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Neue jüdische Presse · 1911-03-03 · Heft 9 (3.3.1911) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
9 (1911)
Issue
Heft 9 (3.3.1911)
Date
1911-03-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Mage M He. 9 des Frankfurter IsmMfM #amtCtmi6 [flttes. Personalien n Kleine Mitteilungen. Frankfurt a. M. Moritz Fisch el, der Gründer jws Vereins „Austria," feierte am 1. März seinen 70. Geburtstag. Frankfurt a. M. Ein stillcr, feiner Geist ist mit Vi c t or E hr li ch von dannen gegangen, ein Geist, der nicht lärmend und klirrend über den Schauplatz seines hieniedigen Daseins schritt, aber, dieses Dasein weihte und krönte mit dem ganzen. Adel eines jüdischen Gemüts. Nicht viele wußten von der eherne», energischen Kraft, mit der er einen schwachen Körper meisterte, nicht viele von der herrlichen, fast zur Kunst ausgebildeten Rechtschaffenheit, mit der er im Erwerbsleben seinem heißgeliebten Judcnberuse Ehre machte. Verborgener aber noch vor den Augen der Menschen und um so offenbarer vor den Augen des All'» sehenden im Himmel war's, wie verschwenderisch er aus innerem Herzensdrang an Bedürftige, die mit der Not des Lebens rangen, milde Liebe übte, und mit welch' zartem Bedacht,' mit welch' kluger Rücksicht und doch mit welch' leidenschaftlicher, feuriger Freude er dabei stets zu Werke ging, ilnd was ans diesen Taten entsprossen und groß geworden ist, das wirkt fort und verbürgt ihm« ewige Tauer, .ihm und seiner trauernden Witwe, die die echte und anspornende Genossin seines «trebcns war, ihm und seinen Kindern, die an beider Beispiel sich aufranken werden aus der.Vdr-> snnkenhcit ihres. Schmerzes. r. Berlin. Die jüdische Gemeinde bat die Grundstücke Levetzowstraßc 8—10 und Kottbuser Ufer 18—50 angekauft, um darauf Synagogen zu errichten. — Privatdozent Dr. Ludwig Jacobsohn erhielt den Titel „P r o f e s s o r." Berlin. Der tnsherlge nellve.tretende Präsident der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft de-o-Alliance Jsraälite Universelle Justizrat Max Fnchs-Berlin wurde zum Präsidenten, Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Landau- Berlin und Rabbiner Dr. Werner- München zu stellvertretenden Präsidenten der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft gewählt. Berlin. Julius Tietz, der stellvertretende Vorsitzende des Anfsichtsrats der Leonhard Tietz-. Aktiengesellschaft, ist verschieden. Bei den Kaufmannsgerichtswahlen in S ch ö n e b e r g - F r i e d e n a u erlitt der a n t isenii tische D e u t s ch n a t i o n a l e Handln ngsge Hilfe »verband eine erhebliche Niederlage, indem er infolge der Wahl von erster an dritte Stelle rückte. Gießen. Hier wurde Bankier Jakob Grünemal d in die Handelskammer gewählt. Breslau. Rentier Sigismund Mamelok hat der jüdischen Gemeinde sein Vermögen, das nach Abzug aller Unkosten 130 000 M. beträgt, vermacht. Breslau. DaS Testament des am 21. Januar verstorbenen Rentiers Leopold K e m p n e r, der sein Verinögen von etwa eine Million Mark der Stadt zmn Ban von billigen Wohnungen vermachte, st ö tz t auf Widerspruch. Die kinderlose Witwe, Flora geb. Selig, mit der er 31 Jahre verheiratet war, ist aufs Pflichtteil gesetzt. Seine übrigen Angehörigen, ein Bruder (Julius) in Wien, eine Schwester und.Brudersöhne in Berlin, welche sich zmn Teil in dürftigen Verhältnissen befinden, sind überhaupt nicht bedacht worden. Zwei Brüder, Georg und -Otto, welche hier ein ^Bankgeschäft betrieben, sind dem