Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 39 (15.10.1909)
- Date
- 1909-10-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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MliW W Nr. SO des leimfefiicfec Ifmetitiffa lamitieirötuftes. Personalieu. Frankfurt a. M. Es ist eine altgeheiligte jüdische Sitte, daß in den unter dem Zeichen der jüdischen Gesamtheit stehenden Tagen des Jahres das Einzelgeschick zurücktritt; — und so »rußte, da das Suckanssest erst am Ende des Tischrimonats endgültig seine Herrschast einbüßt, von der Würdigung eines Mannes vor großer Trauerversaminlung abgesehen werde», der sicher Worte wärmsten Gedenkens verdient hat. Denn in Raphael Rosen heim er ist ein Mann dahingegangen, den Energie des Wollens, Gradheit der Gesinnung und Güte des Herzens leiteten. Sein Haus, in dem ihm zur Seite die gleichgesinnte Gefährtin seines Lebens wirkte, war ein Hans altjüdischcr Gastfreundschaft, und niemand verließ es ohne Rat und Hülfe. Diesem Wirken daheim war das draußen ebcnbürdig; fest stand er im Lebenskämpfe in seiner mannhaften Rechtlichkeit, sodaß von ihm ständig ein Kiddnsch-haschem ausging. Raphael Rosenheimcr wurde am 9. August 1843 in Krombach (Baden) geboren, besuchte das Institut Dr. Plato in Weinheim und das Seminar in Karlsruhe und trat im Alter von 16 Jahren seine erste Lehrcrstellc an. 30 Jahre blieb er Lehrer. Da, als 46jähriger Mann und Vater von 7 unmündigen Kindern, kam er vor die Wahl zwischen seinem bisherigen selbständigen, von dem hohen Werte der Menschenwürde stolz durchdrungenen Denken oder dem Unterwerfen unter ihm nicht genehme Verhältnisse, — und er wählte mutig den ersten Weg. Nachdem er sein ihm so liebes Lehramt niedergelegt hatte, mußte er in der ihm fremden Großstadt Frankfurt am Main den Kampf ums Dasein als Geschäftsnrann anfnehmcii; er nahm ihn ans — und siegte. Ungeschwächt blieb aber in dem alle Kräfte absorbierenden Kampfe sein Interesse für das Wohl und Wehe der Judcnheit, und in Wort und Schrift*) war er jeden Augenblick bereit, diesem Interesse Ausdruck zu verleihen. Zu dieser lebhaften Anteilnahme befähigte ihn vor allem eine jugendliche Elastizität, die dein mit jüdischem Wisse» Ausgestattetcn und von Liebe zum jüdischen Volke Beseelten — im Gegensatz zu seinen Altersgenossen — sogleich bei ihrem Beginn zu einem bewußten Anhänger der modernen zionistischen Bewegung gemacht hat. Frankfurt a. M. Im Alter von 72 Jahren verschied am 6. Oktober Frau R osalie Teblee geb. Lehmann, eine Frau, die sich durch ihr gemeinnütziges Wirken hervorragend ausgezeichnet hat. Sie war seit vielen Jahren Vorsitzende des Franenbildungsvercins und der Frankfurter Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins und gehörte der Leitung der Trierschen Stiftung und des Mädchenstifts in der Rückertstraße an. — Im 57. Lebensjahre verschied der Stadtverordnete Fritz Auerbach, Teilhaber der Bankfirma Jakob S. H. Stern, Begründer des Freisinnigen Vereins für jüdischen Gcmeindeleben und bis vor kurzem Großmeister der im eklektischen Bund vereinigten Logen Berlin. Komme zienrat Richard Friedlaender, Mitinhaber der Firma Gebrüder Friedl a e n d c r u. Maas;, wurde zum Handelsrichter ernannt. Berlin. Assessor Dr. Moritz Licht, gebürtig aus Posen, der seit einigen Jahren beim Magistrate beschäftigt ist, ist mit der Leitung des neuen Nachrichten-Amts betraut worden. Wiesbaden. Der Rentner Eduard Simon, Inhaber einer der ersten Weinfirmen