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Neue jüdische Presse · 1909-03-12 · Heft 10 (12.3.1909) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 10 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 ——...... i,.... ...... j.. ..u.r^Tr-s?1.-, ..... ,... Arankfurter Israelitische- Familiendlatt- Nr. 10. Ein Purimschwank „Darwin" (sic!), in welchem über die höchsten Fragen der Welt in einer „allgemein" verständlichen Weise diskutiert ward, beschloß den offiziellen Teil, dem sich ein zwangloses Beisammensein der Jugend anschloh. Die Mühe, die sich die Leiter der Veranstaltung und Dichter der einzelnen Vortragsstücke (R. Aron und L. Oppenheimer) um den Abend gemacht, fand in der allgemeinen Befriedigung seinen Lohn, denn aus dem ,Melen," das geboten wurde, konnte ein Jeder „Etwas," welches ihm am meisten genüge, mit nach Hause nehmen. Perl . . . Frankfurt a. M. Am vergangenen Montag beendete Herr Oberlehrer Dr. Schüler im Jüdischen Frauenverein seinen Vortragszyklus über Ibsens „Rosmersholm". Nach einer -Beschreibung von Ibsens Lebensgang und einer ausführlichen Inhaltsangabe von Rosmersholm, die durch die wirkungsvolle Wiedergabe einzelner Dialoge von Frau Rosa Oppenheimer und Frau Dr. Marx noch lebendiger wurde, ging Herr Dr. Schüler dazu über, die einzelnen Charaktere zu definieren und die mannigfachen Probleme zu lösen. Der Redner verstand es ausgezeichnet, besonders die Charaktere der beiden Hauptpersonen, Rebekka und Rosmer, zu analysieren, ihr Tun zu begründen und Ibsens Forderungen, die die sittliche Hebung des Menschen verlangen, aus Rosmersholm wie aus anderen Werken herauszuschälen. — Kurze Referate über „Brand", „Stützen der Gesellschaft"' und „John Gabriel Borkman" wurden von den Damen.Schwarzschild, Aumann und Jeidel — auf Wunsch des Herrn Dr. Schüler — zur Ergänzung von Ibsens sich aus seinen Werken ergebender Weltanschauung gehalten. Frankfurt a. M. Wie aus der Tagesordnung für die nächstwöchentliche Hauptversammlung des Vereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit hervorgeht, beantragt der Vorstand daß der Verein seinen Namen in „Jüd. Stellen vermittlungs- und Bersicherungsverein, Frankfurt a. M." umwandelt und bei dem Kaiser!. Auffichtsamt für Privatversicherung in Berlin die Erlaubnis zum Geschäftsbetriebe für das Deutsche Reich und Anerkennung als kleinerer Verein im Sinne des § 53 des Versicherungsgesetzes nachsuche. Frankfurt a. SB. Der Zentralvercin iraelitischer Gemeindeglieder hat beschlossen, in eine Agitation für die Beseitigung der durchaus veralteten Verfassung der hiesigen Gemeinde einzutreten und eine Reform derselben, sowie des Wahlrechtes anzubahnen. Er wird zu diesem Zwecke in allernächster Zeit eine öffentliche Versammlung anberaumen. Der Tag der Versammlung, sowie der Referent werden noch bekannt.gegeben werden. Frankfurt a. SR., 11. März. Der „Montefiore"-Verein hielt gestern in der Frankfurt- Loge eine Purim-Feier, besser gesagt Nachfeier größeren Sttles ab. Dem heiteren Charakter des Festes entsprechend, hatte man ein Programm zufammengestellt, das bei den zahlreichen Hörern fröhlichste Laune wecken mußte. Eine spezifisch jüdische Note llang aus dem wirkungsstarken Fest-Prologe, den unsere, bereits rühmlich bekannte, heimatliche Dichterin Frau Rosa Meyer eigens für den Abend verfaßt hatty und der von Fräulein Math.ilde Oppenheimer mit gutem Verständnis vorgetragen