Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 8 (1910)
- Issue
- Heft 14 (8.4.1910)
- Date
- 1910-04-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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M Ht. 14 des Jtamftftttto IsmckMm lamißenfitattes. BruchMcke zweier Predigte« des verehrte« Herrn Rabb. Dr. Horovijz s.' A. 'Mitgcieilt nach Aufzeichnungen aus bnitfuiucm Hörerkreis. I. Onauchi Haschem Elaukecho. Unsere Weisen fragen: Warum heißt es: „Die Stimme Gottes ertönte in Kraft, warum nicht in Seiner Kraft?" Und sie antworten: Gott sprach nicht in Seiner Kraft, sondern in irr Kraft dessen, mit der» Er sprach, mit dem Kinde nach seiner Kraft, mit dem Jüngling nach seiner Kraft und mit dem 'Alter nach seiner Kraft. Wann zum ersten Mal das Wort Onauchi Haschem Elaukecho in der Kindesseele ertönte, cs entzieht sich unserer Beobachtung, aber daß cs in ihr tönt und fortlebt, das sehen lvir, daran können wir nicht zweifeln. Freilich ist sein Glaube noch ein anderer als der unsere, denn in der Kindesseele glitzern noch die tausend und tausend Tautropfen, die Gott selbst auf die herrliche Blunre des Glaubens, die in des Kindes Seele blüht, ausgestreut hat. Ach, wie bald kommt die heiße Mittagssonne des Lebens, deren sengende Strahlen die Tautropfen vertrocknen. Das Kind, es bedarf der Gebote noch nicht. Aber der Jüngling, der Mann, der sich tätig ins Leben hinauswagt, er muß Vorschriften haben, an die er sich halten kann. Jetzt, wo er so leicht sich fremde Götter macht, wo er so leicht irdisches Gut als sein Alles anbetet, da ruft Gott ihni zu: Du sollst keine andern Götter haben! Jetzt, wo die Zeit der Schwüre für ihn gekommen, wo er so leicht zu Beteuerungen bereit ist, gebietet ihm Gott: Du sollst nicht meinen 'Namen zum Vergeblichen aussprechen. Jetzt, da seine Seele von Leidenschaften erfüllt ist, ruft Er chm zu: Du sollst nicht morden! Du sollst nicht stehlen! Du sollst kein falsches Zeugnis oblegen! befiehlt ihm Keuschheit und Mäßigung. Früher war es Dir ganz selbstverständlich, Vater und Mutter zu ehren, doch hüte Dich wohl, jetzt, da Du herangewachsen und ihrer vielleicht nicht mehr so dringend bedarfst, es an Liebe und Ehr erbietnng ihnen fehlen zu lassen! Früher war es Dir ein Leichtes, den Sab bat zu halten, doch auch nun, da Du selbständig bist, hüte Dich wohl, daß Du ihn nicht ent weihest! Wahre alle meine Gebote, sic sind Dir fürs Leben gegeben! Und zum Alter spricht Gott nach seiner Kraft. Ein Greis blickt auf sein Leben zurück. In manchem 'ist er nicht befriedigt worden, Hoffnungen wurden ihm vereitelt, Erwartungen nicht erfüllt, er fragt mit bangem Herzen: Werde ich einst noch Ersatz finden für das, was mir bis jetzt versagt war? Onauchi Hascheni Elaukecho spricht Gott zu ihm, sei getrost und ver zage nicht! Du warst glücklich in Deinem Erdenlcben, Du hast viel Gutes gestiftet, hast zur Ehre Gottes gewirkt. Du fragst Dich, werd' ich es auch weiterhin vermögen? Dir ruft Gott zu: Ich habe Dein bisheriges Glück gewährt, ich verlasse Dich auch ferner nicht! Du stählst, der Augenblick des Scheidens rückt heran, o, und Du möchtest so gerne noch leben, möchtest Demen Lieben ein Fürsorger, Deinen Kindern ein Vater sein, sie noch weiter auf dem Pfade der Tugend und des Rechtes leiten. Dir spendet Gott den Trost: Onauchi Haschem Elan kecho, ich habe Dich nicht verlassen bis jetzt, und ich werde Dich ferner nicht verlassen. Ich will Deinen Lieben ein Fürsorger und Beschützer, Deinen Kinder» ein Vater sein. — — - Onauchi Haschem Elaukecho und nicht Elauk c ch e m. Es heißt nicht „E u e r Gott", sondern „Dein Gott". Gott spricht zu Israel,' zu einem einheitlichen Volke. Israel soll immer ems sein, undIsrael ist nur eins. Möge es vereint seiner Bestimmung nachgehen, möge es,! fest zusammenhaltend, Gotteserkcnutnis verbreiten! m an. ist isch Das Zentralkomitee der zion. Organisation Nutzland über den Kampf gegen die Leitung ans dem 9. Kongretz. (Im Ausznge.) Der!