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Neue jüdische Presse · 1911-04-07 · Heft 14 (7.4.1911) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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KMge M flr. 14 des FrMfuüer WMWm famifienfitaffes. „Bibliothekgedanloh".*) Kon Ben- Ko h c l e t h. Cs ist nun gerade ein Jahr vörbei, seitdem der Verlag „Tnschijah" an die große Ausgabe hexangetreten ist, das Beste aus dem hebräischen Schrifttum aller Zeiten in moderner, einheitlicher Form zu saimneln und herauszügeben. Wir hatten damals bereits ans die große Bedeutung und den hohen Wert dieses Unternehmens hmgewiesen und auch die wichtigsten der zuerst erschienenen Werke besprochen; das gleiche soll nun mit den übrigen bis - jetzt herausgegebcnen Büchern geschehen. Wir können uns in der Besprechung natürlich nur aus die wichtigste» beschränken, da es ja einer ganzen Serie von Aufsitzen bedürfte, um all die einzelnen Werke zu behandeln. Da sei denn zuerst auf eine Sammlung von 'Aufsätzen hmgewiesen, die der bekannte hebräische Schriftsteller Dr. I. Klausner unter dem Titel: „Jah'adus weanuschius" (Judentum und Menschentum) veröffentlicht hat (Bd. 30—32). Das Buch — oder wenigstens sein erster Teil, der bis jetzt vorliegt — ist eigentlich nur eine zweite 'Auflage, denn es war schon einmal in dem Revolutionsjahre 1905 erschienen, es hat aber damals in der Presse nur wenig Beachtung gesunden, und der Verfasser hat nicht unrecht, wenn er sich darüber im Vorwort zu dieser Neuairsgabe beklagt. Denn die hebräische Literatur ist nicht reich an Werken dieser Arr. Außer den gesammelten Aufsätzen von Achad - Haam und wenigen anderen haben wir nur wenige solcher Bücher, die heute besonders, in einer Zeit, da der Leser nicht mehr leicht zur Lektüre dicker Abhandlungen über ein bestimmtes Problem kommt, von großer Bedeutung sind. Die Aufsätze Klausners, die solvohl allgemeine Thematc (die Prinzipien des philosophischen Systems Kants) als auch speziell jüdische (S. D. Luzzatto, das Ewig-Menschliche im Judentrrni, E. Renan und der geistige 'Antisemitismus, Unsere geistigen Werte) behandeln, sind nun zweifelsohne interessant und lehrreich. Es ist ja wahr: sie sind nicht alle ganz, originell, verraten nicht völlig neue Anschauungen über die behandelten Probleme, zeichnen sich auch nicht durch einen besonders geistreichen und eigenartigen Stil aus; wohl aber sind sie reich an Gedanken, sind klar, gefällig und anregend geschrieben, zeugen von gediegener allgemeiner und jüdischer Bildung und — ihr Hautpvorzug — sind von einem Gefühle warmer Liebe zu allen: Jüdischen getragen. So wird man alles in allem Klausner nicht absprechen dürfen, daß er das Ziel, das Bücher dieser Art verfolgen sollen, den Leser zum Nachdenken über die behandelten Probleme anzuregen, in vollem Mäße. erreicht hat. Man wird das Buch nicht aus der Hand legen, ohne einige Stunden in der Betrachtung jüdischer Probleme ebenso genußreich wie nutzbringend verbracht zu haben. Von M. I. B e r d i t s ch e w s k i, dessen Band literarischer Essays „B oere w" wir bereits besprochen haben, ist wieder ein Bänd von Aufsätzen und Betrachtungen erschienen unter dem Titel: „Beschiroh ubeloschaun" (Ueber Dichtung und Sprache, Band 37). Es enthält eine Anzahl ku^cr Bctrachrungen über Fragen der modernen hebräischen Literatur und Sprache. Sie haben alle die Vorzüge lind Fehler der eigenartigen Schreibweise Berditschewskis. Ihre Vorzüge: inhaltlich: Gedankenreichtum, tiefes Verständnis für die behandelten Fragen und ein fein empfindender literarischer Geschmack; stilistisch : äußerste Prägnanz und Kürze im Ausdruck,, dabei schwungvoll, poetisch,, umgeben von einem Hauch dichterischer Weihe, au3drucksvoll und anregend. Daneben aber ihre Fehler: eine große Neigung zu übertriebenen Anforderungen, ein oft übertriebenes, ungesundes Schönheitsenrpfinden, ein Erfassender Dinge auf *) „Bibliotheko gedauloh" tGroße Bibliothek» 50 Bände,, jährlichi Verlag „Tulchijal", Warschau.