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Neue jüdische Presse · 1909-03-19 · Heft 11 (19.3.1909) · p. Seite 13

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 11 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Nr 11 vorzunehmen, da diese beiden Herren zum großen Bedauern ihrer Kollegen nach ersprießlicher Tätigkeit für den Verein ihr Amt infolge zu großer beruflichen Inanspruchnahme niederlegen mußten. Die Herren Bergeuthal und Mantel wurden an ihrer Stelle gewählt. Zu Revisoren ernannte die Versammlung die Herren H a l b e r st ä d t und L ö w e n t h a l. Nach Beendigung der Tagesordnung erfolgte alsdann noch eine lebhafte Aussprache seitens der Mitglieder. Zahlreiche Wünsche wurden vvrgetragen; als Hauptmotiv klang aber in allen Acllßeruiigen der sehnliche Wunsch nach dringend notwendiger Vergrößerung der Vereinsräume, die dem großen Verkehr der Mitglieder in keiner Weise mehr gewachsen sind. Mit dem Appell an die Anwesenden, sich recht rege an der Sommer- Tätigkeit des Vereins zu beteiligen, schloß der Vorsitzende um Mitternacht die Versammlung. Berlin. Der Israelit. FortbildungsvereiuMontefiore (Vereinsheim: Gipsstr. 12a) gedieh auch in seinem vergangenen Geschäftsjahre günstig. Seine Bibliothek ist nunmehr auf 1200 Bände angelvachscn. Neben den Schiurim im Mischnah, Gemarah nsw. wurden ein Vortragszyklus über das jüd. Gebet (Dozent Dr. E. Munk) und eine hebräische Sprachstunde (Lehrer:'Dr. I. Carlebach) eingerichtet. Im Sommer wurden .alle 14 Tage Ausflüge veranstaltet. Zit Purim, Channka und am Stiftungstage fanden festliche Veranstaltungen statt. Aachen. Der Rechenschaftsbericht des „Israel U u t e r st ü h ü n g s v e r e i n s" verzeichnet 281 Mitglieder, 6323 Mk. Einnahmen und 8185 Mk. Ausgaben. Die größten Ausgabeposten (2758 Mk.) verursachten die Rückwanderer; weiter wurdenan Auswanderer 976 Mk. verausgabt, 1074 Mk. für Speise- und .Herbergskosten, so daß also der weitaus kleinere Teil der verausgabten Summen für einheimische Arme aufgewendet tvorden ist. Bei der Kasse fanden sich im abgelaufenen Geschäftsjahre mehr als 3000 Bittsteller «in. Rakel (Posen). Der Jüd. Frauenverein verausgabte im vergangenen Jahre 1669 Mk. an Unterstützungen; sein Vermögen beträgt 7540 Mk. Mannheim. Der Israel. Studienverein gewährte im vergangenen Jahre 25 Stipendien, darunter eines von 3680 Mk. an eine Dame, die Mathematik und Naturwissenschaft studierte. Acht der Stipendiaten, meist Ausländer, besuchen die hiesige Ingenieurschule. Emden. Am Sonntaa. 14. März hielt Herr Lanbrabbiner Dr. Loeb im Montcfiore- Vcrein einen Vortrag aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde Emden. Der Redner verstand es, seinen Zuhörern in einem zweistündigen spannenden Referate ein deutliches Bild auS den Annalen der alten Gemeinde zu entwerfen. Philippopel (Bulgarien). 12. März. Vorigen Samstag Abend veranstaltete der in . diesem Blatte schon öfters lobend erwähnte T u r n verein „M a k k a b i" im Theater, „6. August", dem größten derartiger Philippopeler Lokale, eine Purim fei er. Zu dieser erschienen die Bornehinsteu der Stadt, unter ihnen auch der deutsche Konsul. Von den Chorgesängen abgesehen, wurden alle Programmsnummern mit stürmischen Beifall ausgenommen. Die gymnastischen Freiübungen, Reigen und Tänze, von Turnern und Turnerinnen tadellos ansgeführt, betviefe» loieder einmal, wie hoch die Leistungen des Turnvereins cinzuschätzen sind. Besonders erwähnenwert ist ein lebendes Bild, das zur Darstellung kam. Am Grabe 'Herzls standen die kräftigen Jünglinge, bereit für die Ideale dieses Tote» alles zu -opfern, Ivährend ein kleines Mädchen in Engelgestalt