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Neue jüdische Presse · 1909-04-16 · Heft 14 (16.4.1909) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 14 (16.4.1909)
Date
1909-04-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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p Nr. 14 des Frankfurter IsraMsKm famiKeiifitflffes. Personalien. Frankfurt a. M. Ocsterr.-ungar. Generalkonsul Maximilian Baron v. Golds chmidt-Roths ch i l d erhielt das Komturkreuz des ö st e r r. Franz Josef-Ordens mit dem Ster». Frankfurt a. M Ein Mann ist hier am letzten Chaulhamaued zur ewige» Ruhe gebettet worden, der es verdient, daß seiner in diesen Blättern gedacht wird. Rabbi Elie (Elias) B i n j u m o w i t s ch war als Sofer (Thoraschreiber) weit und breit bekannt, sodaß er einen Weltruf erlangte. Er war als „Sofer" unübertroffen, ein wahrer Künstler, und sxine "Arbeit war sehr gesucht; Männer wie Sir Montefiore, Ascher, Montag» und Baron Rothschild beschäftigten ihn. Baron Wilhelm von Rothschild s. "A. hatte Rabbi Elie zum beständigen Sofer für sein Haus und seine Familie erkoren, und deshalb übersiedelte der Verblichene von seinem Heimatlande Rußland.nach Deutschland und wechselte seinen Wohnsitz Wilna, wo er 36 Jahre lang in seinem Berufe tätig gewesen ivar, mit Frankfurt. Der Dahingegangene >var aber nicht nur als Soser hervorragend, sondern auch als Charakter, als Mensch, der sowohl geistig und sittlich hoch stand, und er wurde als solcher von allen, die ihn kannten, anerkannt und gewürdigt. So kam es, daß er, als vor 25 Jahren Sir Montefiore seinen l00jährigen Geburtstag feierte und die Judenheit Rußlands ihm eine Adresse überreichen wollte, mit dieser Ehrenmission beauftragt wurde, denn seine äußere imponierende Erscheinung, seine Klugheit und sein taktvolles Auftreten, wie auch sein reiches Wissen machten ihn dafür geeignet. Rabbi Elie war ein echt frommer und guter Jehudi, er war „medakdek bewizwans" und trieb eifrig Talmudstudien. Auch für jüdische Literatur (Chochmas Jisroel) hatte er großes Interesse. Er war überhaupt als Mensch sehr fleißig und arbeitssam, und auch in seiner Krankheit arbeitete er. Seine große HerzcnSgüte veranlaßte ihn auch, für andere zu sorgen; für viele russische Jeschiwaus ist er eine große Stütze gewesen. Hervorgehoben sei schließlich noch seine mächtige und klangvolle Stimme, die ihn zu einem hervorragenden ,^8aal-Tefilloh" machte. G. Berlin. Geh. Sanitätsrat Dr. Oskar Rothm a n n erhielt anläßlich seines 50jährigen Doktorjubiläums den K r o n e n o r d e n 3. K l a s s e. — In den letzten Tagen verstarb en hier: Simon L i p in an», Vorsitzender des "Anfsichtsrats der Norddeutschen Gruud-Kredit-Bank: Hugo B u k a, Amtsgerichtsrat; Gustav G u t k i n d, Komponist; Michael F i e g e l, kgl. Hofjuwelier. Der jetzt — nach 30 Jahren nach seinem Tode — durch die Berliner Sezession zu Ruhm gelangte Maler Hans von M a r ö e s ivar jüdischer Abstammung; seine Mutter war die Tochter des Halberstädter Bankiers Lußmann. Der jüngst verstorbene berühmte Architekt Geh. Rat Alfred Messel war als Jude geboren; seine Eltern liegen auf dem jüdischen Friedhof in Darmstadt. München. Zu Stabsärzten wurden befördert: Oberarzt Dr. Beck er-Blümchen, Dr. D. G r ü n b a u m - Nürnberg, Dr. S o n d h e i m e r-Hof, Dr. Schloß- Hof, Dr. B l n m e n t h a l - Augsbrirg, Dr. Auerbach und Dr. S al o m o ns k i-Hos. (b.) Stratzburg. Herr Heller, der ehemalige Sekretär der Kultusverwaltung, erhielt vom Polizei-Direktor die V e r d i e n st m e d a i l I c überreicht. Wien. Der junge Budapester