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Neue jüdische Presse · 1909-03-05 · Heft 9 (5.3.1909) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 9 (5.3.1909)
Date
1909-03-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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" " , z» Nr. 9 des Frankfurter IsmckWm MMmklMs. Schauschaunath Jakauw. Von Jacob Diamant, Frankfurt a. M. Es springt des Eises Rinde, Die Erd' verjüngt sich bald! Schon wehen sanfte Winde Durch Hecke, Flur und Wald! Und holde, reine Lieder Durchzieh'n die blaue Luft. „Nun kehrt der Frühling wieder!" Schon manche Drossel ruft. — Und hört das Goluth - Jüdlein Der Vöglein Freiheitskund, — Ein seltsam -- herrlich Liedlein Singt auch sein welker Mund. Er .singt „Schauschaunath Jakauw" — Mit leisem Seelenschmerz. — Und doch! Schanschannach Jakauw! — Durchströmt es stolz sein Herz: „Mag auch des Winters Grauen — Bedräu'n das Leben mein, Ham'ane aller Gauen — Mir grimmig feind auch sein: Die Ros' im W e l t e u r a f e n. Ich w ar's und werd' cs sein! Ihr mögt, nur drohend rasen — Die Zukunft ist doch mein! Denn horch! des Lenzes Lieder! — Die Blumen sind erwacht! — — Bald springt das Röschen wieder. Auf das die Sonne lacht! — Und auf geheimen Bahnen Kommt an ein ew'ger Mai — Im Land der alten Ahnen! — Dann blüh' ich frisch und frei!!" Aus der ziouistischeu Bewegung. Frankfurt a. M. Im Büro des Jüdischen Nationalfonds, Grüneskraße 29 Part., gingen ein: L. Oppenheimer, Seilerstraße 6,10 JL Meyer Goldschmidt, Hegelstraße 1,50 „ Derselbe 1 Oelbaum auf den Namen seiner Tochter Betty Goldschmidt 6,— „ M. W., Bergweg 0,18 „ Frau Aaron Seeligman», Röderbergweg 4,48 „ N. N. 2,— „ Osteuropäisches Lehrerseminar 1,30 „ Max Wolpe, Obermam-Anlage 2,— „ Frau Caroline Hamburger, Grünestr. 29 15,35 „ 38,91 JL Posen. Die National-jüdisch e Frauenvereinigung hielt am 15. Februar d. I. ihre 1. Generalversammlung ab. Während divorgelegten Statuten einstimmig angenommen und der ausscheidende Vorstand wiedergewählt wurde. gab der Jahresbericht ein Bild regster Tätigkeit. Es fanden Zusammenkünfte der Mitglieder zu regem Anschluß und Aussprache in allen zionistischen Angelegenheiten, Zeitungsberichte, Vorträge usw. statt. Kinderfeste und Kindernachmittage sorgten für genügende Jugendpropaganda. Ferner erfreuten sich die von der Frauenvereinigung aufgenommenen Krankenbesuche zur Pflege des jüdischen Gemeingefühl's immer regerer Beteiligung der Mitglieder. Es wurden in den hiesigen Krankenhäusern und Kliniken in der kurzen Zeit etwa 600 Besuche bei jüd. Kranken gemacht und diese mit Lektüre, Erfrischungen sowie Rat und Hilfe bedacht. Wien. V on hier ist folgendes unglaubliches Vorkommnis zu berichten: Die „Jüd. akadem. Verbindung llnitas" veranstaltete anläßlich ihres 30jährigen Stiftungsfestes letzten Freitag Llbend ein Festkonvcnt und Samstag einen Frühschoppen und darauf gemeinsame Ausfahrt ans die Technik und die Universität. Man muß schon nach Wien gehen, >vo die Vorsteher der jüdischen Kultusgemeinde es als mit ihrer Stellung vereinbar betrachten, sich christliche Schwiegersöhne auszusuchen, um eine solche Niedertracht zu erleben und dabei nicht zu erleben, daß die zionistische Landesleitring ein kräftiges Wort einer solchen Handlungsloeise gegenüber spricht. Und auch nur in diesem unbegreiflichen Wien, das — um nur eines herauszugreifen — in seinen Parlamenten, den Vecsammlungshäusern der 'Auserwählten der Nation, häufig Schimpf- und. Raufszenen widerlichster Art bietet, kann das Widersinnige möglich sein, daß es dort gebildet sein wollende jüdische junge Männer gibt, die auf der einen Seite für die Regenerierung des jüdischen Volkes Gut und Blut einsetzen zu wollen vorgeben und auf der anderen Seite Gesetz und Sitte dieses jüdischen Volkes auf das schamloseste mit den Füßen treten. Konftantinopel. Der Abgeordnete Dr. Riza