Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 27 (15.7.1910)
- Date
- 1910-07-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2692665-2692692--05545-2700464- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Map p ilt. 27 des fmnftfarißt IsmkWm #anutieii6taftes. Die Deutsche Palästina-Bank. Herr Kann weicht aus! — Auf meine F e st st e l l n n g, daß die üou ihm vorgebrachten „Tatsachen" keineswegs Tatsachen zu dem in Rede stehenden Falle sind, geht Herr Kann in seiner Erwiderung begreiflicherweise nicht ein. Dagegen verweist er auf seine Zurückweisung der Kritik, die ich an den so sehr hinter dem Resultat des Deutschen Bankinstitutes znrückbleibenden Ergebnissen der Anglo Palestine Company geübt habe. Ich habe daraufhin seiner damalige (erste) Anwort nochmals ansmerksam durchgelesen, ohne aber das geringste davon entdecken zu können. Herr Kami hat versucht, die so.unvergleichlich besseren Resultate des deutschen Instituts damit zu erkläre», daß jenes vielleicht mehr anderwärts als i n P a l ä st i 11 a arbeite. Ich verwies dann auf die ebenfalls von Herrn Kann geleitete „Indische Kolouialbank" in London, die sicherlich mehr anderwärts als in Palästina arbeitet, und von der man „daher" wohl unter Herrn Kann's fachgemäßer Leitung mindestens ähnliche Resultate erwarten könnte, wie die (nach Herrn Kann's 'Ansicht durch ihre palästinensische Betätigung doch nur gehinderte) Deutsche Palästina - Bank. Wie aber liegen die Tatsachen? Das Resultat der „Jüdischen Kolonialbank" beträgt bei weitem nicht die Hälfte von dem der Deutschen Bank! (Dividende der Jüd. Kolonialbank seit Jahren 2y2o/0 — die der Deutschen Palästina-Bank seit Jahren 6«/»!) Herr Kann zlvingt mich durch den Ton seiner ganz unsubstantiierten Erwiderung diese Verhältnisse auch der Londoner Bank heranznziehen und nennt dies dann einen „Angriff". Während ich doch nur die jüdischen F-inanziiistitute zu besserer Wirksamkeit gebracht sehe n m öchtc, — wenn ich mich dabei auch gegen die gegenwärtige Verwaltung wenden muß, die unter dem Vorgeben „g e s ch ä ft l i ch e n Vorgehens" weder der isache n o ch den Geschäften einen wirklich entsprechenden Nutzen bringt. Schließlich lehnt es Herr Kann jetzt ausdrücklich ab, sich öffentlich über die Frage zu äußern (wozu trug er dann diese überflüssige Diskussion in die Presse? Mein Artikel sollte keine „Antworten", sondern möglichst A e n d e r u n g e n herbciführcn) und veriveist mich auf Geiieralvcrsainmlnngen, an denen ich kein Interesse habe. Nach alledem kann ich nur in vollem Umsangc ausrecht erhalten, was ich in meinem ersten Artikel „Von der Deutschen Palästina-Bank" gesagt habe. Davis Trietsch. Aus cMsr W stt. Deutsches Reich. Berlin. Dem Vorstand der Berlin-Brandenburgischcn Aerztekammer hat jetzt derOberpräs i d e » t der Provinz Brandenburg ans dessen Beschwerde wegen der bekannten Znrück- >v e i s n ii g c ines 1südischen Praktikant«: n im B r itze r Kre iskra n ke n ha us einen « Bescheid ii tom me ii lassen. Der Vorstand hatte aus diesem 'Anlaß an den Reichskanzler und den Knltnsministcr eine Eingabe gerichtet. Der Oberpräsident teilt nunmehr dein Kammervorstande mit, daß dem Anträge, dem Kreiskrankenhansc in Britz während der jetzigen Leitung das Recht zur Annahme von Medizinalpraktikantcn abzuerkcnncn, nicht stattgegeben werden könne. Der in der