Advokatursbeamte JakobPap (früher Kohn) hat bei dem vom hiesigen Amateurklub „Fortschritt" veranstalteten Billardt u r n i e r um die M e i st e r s ch a f t von Oesterreich 1909 den Preis davon getragen. — Alois Kulka, Herausgeber der Zeituiigs- - korrespondenz Kulka, wurde vom König von-Schweden zum Ritter zweiter Klasse des Wasa- Ordens ernannt. Prag. L ö w y H a m m e r s ch l a g in A u s s i g erhielt das Goldene V e r d i e n st k r e u z. — In Saaz wurde Hopfenhändler Eduard Kohn zum K u l t u s g e m e i n d e v o r st e h e r gewählt. — In Leipa verschied Isidor Gans, Vorsteher-Stellvertreter der israel. Kultusgemeinde, im 71. Lebensjahre. Adolf Ritter von Sonnenthal. Adolf Ritter von Sonncnthal, der Meister der deutschen Schauspielkunst, ist am 4. April in Prag, wo er sich zur Absolvierung eines Gastspieles aufhielt, infolge eines Schlaganfalles plötzlich verschieden. Sonnenthal ist am 21. Dezember 1832 zu Budapest als Sohn des Schnittwarenhändlers Hermann Sonnenthal und dessen Frau Charlotte gcb. Weiß geboren worden. Er widmete sich , dem Schneidergewerbe, lieferte nach zweijähriger Lehrzeit sein Gesellenstück und ging dann nach Wien. Hier besuchte er trotz seiner kärglichen Mittel gleich am ersten Abend das Burgtheater, wo D a w i s o n den Erbförster spielte. Er beschloß, Schauspieler zu werden und wandte sich an Dawison, der sich seiner annahm und ihn schon nach wenigen Monaten als befähigten jungen Anfänger Direktor- Dr. Heinrich Laube vorstellen konnte. Aus Anraten Laubes nahm er erst Engagement bei Provinzbühnen. Am 18. Mai 1850 gastierte er zum ersten Male am Burgtheater und zwar als Mortimer in „Marie Stuart". Bereits 1859 erhielt er das Dekret als Hofschau- Ipieler. Am 5. August 1860 ehelichte er Pauline Pappenheini, welche ihm vier Kinder — Felix, Siegmund, Paul und Hermiuc — schenkte und nach l2jähriger idealglücklichcr Ehe einem Lniigenleiden erlag. Was Sonnenthal in seinem Berufe war, davon legt am besten die Tatsache Zeugnis ab, daß sogar Bürgermeister Dr. Lueger ihm den Tribut uneingeschränkter Anerkennung bringen mußte. „Der Name Adolf Ritter von Svnnenthal, dem Wien zur treugcliebten Heimatstadt geworden ist, wird mit der deutschen Kunstgeschichte für immer verknüpft bleiben," heißt es in der Beileibsdepcfche, die Lueger im Namen der Wiener Gemeindevertretung au die Hinterbliebenen richtete. Und der antiseniitische Vizebürgermeister Wiens H i e r h a m m c r betrauerte in seinem Nachrufe ani Grabe den Verstorbenen als „großen Künstler und berühmten Vertreter deutscher klassischer Schauspielkunst". Als Mensch und als Jude war Sonncnthal eine sympathische Erscheinung. Er hatte den echt jüdischen Familiensinn und das jüdische mitfühlende Herz. Auch hatte er Liebe zu den jüdischen Bräuchen; so versäumte er cs nie, am Freitag Mend zu seiner in Wie» lebenden Schwester zu gehen, um „Kiddusch' zu machen. In aller Erinnerung ist noch, .wie er, der sonst äußerst selten am Borlesetische erschien, im vergangenen Oktober der Einladung, Morris Rosenfelds Gedichte zu lesen, sofort entsprach und wie er dann die Gedichte so ergreifend zum Vortrage brachte, daß Rosenfeld, überwältigt und ^unfähig zu sprechen, ihn umarmte und küßte. In Sonncuthals Testament heißt es: „Mein Leichenbegängnis soll natürlich nach jüdischem Ritus vollzogen werden. Ich habe als Jude gelebt und will als solcher auch begraben werden." Sonnenthal hat so gezeigt, daß niau dem Judentum die Treue bewahren und sich dabei die höchste Achtung der Menschheit erwerben kann. Und er hatte sich die höchste Achtung und die Achtung der Höchsten