Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 3 (22.1.1909)
- Date
- 1909-01-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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M Nr. Z rfcs Frankfurter IsraeliMen FaMenklattes. Ein hundertjähriger Gedenktag. Abraham Mapu, dessen, hundertjährigen Geburtstag wir in diesen Tagen feiern, ist der Begründer einer künstlerischen modernen hebräische» 'Prosa. Ein armer Mann, aber eine unendlich reiche Natur, hat er in der engen polnisch-littauischen Umgebung aus sich heraus jenen Reichtuin geschaffen, der seine Romane auszeichnet. Am 10. Januar 1808 in Slobobka, einer Vorstadt Kownos, geboren, hatte er keine Gelegenheit gehabt, europäische Bildung in sich aufzuuehmen, und war in althergebrachter- Weise nur im biblischen und talmudischen Wissen unterwiesen worden, das er mit seinem zwölften Lebensjahre so beherrschte, daß ihm der Beiname eines „Jlluj" nicht vorenthalten werden konnte. Bereits in seinem fünfzehnten Lebensjahre wurde er in die von tiefer Mystik und einem einzigartigen poetischen Schwünge durchwehten Schriften der Kabbalah, insbesondere den philosophisch-poetischen sohar eingeführt, und aus ihm erhielt seine ohnehin so reiche Phantasie die fruchtbringendsten Anregungen. Im Hause des Rabbi Elijjahu Ragoler in seiner Heimat Slobobka kam er auf einein merkwürdigen Umwege zu seinem ersteil europäischen Wissen. Er fand dort einen hebräischen Psalter mit lateinischerUebersctzung und schöpfte aus ihm seine ersten Kenntnisse der lateinischen Sprache, bis ein katholischer Priester ihn auf diesem Gebiete, sowie iMiFranzösischen, methodisches Wissen vermittelte. Damit hatte er in der Geisteswelt den Weg nach dem Westen Europas gefunden, während er nur einmal, kurz vor seinem Tode, die russische Grenze überschritt. In R o s s i a n y verkehrte er mit dem gelehrten Senior Sachs, der seine Fähigkeiten erkannte und bewußt anregte. Nachdem er später kurze Zeit Privatlehrer in Wilna gewesen war, wurde er am Gymnasium zu K o w n o Lehrer für Hebräisch und bezeichnender weise für Deutsch. Seit 1860 war der ohnehin nicht sehr starke Mann dauernd krank, so daß er im Jahre 1867 nach Königsberg ging, unk dort Heilung zu finden. Es >uar das erste und einzige Mal, daß er die Grenze feines Heimatlandes überschritt; denn bald darauf starb der große hebräische Dichter dort unbekannt und unbeachtet, so daß man Jahre lang nicht einmal die Stelle seines Grabes wußte, und es erst nach Jahrzehnten den dauernden Bemühungen seiner Verehrer gelang, daß ihm ein Grabstein gesetzt wurde. Sein Hauptwerk ist sein groß angelegter Roman Ahäbath Zijjön, das man nicht, wie es in Gustav Karpeles' Geschichte der jüdischen Literatur geschrieben ist, mit „Liebe zu Zion" übersetzen darf. Es schildert eine Liebe, wie man sie nnr in Zion kannte, und die einen Roman verklärt, der die Zeiten unseres Königs Chizkijahu und unseres großen Propheten Jeschajahu in lebendiger Fülle aufleben läßt. In gewaltiger Sprache, die an die Schönheit eines Jeschajahu gemahnt, entwirft er ein Bild, das nicht bloß in der hebräischen Literatur zu dem Schönsten gehört, was die dichterische Phantasie geschaffen. Hier spricht ein Dichter in der alten Sprache der ältesten hebräisckien Dichtung, die unter seiner Feder wieder so flüssig geworden ist, als wäre sie auf diesem Gebiete nie erstarrt gewesen. Die urwüchsigen