Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 20 (27.5.1910)
- Date
- 1910-05-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Leite 5. Nr. 20 Frankfurter Israelitisches Familienblatt. k'M: M Auge um Auge. Roman von Sam. Gordon. Frei übersetzt von M. Pulvermann. (Fortsetzung). XIV. Etwa eine Woche später betrat der Präfekt das Zinnner seiner Frau, einen offenen Brief in der Hand. „Adele," sprach er; „es tnt mir leid, daß wir unfern Aufenthalt hier werden abkürzen müssen. Der Polizeiminister teilt mir mit, daß der Großfürst anstatt im Herbst, schon im nächsten Monat nach Odessa kommt. Natürlich bleibt mir keine Wahl, so gern ich auch noch länger geblieben wäre. Mir war hier so leicht zu Mute, als sollten wir unsere Flitterwochen nochmals durchleben." „'Auch mir fällt es schwer, schon von hier fort zu gehen," erwiderte sie. „Hoffentlich wegen derselben romantischen Ursache," scherzte er. „Nein, aus einer ganz prosaischen, aber auch vernünftigen Ursache," erwiderte sie trocken. „Koratows wegen wäre ich gern noch länger hier geblieben." „Adele, es ist vergebene Mühe, mich eifersüchtig machen zu wollen," neckte er sie weiter. „Sei nicht so abgeschmackt, Sergi. Hast Du denn keinerlei Veränderung an ihm wahrgenommen?" Er schüttelte verneinend den Kopf. „Marie sagte es mir schon, daß er gar nicht mehr so froh und frei sich sühle, als in den ersten Tagen unseres Hierseins, und ich selbst bin fest überzeugt, daß irgend ein schwerer Kummer ihn drückt. Hast Du nicht auch bemerkt, lvie heftig er sogar gegen Alma ist? Gegen Alma, die er doch in fast übertriebener Weise mit Zärtlichkeiten überhäuft." „Weißt Du, Adele, in der ganzen Welt gibt es wohl keine zweite Frau lvie Du, die am helllichten Tage Gespenster sieht," war seine noch immer scherzende Antwort. „Ich sollte doch meinen. Deine früher» Kombinationen mit dem Verdacht gegen Alma, Karol und Volkinann sollten endlick eine Lehre für Dich sein. Dich keinen übertriebenen Besorgnissen hinzugeben." „Ich bin noch gar nicht so fest überzeugt, daß mein Verdacht gegen die jungen Leute lvirklich so grundlos ist," entgegnete sie energisch. „Mer, Kind, was fällt Dir denn ein? Solveit meine Beobachtungen reichen, habe» sie in der letzten Zeit kauni noch miteinander gesprochen." „Gerade das ist es, was mir durchaus nicht gefallen will. Junge Menschen sollen sich den ganzen Tag int Freien tummeln, allerlei Scherz treiben, nicht aber so kopfhängerisch und geheimnisvoU einander aus dem Wege gehen. Glaube, mir, Sergi, trotz der zur Schau getragenen Entfremdung, ist doch ein gewisses Einverständnis, wenigstens zwischen. Alma und Volkmann, vorhanden. Gestern glaubte ich sogar wahrzunehmen, daß sie sich einander Zettel zugesteckt haben. Und sieh Dir bloß Karol an. Wo ist seine Lustigkeit auf einmal geblieben? Er hält sich iinmer im Hintergründe, mit der Miene eines Spürhundes." „Wenn Du recht hast. Adele, und das Haus voller Schrecken und Geheimnisse ist, dann wäre es erst recht an der Zeit, daß wir uns aus dem Staube machen, ehe auch >vir darin verwickelt werden." „Vielleicht ist cs aber doch nicht so schlinnn, als ich mir einbilde," suchte sie jetzt wieder einzulenken. »In jedem Falle verbiete ich es Dir, Dich «t beunruhigen. Du hast nur an Dich und Dein Vergnügen zu denken und, wenn Du Zeit hast, allenfalls auch ein wenig an mich. Wegen Koratow brauchst Du Dir wirklich keinen Kummer zu machen.