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Neue jüdische Presse · 1909-06-25 · Heft 24 (25.6.1909) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 24 (25.6.1909)
Date
1909-06-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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r - ' Mlage za Nr. M ies Frankfurter ifmetitiffa lamitienBIftttüs. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Expedition ging für den Nationalfonds ein: Lehrer S. Jakob Rv>enberg-Bierstadt Mi scheberach für Fran M. Levyl anläßlich ihres 70. Geburtstages, 16. Siwan 0,50 Jk Karl Rosenheimer gratuliert seinen Geschwister» Moritz und Connie zur Wiederkehr des Hochzeitstages 1,— „ London. Israel Zangwillhat mehr Mul als man geglaubt hat. Auf dein anr letzten Sonntag stattgefundenen T c r r i t o r i a l i st i s ch e n M a f s e n - M e e t i n g in Leeds erklärte er, daß er bereit ist, in die zionistische Organisation wieder einzutreteil und Schulter an Schulter mit den Zionisten zu kämpfen, wenn sie bereit sind, den Mesopotamienplan zu realisieren. Er wisse wohl, daß man den Zionisten nicht zumuten könne, zu ihm zu kommen, und er sei gern bereit, seine eigene politische Persönlichkeit und führende Stellung anfzugeben, zu Gunsten der Verwirklichung seines Planes. Er wolle nur für die Jto das Verdienst zuerkannt wissen, daß sie eine Pfadfinderin uird Wegweiserin war; mit anderen Worten: der Chef der Jto hat offiziell den vollständigen Zusammenbruch seiner Partei erklärt. Daß Israel Zangwill seinen Irrtum erkannt, geht schon daraus hervor, daß seine letzte Rede, ein. Meisterwerk von Analythik und Klarheit, sich gege>l die Assimilation wandte. In dieser Rede sagte er: „Die blinde Emigration der russischen Juden nach Amerika hat 2 Millionen Juden in Ainerika plaziert; die eine Summe an Ausgaben repräsentieren von 40 Millionen Pfund (800 Millionen Mark). Wenn im Jahre 1881 ein jüdischer Führer gesagt hätte, daß 2 Millionen Juden aus Rußland entfernt werden müssen, hätte man ihn als phantastischen Träumer verlacht und ihn höhnend gefragt, wie er die 40 Millionen Pfund aufzubringen gedenkt. Aber jede noch so große Summe ist erreichbar, wenn wir mit einer Bevölkerung von Millionen rechnen und jeder seinen Beitrag zahlt. Jedoch diese 40 Millionen Psund ergeben kein jüdisches Heim und keine jüdische Zukunft in dein gewünschten Sinn. Die Emigration von 100000 Briten in Natal begründet eine englische Kolonie mit ihrem eigenen Parlament; aber die Emigration einer Million Juden nach Newhork oder Argentinien produziert lediglich einen riesigen Schneeball, der rasch verschmilzt und in das amerikanische Leben zerfließt. — Der einzige Ausweg, ein jüdisches Land zu erringen, ist der, den großen Strom der Auswanderer nicht nach Amerika oder Argentinien zu richten, sondern nach einem Territorium, wo die jüdischen Einwanderer der vorherrschende Faktor sein können, nicht allein in der Bevölkerung, sondern auch in der Zivilisation und der Religion. Keine einzelne Organisation kann die ideelle und inaterielle Verantwortung übernehmen, Millionen von Auswanderern in einem neuen Lande anzusiedeln. Das meiste, was sie zu tun vermag, ist, ihnen zu helfen, ein Territorium zu finden, das sich nach und nach in ein jüdisches Land verwandeln läßt. Außerdem, wenn wir kein Territorium wählen, Ivohi» sich die Massen willig führen lassen, wo sie arbeiten und ihren Lebensunterhalt finden können, erweisen wir uns nur als phantastische Träumer." Daraus