Charaktere sprechen ein ebenso urwüchsiges Hebräisch. Am meisten erinnert seine Darstellung an die seines Lieblings Eugönc Sue. Der Roman wurde bereits 1831 begonnen, nach LSjährig. Arbeit vollendet und 1853 in Wilna veröffentlicht. Er erschien dort noch einmal 1865 und sodann in Warschau 1868 und 1873. Von FrankJaffe wurde er 1887 und von Schapiro 1903 ins Englische übersetzt, uachdeni er bereits 1874 zum ersten Male in jüdischdcutscher Uebersctzung erschienen war. Die deutsche Uebersctzung bedeutet einen unangenehmen Fleck auf dem Gewände der jüdischen Literatur. Unter dem Titel „T h a m a r, Roman aus dem biblischen Altertum von Dr. S. Mandelkern" wurde die-von diesem besorgte Uebersctzung 1885 in Leipzig als zweibändiger deutscher Roman veröffentlicht, ohne den Namen des längst verstorbenen Dichters anders zu nennen, als daß auf dem Widmungsblatt steht: „Den Manen Abraham Mapus", worauf in einem hebräischen Motto diesem literarischen Raube noch der Hohn hinzugefügt wird. Doch das ist hebräischen Werken öfters so gegangen. Ich erinnere nur anSuwalskis vortreffliches Werk: „Chajje haj-Jehud! al-Pi hat-talmüd." Ein zweites Werk wie Ahabath Zijjon hat in dieser Großartigkeit Mapu nicht mehr geleistet. Sein A s ch m a t h S s ch o m r 6 n, die Sckiuld Samarias, Roman aus den Tagen des Achas, Königs von Juda, und Remaljahu und Hoschea ben Elah, der Könige von Israel, in dem er das sündhafte und ausgelassene Israel dem ernsten, einfachen und sittenstrengen Jehudah gegenüberstellt, kommt an Großartigkeit der Auffassung und vor allem der Sprache seinem Ahabath Zijjön nicht mehr gleich. Sein fünfteiliger Roman „Ajjit Zabüa" trug ihm sogar starke Gegnerschaft ein, und jo kam es, daß er, der Keineswegs irgendwelchen judentumsfeindlichen Tendenzen auch nur als« Unterströmung huldigte, und der nicht einmal in dem landläufigen Sinne zu den „Maskilim" seiner Zeit gerechnet werden durfte, so bitter gehaßt und gefürchtet wurde, daß ein zehnteiliger Roman Chosoh ChesjünLt, in dem er die Zeit des Schabbatai Zebi zur künstlerischen Darstellung brachte, auf Betreiben der Chassidim von der Zensur vernichtet wurde. Der kleine Rest, der zufällig erhalten geblieben ist, wurde 1869 als Fragment aus dem Nachlaß des Verfassers veröffentlicht und läßt uns den großen Verlust erkennen und fühlen, den wir durch die Vernichtung dieses Werkes erlitten haben. Dagegen konnten seine Gegner es nicht verhindern, daß sein „Ajjit Zabüa", durch das sie sich getroffen fühlten und das als Roman satirische Charakter- und Sittenschilderungen aus dem jüdischen Leben seiner Heimat gab, seinen Weg ging. Nachdem die einzelnen Bände nach einander erschienen und vergriffen waren, kam nach seinem Tode die fünfbändige Gesamtausgabe (1869) heraus. Auch seine pädagogischen Schriften C h a n o ch Lana'r (Wilne 1859) und Amon Paedagog, das zuerst in Königsberg 1868 nach seinem Tode erschien und dann 1871, 1874 und 1876 neu aufgelegt wurde, und in denen er hebräische Elementargrammatiken mit llebungsstücken gab, fanden großen Beifall. Die große Bedeutung, die Mapu für das moderne Judentum und für die Neubelebnng jüd. Geistes hat, vermag eigentlich nur der zu ermessen, der das getvaltige Wachstum zu überblicken vermag, das die für tot gehaltene hebräische Sprache im letzten Jahrhundert genommen hat. Als Mapu vor hundert Jahren geboren wurde, war sie eben dabei, ihre ersten Samenkörner vom Hammeassef nach Polen und Rußland zu verstreuen, und als Mapu ein Mann war, da wurde er eine der herrlichsten Pflanzen im hebräischen Blumengarten. An seiner kräftigen Prosa rankte sich die Poesie unserer neuhebräischen Dichter empor, und die in Palästina erblühte hebräische Umgangssprache hat aus ihm ihren feinsten Duft erhalten. Jehojakim. Aus der zionistische« Bewegung. Frankkurt a. M. Im Bureau des Jüd. Nationalfonds, Grünestr. 