^ AbonnemenEprets: Rußland 10 Rubel jährlich, übrige Rndex.: 18'Jeder einzeknene Band 50 Kopek. mehr intuitive als diskursive Art, und die notivendigc Folge daraus im Stile: häufige Unklarheit, Unfähigkeit zu scharf umrisscner Zeichnung, und daher etwas Verschivommenes in der Darstellung, die zu oft dichterischer Schönheit zuliebe ans ihre ge-, dankliche Schärfe verzichtet. Es ist klar, daß diese Fehler bei weiten: nicht den Vorzügen glcichkommen, daß sie zun: Teil durch sie geradezu bedingt sind und daher den hohen Weift, den jebtö Werk Berditschcivslrs besitzt, nur in sehr geringem Maße mindern. So kommt auch diesem Werkchen trotz seines geringen Umfanges und trotz der Kürze seine: Abhandlungen eine große Bedeutung zu. Berditschewski ist sowohl als Dichter wie als Schriftsteller nur für wenige Auserlesene bestimmt. Der großen Masse hat er — in der zweiten .Hälfte seiner Entivicklung zmnal — nur wenig zu bieten. Dafür aber bedeutet für diese ivenigen jedes Erzeugnis dieses Geistes ein Ereignis, von den: sie sowohl geistige 'Anregung wie auch ästhetische Befriedigung cxwnttcn uni erhalten. Sie werden auch diese Sammlung mit reichem Genüsse und innerer Zufriedenheit lesen, auch wenn sie — wie es bei mir der Fall ist — mit manchen seiner Anschauungen durchaus nicht übereinstimmen. Unter den noch lebenden hebräischen Schriftstellern, deren gesainmelten und' ausgewählte» Werke in der „Bibliothekoh" erscheinen werden, befindet sich auch Hillel Zeitlin. Zeitlin ist unter den nwdernen hebräischen Schriftstellern esne der eigenartigsten Erscheinungen. Auf der einen Seite lebend- und schaffend in einer höheren Sphäre der 'Reinheit, Heiligkeit und Begeisterung, hat er auf der anderen zweifellos etwas Schreicrisches. Unfeines an seinem Wesen; halb geistiger Aristokrat, halb unsympathischer Plebejer, ist er fähig, in billigen, sensationellen Jargonzeitungen über die Heiligkeit der Schechinay zu schreiben; mit einer glühenden, fortreißenden Bcgeisterungsfähigkeit verbindet er eine unerhörte, unangenehme Einbildung und Selbftverhcrrlichung; das gesamte Gebiet des alten hebräischen Schrifttnms mit seinen: immensen Wissen umfassend, vertritt er in der Beurteilung des Goluthjudentums eine radikale Einseitigkeit, eine extreme, ungerechte Vorliebe für alles Mystische und Anormale in der jüdischen Geschichte und ist so einer der Hauptverfech ter und Verherrlich er des Chassidisckus geworden., tlnd bei all diesen Gegensätzen und Widersprüchen in seinen: Wesen steht er dennoch als eine Persönlichkeit da und ist im große,: ganzen eine sympathische, achtunggebietende Gestalt. Ter erste Band seiner „Ausgewählten Schriften", der bis jetzt vorliegt (Band 39 und 41), enthälr sein Werk: „Hat an io wchorah" (des Gute und Böse). Das Werk zerfällt in zwei Teile: der eine über die Stellung der jüdischen Denier zu diesem elvigcn Problem und der zweite über die Anschauungen der nichtjüdischen Philosophen. Es ist von vornherein für jeden, der Zeitlin kennt, klar, daß der erste Teil weitaus inhaltsreicher und besser sein »verde als der zweite; denn Zeitlins Kenntnis des Judentums ist weitaus umfassender und tiefer als die der allgemeinen Philosophie (was durchaus nicht besagen will, daß er diese etwa schlecht beherrsche). So beruht dem: auch die Bedeutung des Werkes vor allem auf seinen Ausführungen über die Anschauungen der jüdischen Denker über dieses Problem. Relativ ist ja auch sicherlich der Weite Teil wertvoll, insofern nämlich, als es in der hebräischen Literatur fast gar keine Werke über .die allgemeine Philosophie gibt und der hebräische Leser, daher nur culs diesen: Buche seine Kenntnisse über die Ideen der großen Philosophen über diese Frage schöpfen kann. Aber sieht man von diesem relativen Werte ab — was derjenige, der anderssprachige Werke-, über dasselbe Thema gelesen hat, am leichtesten kann —, so besteht der Wert des Buches — wie gesagt — nur in seinem jüdischen Teil. Dieser aber ist vorläufig, da