-:-" * * Wäre aber der Präfekt etwas weniger optimistisch und mehr scharfsichtig gewesen, so würde er die Unruhe seiner Frau doch nicht verlacht haben. Hätte er jetzt Koratow in dessen Zimmer beobachten .können, so hätte er der Menschenkenntnis seiner Frau das höchste Kompliment machen müssen. Mit bewölkter Stirn, mit gebleichten Gesichtszügen- und funkelnden Blicken schritt Koratow aufgeregt in seinem Zimmer von einer Stelle zur andern, und es wäre jedem schwer geworden, in ihm einen zufriedenen Menschen zu sehen. Sein heftiges Zusammenfahren .und seine angestrengten Versuche sich zu fassen, da er ein leises Klopfen an der Tür vernommen,. brachten seine Unruhe noch mehr zum Ausdruck. Er. ging zur Türe und öffnete sie einen halben Zoll breit. Alma stand dort und begehrte Einlaß. ,O>der störe ich Dich etwa, Papachen?" fragte sie schüchtern. „Nein, mein Kind. Ich freue mich. Dich zu sehen," sprach er mit sichtlich angestrengter Freundlichkeit. „Mich auch, Onkel?" fragte Karol, der unaufgefordert sich hinter Alma Ins Zimmer drängte. Koratow nickte bejahend; doch seine Angen sagten „Nein!" „Papa, draußen warten einige Muschiks, die Dich sprechen wollen. Soll ich sie fortschicken?" „Natürlich!" rief Karol dreist. „Vielleicht gestattest Du, lieber Neffe, daß ick meine Angelegenheit selbst erledige," sprach der Gouverneur mit znsammeugekniffeneu Augen. Zu Alma gewendet, fuhr er fort: „Ich erwarte die Leute; führe sie herein." Karol nahm die Zurechtweisung spöttisch hin, als wäre sie nicht für ihn gemeint. Alma hatte sich bereits der Türe genähert, als Koratow ihr nachrief: „Die Muschiks sollen erst die Stiefel auszichen, sonst zertrampeln sie den ganzen Teppich." „Sie sind ja alle barfüßig." Mit der Miene eines vielbeschäftigten Beamten ließ sich der Gouverneur .an seinem Schreibtisch nieder. Nach tveirigen Minuten erschien Alma wieder, gefolgt von einigen zerlumpten, halbverhungerten Gestalten, denen Not und Elend unverkennbar ihren Stempel ausgeprägt hatten. Sie waren von einigen bewaffneten Kosaken umgeben und sahen mehr Verbrechern ähnlich, die zum Galgen geführt wurden, als ehrenamtlichen Abgefandten einer Gemeinde. Die amtliche Unterhandlung wurde durch ein unliebsames Ereignis eingcleitct. Karol stand nahe der Tür und blickte spöttisch und verächtlich lächelnd auf die Bittsteller, die zagend iin Gänsemarsch hereinfchiiche». In der Meinung, es seien bereits alle, die zur Deputation gehörten, eingetreten, wollte er sich hastig entfernen, »nt der voraussichtlich langweiligen Verhandlung zu entgehen, als er mit dem letzten der Muschiks heftig znsammenprallte, da dieser, wahrscheinlich noch zaghafter als seine Kollegen, draußen noch länger gezaudert haben mochte, jetzt aber mit verdoppelter Eile ihnen Nachfolgen wollte. Karol stieß einen wilden Fluch aus, und den Tölpel an die Kehle fassend, schleuderte er ihn mit großer Wucht gegen dessen Kameraden, so daß er plump wie ein Mehlsack zur Erde fiel, bei seinem Sturz noch zwei andere mit sich nicderrcißend. Einen ^Augenblick rieb sich der Unglückliche noch seine zerschundene Nase, uni bald mit hündischer Unterwürfigkeit auf den Knieen zu Karol hinzurntschen, dessen Rocksaum er küssen wollte. Der arme Schlucker zitterte vor Aufregung, ein solches Verbrechen begangen und einen solchen hochgestellten Herrn, wenn auch zu seinem eigenen Leidewesen, berührt zu haben. Mit einem weitern Fußtritt und laut lachend, verließ Karol das Zimmer. Vielleicht aber hätte es seiner Fröhlichkeit einen Dämpfer aufgesetzt, wen» er den haßerfüllten Blick gesehen, den der Muschik ihm nachschickte. Alma hatte lvie versteinert und wortlos den Vorgang mitangesehen, und sie war kaum imstande, ihre Tränen zurückzuhalten. Ihr Vater aber tat, als ob er nichts bemerkt hätte und noch immer in seinen Akten vertieft sei. Mit erzwungener Geschäftsmäßigkeit erösfnete er jetzt die Verhandlung, indem er sprach: „Nun. Ihr Leute, was ist 'Euer Begehr?" Wie geängstigte Schafe drängten sie sich znsanimen, bis endlich ein alter, graubärtiger Manu einen Schritt vortrat und zu sprechen begann: „Eure Gnaden/ Exzellenz, mögen nur gnädigst verzeihen, daß wir es gewagt haben, hier zu erscheinen. Gnädigste Exzellenz, wir sind nur hergekominen, weil es uns so sehr schlecht geht. Ich bin achtundsiebzig Jahre alt geworden, aber ich muß noch immer mit meinen Schultern den f slug ziehen, weil zwei meiner