29 Part., ging ein: A u s Büchsen: Herrn Grünblatt, Battonstr. 5 4,70 JL Herrn Blumenthal» Mainstr. 10 2,80 „ Herrn N. N., Uhlandstr. 16 0,29 „ Herrn Goldmann, Baumweg 57 4,50 „ Herrn Aba Pomper, Baumweg 57 1,43 „ Frair A. Kahn, Uhlandstr. 40 1,50 „ Pension Rosenberg, Seilerstr. 17 _7.10 „ 22,12 JL Ferner Herr Louis Spier, anläßlich seines 25 jährige» Geschäftsjubiläums 10,— JL Stammtisch, 7. 1. 1,55 „ Martin Levigard d. Firma Louis Spier, zum Jubiläum ein Oelbaum im Herzkwald 6 —JL Siegmund Levita zur Barmizwoh seines Sohnes Jacob auf dessen Namen ein Oelbaum im Herzlwald 6,— JL Frankfurt a. M. Bei der Expediüon ging für den Nationalfonds ein: Dr. David statt Depesche zur Hochzeit Tony Grünebaum/Arthur Joseph 0,50 JL „Hatchio" auf den Namen ihres bisherigen Leiters L. Schapiro 1 Oelbaum 6,— „ Frl. Jakob Marken. Frau Bertha Hirsch rcc Mela, Homburg v. d. H., Ludwigstraße 6 III., 1 Kiste Silberpapier. Von Geschwister Feist, Uhlandstraße 52, 1 Kiste Zigarrenspitzen. Von Eva A. Frieslänber 1 Kiste Zigarrenspitzen. Materialien gingen ein von Julius Dreßler, Grünestraße 11. Frankfurt a. M. Es sei auck an dieser Stelle auf den Vortrag, den Herr Davis Trietsch- Jaffa nächsten Dienstag Mend in der hiesigen Zion. Vereinigung über das Thema: „Die Juden in der neuen Türkei" halten wird, aufmerksam gemacht. Herr Trietsch wohnte längere Zeit in Palästina und ist einer der besten Kenner von Land und Leuten dortselbst. Bei dem hohen Interesse, welches der Umschwung in der Türkei heute bei allen Gebildeten für den Orient geweckt hat und bei den großen Fortschritten des jüdischen Kolonisationswerkes in Palästina dürfte der Bortrag auch für solche von Bedeutung sein, welche nicht der zionistischen Bewegung angehören. Köln a. Rh. Der Rationalkonds vereinnahmte 1908 JL 275 738, davon aus Rußland Mark 68173, aus Oesterreich JL 50 453, aus Deutschland JL 37 556 und aus Nord-Amerika JL 34 003. Posen. Zionistische Ortsgruppe. Am 9. Januar sprach Kantor Blitz-Dessau über den letzten Kampf der Juden gegen Rom. Mit genauer Kenntnis der Quellen Josophus u. Dio Cassius gab Redner von jenem zweihundertjährigen Ringen des jüdischen Volkes gegen das übergcwaltige Rom ein anschauliches Bild. Obwohl schließlich der skrupellosen römischen Kriegsführung unterliegend, bewiesen doch die Juden in dem ungleichen Kampf, der kaum seinesgleichen in der Weltgeschichte hat, einen Heldenmut, der eigentlich allein die Fabel der Kriegsunfähigkeit der Juden, die selbst im folgenden tausendjährigen Exil nur eine bewußte Geschichtsfälschung ist, unmöglich machen sollte. Der Redner zwang das Publikum in die Begeisterung seines Vortrags, an dessen Schluß lebhafter Beifall gezollt wurde. In der Diskussion wies Dr. Jeremias darauf hin, wie wenig es zu verstehen ist, daß die Großloge als jüdischen Helden und Nacheiferung für die Jugend einen jüdischen Major aus dem Befreiungskriege ausfindig macht, anstatt in für