Eingabe erwähnte Vorgang liege außerhalb der Erwägungen und Gesichtspunkte, die für die Ermächtigung des Krankenhauses zur Beschäftigung von Praktikanten und folgeweise auch für deren Wiederentziehung maßgebend sind. Doch spricht der Oberpräsident aus, daß die Begründung der betreffenden Abweisung allerdings zur Bea n st a n d u » g A n - l a ß biete. Schweiz. Bern. Zu Besuch in Bern weilend, muß ich zu meiner Freude konstatieren, daß der Geist der r u s s. - j ü d. Studentenschaft sich erheblich gebessert hat. 'Nichts' mehr von den revolutionären Gedanken und dem wilden Wesen. Die verschiedenen Parteien sind jetzt sogar im Stande, einigermaßen ruhig miteinander zu diskutieren. Ein gutes Beispiel dafür bot mir eine Versammlung, im der Dr. Pasmanik-Gens auf russisch einen Vortrag über die Psychologie des h e n t i g e n I n d e n t u m s hielt und die zahlreich von russ.-jüd. Studenten besucht war. —s. Personalien n. Kleine Mitteilungen. Frankfurt a. M. Geh. Obermedizinalrat Dr. Paul Ehrlich wurde vom Bundesrat zum Mitglied des Reichsgesundheitsamts gewählt. Frankfurt a. M. Im Kunstsalon Knoeckel (Kaiserstr. 13) ist gegenwärtig eine Kollektion des jungen Frankfurter Malers H e i n r i ch G o t t s e l i g ausgestellt. Seine Schöpsungen zeigen einen Maler von Eigenart, und zlvar ist es ein ätherisches Farbenempfinden, das ihnen ihre eigene Note gibt; zarte Farben, Sonnenscheinstimmuug . . . Berlin. Wie aus Marienbad gemeldet wird, verschied dorten der bekannte Lustspieldichter Gustav Kadelburg infolge eines plötzlichen Schlaganfalles. Kadelburg wurde am 26. Juli 1851 in Budapest geboren, wirkte an verschiedenen Bühnen, verfaßte zahlreiche Lustspiele, zum Teil in Gemeinschaft mit anderen Autoren. Berlin. Der 19. Juri ist ein trauriger Gedenktag. Am 19. Juli 1510 starben nämlich in Berlin 38 Inden den Märtyrertod, und zwar waren es 36, die ans dem Neuen Markt zu Berlin lebendig verbrarmt wurden, während zwei andere Leidensgenossen, die vor Angst die Taufe nahmen, zur „Enthauptung" begnadigt wurden. Das Verbrechen, dessen sie angcklagt worden waren, bildet die sattsam bekannte Hostienschändung, und die Beweismittel, dereil sich die gerechten Richter behufs Uebersührung der Angeklagten bedient hatten, waren — die Folter. -t. Karlsruhe. Unter den 7 Vertretern der badischen Hochschulen (Heidelberg, Freiburg, Karlsruhe), welche dem Großherzog von B a de n anläßlich seines silbernen Hochzcitssestes die Huldigung der Studentenschaft darbrachten, befand sich auch der 'derzeitige Erstchargierte der Freiburger Verbindung im K. C. Glübellinja. Bremerhaven. Die silberne Hochzeit unseres fnhercn langjährigen Kiiltuspräsidentcn Eduard Boas bot endlich einmal die Gelegenheit, zu zeigen, welcher hohen Wertschätzung sich das Bvas'sche Ehepaar, dessen Haus als Stätte jüdischer Tradition mustergültig dastcht, in den weitcston Kreisen erfreut. Des Bormittags 10 Uhr erschienen in der Wohnung des Jubelpaares die Vorstandsmitglieder der Kaiser Friedrich-Loge U. O. B. B., Bremen, die hiesigen Logenbrüder und der Vorstand und die Repräsentanz der hiesigen Kultusgemeinde. Mit Worten des Dankes würdigten die Vertreter der einzelnen Körperschaften des Jubilars Wirken im Dienste der Allgemeinheit und behändigtcn ihm Ehrengeschenke. Diesem offizieklen Teile folgte dann bis zum Abend eine außerordentlich große