erworben. Der Kaiser von Oesterreich, die Königin voir Rumänien, der König von Bulgarien, der in ihm „nicht nur den großen Meister und hehren Künstler, sondern auch den unverändert treuen Freund" betrauert, und andere Fürstlichkeiten haben dies in ihren Beileidskundgebungen bewiesen. Lskar Marmorek. Baurat Oskar M a r m o r e k, Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees und des Vorstandes der Wiener israelit. Kultusgemeinde, erschoß sich am 7. April, nachdem er am Tage vorher eine Nasenopcration durchgemacht hatte, auf dem Grabe seines Vaters. Marmorek war 1863 zu Skala in Böhmen geboren, studierte an der Wiener technischen Hochschule und gehörte zu den gesuchtesten Architekten Wiens. Zur Darstellung seiner Persönlichkeit seien aus den Nachrufen über ihn folgende wiedergegeben: Reichsratsabgeordneter A d o l f S t a n d in der Wiener „Zeit": „Ich bin von der Nachricht, daß Marmorek tot ist, ganz erschüttert. Erst unlängst sprach ich mit ihm. Er war voll von Ideen für die Zukunft, für sich und unsere zionistische Bewegung. Ich kannte ihn feit zwölf Jahren, und wenn auch häufig unsere "Anschauungen auseinandergingen, schätzte ich ihn als guten, hilfreichen Menschen und überzeugten, ganzen Jude». Unzählige arme Leute aus dem Osten besuchten ihn und baten ihn um Hilfe. Er veriveigerte sie niemanden und gab viel und oft, ohne daß es die weite Oesfentlichkeit erstrhr. Er war einer der Führer der zionistischen Bewegung. "Als einer der ersten schloß er sich Herzl an und unterstützte ihn nebst Dr. Oskar Kokesch und Dr. Leopold Kahn ununterbrochen bis an . dessen frühes Ende. Er entwickelte eine starke Agitation und wirkte durch sein ungeniein sympathisches Wesen. Er war launisch, zerstreut, gereizt, aber auch gut, offen und herzlich. Herzl schilderte ihn mit großem Geschick als Baumeister Steineck in seinem Roman „Altneuland". Marmore! war einer der Begründer und ersten Mitarbeiter der früher in Wien, jetzt in Köln erscheinenden Zeitschrift „Die Welt". Nicht nur Oskar Marmorek, sondern seine ganze Familie widmete sich dem Zionismus. Tiefe Wehmut beschleicht einen, wenn man sieht, daß der Stab der Mitarbeiter Herzls fast ganz ausgestorben ist. Nach denr wackeren Kokesch, der beredte Kahn und jetzt unser lieber, guter Marmorek; wir werden seiner immer gedenken." ü d. Volks st i nr m e", Brünn: „Baurat Oskar Marmorek war einer der markanteste» Köpfe in der zionistischen Bewegung. Als Dr. Herzl daran ging die zionistische Organisation zu schassen, da schlossen sich ihnr die Brüder Marmorek an. Mit der Aufopferung all ihrer Kräfte stellten sie sich in den Dienst der neuen Idee. Allen dreien voran Oskar Marmorek. Bei Versammlungen und Beratungen, Sitzungen und Kongressen, überall war er dabei um mitzuberaten und niitzuarbeiten. Als Organisator und Agitator leistete er Unvergängliches. Keine Parteiarbeit erschien ihm - gering und seiner unwürdig. Obwohl er Künstler von ancrkaiinler Bedeutung und vielbeschäftigter "Architekt war, galten ihm das Glück und Wohlergehen seines Volkes mehr als persönlicher Ruhm und Erfolge im privaten Leben. Ein Kultur-Europäer im besten Sinne des Wortes, war er zu gleichcrzeit ein stolzer, unbeugsamer Rassejude." „D r. B lochs Oe sterr. W o chensch ri ft", Wien: „Ein Feuerbrand, das war Oskar Marmorek, und wie im "Aufleuchten und Brennen schuf er seine genialen Werke. Denn genial war der Gedanke, alte Kulturstätten auslebcn zu lassen, wie er sie in Alt-Wien schuf, das er im Jahre 1892 in der Theater- und Musikmisstettnng als stärkste "Anziehung hingestellt hatte. Kaum eine "Ausstellung nach dieser, die Marmvreks Gedanken nicht nachgeahmt hätte, er selbst spann ihn in „Oes Budavar" und „Venedig in Wien" weiter. Auch die Fontaine liimiiieuse brachte er nach Wien, den Leuchtbrnnnen und in tausend Farben erstrahlte sein Werk, das seinen Namen verklärte und weit und immer weiter bekannt machte. Mer auch dauernde Werke in Ziegel und Stein hatte er geschaffen. Bauten, die von seinem seinen. Kunstverstande Zeugnis geben, das mit einem großen Stück Zweckbewußtsein gepaart war. Was uns jedoch mehr bedeutet und seine Gestalt' für lange hinaus lebendig erhalten wird, das ist sein Wirken für das Judentum. Marmoreks Vater hatte sein "Praxis von issfala nach Wien verlegt, wo 'sein Haus ein Mittelpunkt echt jüdischer Bestrebungen wurde. Die patriarchalische Führung der Familie jedoch hinderte nicht die modernste Entwicklung der Söhne, von denen einer der bekannte Sernmsorscher Dr. Alexander Marmorek ist. I» dieser Familie war mau jüdisch-national, ehe eseine» Zionismus gab, wofür die Tatsache spricht, daß Oskar Marmorek seinerzeit in Budapest dadurch Aussehen erregte, daß er in seinem Meldezettel unter die Rubrik Nationalität „jüdisch" schrieb. Fast mit selbstverständlicher Gewalt führte es die Brüder Marmorek in den Kreis von Theodor Herzl, an dessen Seite Oskar und "Alexander seit dem zweiten Baseler Kongreß mit Eifer tätig waren. Oskar Marmorek bekleidete von diesem Tage arr bis zum Tode seines Freundes Herzl die höchste Ehrenstelle eines Mitgliedes des engeren Aktionskomitees. Er hatte für die Partei zahllose Reisen unternommen, u. a. eine Expedition ans die Sinai- Halbinsel, um den Landstrich El arisch auch ans seine Eignung für jüdische Kolonisation zu untersuchen. Nach dem Tode Herzls, als die Leitung der zionistischen Partei nach Köln verlegt wurde, begannen in Wien verlverfliche O.ucrtreibereien gegen diesen opferwilligen Mann, die ihren Höhepunkt erreichten, als Oskar Marmorek, der inzwischen in den Kultusvorstand gewählt worden war, in der Affaire Tanssjg den neuaufgetauchten zionistischen Parteigrößen nicht/willig genug schien, seine» Kollegen zur Demission zu zwingen." Aus Äer zionistische» Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Expedition des Franks. Jsr. Familienbl. gingen ein: I. D. ersparter Verlust beim Rennen 2,— JK Im Bureau desjüd. Nationalsonds ging ein: Erlös für verkaufte ISVi kg Silberpapier 27,40 ..H 25 kg Bleistaniol 6,25 „ 33,65 Ji Ferner Materialien von F-rt. Martha Goldschmidt, Judith und Eveline Lyppstadt. Wiesbaden. Gesinnungsgenosskn, die im Laufe des Sommerhalbjahres Wiesbaden besuchen, wollen ihre Adresse Herrn Ludwig Lcivin, Wiesbaden, Michelsberg 9, mitteilen. Aus der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Zum ersten Mal besuchte ich die öffentliche Prüfung der unter der Leitung Rabfbiner Dr. I. H o r o v i tz stehenden Israel. R e - ligions - Schule, und ich war ganz überrascht von den guten Kenntnissen der Schüler sowohl im korrekten Lesen und Uebersetzen der Gebete, wie des Tenach, als auch in der grammatikalischen Analyse. Ganz schwere Stellen wurden glatt übersetzt und zerlegt. Man sah, daß die Schüler gut den Stofs beherrschen. Auch die Gedichte, die am Schlüsse von Mädchen und Knabe» abwechselnd vorgetrageu wurden, zeigten gutes Verständnis. — Man kann der Schule nur von Herren ein weiteres Fortschreiteu in ihren Bahnen wünschen. n. Berlin. Rabbiner Dr. Blumenthal brach am 1. Pesachtage in der Neuen Synagoge während des Schlnßgebets ohnmächtig auf der Kanzel zusammen. 4785

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