wurde; außerdem rezitierte Herr Jul. Pohle in köstlicher Laune und äußerst sprachgewandt einige Humoresken aus dem jüdischen Leben. Wenn die Purim- Feier des „Montefiorc", der seine jüdische Eigenart stets bewußt betont, keine weiteren Darbietungen direkt jüdischen Inhaltes brachte, namentlich keine auf die Geschichte des Purim-Festes bezügliche Ausführung, — so dürfte dies einzig dem Umstande zugeschrieben werden, daß die jüdisch-deutsche Literatur nichts diesbezügliches aufweist, was auch nur einer milden, aber ernsthaften Kritik standhielte. Auf diesem Gebiete modernen jüdischen Geistesschaffens llafft noch eine weite Lücke, die unsere jüdischen Poeten deutscher Zunge mit den Werken ihres Geistes und ihrer sprühenden Laune füllen müßten! Es liegt eigentlich ein unleugbarer Widerspruch mit dem Geiste der Judenheit und des Judentums vor, wenn die z. T. recht wertvollen jungjüdischen Dichtungen fast ausschließlich den Stempel tiefsten Ernstes, häufig sogar der Trauer oder Klage tragen. Die im Vertrauen auf die nie ausbleibende Hilfe des Allmächtigen allezeit hoffnungsfrohen Juden haben sich auch jn Zeiten tiefster Erniedrigung und härtester Bedrückung nie zu lange melancholischen Grübeleien hingcgeben; sia schöpften vielmehr aus dem nie versiegenden Quell jüdischen Humors einen köstlichen Trunk, der ihnen auch die traurigsten Lagen erträglicher machte. Unsere, sich jn schwermütiger Pose gefallende Jugend hat dies augenscheinlich vergessen. Aber es ist an der Zeit, daß wir den Springbrunnen jüdischer Heitere feit und sonniger Weltanschauung vor dem Versanden bewahren und jhn neu fassen mit den Edelmetallen, die uns die moderne Geistcskultur in hie Hände gab. Nach dieser, dem Referenten eines jüdischen Blattes bei grundlegenden Fragen zuweilen obliegenden Abschweifung können wir mit Vergnügen konstatieren, daß die Darbietungen bei der Montesiore-Feier durchaus rühmliche wären. Als Sängerin debütierte im Verein bei diesem Anlasse Frl- Clara Lewisohn und zwar mit größtem Erfolge; die jugendliche Künstlerin verfügt über eine sympathische, in der Höhe strahlende Sopranstimme, über deutliche Aussprache, von Intelligenz und echtem Temperament zeugende Vortragsart, alles Eigenschaften, die ihr, wenn sie die Wittellage noch gleichmäßiger gestaltet haben wird, eine ruhmreiche Laufbahn gewährleisten. Durch forsche Durchführung des Allegro-Satzes aus dem 1. Trio von Haydn erfreuten die Damen May und Rosenthal, sowie Herr Silbermann. Ws Klarinettist von technischer Reife und seinem, musikalischem Empfinden bewährte sich wieder der uns vom Vorjahre.her bereits vorteilhaft bekannte Herr Georges Lazare. Eine Theater-Aufführung bildete den zweiten Teil des Abends. Launiger Inhalts und doch von edlerem, Aassischem Geiste erfüllt ist das Lustspiel „Der Neffe als Onkel", das einst Fr. von Schiller aus dem Französischen übertrug. Mit größtem Eifer und schönstem Gelingen unterzogen sich die jungen Akteure (ausschließlich Mitglieder des Vereins!) ihren z. T. schwierig durchzuführenden Rollen. Wahre Lachsalven erregten die Einfälle und Sprünge des schlauen Bedienten Champagne, durch dessen einheitliche Gestaltung Herr Fritz Stern eine Glanzleistung bot. Wer auch die Herren N e u h a u s und Hanauer in den recht schweren Titelpartien, Herr Pohle als Lornenil, die Damen Kassel, Oppenheimer und Rothschild als ihre Partnerinnen und in lleineren Chargen-Rollen die Herren Bing, Weil, Nordheimer, Steinlauf und Weinberg trugen durch flottes Spiel und teilweise sehr charakteristische Gestaltung ihrer Rolle in gleicher Weise zum Gelingen des Ganzen bei. Das bis nach Mitternacht gerne lauschende Publikum dankte mit reichem Beifalle. " ■ Kunst und Literatur. Aus Israels Lehrhallen. Kleine Midraschim zur jüdischen Eschatologie und Apokalyptik. Zum ersten Male übersetzt und durch religionsgeschichtliche Exkurse erläutert von Aug. Wünsche. EI. Band (1. Hälfte). 