Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 34 (2.9.1910)
- Date
- 1910-09-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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M ilr. 34 des ücmifefnctec ifmetitifffien FamllimklMes. Aus der zionistische» Bewegung. Frankfurt a. M. Das Programm des im Kaufmännischen Vereinshause stattsindenden XII. Delegiertcntags der deutschen Zionisten lautet: S a in s t a g, den 10. Sept. Von abends 8V2 Uhr an: Zwanglose Zusainmenknnft im Promenadenkaffee, Eschenheimer Anlage. Sonntag, den 11. Sept. Vormittagssitzung, Beginn 10 Uhr: 1. Eröffnungsansprache des Präsidenten Dr. Bodenh e i m e r - Cöln. 2. Ansprache des Präsidenten des Aktionskomitees David Wolffsohn-Cöln. 3. Wahl des Büros. 4. Bericht des geschäftsführendcn Ausschusses. 5. Referate: a) Professor Dr. Otto W arb u r g -Berlin: Palästina als jüdisches Arbeitsgebiet. b) Dr. Franz Oppenheimer- Berlin: Die wirtschaftliche Erschließung Palästinas. Nachmittags s itz u n g, Beginn 3 Uhr: Generaldebatte. Abends 0 Uhr: Kommers, veranstaltet von der Frankfurter Ortsgruppe in Verbindung mit dem Bund jüdischer Korporationen und dem Kartell Zionistischer Studentenverbindungen. Montag, den 12. S e p t. V 0 r m i t t a g s s i tz u n g, Beginn 10 Uhr: 1. Dr. Hans G. Hey mann: Finanzen. 2. Parteisekretär Blumen seid: Zionistische Agitationsmethoden. 3. Anträge. N a ch in i t t a g s s i tz u n g » Beginn 3 Uhr: 1. Eventnalia. 2. Wahle». A b e n d s 8V-> Uhr: Große öffentliche V e r s a in in l n n g. Dienstag, den 13. Sept. Besichtigung jüdischer Anstalten und Einrichtungen in Frankfurt a. M. Sonntag und Montag um 1 Uhr gemeinschaftliches Mittagessen in dem großen Saale der Frankfurt - Loge. Zwecks weiterer Auskunft beliebe man sich an das von Freitag den 0. Sept. an geöffnete Auskunftsbüro im Kaufmännische» Vereinshause oder au den Vorsitzenden der Frankfurter Zionistischen Ortsgruppe, Herrn Rechtsanwalt Dr. Siegfried Schwarzschild, Zeil 74, zu wenden. Frankfurt a. M., 30. Aug In der gestrigen Bersamnilung der Zion. Bereinigung berichtete Rechtsanwalt Dr. S. Schwarzschild, der Vorsitzende, über die Vorbereitungsarbeit des hier am 11. und 12. Sept. stattfindenden DelegiertentageS der deutschen Zionisten. Sodann referierte der zweite Vorsitzende, Fritz Sondhcimer, über den Delegiertentag selbst. Der Delegicrtentag werde unter dem Zeichen der Einigung in der zion. Bewegung stehen und sich dadurch mehr mit inneren zion. Angelegenheiten, besonders mit allgemeinen Organisationsfragen, beschäftigen. Es obliege ihm die W a h l eines n e u e n P r ä s i d e n t e n, da Dr. Bodenl>eimer sich fernerhin nur der Leitung des zu so großer Bedeutung angewachsenen Nationalfonds widnien wolle. Auch der Antrag des Zentralkomitees, den Landesbeitrag von 1.— Jf. auf 3.