Söhne ja im riege für Väterchen gefallen sind; der dritte und letzte aber kann mir nicht einmal ein Stück Brot geben, das er nicht den hungerigen Mäulern seiner Kinder entzieht. Daraus können gnädigste Exzellenz ersehen, wie schlecht es mit uns Bauern steht." „Ich glaube es Euch ganz gern. Doch was kann ich dem: dabei tun?" fragte Koratow, der scheinbar der Litanei des Alten mit großer Aufmerksamkeit zugehört Hatto. „Wir möchten untertänigst bitten, Latz Exzellenz uns beistehen soll, damit wir nicht elend zugrunde gehen. Im Namen der heiligen Mutter Gottes flehen wir Eure Exzellenz an, Ihren ganzen Einfluß in Petersburg aufzubieten, daß wir wenigstens nicht verringern, und Väterchen zu bitten, daß er sich unserer erbarmt." „Aber das sind doch nur allgemeine Redensarten," rief Koratow ungeduldig; „saget mir bestimmt, was Ihr eigentlich von mir wollt." Mit herzzerreißendein Jammern fuhr daher der Alte fort: „Die Ernte steht vor der Tür, und wir haben keine Sensen, um das Korn zu mähen, keine Scheunen, wo wir es dreschen, keine Wagen, um es heimzubriugen, und wie im vorigen Jahre, wird es wieder durch den Herbstregen auf dem Acker verfaulen. Daun haben wir keinen Samen für die neue Aussaat, und die Pflüge und Ackergeräte sind morsch und vom Rost zerfressen. Und dann kommt — — ach, der harte, harte Winter! Bisher haben wir doch geduldig ausgeharrt. Schon vor zwei Jahre» haben Exzellenz uns Hilfe versprochen, uild wir haben gewartet — und gewartet und nicht gemurrt. Wir wissen ja, daß Väterchen gar viele Kinder .hat, die alle seiner Hilfe bedürfen; aber so schlecht wie uns geht es wohl keinem; uns liegt das Messer am Halse, und wenn nicht bald Rettung konimt, dann-dann — — sind wir dem sichern Untergang geweihet." Bei den letzten Worten hatten sich Koratows Gesichtszüge verfärbt. Er bewegte sich unruhig auf seinem Stuhle und hielt den Kopf gesenkt, als wäre er eifrig mit Schreiben beschäftigt. Endlich richtete er sich auf. „Ich habe Euer Gesuch 5» Papier gebracht und werde es auch bei der zuständigen Stelle warm befürworten. Mehr kann ich für Euch nicht titn. Inzwischen aber betet fleißig zur heiligen Mutter Gottes und trinkt etwas weniger Wodki." (Fortsetzung folgt.) Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. 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Alle Exilsleiden werden prophetisch vorausgesagt: Bedrükkung, Hungersnot, Pest, Seelenpein, Tod durchs Schwert, Vertreibung aus dem Heimatslaud, Hohn der Feinde, aber auch Schutz vor vöUigem Untergang. Man liest den Straf-Abfchnitt, dem Inhalt entsprechend, mit gedämpfter Stimme. Die Sidra schließt mit gesetzlichen Bestimmungen darüber, wenn jemand den Wert eines Feldes oder Viehes fürs Heiligtum bestimmt. Man liest den 4. Perek. Offenbacbtr Druckluft »Hnlage Telefon 123. Otfonbach a. H. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Tapplehrslnlffang. Familteimachrichte». 8 ebnete«. Eine Tochter, Herrn Hermann Rosenthal (Lion), Haspe. Einen Sohn, Herrn Rechtsanwalt Elgnther (Hänisch), Benthen. Eine Tochter, Herrn Ludwig Braun (Schneider), Breslau. Verlobte. Melli Jacob, Neunkirchen — Rudolf Loeb, Boppard. Alice Rapp — Saly Stern, Frankfurt. Martha Sichel — Alex Koch, Mainz. Jda Emanuel, Frankfurt, Bleichste. 8 — Samuel Bär, Halberstadt. Bella Strauß, Offenbach — Julius Levi, Mainz. Betty Glaser, Zaborze — Alfred Miedzwinski, Myslowitz. Edith Loewenheim — Robert Borchardt, Hamburg. Betty Baum — Dr. jur. Paul Frank, Dortmund. Paula Carlebach — Arthur Nahm, Mannheim. «terbesälle. Fanny Heß, Wwe., 75 I., Ortenberg. Ferdinand Wolfs, 72 I., Qberstein. Charlotte Friedland, geh. Preise, 61 I., Frankfurt, Maulbeerstraße 7. Jonas Mosberg, 80 I., Bielefeld. . Jenny Cohn, geb. Schlesinger, 77 I., Breslau. Israel Winkler,. 46 I., Berlin. Sigm. Kästner, 84 I., Köslin. Johanna Hirsch, Mannheim. Dorotea Goldniann, geb. Panofsky, 67 I., Friedrichshütte.