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Neue jüdische Presse · 1909-02-12 · Heft 6 (12.2.1909) · p. Seite 10

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
7 (1909)
Issue
Heft 6 (12.2.1909)
Date
1909-02-12
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Nr. 6. auf die Zusammenfassung j>eg Zusammengehörigen, in dritter Reihe endlich darauf Bedacht nimmt, allzu große quantitative Unterschiede in den einzelnen Abschnitten zu vermeiden. Rabbi Peisach Fieser ist sich bewußt der vielen Einwendungen, die sein Ruf nach Beseitigung der christlichen Einteilung Hervorrufen wird, und er begegnet ihnen wirksam. Den ersten nach der massoretischen Einteilung gedruckten Bibelausgaben soll neben der neuen Einteilung in Klammern, auch noch die alte beigegebcn werden; es sollen Verzeichnisse gedruckt werden, die in jedem Buche leicht anzubringen, das Verhältnis der neuen zur alten Einteilung kenntlich machen sollen. ' Die Vorarbeiten sind abgeschlossen. R. Peisach Fieser hat vor mehr als 2 Jahren sein Buch veröffentlicht und an alle Interessenten die Bitte gerichtet, ihm etwaige Divergenzen aus ihm unzugänglichen Handschriften, etwaige Bedenken gegen die Zweckmäßigkeit einzelner von ihm beantragter Abschnitte mitzutellen. Das dürfte mittlerwelle geschehen sein. Für die Bedeutung R. Peisach Fiefers und seines Werkes sprechen der Umstand, daß kein Geringerer als Prof. Berliner ihn -in seinem Streben unterstützt, ja ihm die Drucklegung seines Buches durch große materielle Förderung ermöglicht hat. Nun gilt es zu handeln, die Resultate -der Lebensarbeit R. Peisach Fiefers praktisch zu verwerten. Und da wäre es Sache der großen Körperschaften, in erster Reche der lüerarischen, einzugrcifen, Sache der nationalen ebenso wie der gcsetzestreuen Juden, die Mütel zur Drucklegung der Bibel mü dieser jüdischen Einteilung zu beschaffen, damü sich endlich nicht mehr llnjüdisches in unserem jüdischesten Heiligtum breit mache. Personalien. Frankfurt a. SR., 10. Febr. Eine Trauerkunde hat bei Tausenden einen schmerzlichen Widerhall gefunden. Frau Sidonie Dann, die seit vielen -Jahren all' ihr Wirken in den Liebesdienst für ihre Mitmenschen gestellt hat, ist den vielen, denen sie mit Rat und Tat die Sorgen glättete und das Leben erhellte, entrissen worden. Sidonie Dann besaß eine hervorragende Geistesbildung verbunden mtt äußerster Korrektheit, und in ihr schlug ein goldenes Herz. Sie liebte die Menschen und war voll Vertrauen zu ihnen, da sie in jedem Menschen stets nur die guten Eigenschaften suchte und fand. Ihre Frische und ihre Freudig-' keit teilte sich unwillkürlich allen mit, die mit ihr in Berührung kamen. Im „Mädchenstift", im „Mädchenklub", im „Altersheim" und in der „Weiblichen Fürsorge" war sie als Verwaltungsglied mit rastlosem Eifer tätig, und ganz hervorragende Verdienste hat sie sich besonders um die „Stellenvermittlung" der Weiblichen Fürsorge erworben, deren Vorsitzende sie. war. Berlin. Pros ssor Eugen Gold stein erhielt für seine Entdeckung über die Natur der elektrischen Entladung in verdünnten Gasen von her Royal Society in London die Hughes-Medaille. — Amtsgerichtsrat a D. Dr. Liepmann und Dr. med. E. Singer erhielten die Rote Kreuz- Medaille 3. Klasse. — Geh. Regierungsrat Professor Dr. Hermann Munk feierte seinen 70. Geburtstag. Munk gehört fett 47 Jahren dem Lehrkörper der Berliner Universität an, seit 1897 als ordentllcher Honorarprofessor, auch wirkte er 3 Jahrzehnte an der Tierärztlichen Hochschule. Seine hervorragende Bedeutung