Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 27 (16.7.1909)
- Date
- 1909-07-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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" " M M. 27 ckk8 FrMfllrter IsraekMm MMmklaHes. Ein Vorschlag zur Gründung eines hebräische« „Max Nordan Literaturpreis". Dem jüdischen Publikum unterbreitet von Dr. Samuel Max Melamed-London. Anr 27. Juli dieses Jahres vollendet Max Nordau sein sechzigstes Lebensjahr. Redner werden das Lob des gewaltigen Kritikers, des großen Redners, des geistvollen Schriftstellers und des großen Judenführers verkünden. Die vielen „Max Nordau-Vereine" auf dem Kontinent und jenseits des großen Wassers werden ganz besonders den sechzigsten Geburtstag des Mitbegründers der zionistischen Organisation feierlich begehen. Man wird toasten, Reden schwingen, oein Meister Glückwunschtelegramme schicken, wie es sich von selbst versteht. Wir sind alle Max Nordau Dank schuldig, und keiner von uns wird es sich nehmen lassen, dem Meister anläßlich seines sechzigsten Geburtstages seine tiefempfundene, ausrichtige Dankbarkeit auszudrücken. Wir sind dem Manne, dem Juden und dem Schriststeller Dank schuldig. Wie sollen wir aber dem Meister und Führer unsere Dankbarkeit ausdrücken? Wer den Kämpfer Max Nordau kennt, wird zugcben, daß er mehr auf Taten denn auf Worte gibt. Max Nordau war es nicht vergönnt, sich aktiv an der Bereicherung des hebräischen Schrifttums zu beteiligeil, aber er bekundete immer ein reges Interesse für unsere nationale Literatur. Er, der große europäische Schriftsteller, mußte blutenden Herzens zusehen, wie unsere hebräischen Dichter und Schriftsteller verhungern, wie ihre Witwen und Waisen auf den Bettel angewiesen sind, wie das hebräische Schrifttum, dessen Schöpfer und Träger in allen europäischen Literaturen einen Ehrenplatz eingenommen hatten, zynischen Kapriolen des Wechsels und Widerwärtigkeiten des Geschickes ausgesetzt sind. Wer von ganzem Herzen den Meister anläßlich seines sechzigsten Geburtstages feiern will, wer diese Feier im Sinne Max Nordaus begehen will, der beteilige sich an der Gründung einer Institution, die den Namen Max Nordau führen uird den Zweck haben soll, unseren hebräischen Dichtern und Schriftstellern, die unter so viel Aufopferung und Entsagung schaffen, unsere Anerkennung auszudrücken, indem wir ihre besten Werke von den Zinsen eines zu schassenden Fonds in der Form von Preiskrönungen subventionieren. Der zu begründende „Hebräischer Max Nordau - Literaturpreis" soll einen doppelten Zweck verfolgen, einen kulturpolitischen — die Förderung unseres nationalen Schrifttums — und einen nationalsittlichen — die Unterstützung der Witwen und Waisen unserer 'Schriftsteller —. Es ist eine sittliche Pflicht der jüdischen Nation, die Witwen und Waisen seiner Kulturschöpfer und Träger vor elementarer Not zu schützen und sie nicht dem degradierenden Bettel preiszngeben. Es sollen zu diesem Zweck zweihunderttausend Mark gesammelt werden, deren Zinsen für jährlich zu verteilende Preise an unsere Dichter und Schriftsteller und für Unterstützungen an deren Witwen imb Waisen, sofern sie einer Unterstützung bedürfen, dienen sollen. Der zionistische Kongreß, dessen offizielle Sprache hebräisch ist, möge die Verwaltung des Fonds übernehmen und die nötigen Kommissionen — eine Literaturkommission, eine Necherchenkommission — ernennen. , Am 29. Juli sollen die