Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1909-10-22 · Heft 40 (22.10.1909) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 40 (22.10.1909)
Date
1909-10-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2692297-2692614-2692654--04987-2699854
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Mftfle z» ilt. 40 des fanfefttctec IfmeRtifto famitMfttfes. A«S den Vereinen. Frankfurt a. M.» 20. Oktober. Der Verein „N achlaß Z w i" cröffncte gestern den Reigen seiner Winterabende, für die er, der erhöhten Besucherzahl entsprechend, den Saal im ehemaligen Kaufmännischen Vereinshause gemietet hat. Herr In l i n s L c w i n hielt die Eröffnungsrede. Er gab einen Ueberblick über das Programm und hob dabei besonders hervor, daß man auch Fragen des aktuellen jüdischen Lebens in freier Diskussion besprechen wolle. Dem Andenken des vor einigen Monaten verstorbenen Herrn Julius Hirsch, deS letzten der Söhne Samson Raphael Hirschs, für die alle das Judentum gleich ihrem großen Vater der Inbegriff ihres Strebcns gewesen ist, und dem Andenken der jüngst verstorbenen Frau Dr. Sarah Gugenheimer, die als würdige Tochter Samson Raphael Hirschs durch ihre Feder jüdisches Interesse belebte und wach hielt, weihte er warme Worte. Sodann-nahm Herr Rabbiner Dr. Kotte.k- Hombnrg das Wort zu seinem Vortrage „Die vier Gefangenen". Es sind das jene vier jüdischen Gelehrten, die, wie Abraham ibn Daud erzählt, um das Jahr 1000 auf einer gemeinsamen Seereise gefaügcn genomnlen und, nach verschiedenen Himmelsrichtungen zerstreut, in den Ländern ihres unfreiwilligen Aufenthaltes die Schöpfer von Zeiten der Blüte jüdischer Wissenschaft geworden sind, so das im Erlöschen begriffene babylonische Gaoncntum ablösend. Redner gibt die Wiedergabe jenes Ereignisses bei Grätz wieder und zeigt,, wie Halevhs scharfer Geist in' seinem „Doroth Harischonim" Grätz in wesentlichen Punkten korrigiert. Halevy hat hier den Beweis geliefert, daß Italien, aus dem die vier Gelehrten kamen, n c b e^ Babylonien das klassische Land des Talmudstudiums war, daß also nicht, wie von nichttraditionell gesinnter Seite so gern behauptet wird, an einer Zentralstelle — erst Palästina, dann Babylonien — willkürlich gesetzliche Normen gegeben ivurden, daß vielniehr die Tradition von der Thora Zeiten her eine ununterbrochene war. Frankfurt a. M., 21. Olt. Bor überfülltem Saale konnte gestern Abend der „B e r e i n f ü r jüdische Geschichte u n d Literatur" die Saison eröffnen. Dr. I. E. P o r i tz k y - Berlin sprach über „M a x i m Gorki und seine Beziehungen zum Indent» m." In anregendem Gesellschaftstone gab er ein gradezn erschöpfendes Bild über den Menschen Gorki und sein Schaffen. Das engere Thema kam so erst gegen Ende des Vortrages zu seinen! Rechte. Gorki ist in seinem vagabundierenden Leben auch häufig zu Juden in enge Fühlung getreten. So war er einmal '„Schabbesgoj" und lernte hierbei die jüdischen Sitten und Bräuche kennen. Besonders die Innigkeit des jüdischen Familienlebens begeisterte, ihn mächtig. Später wurde er Büroschrciber bei dem jüdischen Rechtsanwalt Lanin, der seine ungewöhnliche Begabung erkannte und sich seiner annahm. Wie für das Recht eines jeden unterdrückten Aienschen, so fühlte sich Gorki von jeher auch als Anwalt des Juden,.für den er das Ziel des Zionismus als den einzig möglichen und den einzig würdigen Weg sieht. Er beschuldigt den deutschen Juden des Mangels an Solidaritätsgefühl für die Sache seiner Brüder im Osten. Rach Kischinew schrieb er ein flammendes Epistel „Judenmassakre" und dann zwei Akte eines Dramas „Die Juden", eine mächtige Anklage gegen die christliche Gesellschaft, welches Drama er ans Liebe zu den Inden vernichtete, weil ihm gesagt wurde, die Aufführung dieses Dramas würde weitere Kischinews zur Folge haben. Seine tiefe und liebevolle Versenkung in die menschliche Seele hat Gorki auch den Inden richtig erfassen lassen, so daß er hierin eine Ausnahme unter den christlichen Schriftstellern bildet. Dem Vortrage hatte der Redner eine Gedenkrede auf Gustav Karpeles, den vor einigen Monaten verstorbenen Vorsitzenden deS Verbandes der Vereine für jüd. Geschichte und Literatur in Deutschland, vorausgehen lassen. Kunst und Literatur. Sammlung preisgekrönter Märchen und Sagen, heransgegeben von der Jugcndschriften-Kommission der U. O. Bnei Briß. Mit 6 Tonbildern und 12 Textillustrationen von 'H. Grübet. 144 Seiten. In Kommission bei Loetves Verlag Ferdinand Earl, Stuttgart. Vor einigen Jahren erließ der ll. O. Bnei Briß ein Preisausschreiben für jüdische Märchen, dessen Ergebnis nunmehr'in einem Bande „Sammlung preisgekrönter Sagen und Märchen" vor uns liegt. Dieses Buch enthält 12 Märchen von Jacob Levy, Heinrich Reuß und Else Ilry, an denen in erster Linie zu rühmen ist, "daß sie sämtlich jüdischen Geist atmen und dennoch echte und rechte Kindermärchen sind, voll von Wundern und Abenteuern. Wenn man von all den Parabeln, Legenden und Sagen absieht, stellt dieser Band unseres Wissens die erste jüdische Märchensammlung dar. Es ist anznerkennen, daß die Verfasser trotz ihrer umfassenden Kenntnis unserer religiösen uitb kulturellen Bräuche ausdringliches Belehren vermieden haben. Einzelne Märchen, wie „Das Haus zu den zwei Löwen" und „Durch den Erdball" zeichnen sich durch besonders spannende Handlung und knappe, lebendige, dem Begriffsvermögen der Jugend aufs peinlichste angepaßte Schreibweise geradezu aus und können sehr wohl den Vergleich mit unseren schönsten deutschen Märchen bestehen. Der vornehm ausgestattete Band, der eine Reihe künstlerischer Tonbilder und Textillustrationen von H. Grobet enthält, dürfte in keinem jüdischen Hause fehlen. Bereins-Kaleuder. Samstag. Verein „Mekor Chajim" 31/2 Uhr, Schützenstr. 2: Mikro-Vortrag (Emanucl Landau). Sonntag. Verein „Wie tot Chajim", 6 Uhr, Schützenstr. 2: Gedenkrede zu Ehren des Herrn Julius Hirsch s. 9(.; Eröffnung des Vortragszyklus „Ans der Zeit des zweiten Tempels", 1. Rückkehr aus dem Exil (Rabb. Dr. Bondi-Mainz). — Verein „T iferes B a ch u r i m", S3/i Uhr, Hermesweg 25/27: Eröfsnungsvortrag (Rabbiner Dr. I. Horovitz). Mittwoch. „Montesiore"- Verein, 9 Uhr, Seilerstr. 22: Die jüdische Jugend und ihre Aufgaben (Referendar Regensbnrger-Braunschweig). — Verein „N achlaß Z w i", 9 Uhr, Langestr. 26: Die Organe einer jüdischen Gemeinde (Leopold Oppenheimer). Jüd. Bibliothek und Lesehalle Langestraße 33. Geöffnet: Montag bis Donnerstag: 1—4 Uhr, 8—10 Uhr. Freitag: nach Schluß des Abendgottesdienstes bis 9 Uhr. Samstag und Sonntag: IO1/»—1 Uhr, 3—7 Uhr. Distr. Auskünfte! Grosse DeteetivZentr&le 1! t aber Vermögens-, jfcmiUena. Qesobäftsverhältaisse, Be-' obaohtnngen, Ermittelungen an allen Plätzen der Welt. Salzhans 6, I- Telephon 435V. Weit unter Preis! -B® kauften wir von einem erstklassigen Fabrikanten einen grossen Lagerposten Frottir-Wüsche JFrotti r-Haiidtüclier, Bade-Tüelier, Bade-Teppiche Bade-Mäntel, J£inder-Bade-Tücher. Die Waren sind zu enorm billigen Preisen —7= '' - zum Aussuchen ausgelegt. ■■=.: -— Ansich.1 olme Kaufzwang gerne gestattet Frank & Baer * .4 3 'r$ 3 I 4S Ci;1 1 I j

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.