Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 4 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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p Nr. 4 des IcauRfiictec IsmekMm lamiMtattes. Ans -er zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Im Bureau für den Jüd. Nationalfonds, Grünestr. 29 Part., gingen ein: Willi Levy spendet einen Oelbaum auf den istamen seines Sohnes Bruno Karl Rosenheimer Frau K. stiftet einen Oelbaum für ihren verstorbenen Bruder Adolf Liebes, Posen Stammtisch, 20. 1. Gesammelt 'Bei dem Bortrag des Herrn Davis Trietsch, Jaffa 0,- JL 6,16 „ 6,— 2.32 15,75 27,23 JL Bei der Expedition des Frkf. Jsr. Fninilienblatt gingen ein: Hatchio je ein Oelbaum auf die Namen Abraham Mapu, Scholaum Aleichem und Nachum Sokolow 18,— JL Staniol: Flori 'Mainz, Saudweg; Clairc und Justin Oettinger, Hanauerlandstr. Frankfurt a. M., 27. Januar. Zionistische Vereinigung. — In der Einleitung seines gestrigen Vortrages „Die Inden in der neuen Türke i" zeigte Herr Davis Trietsch- Jaffa an Hand der Geschichte des 1566 vom Sultan Selim ll zum Herzog von Naxos und der zwölf zykladischen Inseln ernannten portugiesischen Juden I o s e p h N a i s i und a» Hand der ferneren Tatsache, daß die Türkei nach den rumänischen Ausweisungen in den 80er Jahren und nach den russischen Pogromen den Juden willig ihre Grenzen öffnete, dass die Türkei von jeher für die Juden ein Asylland war. Zu dem cigentlicheil Thema übergehend, führte Redner aus: Die asiatische Türkei hat 300 000 und die europäische Türkei 200000 Jude» in 3 Hauptgruppen : arabische Inden als die ältesten, spanische und portugiesische Inden, die bei der Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugal vor 400 Jahren in der Türkei gastliche Aufnahme fanden, und Osteuropäische Ausivandcrer der letzten Jahr zehnte. Zwischen der Regierung itrtö der moslcmite Td&e« Bevölkerung einerseits und den Juden andere seits hat in den türkischen Ländern von jeher das beste Einvernehmen bestanden. Das bestehende Einwanderungsverbot richtet sich nur gegen russische Juden, die russische Untertanen bleiben; ivie tvenig es gehanbhabt worden ist, beweist das Anivachsen der jüdischen Bevölkerung in Palästina von 25 000 auf 80 000 Seelen in den letzten 25 Jahren. In dem Staatsdienst werden die Inden sogar bevor zugt; der Sultan hat wiederholt den Wunsch aus gesprochen, die Juden möchten sich zahlreich zum Staatsdienst melden. Man behauptet bei uns in Westeuropa, daß tvir Juden ohne den 'Antisemitismus nicht züsammenhalten würden, da >vir unverträglich sind. Wie gut in Wirklichkeit wir Juden ohne den Antisemitismus auskommen können, zeigen die etwa 30 jüdischen Kolonien mit ihren 8000 Bewohnern, die alle Streb tigkeiten durch eine selbstgewählte Verwaltung schlichten und in die noch nie ein türkischer Beamter seinen Fuß zu setzen brauchte. Die Araber in den umliegenden Dörfern nehmen statt ihres Kadis lieber den jüdischen Richter in Anspruch, und verschiedentlich schon sind die jüdischen Verwaltungen ersucht worden, die Interessen arabischer Dörfer der Regierung g.'gein über zu vertreten. Redner schildert nun die Einrichtungen, die der Zionismus in Palästina geschaffen hat: Die Anglo Palcftine-Co. mit 5 Bankniederlassunge», eine nn entbehrlich gewordene Institution für jede» nur irgend ein Geschäft treibenden Juden Palästinas, das Informationsbüro, das Palästinaamt und die Kunstgewerbeschule „Bezalel", welch' letztere den städtischen Juden neue Arbeitsgelegenheiten schaffen null Wo es möglich ist, haben sich die Juden bereits der Industrie gewidmet: so sind tit Damaskus