Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 1 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1- Seite 10. Frankfurter JsraelitrMes Fwnllienblatt. Frankfurt a. M. In fesselnder Weise schilde'te am vergangenen Montag Fräulein Frieda Jülich im Jüd. Franen-Verein die Schicksale der Sara ßopia Sulla in, jener glaubensstarken Jüdin, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts in Venedig geboren wurde. Ein echtes Kind der italienischen Renaissance, mit einer um* fassenden Allgemeinbildung und außerordentlicher Begabung für die schönen Künste, war Sara Copia, die Tochter Simon Copia's, eine begeisterte Anhängerin ihres Glaubens und im jüdischen Schrifttum aller Zeiten sehr bewandert. 21 Jahre alt vermählte sie sich mit Jakob Sullam, mit dem sie in herzlichstem Einvernehmen lebte. Trotz der Ghettoschranken wurde die durch Schönheit und Anmut noch besonders Ausgezeichnete der Mittelpunkt eines glänzenden Kreises von gelehrten und hochstehenden Persönlichkeiten der christlichen Welt, die des Oefteren versuchten, sie zum Ucbertritt zu bewegen. Besonders war es Ansaldo Cebü aus Genua, dem sie in Anerkennung seines Epos „Esther" einen bewundernden Brief geschrieben hatte, und mit dem sie dann in 4jährigem Briefwechsel stand, der sie immer wieder beschwor, ihre Seele zu retten und zum christl. Glauben überzutreten. Sara verstand es, seine Argumente stets ausgezeichnet zu widerlegen und blieb bis zu ihrem Tode eine überzeugte Anhängerin des Judentums. Trotzdem hatte sie Verleumder unter ihren eigenen Glaubensgenossen, die sie des Abfalls bezichtigten. Kaum hatte sie diese zum Schweigen gebracht, als sie von einer anderen Beschuldigung bedroht wurde. Ein christlicher Autor, Balthasar Bonifacio, hatte eine Schrift über die Unsterblichkeit der Seele verfaßt und klagte darin Sara Sullam der Leugnung dieses beiden Religionen gemeinsamen Grundsatzes an. In der damaligen Zeit der Inquisition, die jeden: Denunzianten glaubte und ohne Erbarmen verfuhr, konnte dies die gefährlichsten Folgen für sie haben. Doch Sara Sullam raffte sich aus und verfaßte in zwei Tagen eine glänzende Rechtfertigungsschrift, in der sie den Gegner sachgemäß und zugleich voll Ironie seines Irrtums überführte. Infolge der vielen Aufregungen kränkelte sie, und im Jahre 1641 starb diese vorbildliche Frau. Frankfurt a. M. Nach dem Muster von Be rlin und Breslau ist nunmehr auch in Frankfurt am Main an die Errichtung einer „P e a h" (Brockensammlung) herangegangen worden. Die hiesige Ortsgruppe des „Verbandes der Sabbatfreunde", sowie der „Jüdische Frauenverein" E. V. sind mit einem Aufruf in die Oefentlichkeit getreten, dem sich eine große Zahl Damen und Herren aus den besten jüd. Kreisen durch ihrer Unterschrift angeschlossen haben. Wie bei dem warmen sozialen Empfinden unserer hiesigen jüdischen Bevölkerung nicht zu bezweifeln war, hat dieser Appell einen starken Widerhall gefunden. Da die „Peah" Jahresbeiträge nicht erhebt, sondern ihre Kosten aus ihren Erträgnissen bestreiten will, so ist sie zur Deckung der nicht unerheblichen Einrichtnngs- und Propagandakosten auf einmalige Spenden angewießen, die auch schon entsprechend cingegangen sind. In der Hauptsache handelt es sich natürlich bei der „Pcah" um die Zuwendung alles überslüßig gewordenen Hausrates, als Kleidungsstücke, Wäsche, Schuhwerk usw., Möbel, Betten, Vorhänge, Teppiche usw., Wirtschastsgeräte, Eisenzcug, Kinderspielzeug usw., Staniolkapseln, Korke, Bücher, Flaschen usw., Papier, Zeitungen, Briefmarken, Verpackungsmaterial usw. einerlei ob in brauchbarem oder unbrauchbarem Zustande. Das Gcschäftslokal der „Peah" befindet sich Allerheiligenstraße 40, Seitenbau links; Telcphonanschluß 5070. Daß der Betrieb an Sabbaten und israelitischen Feiertagen ruht, bedarf als selbstverständlich keiner besonderen Hervorhebung. Es ist bereits heute