Schar von Gratulanten. München. Der Kunststreit um das Fab i a ns ky'sche Bild im Glaspalast, das die Jndenmetzeleien in Kiew darstcllt, wird voraussichtlich den R ü ck t r i t t einiger V o r st a n d s m i t g l i e d e r und c i n i g e r M i t g l i c d e r d e r I u r y zur Folge haben. Die Münchener Künstler sind über die Nachgiebigkeit gegenüber dem Terrorismus und der russischen Schnüffelei auf deutschem Boden sehrerregt. Die Jury erklärte, sie habe in dem Bilde keine Beleidigung des Zaren erblickt, sondern ein vollkommene» Kunstwerk. (L.) Posen. Der 6. Juli war ein trauriger Gedenktag. Am 6. Juli 1810 entstand des Nachts um 2 Uhr in der Jndengasse eine Feuersbrnnst, die innerhalb zwei Stunden 30 Häuser in Asche legte. — Kaufmann L o n is Kr v n he i m hat der Stadt S a m t e r ein Legat von 3000 Jk vermacht, dessen Zinsen alljährlich an Arme ohne Unterschied der Konfession verteilt werden sollen. Breslau. Nachdem im vorigen Jahre Zülz, das unter österreichische Herrschaft außer Glogau die einzige jüd. Gemeinde Schlesiens mar und einst großes Ansehen genoß, aufgelöst wurde, steht jetzt auch die jiidische Gemeinde in P a t s ch - kan vor der Auslösung. Glogau. Die hier verstorbene Witwe Louise W e i s st e i n hat der S y n a g o g c u g c m e iu d c 21000 Jk vermach t. Die Zinsen von 10 000 Mark sind als Pensionszuschuß für Gemeindebeamte und Unterstützung von deren Witwen und Waisen zu verwenden. Rosenthal (Reg. - Bez. Kassel). Hier feierte Jacob Rosenberg, Vater des Rabbiners Dr. Rosenberg-Thorn, in Gesundheit seinen 94. Geburtstag. Pletz. Nach langem Leiden verschied Heinrich Time n dwrfer, Präsident der jüd. Gemeinde und des Vereins für jüd. Geschichte und Literatur. Westerburg. Die Einweihung unserer neuen Synagoge wurde getragen von dem harmonischen E i n v e r n e h m e n zwische u der hiesigen ch r i st l i ch c n und jüdischen Bevölkern mg. Die gesamte christliche Bevölkerung — einschließlich der Ho Novationen — nahm freudigen Anteil an dem. Feste der jüdischen Gemeinde, Vereine mit ihren Fahnen waren im Festznge, und der Landrat hielt eine Rede, die ein Ehrenzeugnis war für das Ansehen der hiesigen Juden. Die offizielle Einweihung vollzog Bezirksrabbiner Dr. L a n d a u - Weilburg. Rom. „Corriöre dellaSera" erzählt: A. Teixera ließ sich, kurz bevor er zum Oberstaatsanwalt befördert wurde, taufen. Als Teixera beim König in Audienz erschien, um für die Ernennung zu danken, wurde er huldvollst empfangen, und der König, der nichts von Teixera's Taufe wußte, lobte diesen besonders für seine Treue gegen seinen Glauben. Betroffen antwortete Teixera, daß e r nicht m e h r Jude s e i. Der König vernahm es, warf de in A b t r ü n n i g e n einen verächtlichen Blick zu und verließ d e n S a a I. Paris. Oberst Bloch wurde zum Brigadegeneral, Bataillonschef G r v m b a ch zum O b e r st l e n t n a n t befördert. 