ersieht man, in welchem ernsten Verhältnis Israel Zangwill zur Judensrage steht. Sic beschäftigt ihn immerzu und füllt sein ganzes Denken aus. Und der große Dichter des Ghettos ist nachgerade zur tragischen Gestalt geworden. Er möchte seinem Volke helfen und zwar unmittelbar und sofort, aber er weiß nicht recht wie; alle seine wohlgemeinten Pläne sind bis jetzt gescheitert, und vom Zionismus verspricht er sich nicht eine unmittelbare Hilfe. Darauf hat es auch der Zionismus gar nicht abgesehen. Eines steht fest: Die Jto ist tot; aber es ist nicht ausgeschlossen, daß daß der IX. Zionistenkongreß Israel Zangwill als einen seiner Delegierten begrüßen wird. M. Philippopel (Bulgarien). HerrSaadiahLewh aus Saloniki, Redakteur der „Epoka" und des „Journal de Salonique", hielt vorigen Samstag in der Synagoge „Zion" einen mit großem Beisall anfgenommenen B o r t r a g über den „Z i o n i s - mus in der Türkei". An der Hand von Tatsachen bewies er, .daß die Juden unter dem früheren Regime in ihrer Freiheit beschränkt und in ihrer geistigen und kulturellen Entwicklung gehindert worden waren. Ebenso erörterte er, daß der Zionismus trotz des freundlichen Entgegenkommens Abdul Hamids geeignet war, die größten Gefahren für die Juden der Türkei heraufzubeschwören. Jetzt aber sei die Lage der Juden in der Türkei die bestmögliche, und auch der Zionismus habe die besten Aussichten zur Erreichung seines Zieles. — Nachdem der Turn ausflug des neutralen Vereines „Gibbor" nach Adrianopel gemäß hex jürkischcn Zeitungsberichte so glänzenden Erfolg hatte, beschloß auch der zion. Turnverein „Makkabi", einen großen Ausflug nach Konstantinopel, Saloniki und Smyrna zwecks Propaganda zu unternehmen. Es ist ihm bereits allenthalben ein warmer Empfang zugeflchert. B. H. Aus der Lehrerwelt. Frankfurt a. M. In unserer Stadt weilt der Direktor der palästinensischen Ackerbauschule „Kiriath Seser", Herr I. B e l k i n d, der 1882 als einer der tapferen Charkower Studenten nach Palästina kam und dort nach unsäglichen Schwierigkeiten die Kolonie „Chedera" begründete. Herr B. hat seine jetzige Reise nach Europa unternommen, um die Existenz seiner Schule sicher zu stellen, denn er ist bestrebt, ihr durch Subventionen und jährliche Beiträge einen Fond zu schaffen. Die Schule ist in erster Linie für Landwirtschaft bestimmt, doch ist sie gleichzeitig ein Erziehungs- und Unterrichtsinstitut. Der Unterrichtskursus erstreckt sich vom 8. bis zum 14. Lebensalter und umfaßt die Elementarfächer einer Volksschule, nur mit dem Unterschiede, daß statt einer zwei Sprachen — hebräisch als Umgangs- und Unterrichtssprache und arabisch — gelernt werden. Gleichzeitig werden die Zöglinge zu landwirtschaftlichen Arbeiten herangebildet. Mit Eintritt in das 14. Jahr folgt ein landwirtschaftlicher Kursus, der dem Programme deutscher Ackerbauschulen entspricht. Die Schule zählt 37 Zöglinge — 30 sind aus Palästina selbst, Kinder jüdischer Kolonisten, und 7 sind Ausländer. — Die Schule verfügt über weites Terrain, das sie vom Nationalfonds gepachtet hat, sie steht auf einem weithin sichtbaren Hügel an der Grenze der Ebene und des Berglandes, in der Nähe des alten Lydda (Lud),, in der Nähe der Eisenbahnstation und in nächster Nähe der Oel- und Seifenfabrik „Athed". Der Boden ist für mannigfache Zweige der Landwirtschaft geeignet, das Klima infolge der direkt herstreichenden Seelust und der Nähe des Gebirges gesund. Die Zöglinge werden in traditionellem Geiste erzogen und sie erfreuen