die jüdische Jugend bestimmten Büchern bei der so reichlichen Auswahl an Helden bietenden jüdischen Geschichte als dem naturgemäßen Stoff zu bleiben. Herr Rosenthal versuchte, die Loge in Schutz zu nehmen. Nachdem Herr Diamant Einwendungen aus orthodoxen Anschauungen gegen das zionistische Ideal gemacht hatte, widerlegte Herr Blitz mit großer Verve die oppositionellen Gesichtspunlle. Ein Beweis für die Durchschlagskraft der Blitzschen Ausführungen bildeten die zahlreichen Aufnahmemeldungen aus der Mitte der Zuhörer. Herr Blitz unternimmt eine Studienreise nach Palästina, und hoffen wir. bei seiner Rückkehr ihn wieder in unserer Mitte zu sehen. London. Dr. Bodenheimer-Köln, der Direktor des Jüd. Nationalfonds, weill gegenwärtig hier, um die Nationalfondssammlungen in England, die bis jetzt zu geringe Ergebnisse zeitigten, zu organisieren. Aus der Lehrerwelt. Frankfurt a. M. Vakanzen. Heinsberg (Rheinland). Unverheirateter Kantor und Religionslehrer per 1. April, 1250 JL Gehalt. — Zülpich (Rheinland). Unverheirateter Religionslehrer und Kantor per 1. 2lpril, 1200 JL Gehalt. — Neuwied Hilfsvorbeter, Gemeindebeamter und Schächter. Garantiertes Einkommen 1500 JL Frankfurt a. M. Am Freitag. 29. ds. MtS., begeht Fräulein HenrietteAuerbach, die verdiente Lehrerin an der hiesigen Dr. Heinemann'schen Höheren Mädchenschule, das Jubiläum ihrer 25jährigen segensreichen Tätigkeit an diesem Institut. Zu der Schulfeier, die an diesem Tage im Saale der Loge „Adler", Seilerstr. 22, Borm. 9Vs Uhr, stattfindet, sind Freunde und ehemalige Schülerinnen der Jubilarin geladen. München. Den TUel Hauvtledrer erhielten: B. Freudenthal -Grünstadt, S. Schloß-Autenhausen, I. Weißkopf-Schopfloch, W. Wolfram m - Cronheim. M. SOla rx-Gunzenhause», H. Frey-Aschafsenburg und I. Thalmann- Jchenhausen. Nürnberg. Dem zum Rabbiner der HIeügen orthodoxen Vereinigung gewählten bisherigen Lehrer im Würzburger Lehrerseminar Dr. Klein, der bereits vor einiger Zeit seinen hiesigen Posten angetreten hat, war von der Regierung die Bestätigung versagt worden, da er Ausländer ist, der persönlichen Intervention des Vorstandes gelang es jedoch, die Negierung zur Bestätigung zu bewegen. Bei dieser Gelegenheit möge erwähnt werden» daß Rabb. Dr. Klein in seinem Vertrage mit der hiesigen orthodoxen Vereinigung die Verpflichtung eingehen mußte, sich vom Zionismus fernzuhalten und nicht einer Loge anzugehören. Schönlanke. Farben nach Thorn gewählten Kantor Mischkowski wurde Kantor Lapidas in Zn in von der hiesigen jüd. Gemeinde gewählt. Hamburg. Die israel. Schulgemeinde bat eine Eingabe an die Regierung gerichtet, die Regierung möge eine Anzahl ihrer Lehrkräfte anderweitig unterbringen. Da nämlich die meisten israelitischen Kinder die höheren städtischen Schulen besuchen, ist die Zahl der Lehrer an der israelitischen Gemeindeschule unverhältnismäßig groß. Lstrowo. Die hiesige jüd. Gemeinde bat dem nach 20jühriger Amtstätigkeit aus dem Gemeindedienste scheidenden Kantor Abramowitz eine Ehrengabe von 5000 gewährt. Personalien. Wresche«. Ihre diamante Hochzeit feierten die Nathan Kallmannschen Eheleute. Aus de« Bereiue«. Frankfurt a. M. Der Verein .Bezalel" (Berlin Vf. 15, Bleibtreustr. 34/5) ersucht uns um Aufnahme folgende Zeilen: Für Purim-Feiern eignen sich besonders gut zum Verkauf oder zur Verlosung Erzeugnisse der Kunstgewerbefchule /Sezalel" in Jerusalem» 4785