'Außer Bloch hat die französische Armee noch zwei aktive jiidische Generäle: B i l a b r ö g n e und Hey m a n n. Saloniguc (Türkei) In Nogent-sur-Marnc bei Paris, wohin er sich seit einem Jahre zurückgezogen hatte, verschied Tr. Ai o i s e M i s r a ch i. „Le Don dvrtenr", wie er hier bei jung und alt genannt wurde, war einer der geachtesteu Männer unsrer Stadt und hat sich besonders um das Hirsch - Hospital unsterbliche Verdienste erworben. Aus der zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Der Gruppenverband f ü r Hess e lt u n d H essen- N a s s a u (Sitz: Frankfurt a. M.) veranstaltet Sonntag, den 17. Juli c., abends >/-8 Uhr, i» Bad Nauheim in der großen T n r u h a l l e eine zionistische Renn io ii, bei der verschiedene Frankfurter Künstler und Künstlerinnen Mitwirken werden. Neben Klavier- und Violinvorträgeii, Rezitationen und gesanglichen Darbietungen wird Rechtsanwalt Dr. Siegfried ch w a r z s.ch i l d ein Referat halten. Die 'Aufführung eines Dramas von A. Goldfaden bildet den Schluß. Karten und Programme sind am Saaleingange zu erhalten. München. Es war eine recht anregende B ersamnilung, zu welcher die Zion. Ortsgruppe ihre Mitglieder auf Samstag 'Abend eingeladen hatte. Ter bekannte junge Rabbiner D r. Mag n es a u s N e w y o r k, welcher auf der Durchreise hier weilte, war so liebenswürdig, einige» über die I a h r e s k o u f e r e u z, au welcher er als Delegierter teiluahm, mitzuteileii. In eingehender Weise besprach er die Resultate der Konferenz und konstatierte mit besonderer Genugtuung, daß der Frieden, nachdem die Russen noch telegraphisch ihre Zustimmung gegeben hatten, jetzt gesichert sei. Dr. Magnes legte einer allenfallsigeu R eise des Präsidenten im ch A m erika die größte Bedeutung bei, weil der nationale Gedanke gerade dort bereits ' in weiten Kreisen Eingang gefunden hat und bei richtig geführter größerer 'Agitation noch große Erfolge zeitigen kann. Nach der Anschauung des Redners wäre die Verlegung de» Sitzes der Leitung nach London die beste Lösung der in dieser Hinsicht schivebenden Frage, das englische Volk als Bibelvolk steht sicher dem ältesten Bibelvvlk von allen Nationen am sympathischsten gegenüber, der politische Zionismus findet auch in London sicher kräftigere Stntznngspnnkte als z. B. in Berlin. Aus den weiteren Ausführungen de» Redners möge »och hervorgehoben werden, daß nach seiner 'Auffassung die jüdische Religion Vollssache ist. ,Ö> h n e j ii d i s ch e R e l i g i o n g e h t a n ch d i e j ü d i s ch e V o l k s s a ch e nicht v o r w ä r t s." Die Ausführungen des Redners wurden mit lebhaftem Beifall aufgeiiommen, und die sich anschließende Anssprache bot noch Gelegenheit zu recht interessanten Auseinandersetzungen. Eine spende von 5 Oeibäumeu im Herzlwald war das äußere Zeichen der Anerkennung für de» Referenten des 'Abends. Zivui. Aus de» Bereiueu. (M.) Bocholt. In der Zeit von 1890—1908 hat hat der H i l s s v e r e i u „E S r a ß St c f n f t in" 16 004 .Jk Darlehen gewährt, wovon 33 736 .Jk zurückgezahtt worden sind. Aus der Lehrerwett. Aus Baden. Am jüngsten Sonntag fand in Mosbach, Hotel zur Traube, bei reger Beteiligung die 2t. diesj. L e r u ko u fe r e u z für die Lehrer des R a b b i n a t » b e z. M o s b a ch unter Vorsitz Rabb. Dr. L ü w e u st e i n statt. E» wurden behandelt: Auhel Jaakauw, Raschi und Mischuajis. .Hieran schloß sich ein Referat Wertheimer- Hardheim über die au die Gemeinden versandte Schewuauspredigt Dr. Löwensteins: das in derselben zitierte allegorische Zwiegespräch Traktat Sabbat 89a hatte der Referent wissenschaftlich ausgearbeitct. Beuthen. Lehrer Julius Frenthal trat nach 41 jähriger Amtstätigkeit in den Ruhest a n d. (L) Pinne. Infolge Auflösung der jüd. Schule ist Lehrer F r i e d e n t h a l in den Ruhestand getreten.