und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur, ist verschiede n. Mannheim. Buchdruckereibesitzer Julius Bcnsheimer wurde in den Synagogenrat gewählte *) Auch unsere Zeitung hat in dem Heimgegangenen einen Freund und Mitarbeiter verloren. Die Redakt. Köln. Im Alter von 58 Jahren verschied Herr Hermann Jonas, der der Leitung des Israel. Lehrlingsheims und der Israel. Waisenstiftung angehörte. Köln. Handelsrichter Kommerzienrat Moritz S e l i g m a n n erhielt den Kronenorden 4. Klasse. Biblis. Am Schabbos Bereischis starb hier Herr S a l o m o n B o d e n h e i m e r im Alter von 79 Jahren; diese wenigen Worte genügen, um bei denen, die ihn kannten — und sein Bekanntenkreis ist wahrlich nicht eng — die herzlichsten Gefühle tiefster Trauer ausznlöscn. — Bei der Beerdigung widmete Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Marx ans Darmstadt seinem Onkel warme, tiefempfundene Worte des Nachrufs. „Gefallen ist die Krone von unserem Haupte," so begann er seine Rede; und wie wahr hat er in diesem und in allem gesprochen! Nicht nur das älteste Gemeindemitglicd haben w i r in ihm verloren, sondern die ganze gcsetzestreue Judenheit trauert um diesen herben, unersetzlichen Verlust. Sein Leben war aufgebaut auf „Tauroh, Awaudo und Gemilns Chescd". Tauroh studieren, sich in die tiefsten Schachten des Talmuds zu stürzen, das war seine liebste Beschäftigung. Bis in sein hohes Alter hinein lernte er nicht nur am Tage, sondern er wachte Nächte hindurch. — Aber sein Lerne» blieb bei ihm nicht totes Wissen, sondern wurde bei ihm in die Tat nmgesetzt; er strebte immer nach einer gründlichst gewissenhaften Ausübung der Mizwaus, die geringste war ihm bedeutend genug zu ihrer Erfüllung. Und erst in Gemilus Chcsed, da kannte seine freigebige Hand und sein gutes Herz keine Grenzen; die vielen Vereine usw., die in ihm ihren Förderer verlieren, die Armen, die ihren Freund und Unterstützer in ihm beweinen, sie alle trauern um den großen, edlen und frommen Mann. Herr Dr. Marx durste den ersten Satz der dieswöchentlichen Sidrah voll und ganz mit gutem Recht ans ihn anwenden: Nauach isch Zaddik usw." Zum Schluß erteilte er dem Heimgegangenen Onkel noch den Titel „Morcnu Raw", den zu seinen Lebzeiten anzunehmen, Bescheidenheit ihm verboten hätte. — Auf dem Friedhof rief ihm Herr Lehrer R o h r h e i m e r als Freund und Lerngenosse einen letzten Gruß zu, indem, er hervorhob: „Talmid chochom schemeis Hakaul kerauwow". Jetzt, nachdem uns die Krone vom Haupte gerissen, hat jeder einzelne umsomehr die heilige Pflicht, „in den Riß zu treten", die Lücke auszusüllen und den Ruf, den unsere Gemeinde draußen genießt, zu rechtfertigen. Wir aber, wir wollen dem verblichenen Bruder ein ehrenvolles Andenken bewahren weit über das Grab hinaus! Meiningen. Bei den Landtagswahlen wurde Geh. Kommerzienrat Strupp als Abgeordneter wiedergewählt. Nicolai (Schlesien). Hier verschied im 100. Lebensjahre Frau JohannaHerzberg geb. Loewy. Zürich. Simon Braunschweig-Weil, Präsident der jüdischen Gemeinde, stürzte, als er dem Gordon-Bennett-Wettfliegen zusehen wollte, durch ein Glasdach, erlitt einen Schädelbruch und v e r st a r b nach einigen Stunden. Der Verstorbene hat nur ein Alter von 56 Jahren erreicht. Noch an den jüngsten hohen Feiertagen hatte er vorgebetet. Ldeffa. Trotzdeni General Tolmatschow den Progressiven keine Wählerversammlungen gestattete — die einzige, die er erlaubte, wurde nach vier