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Neue jüdische Presse · 1910-03-18 · Heft 11 (18.3.1910) · p. Seite 13

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
8 (1910)
Issue
Heft 11 (18.3.1910)
Date
1910-03-18
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 11. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 13. zu erzielen sucht, erreicht Dessauer mit den einfachsten Mitteln. Er zerstückelt nicht das Seelenleben seiner Gestalten bis in's innerste, sondern er beobachtet sie in ihrem Handeln, Denken und Fühlen und zeichnet sie danach. Nichts Originelles, nichts Hypermodernes, nichts Schwerverständliches und dennoch — oder vielleicht darum — der größte Erfolg. Doch nicht nur die meisterhafte Milieu- und Charakterschilderung, sondern auch seine Objektivität dient dem Dichter zum Lob. Es wird niemand aus dem Werke seinen Parteistandpunkt erkennen; er zeichnet die Figuren ohne Haß gegen die einen, ohne besondere Liebe zu den anderen. Es wird mancher vielleicht behaupten wollen, daß eine langsame ungezwungene Verschmelzung zwischen Juden und Christen das Ideal Dessauers sei, wie er sie uns in der Mischehe zwischen Gschmeidler und Lotti zeigt. Vielleicht ist das richtig! Aber es ist wirklich schon ein gehöriges Suchen nach der Tendenz des Dichters nötig, um dieses Greifbare herauszufinden. Der Hauptvorzug des Buches ist jedoch die Lehre, die in dem Romane steckt. Das Werk niuß nämlich jedem eine Verachtung gegen diese Assimilationsjuden einflößen, deren ganzes Denken nur auf Nachahmung alles Fremden geht, und es muß ferner jeden von der Gefahr und dem Schaden der Mischehen überzeugen. Und zwar ist diese Wirkung, die das Buch erzielt, eine dauernde und überaus wirksame. Denn gerade aus solchen Büchern, die das wahre Alltagsleben schildern, kann man viel mehr lernen als aus Predigten und Morallehren. Erst vor wenigen Wochen hat Bartsch erzählt, daß sein antisemitisches Erstlingsbuch von den Juden geradezu verschlungen wurde; hoffen wir, daß auch dieses Buch bei unseren Juden recht viele Leser finden wird. Es wäre gut für das Buch, denn es verdient es, und gut für die Juden, die daraus viel lernen können. ' Br. N. Die fünf Megilloth übersetzt und erläutert von Dr. Raphael Breuer. II. Teil: Ruth (JL 1,45 geb.); HI. Teil: Klagelieder (JL 1,85 geb.); V. Teil: Esther (JL 1,85 geb.). Frankfurt, A. F. Hofmann. Die starke persönliche Note, die Breuer eigen ist, und die bei seinen bisherigen Veröffentlichungen so häufig zu Widerspruch reizte, ist auch hier nicht ganz vermieden. Im übrigen vermögen wir Gutes zu sagen: Die Uebersetzung ist stilistisch und in der Treue ihrer Wiedergabe rühmenswert, und die Erläuterungen sind leicht verständlich. So können Uebersetzung und Erläuterungen jedermann für das häusliche Studium empfohlen werden. Bunte Chronik. Die Synagoge in Rom. Die Nachmittagsstunden war ich auf den Pincio gewandert. Vom Denkmal des Garibaldi aus genoß ich einen herrlichen Blick aus das zu meinen Füßen liegende Rom. Groß, gewaltig erhebt sich vor meinen Augen der St. Peter, alles um sich her erdrückend in seiner Wuchtigkeit. Doch jenseits der Tiber, im goldenen Abendschein, leuchtet, wenn auch winzig klein neben seinem großen Kollegen ein heller Kuppelbau hervor. Die alten Mauern sind gefallen, die Ketten der Vorurteile gebrochen, und im päpstlichen Rom konnte die ehemals verpönte, mißachtete Judenheit es wagen, einen Prachtbau aufführen zu lassen, der seines Gleichen sucht. Ich kanr zu einer Totenfeier, welche zum Andenken der Verstorbenen am Jahresbeginn gehalten wird. Das Innere, ein Säulenbau in gewaltige» Dimensionen, ist schwarz mit Tüchern drapiert. Der Oron-Hakodesch, tief, massiv, mit goldenem Gitter und nach dem Schiff abgeschlossen, ist durch acht „Hasonim" belebt, die einen monotonen Trauergesang psalmodieren. Zu sehr St. Peter. Im Geiste sehe ich die verschiedenen Synagogen vor meinem Auge vorüberziehen. Mailand mit seinen stimmgewaltigen Sängern — Torino und Venedig bei den Spaniolen — Padua — Cunco — Malta im Glanze der rundlichen arabischen Frau „Rebezen", — überall fand ich mich rascher in dem. Geiste des Milieu's, als ■ hier. — Der Rabbiner, eine ehrwürdige, weißbärtige Erscheinung, betritt die Kanzel. Nun rächt sich St. Peter! Die Säulenreihen bilden eine Freude für unsere ästhetischen Augen, aber einen Greuel für unsere empfindlichen Ohren. Eine Akkustik, die jedes Wort des Redners zehnfach donnernd und schallend wiedergibt. Dabei hat der Redner ein Organ, das zu sehr an den Markt erinnert. Wir sind ja auch in der Nähe des „forum romanum! 