zionistischen und die jüdisch-nationalen Vereine Max Nordau - Feiern veranstalten und mit der Sammlung der Gelder beginnen. Wenn die Idee der Gründung eines „Hebräischen Max Nordau - Literaturpreises" verwirklicht wird, wenn diese Institution dazu beitragen wird, unsere Nationallitcratur zu fördern und die Witwen und Waisen unserer Dichter und Schriftsteller vor elementarer Not zu schützen, so haben wir unserem Meister in einer Weise unsere Dankbarkeit gezollt, die ihm genehin und für unsere Literatur förderlich ist. Personalien. Frankfurt a. M. Prof. Dr. B. Freudenthal wurde zum Direktor der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften gewählt. Erlange«. Gelegentlich seines 50 jährigen Doktorjubiläums sind Geh. Hofrat Prof. Dr. Rosenthal zahlreiche Ehrungen zu teil geworden. Kiel. Der jüngll verstorbene ordentl Professor Geh. Justizrat Dr. Siegmund Schloßmann, Schwiegersohn des verstorbenen Kommerzienrats Sam. Jaffv-Posen, hatte es s. Zt. in Breslau durchgesetzt, daß die Bestimmung, welche Juden zur Promotion nicht zuließ, aufgehoben wurde. Burgkunüftadt. Unsere Kultusgemcinde hat ' leider einen schweren Verlust erlitten. Am 1. Juli starb nach längerem mit größter Geduld ertragenen Leiden Flau Jda Rothschild im Alter von erst 58 Jahren. Dieselbe war-32 Jahre erste Vorstandsdame und seit einigen Jahren Ehren- Mitglied des israel. Frauenvereins, in ivelchem sie mit größtem Interesse alle Angelegenheiten wahrgenommen und in jeder Weise mit aufopferungsvollem Pflichteifer gewirkt hat. Galt es, an das Krankenlager eines Vereinsmitgliedes zu eiten, oder bei Sterbefällen werktätige Liebe zu Men, so war sie immer eine der ersten. Auch bei allen anderen Gelegenheiten, in Freud und Leid war sie stets hilfsbereit und auch in dieser Beziehung eine Zierde unserer Geineinde. — Die zahlreiche Beteiligung bei der Beerdigung gab Zeugnis von der allgemeinen Achtung und Liebe, die sich die Verlebte bei allen Konfessionen zu erfreuen hatte. Lemberg. Dr. Aszkenaze wurde trotz der Jntriguen seiner eigenen polnischen Gesinnungsgenossen zum dritten Vizebürgermei st er gewählt. Paris. Die „Aoademie des scieucrs morales et politique“ vcrlieh Camille Bloch 1000 Fccs. für sein Werk „L’Assistaoce et l’Etat en France ä la vieille de la Revolution“ und Jules Devaille 500 Frcs. für sein Werk ,.La Vie sociale et l’Education“. Rozanes überwies der Gesellschaft für Kinderfü sorge „Pro Vita" 100 000 Frcs. und Henry Deutsch de la Meurthe stiftete der hiesigen Universität für ein aerotechnisches Institut 500 000 Frcs. Kapital und 15 000 Frcs. jährliche Subvention. Aus der zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Expedition gingen für den Nationalfonds ein: Shareklub überweist den Anteil von Herrn Israel Pomper anläßlich dessen Wegzuges 1.50 JL Frl. Wolpe: Materialien. Köln a. Rh. Jni zweiten Vierteljahr 1909 wurden in der „Welt" für den Nationalfonds ausgewiesen: 21058 JL allgemeine Spenden, 2689 JL Selbstbesteuerung, 11483 JL Sammelbüchsen, 3731 Mark Sammelbogeu, 10 219 JL Oelbaumspenden, 18196 JL goldenes Buch, 6692 JL Nationalfondsmarken, 1449 jIL Telegrammformulare, 185 JL Erlös für Postwertzeichen, 115 JL Erlös für Materialien (i. Sa. 75 820 JL). — Im gleichen Zeitraum des Vorjahres betrug der Ausweis für den Nationalfonds 22 000 JL weniger. Hamburg. Die Zion. Orisgruppe Hamburg-Altona veranstaltete Donnerstag eine Herzl-Gedenkfeier. Die Feier wurde durch