sich guter, mit Gymnasialbildung geschulter Lehrer und eines tüchtigen Agronomen. Der Lehrplan umfaßt folgende Gegenstände: Hebräische Sprache, Bibel und Propheten, Religionsunterricht, Mischna, Geschichte der Juden, Rechnen, Geographie Palästinas, allgemeine Geographie, Erzählungen aus der allgemeinen Geschichte, Naturgeschichte, Landwirtschaftslehre, arabische Sprache, Kalligraphie, Zeichnen, Singen, Turnen. Wie wir hören, besteht in Berlin ein Koinitee für Entgegennahme von Geldern bestehend aus den Herren Rabb. Dr. Emil Levi, der selbst die Schule im vorigen Jahre besichtigt hat, Prof. Marburg, Dr. Hirsch Hildesheimer, Bertram Hamburg, Turow. Auch unterstützt der Verein „Esra"-Berlin die Schule mit einigen Tausend Mark jährlich. Frankfurt a. M.» 23. Juni. Zwei junge D a in e n, welche den mit der israelitisch e n Religionsschule verbundenen Lehrerinnenkursus besuchten, haben dieser Tage das Examen als israelitische Religionslehrerinnen bestanden. Breslau. Der Magistrat hat beschlossen, die Uehernahme der „I n d u st r i e s ch u l e f. i s r. Mädchen" auf die Stadtgemeinde abzulehnen, da die Vorstände der Schule und der Synagogen- Gemeinde der Uebcrnahme des Schul-Vermögens (ca. 80 000 J6) durch die Stadtgemeinde ohne jeden Vorbehalt nicht zustimmten und insbesondere der Gemeinde-Vorstand dem Magistrat das Recht der Zwangseinschulung in die Industrieschule nicht zuerkennen wollte. Rordhausen. Dr. Alfred Levi vom Breslauer Seminar wurde zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt. Att-Lfen (Ungarn). In unserer altehrwürdigen Synagoge, in der Rabb. M. H i r s ch s. A. gewirkt, ward vorige Woche — nach Ablauf der 30tägigen Trauerzeit —' eine Gedenkfeier für den Verblichenen abgehalten. Rabb. I. Adler, früher hier, jetzt in Pest, hielt die Rede. Philadelphia (Amerika). Hier, feierte der allgemein geschätzte frühere Lehrer und langjährige Kantor an der Keneseth-Jsrael-Synagoge William Armhold seinen 80. Geburtstag. Armhold wurde als Sohn eines Lehrers in Schlüchtern in Baden geboren, besuchte das Lehrerseminar in Karlsruhe, amtierte 3 Jahre in Philippsburg und ging dann nach Amerika. Aus de« Vereinen. Frankfurt a. M.. 24. Juni. Ein herzerfreuenües Bild bieten die Mittwoch-Wende des „Montefiore" - Vereins. Denn trotz der Sommer-Saison, in der sonst überall das Vereinsleben vausiert, sind hier in stattlicher Anzahl die Mitglieder versammelt, lauschen mit sichtlichem Interesse den jeweiligen Referaten- und zeigen in der Debatte, baß nicht nur Interesse, sondern auch Verständnis für die zur Diskussion stehenden Fragen unter ihnen herrscht. Am gestrigen Mend sprach in klarer und pädagogisch gradezu mustergültiger Weise Herr Dr. med. Gustav Löffler über das Thema „Die soziale Aufgabe der Jugendvereine". Er - wies auf die Wichtigkeit der sozialen Bestrebungen hin und zeigte, 'wie der „Montefiore"-Berein auf' den sozialen Gebieten seine Tätigkeit noch ausdehnen könne (Auskunstsstelle, die alleinstehenden jungen Leuten bei der Wahl des Berufes, in der Förderung ihrer geistigen Fortbildung, beim Suchen von Wohnungen usw. mit sachgemäßem Rat zur Seite steht; Verbreitung des Verständnisses für die Bedeutung der sozialen Hygiene unter seinen Mit- - gliedern. Borträge über die sozialen Gesetze des Judentums). Sprechsaal. (Ohne Berantw örtlich keit der Redaktion.) Geehrte Redaktion! Gestatten Sie einem Leser, der die.Verhältnisse in der englischen Judenheit kennt- und der gleichfalls dem Gartenfeste zu Ehren des Chief-Rabbi Dr. Adler bei Lord Rothschild beigewohnt hat,' einige Worte zu dem vorwöchentlichen Artikel „Bei Lord Rothschild". Herr M„ der Verfasser dieses Artikels, hat eine geringe Meinung von Dr. Wlers Gelehrsamkeit. Andere Leute, die sich sicherlich ein Urteil erlauben können, denken anders. Am Tage, an dem der erwähnte Artikel dem Drucke übergeben wurde, wurde Dr. Adler in feierlicher Sitzung der Oxforder Universität mit dem „honorary degree" 0. 