Minuten wieder polizeilich geschlossen — und trotzdem nicht einmal der Name des progressiven Kandidaten, des Rechtsanwalts B r o d s k y, in der Presse erwähnt werden durfte, ist dieser zum Abgeordneten der R e i ch s d u m a gewählt worden. Aus der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Im Alter von 50 Jahren ist Professor Är. Alfred Sim on Löhren, Oberlehrer an der israelit Realschule Philanthropin, plötzlich verschieden. In ihm hat das Philanthropin nicht nur eine hervorragende Lehrkraft verloren, sondern auch eine Persönlichkeit, die ihm durch ihre ideale Gesinnung zur Ehre gereichte. Professor Dr. Löhren mar ein Schüler des Philanthropins und trat nach dem Verlassen der Schule zuerst in ein Bankgeschäft ein; seine Liebe zur Wissenschaft veranlaßte ihn aber, nmzusatteln. 1886 absolvierte er sein Probejahr am Philanthropin, um dann hier bis zu seinem Lebensende tätig zu bleiben. Trenchtlingen, 10. Oktober. Die am 30. August in Schweinfurt gewählte K o m Mission des i s - rae l i t isch en L e hr e rve re ins in Bayern faßte den Beschluß, allen Bestrebungen sich anzuschließen, welche imstaude sind, in der Frage de - Revision des I u d c n e d i k r s einen gemeinsamen Willensausdruck des gesamten Judentums in Bayern hcrbeizusühren. Spenden. Bei der Geschäftsstelle des Franks. Israel. Fmdl, gingen ein: Ans den Namen Raphael Rosenheimcr von seinen Hinterbliebenen 10 Oetbäumc im Herzlwald 60,— ,W. Brieflaste«. I. B. Nathan, Der Prozeß von Tisza—Eszlar, ein antisemitisches Kulturbild. L. Daß in kurzer Zeit zwei antisemitische Größen — erst Schack, jetzt Briihn — ihre politische Rolle ausgcspiclt haben, — was sagt's? Dem Antisemitismus schadct's nichts. Bereius-Kaleuder. Samstag. Verein „M e k o r - C h a j i m", 12 Uhr, Hörsaal Friedbcrgcr Anlage: Seser Schauftim (Prof. Weist); 3>/» Uhr, Schützenstr. 2: Mikro- Vortrag (Gustav Kaufmaun). — T h e a t e r auf - f ü h ru ng z II G u II st eit d es V e r e i I! s G cm i l l a s C h a s s o d i m , 7>,/ Uhr, Frankfurter Konzertgartcn, Langestraße 24. Sonntag. Hatchijoh, ir'h Uhr: Maimoiiides (2i. Goldmann). — Theateranffü h r u n g z u G u n st e n d e s V e r e i n s G e m i l l a s C h a s s o - di in, 71/» Uhr, Frankfurter Konzertgarten, Langestraße 24. — I ü disch -deut s ch e Theatergrnppe aus Amerika, 8'/» Uhr, im großen Saale der neuen Börse: Kol Nidre, historische spanische Operette. Dienstag. Verein „Nach laß Zwi", 9 Uhr, Langestr. 26: Die vier Gefangenen (Rabb. Dr. H. Kottek, Homburg). Mittwoch. I ü d. F r a u e n v e r e i n i g u n g, 8i/» Uhr, Schützenstr. 2: Unsere Losung (Dr. Josef Breuer). — Verein für j ü d. G e s ch i ch t e und Literatur, S:i/i Uhr, Frankfurt Loge: Maxim Gorki und das Judentum (Dr. Poritzki, Berlin). I ü d. Bibliothek und Lesehalle Langestraße 33. Geöffnet: Montag bis Donnerstag: 1—1 Uhr, 8—10 Uhr. Freitag: nach Schluß des Abendgottesdienstes bis 9 Uhr. Samstag und Sonntag: IO1/»—1 Uhr, 3—7 Uhr. Arbeitsnachweis für Israeliten. Wir bitten dringend uns Vacanzen and jede Art von Arbeitsgelegenheit aafgeben za wollen. Arbeitsnachweis der Frankfort-Loge und des Isr. Hilfsvereins, Langestrasse 30, I. Telephon 3728. geeidigte Taxationen und einzElnei* Stüche bei Nachlässen, Versicherungen, Konkursen, Bilanzen. Gustav jSchmidt-Bangel beeidigter Taxator and Sehadenabsebitzer vieler Versicherungen. Taxations- und Kommissionsbüro Karlstrasse VS. 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