>. Kongreß gehört nunmehr der Geschichte Uns, den Augenzeugen und aktiven Teilnehmern, es schwer, ihn schon jetzt vollständig »nparteizu bewerten, seine historische Rolle zu bestimmen und ihm seinen ihm gebührenden Platz in unserer Bewegung sestznstellen; wir vermögen bloß — und haben die Pflicht — die Ideen und Prinzipien, die zunl Kampf gegen die Leitung geführt haben, auseinander,zusetzen, den Verlauf dieses Kampfes zu beleuchten, über die geschaffene Lage Klarheit zu verschaffen und, wenn auch nur in allgemeinen Zügen, die Perspektiven eines Arbeitsplanes für die nächste Zukunft zu entwerfen. -i- Die Debatten über den Rechenschaftsbericht des Engeren A.-K. wurden dieses Mal mit außerordentlicher Leidenschaftlichkeit geführt, und in ihnen konzentriert sich der ganze Kampf gegen die Leitung. Worin besteht d a S Wesen dieses Kampfes? Dieses Mal hat sich die Kritik der Tätigkeit der Leitung durch ihre Schärfe von der ans den vorangegangenen Kongressen unterschieden; sie verfolgte eben einen bestimmten, klaren, praktischen Zweck: die A e n d e r u » g der Z n s a m m e n - 'etzung des leitenden Organs der Bewegung. Die Kritik konnte sich daher nicht damit begnügen, den einen oder anderen Vorgang zu beleuchten, sondern mußte gegen das Gesamtsystem als solches oder den Mangel eines Systems in der Tätigkeit des leitenden Organs auftreten. Die Oppoition hatte es sich zum Ziele gesetzt, zu beweisen, )aß das E. A.-K. in seiner jetzigen Zusammensetzung nicht imstande war, die weitgehenden 'Aufgaben der B e lv e g u n g zu erfüllen und die g ü n st i g e n M o in e n t e auszunützen, die sich der Bewegung im L a n f c der 2t b r e ch n u n g S p e r i o d e geboten haben Die Opposition kritisierte die Tätigkeit der Leitung vom Standpunkte eines klaren, abgeschlossenen Systems, und daher konnte sie dieses Mal nicht damit schließen, womit die Opposition auf den vorangegangenen Kongressen gewöhnlich die Kritik des Berichtes zu Lebzeiten Herzls geschlossen hatte, nämlich mit einem vollen Vertrauensvotum. Damals war die Kritik eine Summe von Einzelbemerkungen: dieses oder das wurde so oder so gemacht, während es besser gewesen wäre, es anders zu machen. Dieses Mal aber trugen die ausgestellten Forderungen und Anschuldigungen einen allgemeinen prinzipiellen Charakter, und zum Ausgangspunkte diente ihr, der Zionismus als einheitliches System. Welches >v ar nun das System, in dessen Namen die Opposition den amPf führte und von welcher 9trt die Verteidigung des leitenden Organs? Der Versuch des 8. Kongresses hinsichtlich der Zusammensetzung des E. A.-K. hat sich als mißlungen erwiesen. Es fehlte die Einheit des Willens in diesem E. A.-K., es lvar kein Kollegium, das p o l i t i f ch e Z e n t r u m der Bewegung verwandelte sich faktisch in ein Büro des Präsidenten des E. A.-K. Der Hauptfehler aber bestand darin, daß die Bewegung jeder politischen Leitung ermangelte und es in ernsten Momenten, z. B. nach der Umwälzung in der Türkei, unnröglich war, das Zentralorgan zu einer Meinungsäußerung zu veranlassen; die Organe der Bewegungen blieben ohne jegliche Instruktion, ohne irgend welche Direktive von Seiten des E. A.-K. In der Tätigkeit des E. A.-K. hat die Opposition einhellig das Fehlen eines größeren Schwunges betont, welcher vermocht hätte, die jüd. Massen zu begeistern. Die Delegierten aus Palästina sind dieser strengen Kritik beigetreten und haben insbesondere den Mangel an zion. Geist in der Bankpolitik, das Ignorieren der gesellschaftlichen Meinung Palästinas und der Vertreter des neuen „Jischnb" betont, sie klagten über das schwache Interesse für die kulturellen Bedürfnisse des Palästinenser Judentums und die Bedürfnisse des jüd. Arbeiters, sie wiesen darauf hin, daß keine Versuche gemacht worden sind, das Palästinenser Judentum zu organisieren, welches eine bedeutende Kraft für die Bewegung hätte abgeben können. Ein Grundgedanke ist es, der durch die ganze Kritik, die ganze Opposition geht: Die Leitung hat ihre Ansgabe als leitendes Organ der nationalpolitischen Bewegung nicht erfüllt, sie hat die günstigen Bedingungen, die der Augenblick dargeboten, nicht begriffen oder zn benutzen nicht ver standen, reduzierte ihre ganze Arbeit auf bloße Organisationstätigkeit und Verwaltung der Institute und hat dabei die Bewegung selbst und deren Anfgaben vollständig außer acht gelassen. Die Verteidigung der Tätigkeit des E. A. - K. übernahm D. W o l f f s o h n selb st. Die der Leitung freundlich gesinnten Delegierten fügten den 'Ausführungen Wolffsohns nichts Wesentliches bei. Sie meinten, daß solche Kritik am E. 'A.