6. L. (Doctor of Civil Law) ausgezeichnet» der höchsten Ehrung, die die Universität einem Gelehrte» - verleihen kann und die überhaupt nur einmal von einem Juden besessen war. Dr. Wler hat in der Tat kein Monumentalmerk geschrieben. Seine Schriften „Survey of Angio-English History“, ,Jbn Gabirol“, „Jewish Reply to Biahop Colenso“, „Sermons of Biblical Passages adduced by Christian Theologians in snpport of the Dogmas of their Faith“ trugen ihm wohl teilweise die ehrende Erwähnung der Oxforder Universität ein, doch sein Hauptweck ist in die Herzen des Volkes geschrieben. Wenn es heute als ein Segen upd ein Wunder gepriesen wird, wie gerade die Juden in England als solche frei sind von den Verfolgungen des pöbelhaften wie des intellektuellen Antisemitismus, wenn die jüdische Geistlichkeit und besonders ihr _ gefeiertes Oberhaupt bei allen Untertanen König Eduards — gleichviel welcher Religion oder Rasse — eine der christlichen Geistlichkeit völlig gleichwertige, geachtete Stellung einnimmt, so ist dies nicht zum wenigsten Dr. Adlers Verdienst! Dies kommt auch in den Gratulationen fast sämtlicher geistlichen Führer der anderen Glaubensgemeinschaften zum Ausdruck. Die blose Namensnennung der Gratulanten würde den Einfluß Dr. Wlers zur Genüge beweisen! Und nun zu Lord Rothschild! Hier habe ich andere Eindrücke empfangen als Herr M„ der die Menge von Autos, Elektromobilen und Equipage» nicht gesehen zu haben scheint, die Angehörige der besten jüdischen Kreise brachten. Gewiß stellte das Eastend das Hauptkontingent, doch ist dies nur im richtigen Verhältnis zur Anzahl der dort ansässigen Glaubensgenossen. Anscheinend befand sich Herr M. unten bei den Erfrischungszelten, bei den Eastend-Juden und hat nicht beachtet, daß das englische Publikum oben auf der Terrasse promenierte. Auch von den Reden Lord Rothschilds und Dr. Adlers hatte ich einen anderen Eindruck empfangen, als M., — und ich stand dicht neben den Rednern. Dr. A.'s Rede gipfelte in den Worten: „Ich war stets bestrebt, meine Herde für die strikte Anhänglichkeit zum Buchstaben und zum Geiste des traditionellen Judentums zu begeistern, zu dem ich stets in Treue gehalten." Das ist doch keine Diplomatie! Ich bin überzeugt, daß jeden, der an dem erinnerungsvollen Tage den großen Mann mit dem durchgeistigten Gesicht gesehen, .gebeugt durch die Last der Jahre wie durch die Mannigfaltigkeit der Pflichten, wer beobachtete, wie bescheiden er Lord R.'s Lobreden ablehnte, nur daraus Anspruch erhebend und es als sein einziges Ziel anerkennend, in den Fußtapfen feines großen Vaters gewandelt zu haben, die Ausführungen des Artikelschreibers als Schwarzmalerei betrüben müssen. poirier. Uehersetxungenln alle Sprachen. Nationale Lehrkräfte. Kaiserstrasse 31. Mr. Per cy Gill’s Institut Vereins-Kalender. Samstag. Verein „Mekor - Chajim" 12 Uhr im Hörsaale Friedberger Anlage: Jäßenauras Hamoaur"Äortrag (Steinberger); 4% Uhr Schützenstraße 2; Mikro-Vortrag (Gustav Kaufmann).

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