in den dortigen Metallivarenfabriken mehr wie 1000 Juden beschäftigt. Die Juden haben in dem hoch entwickelten Nordainerika neue geivaltige Industrien geschaffen: in der neuen freien Türkei, die ihr«. Zölle erhöhen ivird, werden sie das gleiche tun, — und eine industrielle Ansiedlung ist um das vielfache leichter als eine landwirtschaftliche, die eine Aufwendung von 15 000 Fr. pro Familie verlangt Zu diesen günstige» Aussichten kommt noch hinzu, daß die Auswanderung von 100 000 osteuropäischen Juden nach Amerika allein 20 Millionen Mart Reisekosten verursacht, ivährcnd dieselbe Zahl Juden, nach Palästina reisend, nur 4 Millionen Mark Reisekosten erfordern, — also gewaltige Sum men für die Aufwendung in Palästina frei machen Indem Redner noch auf das vom Hilfsvercin der deutschen Juden in Haifa geplante Technikun! und auf eine allmähliche Annäherung unter den großen Organisationen, die in Palästina arbeiten, hinweist, schließt er, von stürmischem Beifall begleitet. In der Diskussion tritt zuerst Herr Sali Heß aus, der im Sommer 3 Monate in der arbeiter :c. sind, gibt es keinen jüdischen Bettler. General v. d. Goltz schreibt cininal: wenn man den Antisemitismus verlernen wolle, müsse man nach Saloniki gehen und die dortigen Juden arbeiten ehe». Redner weist darauf hin, welch' große Rolle sie Saloniker Juden bei der Freiheitsbewegung gepiekt habeil. Herr L e v i g a r d fordert zum Eintritt in die' zionistische Bewegung in dem jetzige» bedeutungsvollen Momente ans, Herr D r e i s u ß richtet eine Anzahl Fragen an Herrn Trietsch, die dieser in seinem Schlußworte alle befriedigend beantwortet. Nürnberg. Der Zionismus macht nun auch in R ü r n b e r g - F ü r t h erfreuliche Forschritte durch die Ausnahme der Idee seitens der hiesigen jüdischen Bevölkerung und durch Zuwachs neuer Mitglieder. Wir dürfen mit gutem Rechte behaupten, daß unsere Ortsgruppe das hiesige öffentliche jüdische Leben herzerfrischend beeinflußt, ja in Nürnberg ein solches erst geschaffen hat. Früher war man ängstlich bemüht, jede öffentliche Diskussion jüdischer Fragen möglichst zu vermeiden. Auf zwei Beranstattungen unserer Ortsgruppe können wir mit großer Befriedigung zurückblicken. Zunächst auf unsere C h anukafeier. Sie nahm einen gelungenen Verlaus und belehrte uns, wie weite Kreise der jüdischen Bevölkerung Nürnberg-Fürths für unsere Sache noch zu haben sind. Die Feier iin einzelnen gebührend zu würdigen, ist heute allerdings schon zu spät, aber es soll doch des vorbereitenden Komitee? unter Leitung der Frau Albert Ellern und aller Damen und Herren, die uns durch Vorträge erfreut haben, dankend gedacht werden. Ein glänzender Erfolg war unsere öffentliche p r o p a g a n d i st i s ch e V e r s a in m l it ii g vom 24. Januar. Viele hundert Zuhörer lauschten den Worten unseres Redners, Herrn Julius Simon- Mannheim, der das Thema „P h i l a n t h r o p i e u n d I u d e n f r a g c" behandelte. In vornehmer, fesselnder und überzeugender Sprache wies Herr Simon nach, wie wenig die Philaikthropie im stände sei, die Judensrage zu löse» und wie sie langsam dazu komme, die schon por 10 Jahren ausgesprochenen Ansichten des Zionismus sich zu eigen zu machen. Nicht in der Zerstreuung, sondern in der Konzentration und nicht in der Konzentration irgendwo, sondern im Lande tausendjähriger Sehnsucht, in Palästina liege die Lösung der Judensrage nach außen und nach innen. Die Philanthropie beginne dies inzwischen auch einzusehen, weshalb auch die jüngste Notablcnvcrsammlung in Berlin beschlossen habe, die wandernden Jndenmassen nach dem Orient zu lenken. Wäre dies vor 10 