liegt auf dem Gebiete der Nervenphysiologie. Er besitzt des Alsenkreuz und das Eiserne Kreuz am weißen Bande und wurde bereits 1880 Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Berlin. Wilhelm Manes -Berlin und Hermann Wolfes-Hannover wurden zu stellvertretenden Handelsrichtern ernannt. Berlin. In' Brzen versched im 73. Lebensjahre Hofprediger a. D. Adolf Stöcker, der Vater der modernen antisemitischen Bewegung in Deutschland. Politisch war Stöcker schon seit Jahren ein toter Mann. EwS. Der Kaufmann Jakob Bernstein ist für die Zeitdauer von 6 Jahren tzum Kultusvorsteher wiedergewählt und bestätigt worden. Hamburg. Eine der anaesrheniren Persönliaketten der hiesigen Judenheit, der Philanthrop Gustav Tuch'ist seiner gesegneten irdischen Wirksamkeit entrissen worden. Tuch wurde am 21. Dezember 1834 als Sohn des Kaufmanns Isaak Tuch und seiner Frau Röschen geb. Rothschild in Hamburg geboren und mußte infolge Erkrankung seines Vaters den kaufmännischen Berufergreifen. Trotzdem widmete er sich in seiner freien Swarfffiiter FfvaEWeS FarMenAatt. Zeit Sprach« und Musikstudien. 1854 erschienen von ihm Uebersetzungen poetischer und prosaischer Werke aus dem Schwedischen und Italienischen. 1860 erschien von ihm „German Code on Bills of Exchange". Er beschäftigte sich dann eingehend mit Phllosophie, Soziologie und Volkswirtschaft. Während der Kriegsjahre war er Leiter und Büro-Organisator der Kommerz- und Diskonto-Bank und dann der Anglo-Deutschen Bank, 1874—79 Redakteur an den „Hamburger Nachrichten" und gab dann die Zeitschrift „Der Botschafter" heraus. Er veröffentlichte zahlreiche wertvolle volkswirtschaftliche Arbeiten in den angesehensten Zeitschriften. Aber nicht nur in dem politischen Leben Hamburgs hat Tuch eine bedeutende Rolle gespielt, sondern auch im jüdischen Leben seiner Vaterstadt. Viele Jahre war er Präsident der „Henry - Doncs- Loge". Das „Hambg. Israelit. Komitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels", das Gemcinschaf.sheim", die „Israelit. Kinderhorte", der „Israelit. Humanitäre Frauenvcrein", die „Gesellschaft. zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands", die „Gesellschaft für jüd. Volkskunde" verdanken seiner Initiative bezw. seiner energischen Mitarbeit ihr Entstehen. Er war Mpräsentant der Deutsch-Israelit. Gemeinde und Vorstaudsmitglied zahlreicher Vereine. Auch der zionistischen Bewegung hatte er sich mit Begeisterung angeschlossen. Mülhausen i. Elsaß. Lazare Lantz lp einige Monate, nachdem er sein Amt als Präsident des oberelsässischen Konsistoriums niedergelegt hat, verschieden. Lantz wurde 1823 in Mülhausen geboren. Bereits 1860 wurde er in den Gemeinberat gewählt, dem er bis 1902 angehörte. Er war Ritter der französ. Ehrenlegion, Vizepräsident des Syndikats der elf. Stoffdruckereien, Vizepräsident der Handelskammer und Vorsitzender des Vorstandes der Banque de Mülhouse und gehörte dem Aufsichtsrate einer Reihe von Aktiengesellschaften an. Der Name Lantz ist eng mit der Mttlhauser jüd. Gemeinde verknüpft; die israel. Gewerbeschule und das israel. Spital verdanken ihm ihr Dasein. Lberftein a. Nahe. Herr Jacob Wolfs jun, der viele Jahre Vorsteher der jüd. Geineinde >var, ist im Alter von 75 Jahren perschieden. Lemberg. Dr. S l m o n Schass, Präsident der hiesigen israel. 'Knltusgemeinde, feierte seinen 70. Geburtstag. Budapest. Hoftat Dr. Armin Neumann, außerordentl. Professor für Handels- und Wechselrecht an der hiesigen Universität und ehemaliger Reichtagsabgeordneter, verschied im 64. Lebensjahre. Er war Präsident des Israelit. Handwerks- und Ackerbauvereins. Brüssel. Die berühmte Kftvicrkünstlerin Clotild.