Erblasser im Tode vorausgegangen. Der verstorbene L-tiftcr war in seinem Leben trotz seiires großen Einkonrmens, das sich auf 30—10 000 Jt. jährlich gestellt hat, von einer überaus großen Bedürfnislosigkeit, er hat nur einen geringen Teil seines Einkommens verbraucht und sich selbst wenig gegönnt. Die enterbten Verwandten stützten sich darauf, daß er an Epilepsie litt, und gehen mit der Absicht um, die Rechtsgiltigkeit des Testaments anzufechten. Mit der Bertretung derselben sst der Neffe des Erblassers, Rechtsanwalt Dr. Carl Löwenthal in Berlin, betraut. Nach der bisherigen konstanten'Praxis ist die gesetzlich erforderliche Genehmigung des Landesherrn vorerst nicht anzunehmen, da der Regierungspräsident, welcher vorschriftsmäßig den Antrag um Genehmigung zn stellen hat, regelmäßig es ablehnt, sich dahin zu verwenden, wenn arme Verwandte des Erblassers von dcmsclbeil nicht bedacht sind. Köln a. M. Frieda Brüll, Oberin deö Vereins für jüd. Krankenpflegerinnen, wird nach 23jähriger Schtvestertätigkeit demnächst in den Ruhestand treten. Stuttgart. Rechtsanwalt Sänger wurde zum Notar ernannt. St. Ludwig. Heute wurde unser Vorsteher Einil Weil! unter ungewöhnlich, starker Beteiligung beerdigt. Der Verstorbene hatte sich' in allen Kreisen der Bevölkerung der größten Achtung erfreut. Im Trauerhause schilderte Rabbiner Dr. Schüler den Verlust, den die Familie und die Gemeinde erlitten. Am osfenen Grabe widmete dem verstorbenen Vorstehereinen tiefempfundenen i Nachruf das Vorstandsmitglied Jules Schik. I it,.) Posen. Hugo Brodnitz ist von derj Stadtverordneten - Versammlung einstimmig zum Provinzial, - Landtagsabgeordenten gewählt worden. Wie». Die „Jüd. Ztg." schreibt: Exzellenz Sieghart, früher Singer geheißen, ein jüdischer Kantorensohn, der es Dank seiner Taufe und der treuen Dienste, ivelche er als Präsidialist im Ministerratc den christlich - sozialen Antisemiten geleistet hat, zum Bankgouverneur gebracht hat, hatte das Unglück, innerhalb iveniger Monate Mutter und Frau durch den Tod zu verlieren. Zum Unglücke gesellte sich aber noch das, Pech. Beide Frauen sind Jüdinnen geblieben, und demgemäß nach jüdischem Ritus becraben worden. Um unan-enehmen Reminiszenzen zir begegnen, mußten die Berichte über die Begräbnisfeierlichkeiten entsprechend gefälscht werden. Die Wiener Presse hatte sich dem verflossenen Herrn Singer gefällig erwiesen und in den Berichten alles - „Mosaische" unterschlagen, sogar die Reden des Oberrabbiners Güdemann. . ." Budapest. Im Dezember wurden hier 78 jüdisch-christliche Ehen cingegangen, die höchste Zahl, die bisher ein Monat erreicht hat. In der orthodoxen Synagoge las am vergangenen Samstag Sektivnsrat Edmund Klein, Chef des Preßbüros im Ministerpräsidium, die Haftarah. Klein, ein ehemaliger Preßburger Talmudjünger, ist in Gesinnung und Praxis streng konservativ. Die Ungar. A k a d e in i e dekorierte Kreisarzt Sr. Josef Pöwy in Komady wegen seiner klassischen Lenanarbeit. Löwy ist streng konservativ und Zionist. Zioni. Kostet (Mähren). Hier verstarb im Patnarchcn- Alter von 100 Jahren Ephraim Nenmann. langjähriger Kultusvorsteher imd Bürgermeister der Israeliten-Gemeinde. Der Verblichene, der bis in seine letzten Lebenslage hinein eine staunenerregende körperliche und geistige Frische und Regsamkeit verriet, genoß wegen seiner seltenen Frömmigkeit und Rechtschaffenheit allgemeine Wertschätzung. Rabbiner Hofsmann widmete dem würdigen .Greise einen tiesempftuidenen Nachruf. Spalato »Dalmatien). Hier