchen hatte ans seinem Rücken den Eindruck „I. Hiffelsheime r", was der Name seines ursprünglichen Eigentümers zu sein scheint. Diesen Namen merkte ich auch auf einem Blatt des Bändchens, obwohl er von einem spätern Besitzer, einem' bekannten Bibliophilen in London, der verarmte und seine wertvolle Bibliothek zu verkaufen gezwungen war, ausgekratzt war. Den Wohnort des Herrn I. Hiffelsheimer konnte ich nicht mehr entziffern. Das andre Manuskript, zu dessen Beschreibung diese Zeilen dienen sollen, ist auf ' ganz altem Papier und in der Handschrift der Juden in Deutschland im 16. und 17. Jahrhundert geschrieben. Bietet sein Inhalt kein Interesse für den Talmudisten, >vie es bei dem ersten Manuskript der Fall ist,' so hat es doch gewissermaßen ein historisches Interesse, das für die Genealogie der jüdischen Familien in der Umgebung von Frankfurt a. M. sehr wichtig sein kann. Es' sind nämlich die Eintragungen eines Mohels, der in Wiesbaden gelebt zu haben scheint und die Mizwath Miloh zu seinem Lieblingsgebot gemacht hatte. Wer der Mohel war, konnte ich unmöglich ermitteln. Sein Name scheint C h a j i m gewesen zu sein, was daraus zu ersehen ist, daß er nach jeder 68. Beschneiduug — der Zahlenwert des Naiilcns Chajim — Gott dankt für die Gnade, die Er ihm erwiesen hat. Er war im Jahre 1681 (5111) in einem Dorf (Jkla) in der Nähe von Bamberg oder Ansbach geboren und scheint später in Mannheim und Wiesbaden gelebt zuhaben. Er heiratete zweimal und scheint im Jahre 1761 (5521) in Wiesbaden gestorben zu sein. Der Beginn seiner Tätigkeit fällt in das Jahr 1718 (5178), wo er die erste Operation mit Hilfe des Mohels Rabbi I ö s l i aus Jkla unternimmt, und schließt im Fahre 1761. Im zweiten Jahre seiner Praxis sehen wir ihn schon so geübt in seinem Beruf, daß er einen andren, Rabbi S i »l o n aus H e i z f e l d, in denselben einweiht. Die Zwischenräume zwischen einer Brith-Miloh und der andren sind in den ersten paar Jahren seiner Praxis noch recht groß; er scheint aber bald sich einen solchen Ruf als Mohel erworben zu haben, daß er tveit und breit von den vornehmen Leuten gesucht ivird. Sein Tätigkeitsgebiet erstreckt sich über Wiesbaden, Mannheim, Heidelberg, Worms, Bamberg, Groß-Gerau, Darmstadt, Limburg an der Lahn (die er Lohn punktiert), Bingen, Biebrich und die sic umgebenden Dörfer, in denen kleine jüdische Gemeinden vorhanden waren. Am meisten kommt jedoch Wiesbaden in Betracht.' Seine Tätigkeit schließt am 20. Ab 5521, bei welcher Gelegenheit Rabbi Abraham, der Sohn des damaligen Frankfurter Rabbiners Rabbi Hirsch, der in Wiesbaden zur Kur war, als Sandek fungierte. Das Manuskript enthält 46 Seiten, aus denen 140 Brith-Milohs verzeichnen sind. Die Eintragungen sind stereotypisch nach der bekannten Formel: „Garn malti ufor ati etc.“ * Als Einleitung haben sie ein Dankgebet in dem bekannten Stil jener Zeit, das auch in veränderter Form nach der 68. und 136. Beschneidung zu finden ist. Da dieses jedoch am Schlüsse fehlt, so darf man annehmen, daß der Schreiber kurz nach der letzten von ihm vorgenommenen Operation verschieden war. In den letzten Eintragungen kommen bereits häufig Familiennamen vor, ein Zeichen der heranbrechenden neuen Zeit. Dieses Mohelregister hat auch einiges Interesse für die Moralitätsstatistik. Unter den 140 Fällen befindet sich auch die Eintragung der Brith-Miloh eines illegitimen Knaben, der 1746 in Schierstein bei Wiesbaden geboren wurde. „Seine Mutter, die verheiratete N. N., erklärte, daß sein Vater N. N., der Wormser Baß-Sänger sei." Der Schreiber bemerkt, daß er gezwungen war (al pi hahechrach), den Knaben zu beschneiden, er schließt jedoch die Eintragung mit der gewöhnlichem Formel: ,^igdal letauroh ulchupoh ulmaassim tauwim, Amen." Bon den 46 Seiten des Registers gehören vier einer Familien-Megillah, die der Schreiber nach der in den hinterlassenen Schriften seines Vaters gefundenen Aufzeichnung abgefaßt hatte. Er begründet die Abfassung der Megilläh durch ein Zitat aus' dem Sohar in Schemoth, nach dem jeder verpflichtet sei, die Wunder, die Gott Ihm erweist, öffentlich bekannt zu machen. Dies beweist, neberrbei bemerkt, daß der Schreiber mehr als eiir gewöhnlicher Lamdorr, und daß man zp jener Zeit auch in Frairkfrrrt urrd seiner Umgebung inr Sohar zuhause gewesen war. Es handelt sich darum, daß der Schreiber, als er sechs Jahre' alt war, eines Morgens erwachte, und da er die Tür verriegelt fand, so öffnete er das Fenster, durch welches er hinansgehen wollte, ohne daran zu denken, daß es achtzehn Ellen vom Boden hoch war (das Haus, in dem er wohnte, hieß „der Turm"), und daß sich urrten ein Zaun mit Stacheln und scharfen Spitzen befand. Er fiel auf das Steinpflaster, er blieb aber