- Kleeberg, Gattin des Bildhauers Samuel, ist einer Lungenentzündung erlegen. Die Künstlerin, die am 27. Juni 1866 in Paris geboren wurde, ist von Hans von Bülow entdeckt uild in die große Musikwelt eingeführt worden. Lvudo«. Gerald S Montagu, der dritte Sohn des bekannten Führers der traditionellen Judenheit Englands Lord S w a y t h l i n g, verheiratete sich mit Florcnce Castello, einzigen Tochter des Herrn Percy M. Castello. . Paris. Hauptmann Ai. Säe wurde zum Chevalier der Ehrenlegion ernannt. Die Ernennung erfolgte auf Grnnd folgender Verdienste: 7 Schlachten, hervorragende Dienste, geleistet in der Kommission zur Feststellung der französisch - siamesischen Grenze, welche bei der Feststellung der Friedensbedingungen zwischen Frankreich und Siam von großer Wichtigkeit waren. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß der Chef dieser Kommission Oberstleutnant Bernard, ein Bruder des verstorbenen Bernard Lazare war. Aus der zionistischen Bewegung. Schlüchtern. Am Sonntag, den 30. Januar veranstalte hier der s ü d w e st d e u t s ch e zion. Gruppe «verband eine Versammlung. Das. Referat hatte wieder Herr Martin Levigard- Frankfurt, der stets am Platze ist, wenn es gilt, zion. Arbeit zu ' leisten, übernommen, und folgte dem interessanten einstündigen Vortrag eine recht lebhafte Diskussion. Es ist berechtigte Hoffnung vorhanden, daß sich die hiesige Schekelgruppe bald in eine Ortsgruppe verwandeln wird. Für den Nationalfonds gingen 9,50 Mark ein. W. G. Wien. Vom 20. bis 24. Februar veranstaltet der Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl" Palästinakurse, die sehr interessant zu werden versprechen. Es lesen Prof. Vamböry, Prof. Grunzel, Dr. A. Sandler, Prof. Obermeyer, Dr. M. Berkowicz, Prof. Oberhummer, Davis Trietsch, Dozent Dr. Schaffer und einige andere Fachleute. Behandelt werden die polittschen Verhälnisse der Türkei, die wirtschaftlichen, kulturellen und hygienischen Zustände und Aufgaben in Palästina, die jünischkolonisatorischen Probleme, die Geographie und Geologie Palästinas usw. London. Die Jahresversammlung der Englisch Zion. Föderation wurde diesmal in S h e f f i e l d abgchalten. Rabb. Dr. G a st e r präsidierte. -Die Berichte konstatierten eine nunmehrige günstige Weiterentwicklung der engl. zion. Organisation. Die Jahresversammlung faßte u. a. den Beschluß, einen bezahlten Sekretär anzustellen und die Errichtung einer zion. Zeitschrist in die Wege zu leiten. Der Gegensatz zwischen Dr. Ga st er einerseits und Greenberg und Cowen andererseits kam während der Tagung verschiedentlich znm Ausdruck. Koustankinopel. Die Schüler' der hiesigen Schulen haben sich zu einem Verbände mit dem Namen „Jüdischer Nationalfonds" vereint; außerdem haben sich hebräische Sprachkurse eingerichtet. Die neue Organisation zählt bereits 200 Mitglieder. Ferner wurde eine jüdische Vereinigung unter dem Namen „Achwah" begründet. Dieser Verband besteht hauptsächlich aus Sephardim, also aus denjenigen Juden, die bis jetzt jeder organisierten national-jüdischen Tätigkeit abgeneigt waren. Es wurden zionistische Redner berufen, und der Verein geht auch daran, ein nationales Programm für eine planmässige jüdische Politik auszuarbeiten. In dem seit 14 Jahren hier bestehenden „Israelitischen Turnverein", dessen Mitglieder aus den bekannten halbassimilatorischen Typen sich zusammensetzten, beginnt ebenfalls die