sta, b jüngn im hohen Greisenalter Vid (Chajim) Morpurgo, seit vier Jahrzehnten der erste und einflußreichste Mann Dalmntiens. Ihm allein ist es zu verdanken, daß ans den: italienischen Dalmatien wieder ein kroatisches Dalmatien geworden ist. Er gründete die erste kroatische Buchhandlung des Landes, gründete und lenkte den „Narod", das' Hanptorgan der kroatischen Nationalpartei, und stand überall. an der Spitze, wo cs galt, das Kroatcntnm durchzusetzen. Er »rar Gemeinderat, Landtagsabgeordnetcr, Präsident der Handels- und Gewerbekammer nsw. Als Jude stand' Morpurgo auf orthodoxem Standpunkte. Aus der zionistische» Bewegung. Frankfurt a. M. Die Zion. Jugendgruppe beschäftigte sich an ihrem letzten Mend mit der Frage „Wäs unserer Jugend nottut." In Herrn Dr. Forschmann hatte die Jugendgruppe einen glänzenden Referenten für dieses Problem gefunden. Der Redner machte die heutige westeuropäische jüdische Jugend zum Gegenstand seiner Betrachtungen und spürte den Ursachen nach, aus welchen diese sich jüdischen Fragen gegenüber indifferent, ja ablehnend verhalte. Cr konrmt zu dem Schluß, daß Mangel an positivjüdischem Wissen, an ideeller Gesinnung und gesunder Ansichten diese Jugeird kennzeichne. Eine Reihe drastischer Beispiele illustrierten seine Behauptungen. Den Ausführungen folgte eine interessante Diskussion. L. Perlmutter und Lehrer B. Stern fordern von der zionistischen Jugend Teilnahme an allen Veranstaltungen, die jüdisches Wissen vermitteln, der erster« fordert besonders Erlernung der hebräischen Sprache. An der Debatte nahm ferner Leo Goldschmidt teil. Eine Mitgliederversammlung, in der über verschiedene Kurse, die die Jugendgrnppe einrichtcn tvill, beraten jvurde, schloß sich an. Wie». Jeanette Herzt geb. Diamant, die Mutter Theodor Herzls, ist am 20. Februar im Alter von 75 Jahren verschieden. Das Leichenbegängnis dieser bedeutenden. Frau, gestaltete sich zu einer imposanten Trauerknndgebung. Reden dursten gemäß ihrer letztwilligen Verfügung nicht gehalten werden. _ Ans der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Anschließend, an seinen TehÄlim - Vortrag hielt Rabbiner Dr. Nobel letzten Sonntag einen Hesped ans den Brzezanher Raw, Rabbi Schalom Mordechai Schwadron, dessen hervorragende Persönlichkeit wir bereits in der vorigen Nummer würdigten. Rabb. Dr. Nobel entwarf ein packendes Bild von dem Heimgegangenen Geistesfürsten. Die ganze gewaltige hebräische Literatur beherrschte er. In seiner Bibliothek findet sich kein Buch, das nicht ans jeder Seite dicht mit Anmerkungen von seiner Hand versehen >oäre. Diese Anmerkungen sind die Bausteine zu den Werken geworden, die das Beste der halachischen Literatur sind. Wo eine Frage austauchte, die der Entscheidung bedurfte, wandte man sich an diesen bescheidenen Mann. Große Rabbinate, Lemberg und Krakau, wurden ihm angetragen: doch er lehnte ab, um nicht seinem Studium entzogen zn werden. Nicht weniger als 1000 halachischc Antworten — sic sind in 1 Bänden bereits erschienen — hat er erteilt. Der ehrwürdige Redner zeigte, ivas der Berlust eines solchen Großen gerade in unserer Zeit bedeutet, und forderte zmn Schlüsse die Jugend zum Studium der hebräischen Sprache und unserer heiligen Bücher aus. Gaffel. Am israelit. Seminar bestanden sämtliche Examinanden die erste Lehrerprüfung. Belgrad. König Peter verlieh Rabbiner Ignaz Schlang den Sawa- Orden für Kunst und Literatur. (L) Lsirowo. Die seit vielen Jahren hier bestehende 3klasfige jüdische Volksschule, die einzige