nach Zion, dem Ziele ihres Strebens hinwies. Trotzdem diese Purkmfeier nichts vom Purim enthielt, diente sie doch dazu, ein zahlreiches Publikum aufs köstlichste zu unterhalten und ihm zugleich Selbstbewußtsein und Vertrauen auf die eigene Kraft einzuflößen. _ Ben-.Hoamitti. Kunst und Literatur. Wozu wissenschaftliche Kommentare benutzt werden! Jin 8. Kap. geißelt Amos mit scharfen Worten das ungerechte Treiben der Großen, die den Sabbat dadurch entweihen, daß sie auch ivährend der Ruhe, die zu ihrer Versittlichung beitragen sollte, darüber Nachdenken, wie sie nach seinen» Ausgange von ne»»em betrügen könnten: Wann ist doch der Neumond vorühe»', daß »vir Getreide verkaufen, und der Sabbat, daß »vir die Kornsäcke öffnen, daß »vir das Epha kleiner, den Schekel größer mache» »»nd die Wage fälschen? Zu dieser Stelle bemerkt O r e l l i in feinem Kommentar (hrg. v. Strack -Föcklex): „In erster Hinsicht sind hier die gewinnsüchtigen Korns,»den anschaulich geschildert, typisch für viele Nachkoninieu späterer Jahrhunderte. Bei diesem Handel mit LebenSiniUcln, welche auch, der Arme, nicht entbehren konnte, -« kam schon zn des Propheten Zeit jene unersättliche und unerbittliche Habgier zum Vorscheine. — hätte er nun »ijcht »veiler gcsihrieben. Frankfurter Israelitisches Familienblakk. so würde ich fortführen, die wir auch heute noch bei unser,» agrarischen Junkern, die auch in ihren» sonstigen Tun sehr an jene großen Ephraims erinnern, wahrnehme» können. Orelli aber fährt in seinem „wissenschaftlichen" Kommentar fort, „die sich in solchem Geschäftsleben nur zn leicht dieses Volkes bemächtigt." Diese wissenschaftliche Art scheint dem Herrn Professor der Theologie in der freien Schweiz (Basel) sehr gut zu gefallen: denn zu Hosea 12, 8 u. 9, wo der Prophet das Volk geringschätzig mit „Kananiter" anredet und ihnen vorwirft, wie sie sich' selbst über das wohlempfundene Unrecht, das sie in Handel u»»d Wandel tun, hinwegzutäuschen suchen, bemerkt Orelli: „Die Schilderung cinpfängt ihre beste Bestätigung durch das moderne Jrrdcntnm, das seiner großen Vergangenheit nnd teils geschichtlichen Mission gairz untre»», großenteils in rücksichtsloser Aiisstreunng »naterieller Vorteile aufgeht, nicht ohne einen Schein von Rechtlichkeit zn wahren." 'Abgesehen davon, daß es von einem wissenschaftlichen Vertreter der Religion der Liebe »»»»sein ist, seine vergifteten Pfeile so aus dein Hinterhalte abzuschießen — sicherlich finden sich noch viel mehr Belegstellen —, ist diese Art auch dem Begriffe, den wir von Wissenschaft haben, zuwider: Die Wissenschaft beschäftigt sich »nit den» Gegebenen unparteiisch und leidenschaftslos, — sonst merkt man von vornherein die Absicht. Solche Absicht erkennt man auch bei der zn Ainos K. 8 gemachten Behauptung, daß Amos sich gegen den Kultus überhaupt wendet, in ihin einen Versuch sieht, den gerechten Richter zu bestechen nnd das äußere Verhältnis zu Gott als ei» völlig »vertloses darstellt, ,,»vie cs ja tatsächlich erfüllet worden ist" »»sw. Ebenso bei der Bemerkiliig: „Das alte Israel hatte keinen Monotheismus iin strengen religionswissenschaftlichen Sinne: die Götter der .Heiden betrachtete »nau als reale Wesen usio. Erft Ainos hat de»» G/tt, dessen Wesen Gerechtigkeit, und Hosea den Gvtt der Liebe verkündet." — Man »nnß aber unwillkürlich lächeln, »venn »nan dann weiter liest, wie dieser Gott, der schließlich beide Eigenschaften in sich vereinigt, erst Mensch werden mußte, nm von der Welt als solcher begriffen zu »verden, und »nan fragt angesichts „des »nodernen Judentuins, das seiner hcilsgeschichtlichen Mission ganz Untreu," >vo und wann denn in der Geschichte die Mission des Gottes der Gerechtigkeit und Liebe „sich erfüllet" hat. Vielleicht kann Herr Prof. Orelli darauf antworten. Als Quellen verweisen wir auf die Geschichte der Juden im Mittelalter bis Moses Mendelssohn, ergänzend kann hin» zugezogen »verden: Geschichte der osteuropäischen Inden bis zun» heutigen Tage. Die Satire in der jüdische»» Literatur. Bon Heinrich Groß, Augsburg, 1908. 