— Jf. zu erhöhen, sei von Bedeutung. Er, Referent, halte des ferneren die Zeitun gs frage, die Jn- Neuorganisation und die Jugendbewew c g u n g für wichtige Beratungsobjekte der Delegierten. Auf die Dauer sei cs nicht angängig, daß für die „Welt" und die „Jüd. Rundschau" große Summen anfgetvendet werden, es sei vielmehr endlich die schon auf dem Hannoverschen Delegiertentag geforderte Verschmelzung dieser beiden Zeitungen erforderlich. Bezüglich der Jnnenorganisation sei Die Hauptaufgabe, neues, jüd. Leben hervorbriugeu zu suchen, eine Aufgabe, der man immer weniger gerecht geworden jei. Er schlage die Einrichtung von Kursen für jüd. Geschichte mid den engeren Zusammenschluß zwischen den ein zel ne n Z i 0n i st e n v 0 r. Schließlich nuisse der Erziehung der Jugend, der Zukunft des jüd. Volkes, die eingehendste Aufmerksamkeit zugewendet werden. Nach einer interessanten Debatte wurden dann die Wahlen zum Delegiertentag vollzogen und Saly Geis, S. H. Goldman», I. L. Goitein, A. Lewisohn und Dr. Schwarzschild zu Delegierten und Dr. Gottlieb, Martin Levigard und Joseph Oppenheimer zu Ersatzdelegierten gewählt. Fritz Sondheimer hat als Mitglied des Zentralkomitees so ipso Sitz und Stimme rm Delegiertentag. Hamburg. Die Zion. Ortsgruppe Hamburg-Altona veranstaltete am 25. August eine Mitgliederversammlung zur Vornahme der Wahlen für den Frankfurter Delegiertentag. Nach einer sehr eingehenden Debatte über verschiedene der dem Delegiertentag zur Entscheidung vor-I liegenden Fragen, in der insbesondere der An-I tragj ans Erhöhung des Landesbeitrages von 1.— Jf. | auf 3.— Jf. ausführlich erörtert, wurde, nahm die Versammlung mit großer Majorität folgende Resulntion an: „Die zur Wahl von Delegierten zum Frankfurter Delegiertcntag einberufene Versammlung der Zionistischen Ortsgruppe Hamburg- Altona spricht sich gegen die Erhöhung des jetzigen Landesbeitrages von 1.— Mark vor der enkgültigen Regelung der Finanzen der Gesamtorganisation aus, sie bittet aber den Delegiertentag zu erwägen, ob die Mittel der Zionistischen Bereinigung für Deutschland nicht in der Weise verstärkt werden können, daß 1. ein Umlageverfahren für die leistungsfähigen Ortsgruppen eingeführt wird. 2. Die Zuführung von freiwilligen Spenden unter Ausweis in der Jüdischen Rundschau auch für die Zwecke der Zionistischen Bereinigung für Deutschland ermöglicht wird." Bei der sodann vorgenommenen Wahl wurden zu Delegierten Leopold Landau, L. E st e r m a n n, Rechtsanwalt David, Joseph Goldschmidt und Referendar Gottschalck, zu Ersatzdelegierten Referendar Hirsch, Referendar Möller und Leo M. Michael gewählt. D. Personalien u. Kleine Mitteilungen. Frankfurt a. M. Geh. Obermedizinalrat Prof. Dr. Ehrlich wurde mit dem serbischen Savaorden 1. Klasse ausgezeichnet. Berlin. Geheimrat Sigmund Lautenburg spendete dem hiesigen ö sterr. - u n g ar. Hilfst verein 25 000 Jf. Berlin. Geh. Kommerzienrat vr. lag. honoris causa Isidor Loewe, einer der angesehensten Industriellen Deutschlands, ist an den Folgen einer Blutvergiftung, die er sich durch ein Geschwiir zugezogen - hatte, verschieden. Er war Vorsitzender der Zentralstelle für wissenschaftlich-technische Untersuchungen, Mitglied des 'Landeseisenbahnrates und der Handelskammer und gehörte dem Aufsichtsrate einer Reihe bedeutender Aktiengesellschaften an. Der Kaiser .und Der Kronprinz sandten der Witivc Beileidstelegramme. Dresden. Der berühmte Kinderarzt a. 0. Professor Dr. Eduard