die noch in dieser Art in der Provinz Posen bestanden, wird infolge Rückganges der Schülerzahl zum l. April dieses Jahres 2 k l a s s i g. Von dem Lehrerkollegium ist Lehrer K o c r P e l auf seinen Antrag in den Ruhestand versetzt worden. Er siedelt nach Berlin über. Aus den Vereinen. Frankfnrt a. M. Die feit zwei Jahren hier bestehende Jüdische Br ock e n s am mlnn g „Peah" leidet seit fast Beginn ihrer Tätigkeit unter den engen Räumen. Sie hat deshalb ihr Augenmerk von vornherein auf die Schaffung xigener Räumlichkeiten gerichtet. Zu Gunsten ihres Baufonds, der z. Zt. erst wenige tausend Mark umfaßt, findet am Dienstag, den 7. März, im großen Saale des Kaufmännischen Vereines ein f e st l i ch e r A b e n d statt, für den namhafte Künstler ihre Mitwirkung zusagten. Für Unterhaltung irnd Erfrischungen ist bestens Vorsorge getroffen. Die Karten sind im Bureau der „Peah," Allerheiligenstr. 10 znm Preise von 2.— Mark und 3.— Mark zn erhalten. (Näheres bringt der Inseratenteil). Frankfurt a. M. Im Verein „Nachlaß 3 w i" sprach Jacob Rosenheinr über „I ü - dischc Gebete." Redner schilderte, ausgehend von der Wend-, Morgenmid Mittag - Schmonoesre des L-chabbos, die wechselnden Aufgaben, die jedem Inden am Schabbos zur Beherzigung gegeben sind, sowie die Stimmungen, die sich daraus ergeben, und verstand es in musterhafter Weise, an Hand einer Fülle von Zitaten aus Midrasch und Talmud den ganzen Gedankeninhalt der erwähnten 3 Gebete ausznschöpfen. Es wäre zn wünschen, daß dieser, sowie die anderen Vorträge, die der Redner über die jüdischen Gebete bereits feit mehreren Jahren hält, durch Druck einem größerem» Publikum zngängig gemacht würden. Frankfurt a. M„ 2. März. In der gestern abgehaltenen Versammlung des „Jüd. Frauenverein s" sprach Prov. - Rabbiner D. Bamb e r g e r -> Hanau über „Glücket v o u H a m e l n." Redner wies einleitend ans die Bedeutung des Werkes hin, das leider so wenig gekannt sei. Dies hänge vor allem mit der jüdisch - deutschen Sprache zusammen, in der die Memoicren abgcfaßt sind. Diese Sprache ist schon an sich kulturhistorisch hochinteressant, in weit größerem Maße aber ist cs der Inhalt. Vor allem bietet er eine Fülle überaus wertvoller und interessanter allgemeinen Nachrichten und Schilderungen, so über den Abschluß derselben in jener Zeit, über den Handel der Juden, über ihre Lebensauffassungen, besonders aber über die Geschichte der jüd. Gemeinden zn Hamburg >md Metz, den Städten, in denen die Glücket deir größten Teil ihres Lebens verbracht und gewirkt hatte. Wichtiger noch aber als diese allgemeinen Mitteilungen sind die familiengeschichtlichen Aufschlüsse, die in den Memoiren enthalten sind. Durch ihre weitverzweigte Familie war die Glücket mit sehr vielen der angesehensten jüd. Familien Deutschlands verwandt, über deren Geschichte sie berichtet. Ihr eigenes Leben ist von größtem Interesse, und zeigt sie selbst als ein Akuster einer echten jüd. Frau. Früh ihres Mannes beraubt, blieb sie mit acht Kindern zurück, für die sie allein sorgen mußte. Sie leitete allein die Geschäfte und kämpfte mutig mit den Mühsälen des Lebens. Nicht nnr materiell sorgte sie in aufopfernder Weise für ihre Kinder, sondern suchte sie auch ideell zn fördern und zn erziehen. Zu diesem Zwecke hat sie auch ihre Memoiren geschrieben, in denen sie ihren Kindern Regeln und Ermahnungen für das Leben erteilt, die ihre große Lehensklugheit, ihre Liebe zn allem Indischen und

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