63 Seiten. In dein vorliegenden Büchlein bemüht sich der Verfasser, eine Zusaiinnenstellung von satirischen Stellen aus der jüdischen Literatur zu allen Zeilen zu geben. Die Satire in der jüdische» Literat»»»', so im* gef ähr erläutert der Verfasser iin Vorworte, bedeutet infolge der dein Juden eigenen Mischung von Verstandeswesen nnd Gefühlsleben, gepaart mit der eigenartigen Stellung der Juden zn allen Zeiten der Geschichte, eine ganz spezifisch jüdische, nnv er erklärt dies an einer Gegenüberstellung »nit der» berühmtesten Satiriker» aller Völker, insbesondere recht ansprechend an einer Besprechlliig der .Heineschen Satire. In sehr sachlichen Abhandlungen führt er uns nun an .Hand des Vorlvorts durch die einzelnen Perioden der hebräischen Literatur. — So weiß er schon an den biblischen Erzählungen gewissen satirische» Sinn herailszufillden, greift einige »vitzige Sprüche Saloinos heraus und zeigt au den Er- »nahnnngsreden der Propheten, »vie diese großen Männer, »venn sie ihre sittlichen Forderungen verkündeten, nicht nur über bas gewaltige Pathos, sondern auch über einen zersetzenden Sarkasmus verfügteir, um die Ungereimtheiten der Zeit zn geißeln. Durch den Bluinengartcn des Talmud und der Midraschim ivandeln wir nun, nnd an einigen Stichproben sehen wir, »oie unsere Weisen das Leben i»» seiner ganze»» Art kannten und in welch satirischer Form sie die Schwächen des von seinen Leidenschaften geleiteten Menschen zn treffen wußten. Bon hier ans folgen wir dem Verfasser einen Gange durch die nerihebräische Dichtung und finden uns mitten hinein versetzt i» die Glanzzeit der spanischen Dichterperiode. In diesen» Teile des Büchleins, der »veit ausführlicher als die übrigen gehalten ist, begeglien »vir fast allen größeren »»nd kleineren jüdischen Dichtern Spaniens. So treffen »vir auf Salomo bei» Gabirol, dessen bekanntes Weinlied (besser wohl Wasserlied) in recht arlsprechender Gegenüberstellung erscheint, Jehuda Halcvy, Abraham ibn Esrc», Iehuda den Salonio Alcharisi, die »ms alle zeigen, daß diese Großen bei allem Ernst in ihrem Lebenswandel Witz und fröhliche Laune besaßen, ja auch über echt jüdische Satire verfügen konnten. In gleichem Sinne wird l»ns die ganze jüngere spanische Dichterschule . in ' ihre» einzelnen Vertretern vorgeführt. Seite 13 Die jüdischen Dichter Italiens werden nun behandelt, dann »virft der Verfasser noch einige Streiflichter auf einige Dichter in Deutschland, um schließlich, ziemlich unvermittelt mit einem kurzen Hinweise auf ganz neuere Dichter des Ghettos >v»e Gompert, Franzos und auch Zangwill abzubrechen. Perl . . . Th<3 God of Our Fathers and Other Sermons by George 8. Belasco, Minister of the Montefiore Endowment Synagogue, - Ramsgate. London, The Bibliophile Press, 149, Edgware Rd., W. 1908. Daß die Rabbiner in England sich weder auf dem Gebiet der rabbinischer» Literatur noch aus dein der Wissenschaft des Judentums irgendwie betätigen, ist allgemein bekannt. Es ist auch begreiflich, warum dies de»' Fall ist: „Im ein daaß hawdoloh iniiiajiii?" . . . Schwieriger aber ist es zu begreifen, warum sie so »venig auf de»» Gebiete der Predigtenliterat»»»' schaffen. Ist doch ihr ofsizieller Titel „Matif »vedarschoii!" . . Alles, was dieser Zweig der Pastoralen Geistesschöpfungen