nationale Bewegung einzudringen. Es ist interessant, das; gerade die spauiolischen Juden gefordert und durchgesetzt haben, daß der Assimilanten - Jargon, der sich schon im Namen kundtut, abgcändert wird, und daß der Verein von jetzt ab „Jüdischer Turnverein Makkabäa" heißen soll. Auch wurde das Hebräische als die offizielle Sprache eingeführt anstatt der - bisherigen deutschen Sprache. Als Wappen des Vereins wurde der „Mögen Dawid" eingeführt. Aus der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Vakanzen. Wongrowitz, Rabbiner, garant. Einkommen 3000 Mark. — Mewe in Westpreußen, Kantor, Schächter und Religionslehrcr per sofort 1500 Mark Einkomnien und freie Wohnung. — Singhosen (Hessen-Nassau), Vorbcter und Ncligionslehrer per 1. April, 1200 Mark Einkommen. Dresden. Nach kurzer Krankheit verschied 63 jährig Oberkantor W o l f s o h n. Er hat vor wenigen Wochen noch den Schmerz erleben müssen, seinen hoffnungsvollen Sohn, den Rabbinatskandidaten Julius Wolfsohn, durch den Tod zu verlieren. Eisrnstadt (Ungarn). Im gesegneten Alter von 84 Jahren ist Oberrabbincr Salomo Kutna abgerusen worden. Er hat zu gleicher Zeit mit Professor Grätz bei Rabbiner. samson Raphael Hirsch gelernt und hat zusaminen mit Rabbiner Dr. E. Hildesheimer gegen die Reformbcstrebungen gekämpft. Er war ein bedeutender Talmudgelehrter und hat eine Anzahl hebräischer Schriften versaßt. Sein Nachfolger dürste sein Enkel, der Sohn des Rabbiners Fürst in Wien, werden. London. II a a c G o ld ston. cm Schüler der Jüd. Freischule, wurde zum Direktor der Christian Street-Schule ernannt; er ist damit der einzige jüd. Direktor an einer Londoner Realschule geworden. AuS den Vereinen. Frailkfurt a. M. Der außerordentlich starke Zuspruch, den die seit 14 Tagen für das kaufende Publikum geössnete jüdische Brockensammlung „P e a h" findet, beweist am besten, daß ihre Errichtung einem wirklichen Bedürfnisse entsprang. In den Verkaufsräumen — Allerhciligenstraße 40, Seitenbau — finden sich an jedem Wochentage von 10—12 Uhr zahlreiche Käufer ein. Als Verkäuferinnen fungieren unter Leitung der Damen des Vorstandes Frauen und Mädchen aus unfern ersten Familien, die sich jhrer schwierigen Ausgabe mit ebensoviel Eifer als Geschick entledigen. Die Preise sind dem oft schmalen Beutel der Käufer angepaßt. Die befriedigten Mienen, mit denen die Kunden der „Peah" die Geschäftsräume verlasse», zeigen deutlich, daß das Prinzip der Brockcnsammlung, nichts herzuschenken, sondern alles zu verkaufen, wenn auch zu ganz minimalen Preisen, ein gesundes und richtiges ist. Wenn man ferner bedenkt, welch verhältnismäßig große Zahl von jüdischen Handwerkern die „Peah" ständig in Nahrung setzt: Schneider, Schuster, Schreiner, Tapezierer, Spengler usw., wenn man erwägt, daß sie mit Abholung und Sortierung des Materials eine ganze Anzahl Arbeitslose ständig beschäftigt, so ist es geradezu unfaßbar, wie man die Errichtung dieser Anstalt als überflüssig bezeichnen konnte! Leider kann die „Peah" in den am meisten verlangten Artikeln, in Kleidung und Wäsche, den an sie herantretenden Anforderungen noch nicht völlig gerecht werden; weitere Zuwendungen sind deshalb dringend erwünscht! Es bedarf ja nur eines Tclephonrufes — Nr. 5070 — um fchnelle Abholung herbeizuführen. . Ferner würde es sich empfehlen, wenn in den größeren Plätzen s,n der Nähe Frankfurts, in denen sich weder eine Brockensammlung befindet noch eine Gelegenheit zur sonstigen Verwertung gebrauchter

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