andere systematische Darstellungen darüber noch fehlen, unschätzbar und müßte von einem jeden, der sich für die Mische Geisteswelt interessiert, gründlich studiert werden; eine Ausgabe, die durch beit fließenden, angenehmen, mitunter recht schönen Stil des Autors wesentlich erleichtert wird. Dem Werke geht eine feine Skizze über die Eigenart und Bedeutung Hillel Zeitlins. voran aus der Feder des stimmungsvollen Dichters, und feinsinnigen Schriftstellers Jakob Fischmänn. * *- Die übrigen Werke, die bisher vorliegen, seien im folgenden nur erwähnt: Band 33—35. Lekaurans horabonus (Zur Geschichte des Rabbinismus) von S. A. H o r o d e z k y. Eine Sammlung von Aufsätzen über die bedeutendsten Rabbiner des Mittelalters und der 'Neuzeit, die ans Grund eines umfassenden Wissens klar und interessant geschrieben, für den jüdischen Gelehrten unentbehrlich, für den Laien aber von größtem Interesse ist. Band 38. S ä n: t l i ch e G e d i ch t e des Rabbi Samuel H a n a g i d. Herausgegeben und erklärt von C h. B r o d y. Zweites Buch. Wir haben bereits bei der Besprechung des ersten Buches aus die Bedeutung dieser Neuausgabe des großen n:ittelalterlichen Dichters und auf die vorzügliche Herausgabe durch Ch. Brody hingewiescn. Band 38. Rabbi Israel Salant; sein Leben, Wirken und seine Schüler, von S. Rosenf e l d. Man hat. vor kurzem den 100. Geburtstag dieses großen Rabbiners, der auch in orthodoxen jüdischen Kreisen Westeuropas verehrt und geliebt ivird, gefeiert. Da wird denn dieses Werk, das über das Leben und Wirken dieses bedeutenden Mannes, über seine ethische Lehre und seine Schüler in höchst interessanter Weise berichtet, all denen, die mit dieser Gestalt näher bekannt werden wollen, sicherlich höchst willkommen sein. Band 46, 47. Ausgewählte Schriften von Jehallal (Jehudah Halevy Lewin). Erster Band (Heft 1 und 2). Zum ersten Male erscheinen die Schriften dieses bedeutenden Dichters, dessen Jubiläum man vor wenigen Monaten gefeiert hatte, gesammelt und geordnet. Die Gedichte, für unseren modernen Geschmack oft veraltet, haben großen Wert für die Kenntnis der Zeit, in die Lelvins vornehmste Wirkungszeit fällt, der Haskalahperiodc. Den Gedichten geht eine Biographie des Dichters von M. M. Feitelsohn voran. Band 42, 43. Erzählungen von A. A. K a b a k. Diese neuen Erzählungen des über ein starkes Talent verfügenden Schriftstellers sind nicht nur als realistische Schilderungen aus dem Leben der russischen Juden kulturhistorisch interessant, sondern besitzen auch einen künstlerischen, literarischen Wert, lieber all diese realistischen Erzählungen liegt eine feine dichterische Stimmung' ansgebreitet, die ihnen einen hohen Reiz verleiht, Baild 45. G e s a in »e e l t e A u f s ä tz e von A. Geiger. Herausgegeben von Dr. S. A. Posnansky. Zweites Heft. Wir haben schon darauf hingewiesen, welch doppelter Wert diesen hebräischen Aussätzen Geigers zukommt: einmal der wissenschaftlich-historische und ferner der der Erfassung dieser für die innere Geschichte, der Jude» so wichttgcn Persönlichkeit. Personalien u. Kleine Mitteilungen. Mannheim. Geh. Kommerzienrat Victor Lenel erhielt das' Kommandeur kreuz. 2. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen, und Kaufmann Michael Rothschild wurde zum 'stellvertretenden Handelsrichter ernannt. Krenmach. Einen schweren Verlust erlitt die hiesige israelitische Gemeinde durch das'. Hinschriden ihres langjährigen Vorstehers I s ä a k W o o g. Mit m:r wenig Unterbrechung stand er bis in seine letzten Lebenstage hinein, bald 40 Jahre lang, mit großer Rührigkeit und Umsicht der hiesigen israelitischen Gemeinde vor. Leipzig. Der Rat der Stadt Leivzig hat beschlossen, eine neue Straße im Westen Salomon Jadassohn-Straße zu benennen. Professor Jadassvhn. war Lehrer am' hiesigen Konservatorüm: und berühmt als Musiktheoretiker, Komponist und Mvsikschriftsteller. Lange Jahre wirkte I. als Dirigent des Synagögen-Chors.

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