auszuweisen hat, ist „made in America", und zwar von den Ultra - Resorinrabbinern. Da jedoch das Licht der Thorah aus Cincinnati für die Prophetenjünger des Jew's College in London zu blendend ist, schöpfen diese aus dem Bor»» der Predigtenlveisheit, die aus Breslau, Wien und Berlin hervorsprndelt. Natürlich werden die deutscher» Predigten in den »neiften Fällen englisch garniert. Eine Predigtensainrnlrlng von einem englischen Rabbiner (Pardon, Ministerist daher eine Novell»», über die man getrost „Brocho Schehechionu" anssprechen darf. Die Belasco'sche Predigtensaininlung enthält 20 kurze Predigten auf 135 »Leiten. Sie sind, wie der Verfasser selbst in der Vorrede gesteht, weder beredt, »och gelehrt, noch neu. Doch bieten sie ein großes Interesse für diejenigen, die den Charakter des „engl.schcn" Judentums, kenne» lernen wollen. Der Verfasser ist zwar ein Sefardi, doch fehlt ihm bereits die romanische Großsprecherei. Er ist eben ein englischer Minister. ... Pilpul al 8 man Smanim Smaneihem M’juchos l'rabbi JonaRafa, nach Montefiore M. S. No. 454 (vorm. Halberstamm M. S. No. 234), herausgegeben von S. Belasco. Ramsgate. VerlagI.Jacobs, Edgware Rd., London. Vl. 1908. Die mir »'orliegende Handschrift ist die zweite Edition Belasco'S. Seine erste Edition (Eger Hadaß) habe ich be»'eits vor ungefähr 2 Jahren in dieser Zeitschrift besprochen. Die Fehler, die ich am Ezer Hadaß auszusetzen hatte, sind auch in dieser Edition begangen worden. Belasco behandelt die Handschriften, die in der Ranlsgate Jeschivah jo Zahlreich vorhanden sind, nicht wissenschaftlich. Nicht einmal gibt er sich die Mühe, den Handschriften, die er herausgiebt. die bei Editionen so übliche Einleitung vorauszuschickeu. Was er über dieselben zu sagen hat, ist so knapp und so wenig. Vielleicht ist es aber besser, dc»ß er »venig sagt . .. Nichts destoiveniger hat sich Herr Belasco ein sehr großes Verdienst um die jüdische Wissenschaft durch diese Edition erivorben. Das Manuskript ist eine recht talentvolle und beißende Parodie auf das Christentilm, die nach der Hagodoh schel Pessach geschrieben ist. Sie »st von sehr großem kulturhistorischem Werte und ist so leicht und anziehend geschrieben, daß sie von jedem hebräisch Lesende», mit großem Interesse verfolgt »verden wird. Die Schrift soll, nach Steinschneider, von Rabbi Jonäh Rapha ans Bercclli herrühren. Ihre Entstehungszeit das Ende des 14. Jahrhunderts. Der Herausgeber hat gewissenhaft die verschiedenen Handschriften dieses Merkchens »>crglichen »i„d die Abweichungen^» de» Fußnoten angegeben. Dr. I. M. S—d. Preußisches Gewerbesteuer-Gesetz. 46 Seiten (Mk. 1.50). 1909 Stilttgart, W. Kohlhammer. Berlin 8. 14, Dresdenerstraße 8V. Wille n»»d E r s o i g von Streit Marte»». 168 Seiten (Mk. 1.50) 1909 Stuttgart, W. Kohlhammer. (Inhalt: I. Der Mensch nnd die Gelegenheit. II. Junge Leute in ungünstigen Verhältnissen. HL Ein eiserner Wille. IV. Die Benutzung müßiger Momente. V. Der passende Berns. VI. Konzentrische Tatkraft. VII. lieber Pünktlichkeit ,»nd Zeit. VIR. Gute Manieren sind ein Vermögen. DL Ueber Enthusiasmus. X. Takt und gesunder Menschenverstand. XI. Achtung und Selbstvertrauen. Xll. Wertvoller als Reichtum. «XIII. Was Erfolg kostet.) Anglo-.lndaioa. An illustrated catalogue of new and second-hand boofcs for sale by the Bibliophile Press, 149 Edgware Road, London W. Barruizwohs. Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit- Wir bMen um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos). _ Arthur, Sohn des Herrn Jacob Dahlheim, Scheffelst»'. >3, in der Synagoge Fricdbergeranla.gr.

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