Tewsik, einer der hervorragendsten Führer der Jungtürken, hielt am 20. Februar in Balat im „Verein der jüd. Jugend" einen Vortrag über die Judenfrage. Bei dieser Gelegenheit sagte er auf eine Anfrage hin: „Palästina ist Ihr Land mehr als das unsrige; wir sind erst viele Jahrhunderte nach Ihnen die Herren dieses Landes geworden. Es heißt unserm gemeinsamen Baterlande einen Dienst erweisen, wenn man es unternimmt, dieses verödete Land zu kolonisieren. Ihre Nation hat unvergleichliche Eigenschaften für den Handel: Ihre Volksgenossen sind nüchtern und betriebsam. Sie werden dieses verwüstete Land wieder aufrichten. Sie werden alle Ihre Zähigkeiten in den Dienst unseres teuren Vaterlandes stellen und ich versichere Ihnen, daß es niemals an meiner Mithilfe fehlen wird, um dieses Ziel zu erlangen." New-Aork. Fräulein Dr. Tushana Bouchmul traf hier von Palästina ein, um für die Kolonisation in Palästina zu propagieren. Tushana Bouchmul ist auch an einem Koniitee beteiligt, welches sich in Palästina gebildet hat und tausende von Unterschriften sammeln will für eine Petition an die „Jca", daß diese die Millionen des Baron Hirsch nunmehr für Palästina aufwende. Aus Le» Bereiue«. Frankfurt a. M. Bor mir liegt ein Jahresberich t, der sich wesentlich von den meisten seiner Kollegen unterscheidet: während nämlich sonst der Tätigkeitsbericht kurz gefaßt ist und der finanzielle Bericht den größten Teil des Raumes einnimmt, ist es hier umgekehrt. Man sieht: der Verein, der diesen Jahresbericht herausgegeben hat. ist mehr als eine trockene Finanzgebahrung, er ist ein lebenskräftiger, gesunder Organismus, in dem ein lebendiger, gesunder Geist herrscht. Und wahrlich: selten macht es mir eine solch' reine Freude, die Tätigkeit eines Vereines zu besprechen, als wie bei dem „Montefiore"-Verein. Wohin ich da schaue, — überall Schaffensfreude! Schafsenssreude bei dem Vorstand, Schaffensfreude bei den Mitgliedern. Ein Vorstand, der ein vielgliedriges Getriebe geschasfen hat und mit Umsicht leitet, und Mitglieder, die durch ihr Interesse jeden Teil dieses Getriebes zu einem schon für sich allein lebensfähigen gestalten. Da sind Borträge, die Verständnis für die Lehren des Judentums und für die Geschichte des jüd. Volkes geben; und da sind Veranstaltungen, die zur Erhaltung des jüdischen Lebens beitragen. Jedoch mit den Vorträgen jüdischen Inhalts und den Freitag-Menden ist nur ein Teil des Programmes erfüllt! Lehrkurse in ftemden Sprachen und Stenographie, Borträge über Physik, Medizin re. fördern das reale Wissen, literarische Zirkel u. dgl. die Geistesbildung, Turnkurse das körperliche Wohl und musikalisch-deklamatorische Veranstaltungen den edlen Geselligkeitssinn. Entsprechend diesen Leistungen befindet sich auch die Mitgliederzahl in stetig fortschreitender Entwicklung; sie beträgt heute über 1300. Auch bas Einnahmen- und Ausgaben-Konto, das mit 11735 Mark balanziert, bringt diese Arbeitsfülle klar zum Ausdruck. So sei denn dem Vorstand des „Montefiore"- Vereins, der so Glänzendes erreicht hat» gewünscht, daß er sein Ziel, ein eigenes Heim zu errichten, welches Ziel durch den Tod -des warmen Förderers des Montefiore-Vereins Charles Hallgarien hinausgeschoben worden ist, bald erreiche! Frankfurt a. M. »Montefiore"-B erein. Die Purim-Feier des Montefiore-Vereins findet am Mittwoch, -en 10. März in den Räumen der Frankfurt-Loge statt. Das Programm ist zweckentsprechend fast ausschließlich aus heiteren musikalischen und deklamatorischen Vorträgen zusammengesetzt. Zur Ausführung gelangt ferner das Lustspiel „Der Neffe als Onkel" in der Schiller'schen Bearbeitung, dargestellt von Mitgliedern des Vereins. Eintrittskarten zum Preise von 50 Pfg. und 1 Mk. sind Sonntag Nachmittag von 4—6, Montag und Dienstag Abend von 8—10 Uhr im Bereinslokal, sowie an der Abendkasse zu haben. 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