Jahren mit dem Beginne des politische Zionismus schon geschehen, viel Blut und Geld wäre dem jüdischen Volke erspart geblieben. „Wir haben kein Heer, — und doch wird viel jüdisches Blut vergossen: wir haben keine Flotte — und dennoch große Ausgaben für Schiffahrt." Herr Simon behandelte weiter die günstigen Aussichten in der neuen Türkei und wies nach, daß die Ansiedlung in Palästina aus nationalen Gründen erfolgen müsse, um dauernden Bestand zu haben. Seelenvollc Worte fand auch Herr Simon für die geistige Judennot der westeuropäischen Juden, denen zur Gewinnung des inneren Gleichgewichts ein geistiges Zentrum fehle, das nur in Palästina möglich sei. Den Assimilantcn widmete er keine bedauernden Worte: sic seien häufig wohl geistig hochstehende Menschen, aber charakterlose Juden, und das Judentum habe keine» Verlust durch ihr „llntertanchen." „Wer Jude bleiben will, muß energisch Stellung zum Zionismus nehmen", rief Herr Simon und forderte insbesondere die Orthodoxie, für die er trotz gegeteiliger Gesinnung volles Verständnis habe, zur regen Mitarbeit auf. Die Orthodoxie könne nicht länger untätige Kritik üben, sie müsse in ihrem eigenen Interesse am Zionismus Mitarbeiten. Den Redner belohnte reicher und starker Beifall, der bewies, daß Herr Simon die Herzen der Zuhörer erobert hatte. Auch die nachfolgende, sehr interessante Diskussion und ein zahlreicher Beitritt neuer Mitglieder zeigten die Wirkung des Vortrages. Görski. Nürnberg-Fürth. Mit dem 31 Dezember 1°0» hat die hiesige Zionistische Ortsgruppe ihr 4. Geschäftsjahr beendet. 1904 mit einer sehr kleinen Zahl von Mitgliedern begründet, hat, sie es Dank der energischen Arbeit aller Beteiligten zu einer ansehnlichen Gruppe gebracht. Aus ihrer Mitte stammt der in allen Zionistenkreisen wohlbekannte glänzende Redner, Dr. B l o c d e. z. Zt. in Straßburg, Ehrenvorsitzender der hiesigen Gruppe. Im letzten Jahre war Dr. jnr. Jos. Münz 1. Vorsitzender, unter dessen Leitung dje Gruppe einen Znivachs von 35 Mitgliedern zu verzeichnen hatte. In öffentlichen Versammlungen sprachen: F.Theil- Haber- München über den Breslauer Delegiertentag, Dr. M ü n z über Wesen und Zukunft des Judentums und Dr. Elias Straus-München über die wirtschaftliche Lage der Juden in Palästina. Im weiteren berichtete dann Herr Dr. M ü n z über die Sitzung des Großen A.-K. in Köln. Auch die angelegten Referate nachhaltig auf die sehr zahlreich erschienenen Besucher in einer öffentlichen Versammlung in Fürth. — Seit Beginn des Jahres 1908 haben sich die hiesigen Zionisten .regelmäßig jeden Dienstag ini Cafe Habsburg getroffen. Neben allgemein zionistischen Vorträgen referierte Dr. Bamberger in zusammenhängenden Borträgen fortlaufend über Jüdische Geschichte im Sinne einer nationalen Entwicklung. Saloniki. Das hiesige jungtürkische Organ „Jeni Assr" beschästigt sich in einem Artikel mit der Zukunft Mesopotamiens. In diesem Artikel heißt es: Leider wird der schöne Traum, unser, Land in ein irdisches Paradies umgewandelt zu sehen, noch lange unerfüllt bleiben müssen, — und zwar deshalb, weil cs uns an Bewohnern fehlt. Vergleichen wir unser Land mit anderen Län- - dern, so sehen wir, daß wir unendlich arm an Bevölkerung sind. Unsere Bevölkerung ist zehnmal weniger dicht als diejenige Frankreichs. Unser Land ist demnach fast leer und wüst, und wir, bedürfen nach eines Zuflusses von Millioneu und Millionen Menschen, um unsere Schätze entsprechend ausbeuten zu können. Nehmen wir z. B. an, wir wollen daran gehen, unser einst jo fruchtbares Mesopotamien zu restaurieren, — woher sollen wir die Millionen Bewohner nehmen, die