irnversehrt irnd stand bald auf, als ob nichts geschehen wäre. Die erschreckten Eltern eilten herbei und bestrichen seinen Körper mit dem Blut eines Ziegenbockes, was sich aber als überflüssig erwies, da er während des Falls in einer solchen Position blieb, daß er auch ilicht die geringste Fraktion erlitt. Sein Vater führte hierauf ein Familienpurim ein, das für alle seine Nachkommen obligatorisch gemacht ist. Ilm 8. Taurus sollten sie fasten und am neunten sich, wie am Purim, belustigen und ein Festmahl veranstalten, zu dem Talmidei chachomim geladen sein sollen, und den Armen Geschenke schicken. Diese Fanrilienmegillahs urrd Purims sind in der jüdischen Geschichte wohl bekannt und waren sowohl in Europa als in Afrika recht populär. Sie haben ihren Ursprung im Mittelalter und reichen bis in die neueste Zeit. Die „Dewreiskaja S t a r i n a" veröffentlichte unlängst eine derartige Megilläh, die ein russischer Jude) der von den polnischen Insurgenten im Jahre 1863 auf eine höchst merkwürdige Weise vom Tode gerettet wurde, niedergeschrieben und seinen Kindern hinterlassen hatte. Die im Manuskript enthaltene Megilläh hat jedoch ein besonderes Interesse für den Historiker, durch die Bekanntmachung eines Umstandes, der, loie ich glaube, nicht allgemein bekannt ist. Der Schreiber erzählt nämlich, daß die Regierung (haseroroh), ms sie von seiner sonderbaren Breitung erfahren hatte, sofort schickte, um die damals in solchen Fällen übliche Steuer „Frasch" einzuziehen, die darin bestand, daß man dem Betreffenden entweder ein^Stück Fleisch ausschnitt oder Geld im Werte desselben nahm. Die Existenz einer derartigen Steuer scheint mehr für China zu passen, als für ein deutsches Land am Ende des siebzehnten Jahrhunderts, so schwarz auch die Zustände damals ausgesehen haben und so groß auch der Judenhaß damals war. Es ist jedoch klar, daß wir es hier mit einer Tatsache zu tun haben. fhmft und Literatur. Max Reinhardt von Siegfried Jacobsohn, Berlin, Verlag Erich Reiß. 173 S. Das Bilch ist eine Sammlung von Kritiken über Theateraufführungen Max Reinhardts. Mit Hilfe dieser einzelnen Kritiken versucht nun der Autor ein Bild zu geben von Max Reinhardts eigenartiger Regiekunst überhaupt, und man muß ihm zuerkennen, daß er trotz den Schwierigkeiten, die eine solche Methode bietet, sein Ziel erreicht hat. Der Leser wird mit der Eigenart Reinhardtscher Regieknnst vertrant. Außerdem aber ist die Lektüre dieser Kritiken schon an sich ein Genuß: künstlerisch abgerundet, interessant und geistreich in der Form, gedankenvoll und verständnisreich im Inhalt, bieten sie dem Leser einen hohen ästhetischen Genuß. Im Verlag von A. Weichert, Berlin ist eine vollständige Aus'gabe des berühmten Romans von Henry Murger: Zigeunerleben, Szenen aus der Pariser Boheme, erschienen. Jetzt, da man den 50 jährigen Todestag des Schriftstellers gefeiert hat, wird man den unverwüstlichen, sowohl kulturhistorisch wie künstlerisch so bedeutsamen Roman in guter Nebersetzung gerne wieder lesen. Urkundliche Beiträge zur Geschichte der mähr. Judenschaft im 17. und 18. Jahrhundert. Herausgegeben von Willibald Müller. 200 Seiten. Olmütz, Laurenz Kullil. Inhalt: Tie königl. Städte und die mährische Jndenschaft. — Konskription und Separierung der Judenschaft im Jahre 1727. —i Die Paradiesapfelsteuer. — Die General - Polizei - Prozeß- und Kommerzialordnung des' Jahres 1754. —, Ein Konflikt (Abraham Schatze Auspitz und Herschl Lewi). — Judentausen in Mähren unter Maria Theresia. — Die Wahlen der mährischen Oberlandraübiner von 1723—1789. — Wie das Toleranzpatent für Mähren entstand. Nicht nur der .Jude Mährens, sondern ein jeder Jude wird diese Kulturdokumente vergangener Zeiten mit Interesse lesen. Aber auch mit Nutzen, —> denn unseren assimilationslüsteren Juden Ist es gut, wenn ihiren dann und wann zu Bewußtsein gebracht wird, daß schon die nackten Tatsachen der Geschichte die Anpassung der Juden an Völker, die ihre Väter als Parias der Menschheit behandelten, zu einer Charakterlosigkeit stempeln. iw- JConditorei boeser -wunter Aufsicht der Ritualkommission der israelitischen Gemeinde. Gr. Eschenheimerstrasse 41a. Telephon 6735 I. Eduard Paul Frankfurt a. M., Grosse Eschenheimerstrasse 4. . Spezialgeschäft .— in Nähseiden, Tapisserieseiden u* Garnen* Sämtliche Seiden für Paramenten und Kurbelstickereien• Baumwollene jund wollene Strickgarne* Telefon 2178. IpT Strohhüte werden nach neuesten Formen schon und schnell furniert. Unübertroffene Wäsche der Panama, Florentiner, Manilla. o sertrand, Scliillerstr. 28. . Oppenheim Kchffi. Louis Döring, Zeit 4. Inh. Brillen, Plncenex,“ Operngläser, Lorgnette» etc* in allen Preislagen. 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