eine Anzahl arbeitsloser Kräfte beschäftigt, . und es steht zu erwarten, daß bei weiterer Entwicklung eine recht große Zahl jüdischer Arbeitskräfte durch die „Peah" Beschäftigung findet, während durch de» Verkauf der Sachen, die an Bedürftige abgegeben werden, diesen die erwünschte Gelegenheit ^geboten ist, ihren Bedarf zu minimalen Preisen zu decken. Wir können daher eine Unterstützung der „Peah" nur auf das angelegentlichste empfehlen und bemerken ausdrücklich, daß Postkarte oder telephonischer Anruf unter 5070 genügen, um die schleunige kostenlose Abholung alles überflüssig gewordenen Hausrates zu bewirken. Stratzburg i. Elf. Der Vorstand der i s r a e l. Gewerbeschule, deren Turnhalle dem Jüd. Turnverein bisher zur Verfügung stand, hat dem Verein für seine neu errichtete Zöglingsriegc die B e n u tz u n g d e r Tu rn halleverweigert und dies damit motiviert, daß er die Tendenzen des Vereins nicht billigt. Der Jüd. Turnverein wandte sich an die Stadt und erhielt ohne weiteres eine Turnhalle zur Verfügung gestellt. (L.) Posen. Der seit 1904 bestehende Verein „Jüdisches M ä d ch e n h e i m" beherbergte am Schluß seines letzten Geschäftsjahres vier Buchhalterinnen, ein Lehrmädchen, eine Verkäuferin, zwei Putzmacherinnen, zwei Schneiderinnen, eine Kindergärtnerin und eine angehende Gewerbeschullehrerin. Das ursprüngliche Stiftungskapital hat sich von 30000 Mk. auf 36 700 Mk. vermehrt. Winzenheimi.Elf. Der I s r a e l. I ü n g l i n g s - verein feierte sein 25jähriges Stiftungsf e st. Rabb. Dr. Zivi hielt die Festrede, der neugegründetc Synagogen-Chorverein trug hübsche Chöre vor, und dann folgten Festessen nnd Tanzkränzchen. Aus der Lehrerwelt. Hadenbach. Lehrer Isidor Rosenzweig beging am 2. Januar sein 25jähriges Amtsjubiläum. Personalien. Berlin. Am 5. d. Mts. fand, anläßlich der 25. Wiederkehr des Todestages von E d u a r d L a s k e r in der Kapelle des alten jüdischen Friedhofs in der Schönhauser-Allee eine Gedächtnisfeier statt, zu der u. a. Professor Haenel, Dr. Barth, Dr. Paul Nathan, und die Reichstagsabg. Schräder und Dr. Dohrn erschienen. Mg. Schräder hielt die Ansprache. Briefkasten. Zionist. Abraham Mapu wurde am 10. Tewes 5569 (1808) geboren. Sein Roman „Ahawath Zion", an dem er fast 20 Jahre gearbeitet hatte, erschien 1852. Dieser Ronran hat stark auf die Wiedererweckung der jüdischnationalen Idee gewirkt. L. M. Der zum Kammergerichtsrat ernannte Landgerichtsrat Dr. Fiirth ist getauft. Bereins-Kalender. Jüdischer Franeuverein E. B. Montag, 11. Jan., abends 8% Uhr, im Hörsaal der Jsr. Rel.-Ges., Schützenstr. 12: „Jüdische Gebete 1." Herr Jacob Rosenheim. Mittwoch, 13. Jan., abends 9 Uhr, in der Realschule der Jsr. Rel.-Ges., Am Tiergarten: Lektüre und Erläuterung des Buches Hiob. Herr Dir. Dr. Lange. Verein Tiferes Bachurim. Sonntag, 10. Jan., abends 83k Uhr, Hermesweg 25/27; Bortrag des Herr» Dr. Js. Heinemann: „Ein neues Buch über altjüdisches Frauenleben." Verein Mekvr-Chajim. Samstag, 9. Jan., nachm. 3*/* Uhr: Mikro- Vortrag des Herrn Markus Hirsch. Verguügungs-Clnb junger Leute. (Gegründet 1907.) Samstag, 9. Jan., abends 9»/z Uhr: Außerordentliche Generalversammlung im Hotel König von England, Battonstr. 70 I. Verein „Rachlatz Zwi". Mittwoch, 13. Jan., abends 9 Uhr, im Vereinslokale, Schützenstr. 2, Vortrag des Herrn A Mannheimer-Dettelbach: „Der Zug der Volkstümlichkeit in Lehre und Leben des Judentums". Samstag, 9. Jan., mittags 12i/i Uhr, im Hörsaale der Synagoge Friedberger Anlage: Lektüre der „Neunzehn Briefe" unter Leitung des Herrn Dr. I. H, Bondi. „Montefiore"-Verein. Mittwoch, 13. Jan., abends 9 Uhr: Herr Privatdozent Dr. Julius Hülsen, hier: „Ausgewählte Kapitel aus der Kunstgeschichte". II. Carl Grebenau, t2£J|» Juwelen. Uhren. Soldu. Silbertoacen. Auswahlsendungen gerne zu Diensten. 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