Heinrich Henoch ist hier verschieden. Er wurde am 16. Juli 1820 in Berlin geboren und war von 1872—1893 Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderkrankheiten in der Charite zu Berlin. Hagenbnra b. Steinhude. Seinen 100. Geburtstag feierte der frühere Schlächtermeister A l e x a n d e r L i p p m a n n. Dem Hunderjährigen wurden aus diesem Anlaß viele Aufmerksamkeiten zuteil. Vom Schaumburg - Lippischen Ministerium wurden ihm durch den Bürgermeister des Ortes 100 Jf. überreicht. Jauer. Eine Schenkung in Höhe von 50 000 Jf. hat der Kaufmann Bruno Fuchs in Dresden seiner Vaterstadt Jauer gemacht. Für diese Summe soll die Anlage eines Stadtparkes, der den Namen „Bruno Fuchs-Park" erhalten soll, ausgeführt werden. Leipzig. Gegen den bekannten Reformer und Führer der sächsischen Mittelstandsvereinigung, Ingenieur Theodor Fritsch, hat die Leipziger Staatsanwaltschaft Anklage erhoben wegen Gotteslästerung bezw. Beschimpfung der jüdischen Religionsgemeinde, und zwar aus Anlaß eines in seiner Zeitschrift „Hammer" Nr. 190 abgedruckten Merkspruches. Biblis. Am Schabbos Nachamu beging Herr Salomon Lazarus Fränkel das Fest der silbernen Hochzeit. Herr Fränkel ist seil 12 Jahren erster Borsteher der israel. Gemeinde, seit 30 Jahren Rechner des Vereins „Achawah" und seit 18 Jahren der „Chewrath Noschim", außerdem seit 8 Jahren Schriftführer der freiwilligen Feuerwehr. Alles dies gibt Kunde von der großen Beliebtheit, deren sich Herr Fränkel hier erfreut. Die freiwillige Feuerwehr ließ es sich nicht nehmen, dem Jubelpaar einen Fackelzug mit „Ständchen" .zu bringen. Kommandant Nock brachte die Glückwünsche der Kameraden dar. Lehrer Rohrheimer hob rühmend den Fleiß des Jubelpaares hervor, dessen Ehe mit JO Kindern gesegnet ist, und feierte besonders Fränkels Wirken in der Oeffentlichkeit. Fast das ganze Dorf hatte sich an der Ehrung beteiligt. (L.) Posen. Die Lieferung sämtlichen Frühstücks¬ und Tafelgebäcks für den persönlichen Bedarf des Kaiserpaares bei dessen viertägigem Aufenthalt Hierselbst, sowie des Gebäcks für die Galatafel war dem jüd. Bäckermeister H. Heppner übertragen worden. Posen. DieStadterweiterungskommission hat von dem ehemaligen Festungsgelände der Israel. Brüdergemeinde ein größeres Gelände — gegenüber der Diakomssenanstalt — reserviert, auf dem die neue Synagoge erbaut werden soll. Mit ihrem Bau soll in Kürze begonnen werden. Elbing. Der Kaufmann Loewenstein erhielt den Charakter als Kommerzienrat. Prag. Den Titel eines Kaiser!. Rates erhielten: Friedrich Fischl, Stadtverordneter und Bizevorsteher der israel. Kultusgemeinde in Olmütz, Max Keitler, Direktor der Kreditanstalt in Olmütz und Moritz Artner, Fabrikdirektor in Pornik. Wie«. Dr. Alfred Stern, Präsident der israelit. Kultusgemeinde und Obmann des Oesterr. Israelit. Gemeindebundes, feierte seinen 79. Geburtstag. — Dr. Julius Mayer, Leibarzt des russ. Botschafters Fürst Mußow, erhielt das Ritterkreuz des russ. Stanislaus-Ordens. San Franzisko. Hier hat sich ein Komitee zur Errichtung eines Hahm Salomvn- Denkmals gebildet. Salomon war nach dem Ausbruch der Revolution den Kolonien hilfreich