-K. eine Erniedernng für die Bewegung selbst bedeute, daß die Kritiker selbst wenig geleistet hätten, daß die Opposition nur die Schattenseiten der Tätigkeit der Leitung betont und deren Lichtseiten gänzlich verschwiegen habe. Es muß bemerkt werden, daß die Kritik im ganzen gegen die Tätigkeit Wolffsohns gerichtet war. Seine Kollegen vom E. 'A.-K., Prof. Warburg, den Leiter des Palästina- Ressorts, und I. Kann, den Leiter der Banken, betraf sie garnicht, da die Leitung der Bewegung, insofern sie zum Ansdruck kam, ganz und gar in den Händen des Präsidenten sich befunden hat. Stark und energisch verteidigte D. Wolffsohn seine Position. Freilich ging die Verteidigung oft zum Angriff über; er unterließ es nicht, des Kampfes zu erwähnen, welche Dr. Herzl zu Grabe gebracht haben sott; er sprach auch von Moses, gegen welchen seiner Zeit auch gekämpft worden war, und ließ sich mit besonderer Erbitterung über die fertigen Beschlüsse aus, welche die Opposition dem Kongresse anfoktroyieren wolle. Auf die prinzipielle Kritik jedoch, daß die Bewegung gleichsmn ihren lebendigen Geist eingebüßt habe, hat er fast nichts geantwortet und sich bloß mit ironischen Bemerkungen über unsere Schwärmer;i In Zangwill oder Nossig begnügt. Und dadurch, daß er mehrmals ans seine kausmännische Erfahrung hinwies, daß er wiederholt hcrvorhob, daß es ihm gelungen sei, in das Büro der Organisation und in die Finanzen des E. A.-K. Ordnung zu bringen, so daß das letztere znm ersten Mal ohne Defizit vor den Kongretz tritt, hat er eigentlich selbst die Worte der Opposition bestätigt. Die Opposition, besonders die „russische", hat nach der Meinung des Präsidenten keinen Sinn für Ordnung und Disziplin. Auf ihrem Parteitag können sie infolge der Rivalität zwischen Tschlenow und Ussyschkin keinen Vorsitzenden wählen und sind immer genötigt, ein ans 5 Mitgliedern bestehendes Präsidium zu wühlen. Und diese „Ordnung" wolle die russische Landsmannschaft in die allgemeine Organisation einführen! D. Wolsssohn hebt hervor, daß es Prof. Warburg an politischer Ueberzengnng fehle und zitiert als Beleg dafür einseitig eine Stelle aus einem Briefe Marburgs an Cowen. Damit sucht er die Kandidatur Marburgs für die neue Leitung zu diskreditieren. Darin bestand die ganze Verteidigung. Es ist schwer zu behaupten, daß sie das Unrecht der Kritik bewiesen habe. Nichtsdestoweniger hat die energische Verteidigungsrede den beabsichtigten Erfolg gehabt, und der Kongreß votierte dem Präsidenten des E. A.-K. volles Vertrauen. Die Opposition machte zwar den Versuch des Votums des beschränkten Vertrauens, näinlich dieses nur für die ausgezeichnete Führung der finanziellen und administrativen Angelegenheiten der Bewegung zu beantragen, aber Temkin, der als erster diese Resolution der „Russen" unterzeichnet hatte, sah sie sich genötigt, sie zurückzuziehen, nachdem die Majorität uneingeschränktes Vertrauen ansgedrückt hatte. Damit hatte das Präsidium die Möglichkeit, nicht nur über diese Resolution nicht abstimmcn zn lassen, sondern sogar die Anzahl der gegen die das volle, uneingeschränkte Vertrauen ausgesprochene Resolution abgegebenen Stimmen nnermittelt zu lassen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Opposition dabei einen taktischen Fehler begangen hat, der den weiteren Gang des Kampfes und sein Endresultat beeinflußt hat. Die Leitung hatte gesiegt, aber damit war der Kampf noch nicht zn Ende. Die Opposition konnte sich von ihren Forderungen nicht absagen aus dem einzigen Grunde, weil die Majorität des Kongresses der Leitung ihr volles Vertrauen für deren vergangene Tätigkeit ausgedrückt hatte. Die Opposition konnte sich damit nicht zufrieden geben, daß die fernere Leitung der Bewegung rinverändert dieselbe bliebe. Der Kamps hatte seinen Fortgang, aber er ging in die noch vor dem Kongresse von allen Landsmannschaften gewählte Permanenzkommission über. (Schluß folgt.) A«s de« Vereine«. Frankfurt a. M. Ortsgruppe deSZentralVereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens. (Schluß.)■ Landtagsabg. Dr. E o h n beschäftigte sich in seiner Rede eingangs mit dem Antisemitismus, wobei er die wichtigsten 'Argnniente gegen diesen kurz zusammenfaßte. Sodann kam er zur Behandlung der Taufe selbst. Als Ursache ffu: die Massentanfen in den 80er 48