9tur der Kaddisch, tausendstimmig von der ganzen Gemeinde gesprochen, vermag mich zu packen, bringt mich zur Erkenntnis, daß ich auch hier mich unter Brüdern befinde. Kaddisch, du wunderbarstes aller Gebete, das Ruhe in unser Herz versenkt, Frieden in unser Gemüt einziehen läßt! Der Mond ist silbern über der Tiber aufgestiegen, mit seinen ruhigen Strahlen alles bescheinend,— den Tempel der Vestalinnen, die Synagoge und jenseits die schwarze Masse des St. Peter — 3 Kulturepochen! A. R. Allgemeine Mitteilungen. O f f e n b a ch e r S o m m e r t h e a t e r. Die Eröffnung des Sommertheaters (Schützenhof, Herrnstraße) findet am 27. März statt und steht das Theater wieder unter der bewährten Leitung Otto Fricke's. Offeubach erhält somit, da jeden Tag gespielt wird, ein ständiges Theater. Es ist den Bemühungen des Herrn Fricke gelungen, ein vortreffliches Personal für Schauspiel, Lustspiel. Posse und kleines Singspiel zusammenzustellen, sodaß die Besucher des Theaters, zu welchen viele Frankfurter gehören, auch diesmal wieder ihre Rechnung finden werden. varmizwohs. Emil, Sohn des Herrn Wilhelm Wolfs, Allerheiligenstraße 3, Ernst, Sohn des Herrn Isidor Posen, Hermesweg 11, in der Synagoge Friedberger Anlage. Artur, Sohn des Herrn L. Landau, Langestraßc 65 II, in der Synagoge Börneplatz. Spenden. Bei Herrn Joseph L. Oppenheimer, Seilerstr. 37 (Postscheckkonto 2318) gingen für den Jüd. Nationalfonds ein: 1 Oelbaum von Frau Bertha Roscnheimer anläßlich des Jahrzeittagcs auf den Namen ihres sel. Vaters Max Maier 6,— JL Versammlung Offenbach 2,83 „ Stammtisch C. B., 3. März 1,01 „ Stammtisch C. B., 10. März _0,70 „ 10,54 JL Für die Siedlungsgenossenschaft in Palästina: Kons. Z. B. 2,— JL Stammtisch 4,— „ Bei dem Frkf. Jsr. Fmdl, gingen ein für die S iedlungs gen offen sch aft in Palästina: H. in Hockenheim 5,— „fL — Nachhilfe — and Unterricht in Deutsch — Englisch — Französisch — Rechnen etc. täglich v. 3-7 Uhr. Honorar monatl. 15.— Mk. Lehrer W. Knorz, Kaiserstr. 3. Vereins-Kalender. Samstag. Verein „Mekor Chajim", 3-/r Uhr, Schützenstr. 2: Mkro-Bortrag (A. W. Schwarzschild). Sonntag. Verein „Mekor Chajim", 81/2 Uhr, Langestr. 26: „Drei Küsse". Ein Midraschwort (Rabb. Dr. Breuer-Aschaffenburg). Montag. Jüd. Frauenvereinigung, 81/2 Uhr, im blauen Saale des Kaufm. Vereins (Eschersheimer Anlage 40): Hauptversammlung. — Verein für jüd. Geschichte und Literatur, S3/i Uhr, Frankfurt - Loge: Eigene Dichtungen (Dichter Dr. Löwenberg, Hamburg). Dienstag. „Mo nt ef io re"-Ver ein, 8^4 Uhr, Frankfurt-Loge: Purimfeier. Aiittwoch. „Montefiore"-Berein, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Hauptversammlung. — B erein Nachlaß Zwi", 9 Uhr, Langestr. 26: Aus Megilleth Esther (Leop. Schwab). Briefkasten. R. Rabbiner Dr. Hirsch Plato s. A. war Mitglied der zionistischen Organisation. Wir bitte» unsere Leser, ihre» Bedarf unter Bezugnahme auf unser Blatt bei uusereu Inserenten zu decke». Frankfurter Israel. FamUieublatt. Jüdisch-Literarische Gesellschaft. Frankfurt a. M., im Februar 1910. P. P. Wir beehren uns, hierdurch die verehrlichen Mitglieder unserer Gesellschaft zu der am Dienstag, 29. März er., abends 8®A Uhr im Saale des Vereins Mekor-Chajim, Schützenstr. 2, stattfindenden //Utglieder-Versammlung ergebenst einzuladen. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Rechnungsablage. 3. Event. Anträge. Den satzungsgemäss der Tages - Ordnung vorausgehenden wissenschaftlichen Vortrag wird Herr Dr. J. HelnemaDIl aus Frankfurt a. M. über das Thema: „Phiios Mältnis zur rabbinischen llBbBFliBfBFung“ halten. Der "Vorstand. I. A.: Direktor Dr. Lange, Vorsitzender. Hutgeschäft JL. Stollhoff jetzt Rossmarkt 17 Frankfurt a. M. . Tel. 4453. m Mittwoch uns backen Wir Unterzeichneten Bäckermeister ersuchen das verehr], Publikum, des Charfreitags halber, Freitag, 25. März, die Suchen und Datsche? t Abend den 23. Mars bei su wollen. Ebenso bitten wir die verehrt. Kundschaft, die Datscher am Charfceitag gesetzeshalber abzuholen. Ergebenst B. fiarpf, Max Levy, A. Mainzer, II. Aossbaum, I Kokowshy, M. Schmidt, M. Stern, I,. 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