ein Harmoniumvorspiel eingeleitet, und es folgten Gesangsvorträge und Rezitationen Rosenfeld'scher Gedichte. Die Gedenkrede hielt Herr Rabbiner Dr. Emil Cohn-Kiel. Er zeigte in meisterhaften Ausführungen, wie sich in Theodor Herzl Charaktereigenschaften, die an sich extreme Gegensätze darstellten, zu einem harmonischen Ganzen verbunden haben, und wie gerade diese Vielseitigkeit und diese Differenziertheit der Veranlagung die Wurzeln seiner Kraft und das Geheimnis seines beispiellosen Erfolges gewesen sind. Die von poetischem Hauche durchwehten und von glühender Begeisterung getragenen Worte des Redners machten auf alle Zuhörer einen tiefen Eindruck. Mit den Klängen eines Chorals schloß die Feier. London. Die Londoner Zionisten haben den 'Jahrszeitstag Herzls unter großer Beteiligung der East-Ender jüdischen Bevölkerung in drei großen Synagogen gefeiert und bei dieser Gelegenheit beträchtliche Summen für den Herzl- Wald gesammelt. Es sprachen vor diesen großen Massen u. 'a. Dr. I. Salkind, Dr. Deiches, Dozent am Rabbiner - Seminar, Dr. S. M. M e - lamed, Israel Cohen, Rabbi Rabbi nowitz u. a. Odessa. Hier ist eine Gruppe jüd. Studenten aus.Moskau eingetroffen, die sich nach Palästina begeben, um dort die Sommerferien zuzubringcn. Aus der Lehrerwett. Marburg. Die hier stattgehabte 41. Jahresversammlung der Israelit. Lehrerkonferenz Hessens war von etwa 50 Kollegen besucht. Kollege Amram führte den Vorsitz. Der Jahresbericht beschäftigte sich besonders mit dem neuen Besoldungsgesetze, das durch die Anwendung des 8 6 auch auf das Kultusamt, wodurch eine drückend empfundene Ausnahmestellung den christlichen Kollegen gegenüber endlich beseitigt ist, den jüd. Lehrern noch einen besonderen Erfolg bringt. Referate hielten Heilbrunn-Oberaula und Oppenheim -Treysa. Erstcrer sprach über eineil „Lehrplan für die Disziplinen des jüdischen Religionsunterrichtes". Er wünscht den Unterricht in der hebräischen Grammatik und systematischen Religionsunterricht als selbständige Fächer ausgeschaltet. .Auf Grund der Konzentrationsmethode stehe die biblische Geschichte im Mittelpunkte des Religionsunterrichts und ihr haben sich dann die übrigen Disziplinen anzuschließen. Oppenheim referierte über die „Besoldung des Vorsängerdienstes", den er mit der den Kirchschullehrern für vollen Kirchendienst zu gewährenden Entschädigung gleich bemessen wissen will, obwohl der Borsängerdienst nach Umfang und Schwierigkeit den Kirchendienst der christlichen' Lehrer weit übertrifft. Die durch den 8 6 entstehenden Lasten vermöchten die Gemeinden zu tragen, besonders wenn ihnen durch den Fortfall der nicht mehr zeitgemäßen Akzideniien ein nicht unwesentlicher Ersatz geboten werde. Die Versammlung nahm folgende Resolution an: „Die 41. Jahresversammlung der Israelit. Lehrerkonferenz Hessens bittet" die Borsteherämter der Israeliten, bei der Schubaufsichtsbehörde als Vergütung für das mit unserem Schulamte verbundene Kultusankt dieselbe Vergütung zu beantragen, die den christlichen Kirchschullehrern für Versehung des vollen Kirchendienstes bewilligt werden wird. Die Gebühren für synagogale Akzidentien, die bisher dem Vorsänger zustandeir, fließen in die Gemeindekasse." (L) Posen, 13. Juli. Aus dem veröffentlichten Berwaltnngsberichte der Stadt Posen über das U n t e r r i ch t s w e s e n ist Folgendes zu entnehmen: Jüdische Kinder besuchten die Jllgenschnle 7, die Menzelschule 6, die