beigesprungen, indem er Jahre hindurch den Beamten der Revolution aus eigenen Mitteln die Gehälter auszahlte, ohne jemals die vorgestreckten Gelder von der Regierung zurückzufordern. Dann kam die große Krisis, das ganze republikanische Unternehmen stand auf dem Spiele, die Kassen waren leer. In diesem kritischen Momente erwies sich Salomon abermals als Retter in höchster Not. Er stellte dem republikanischen Kolonialschatz, ungeachtet der großen Opfer, die er bereits gebracht hatte, abermals 600 000 Dollars zur Verfügung, eine Summe, die, wie die amerikanischen Blätter erklären, damals so viel bedeutete, wie heute 30 Millionen Dollars. Weder Haym Salomon, noch seine Erben erhielten jemals diese gewaltigen Summen zurück. Die Erben haben wohl Jahre hindurch gegen die Regierung der Republik wegen Feststellung der Schuld Prozesse geführt. Als jedoch schließlich ein vom amerikanischen Kongreß eingesetztes Komitee die Berechtigung der Forderung feststellte und den Erbere die Summe samt Zinsen und Zinseszinsen zuurteilte, erklärten die Erben, das Geld, das inzwischen mit Zinsen auf viele Millionen angewachsen war, nicht annehmen zu wollen, da es dem Geiste Haym Salomons widersprechen würde: sie hätten den Prozeß nur deshalb geführt, um die selbstlosen Verdienste ihres Ahnen dokumentarisch festzustellen und die republikanisch« Regierung zu veranlassen, sein Andenken zu ehren. Seitdem sind abermals Jahre verflossen und das geplante Monument kam nicht zustande. Run soll diese verdiente Ehrung, wenn auch nicht auf Initiative der Regierung, doch ausgeführt werden. Aus der Lehrerwelt. Prag. Stiftungsrabbiner Löw-Austerlitz feierte am 27. August seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar üht seit Jahren das Ehrenamt eines Mohels aus und hat etwa 2500 Kinder in den Abrahams-Bund ausgenommen. Huszt (Ungarn). Zum Nachfolger des am 7. Aw im 58. Lebensjahre verschiedenen hervorragenden Talmudgelehrten Oberrabbiner M. Grünwald wurde dessen Sohn Abraham Josef Grünwald, Rabbiner in Mako, gewählt. Spenden. Beim Franks. Jsr. Familienbl. gingen für den Nationalfonds ein: Firma Blum u. Jeckel 3.— Jf Auf der Versammlung vom 29. Aug. der. Zion. Vereinigung gesammelt 5,20 „ Frl. Marx, Mergentheim 0,25 „ Gratulationen: Verlobung Dr. Martha Goldberg mit Dr. G. Löffler, M. Lehmann und Frau, Hanauerlandstr. 17; Samuel Weinberg; Lehrer Rosenberg-Bierstadt a —,50 Jf; Moritz Plaut 1,— Jf. 2,50 „ Verlobung Emma Schmidt mit Saly Geis, Dr. David —',50 Jf; Bernhard Jsaacsohn; E. N., Merianstr.; Familie Jchenhäuser; M. Sackheim-Jardeni, Bern ä 1,— Jf ,4,50 „ Dr. I. M. Salkind, London auf den Namen des Brautpaares 1 Oelbaum 6,— „ Ferner für den „Montefiore"- Verein: Julius Pohle, Wiesbaden zur Verlobung Goldberg mit Löffler —,50 „ Vereins-Kalender. Samstag. Verein „Mekor Chajim", 12 Uhr, Hörsaal' Friedberger Anlage: Vorlesung aus Sefer Schemuel (Prof. Ä. Weyl); 41/4 Uhr, Schützenstraße 2: Mikro - Bortrag (stud. math. Siegfr. Jeidel). — Hatchijoh, 5%Uhr, Hermesw. 25/27: Die jüdische Ethik (Goldmann). Mittwoch. „Montefiore"-Berein, 9 Uhr, Seilerstraße 22: Jüdische Geschichte (Berthold Stern). 48