96 S. Jk 2,60. 1909. Leipzig, Eduard Pfeiffer. (Inhalt: Traktat von den Grabesleiden — Fragen des R. Eliezer über die Wiederbelebung der Toten — Der Tag de» Gerichts — Gan Eden — Fragmente zu Gan Eden — Traktat von den hiutnilischen Hallen — Die Mauern und Hallen von Gan Eden und seine Bewohner — Das Gehinnom — Der Garte« Eden und das Gehinnom.) Sulamit. Jüdische Dichtungen aus alter und neuer Zeit. Für die reifere israelitische Jugend zusammengestellt und herausgegeben von I. Herzberg. 126 S. Jk 1,50. Leipzig, M. W. Kaufmann. Dasselbe (Neue Folge) 120 S. Jk 1,50. Die beiden geschmackvoll ausgestatteten Bändchen geben in entsprechender Sichtung einen Uebevblick über die in deutscher Sprache geschaffenen Dichtungen jüdischen Genres, welche Dichtungen zum großen Teil Nachdichtungen der besten hebräischen Dichtwerke aller Zeiten darstellen. HagadahschelPesach" mit ausführlichem Kommentar des berühmten „Kesaw Sauser" und großer Midraschim- und Minchagim-Sammlung. Zu beziehen gegen Einsendung von 85 Heller vom Herausgeber Oberrabbiner Moses Deutsch in LemeS (Ungarn). Mp.PercyGiirsInstitHt Kalxerstrasse 81. — Nationale Lehrkräfte.«= Englisch, Aaniüiiuhote. Vereins-Kalender. Samstag. „M ontefiore"-Verein, 12Vi Uhr, Seilerstr. 22: Tenach-Schiur (Dr. May). — Verein „Mekor-Chajim", 3% Uhr, Schützenstraße 2: Mikro-Vortrag (Josef Sänger). — Verein „Nachlaß Zwi," 12 Uhr, Friedberger Anlage: Pentateuch-Lektüre (S. Schachnowitz). Sonntag. Verein „Mekor-Chajim," GVs Uhr, Schützenstr. 2: Jesaias (Julius Hirsch). — Verein „Tiferes B achurim," N/i Uhr, Hermesweg 28/7: Der Fettmilch-Aufstand (Max Bender). — Hatchio, 81/» Uhr: Feier zu Ehren der scheidenden Freunde. Mittwoch. Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit, 8% Uhr, Schützend straße 2: Hauptversammlung. — „Montefiore"- Verein, 9 Uhr, .Seilerstr. 22: Hauptversammlung. — Jüd. Frauen v erein, 9 Uhr, Realschule: Hiob (Direktor Dr. Lange). In der nächsten Nummer beginnt: Die Tochter des Kardinals Historische Erzählung von Friedrich Rott. Die neueste Erzählung der bekannten Schriftstellerin ist bis zum Ende ungemein spannend geschrieben. fl © 60 fl S « .S S « fl i =3 £* ** fl fl o © m " S =3 2 g I" Gustav jSchmidt-Bangel J beeidigter Taxator nnd Sehadenabseh&tzer vieler Versieberaagen. § » fl Taxations- und Kommissionsbüro Karlstrasse IV, II. •wenige Scliritte vom Albert Sdiumann - Theater- Telephon IO 351. Prima Referenzen. er 2 ci *1 C/l sr ® 3 “ »7 3 # b « j N ® ► 2. 3 n S sr — ®. c» 'S £ L. § fl s. © ' Honr-Filz-HDte 5.50, 6.50 bis 10 — Lange’s Hutgeschäft Fahrgasse 119. * Sämtliche Putzartikel re re sowie re re Parkettwacbs, Stahlspane, Terpentinöl usw. re re J. BL Schäler, Garl’s Sohn re re Telephon i22ö Vilbelerstrasse 30. Telephon 1220 re Glaserei fern HodoCpb Kunsthandlung. Frankfurt a. K. Telephon 10744 Kronprinzenstr. 18. 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