Knotheschule 104, die Sachseschule 8, die Wegenerschule 2, die v. Hartmannschule 46. Während für die katholischen und evangelischen Kinder der Religionsunterricht in gesetzlicher Weise erteilt wird, entbehren die jMischen Kinder dieses notwendigen Unterrichts, weil die Leiter der Schnlanstalten es bisher nicht für erforderlich hielten, den jüdischen Religionsunterricht erteilen zu lassen. In der hiesigen Synagogengemeinde, bestehen zwar zwei organisierte Religionsschulen, Mer nicht Me schulpflichtigen Kinder besuchen diese Schulen, mithin ist ein großer Prozentsatz jüdischer Kinder ohne den systematischen Religionsunterricht. In den übrigen Unterrichtsanstalten ist der jüdische Religionsunterricht obligatorisch »«geführt. London. Iew's College erhielt aus dem Nachlaß Ellis A. Franklins 20OOO JL Aus den Vereinen. Berlin. Die Jüd. Ferienkolonien haben in den 25 Jahren ihres Bestehens 6482»jüd. Kindern mit einem Kostenaufwand von 227 661 JL die Wohltat eines Sommeraufenthalts verschafft. 1908 wurden in dem Heim der Ferienkolonien im SolbM Elmen 135 Kinder, in dem Adolf Mayer-Ferienheim im Seebad Misdroy ebenfalls 135 Kinder und in verschiedenen Waldkolonien und Pensionen 169 Kinder nntergebracht. Hamburg. Dem auf der Generalversammlung des Israel. Unterstützungs-Vereins für Obdachlose von Rechtsanwalt Alexander erstatteten Jahresberichte entnehmen wir: Neben der Fürsorge für die Emigranten war der Verein vornehmlich bemüht, ein eigenes Heim in der Stadt zu schaffen. Durch die Opferwilligkeit verschiedener Korporationen und Freunde des Vereins ist es gelungen, in der Westerstraße ein Haus schuldenfrei zu erwerben, das durch einen umfangreichen Umbau für die Zwecke des Vereins hergerichtet wird. Dort werden dann sämtliche Arten der Vereins-Fürsorge vereinigt sein und die Obdachlosen einfach und allen sanitären Anforderungen entsprechend versorgt werden. Das Haus kann voraussichtlich schon Anfang nächsten Monats in Benutzung genommen werden. Zum Andenken an den Gründer des Vereins hat der Vorstand einstimmig beschlossen, dem Heiiu den Namen „Daniel-Wormser- Haus" zu geben. Im Einzelnen zeigte die Bereinstätigkeit das folgende Bild: In den Auswandererhallen der Amerika-Linie wurden an 12177 jüdische Emigranten insgesamt 43005 Portionen Mittagessen aus der rituellen Küche verabreicht; außerdem erhielten die nach Nord- und Südamerika Auswandernden unterwegs rituelle Verpflegung (Fleischkost). In der Stadt sind 1640 Anweisungen für Nachtquartier und 4164 Portionen Kaffee, sowie 2537 Portionen Mittagessen verteilt worden. Des weiteren erhielten 1486 Personen Reise-Unterstützung aus der Vereinskasse; 3500 Männern und Frauen konnte Bekleidung verMfolgt werden, die ihnen sehr oft wieder Arbeitsmöglichkeit verschaffte. Aus dem ,Baronin Clara Hirsch-Krankenfonds" wurde für eine Anzahl kranker Emigranten insgesamt 933 Verpflegungstage im Hospital bestritten. Bunte Chronik. Die Juden im amerikanischen Heeresdienst. Anläßlich des diesjährigen Decoration Day schrieb eine Newyorker Zeitung: „Nicht alle Amerikaner wissen es, welche Rolle die Juden dam<M im Heer und in der Flotte gespielt haben. Mögen Sie es nun wissen, daß David de Leon die amerikanische Armee im Kriege gegen Mexiko kommanditierte und für seine Heldentaten dann vom (Kongreß öffentlichen Dank erhielt. Mögen sie Me Halt machen beim Grabe des Majors Alfred Mardochai, der ein hervorragender Gelehrter der 2255