dazu unerläßlich sind? Woher sie ausnisten? Es liegt nahe, daß wir gezwungen sein werden, Emigranten aus der Fremde heranzuziehen. Was kann aber eine Regierung unternehmen, deren Finanzen ruiniert sind? Kann man in einer solchen Situation die Kosten der entsprechenden Installierung der Einwanderung ans sich nehmen? Und ferner: welcher Nationalität sollen diese Einwanderer angehören? Unser Land gleicht heute schon dem Turm von Babel, wir beherbergen heute schon Angehörige von 2l verschiedenen Nationalitäten. Und haben wir denn nicht schon genug nationale Streitigkeiten» Meinungsverschiedenheiten unter den Rassen, ja oft sogar blutige Kämpfe, die dem nationalen Chauvinismus entspringen? Unserer Ansicht nach gibt es nur ein Element, das dieses Land bevölkern könnte, ohne dem Staate bedeutende Kosten auszuerlegen und ohne die nationalen Schwierigkeiten zu vermehren, und das sind die Juden. Zehn Millionen Juden leben zerstreut in den verschiedenen Zivilisationszentren. Gibt es nun irgend einen Grund, der die Tausende von Juden, die nach fernen Gebieten auswandern, zurückhalten könnte, hierher zu kommen und ihre fruchtbare Arbeit, ihren unermüdlichen Fleiß, Intelligenz, Ausdauer und physische Kraft, die ihnen überall den Erfolg sichern, hier zu verwerten? Sollten die unerschöpflichen Schätze, die unser Boden in sich birgt, und die sprichwörtliche Toleranz der Türkei nicht Gewähren genug bieten, um sich hier an gezogen zu fühlen? Philippopel. 22. Jan. Bor acht Tagen fand in Bazardjick die IV. Konferenz der zionistischen Turnvereine „M a k k a b i" statt. Noch nie war nach den Berichten des „Haschofar" eine jüd. Konferenz in Bulgarien so gelungen, wie diese. Die Vorträge, welche alle darin gipfelten, daß die Turnvereine ein nationales Ziel verfolgen müssen» verfehlten ihre Wirkung auf die Anwesenden nicht. Jnr folgenden seien nur die wesentlichen Beschlüsse dieser Konferenz angeführt: 1. sollen die Turnvereine trotz ihres zionistischen Charakters auch Nichtzionisten — natürlich mit eingeschränkten Rechten — anfnehmen; 2. soll das Zentralkomitee zum Zwecke der Propaganda ein gymnastisches Organ „Makkabi" schaffen und die Ideen der Gymnastik, sowie die Prinzipien der Organisation in Broschüren bekannt machen. Letztere sollen besonders in der Türkei, wo man eine größere Agitation zu entfalten beabsichtigt, verbreitet werden; 3. soll zwischen den Makkabi- und den deutschen Barkochbaturnvercineu eine Verbindung angestrebt werden, um alle zionistischen Turnvereine unter eine gemeinsame Leitung zu bringen. Js. Kanel. Türkei war und die dortige große Uniwälzung mit- ..... w.v...... ^..ov. ... ........ __ erlebt hat. Er ist begeistert von dem, was er inIMisrachi-Mitgliedcr waren im Interesse der Xa%* üi«i CVm Xau. OA nnn I __—?•?....:ri.-rJ*.Ol....^(.rAuVaua der Türkei gesehen hat. In deni 80 000 Juden I allgemein zionistischen Propaganda tätig; besonders . zählenden . Saloniki, ,wo Juden Lastzrager, Hafen-1 wirkte Dr. R o s e n b l ü t h - Fürth in einem tief Personalien. Eaffel. JuttizratDr. Max Rothfels erhielt den Roten Adlerorden 4. Klasse. Breslau. Ritterautsbesitzer Julius Schottl ä u 5 c r, Vorstandsmitglied der jüd. Gemeinde, will nach Berlin ü b e r s i e d e l n. Mit seinem Wegzug würde die jüd. Gemeinde einen Steuerbetrag von 6400 JL einbüßen. In Groß-Strehlitz verzogen der Stadtälteste S t e i n i tz nach Berlin und der Kommissionsrat Grützer nach Breslau. Wie«. Dr. jnr. Leopold Kampf, dessen Drama „Bor dem Sturm" in Amerika und jetzt auch in Europa — in Paris wurde es unter dem Titel „Iw zranck soir" 200 mal aufgeführt— 7285