Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 7 (1909)
- Issue
- Heft 1 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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" ’V, zil Nr. 1 tfes KMfarter IjraeliMea lamitienöCattßs. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a- M. Bei der Expedition ging für den Nationalfonds ein: I. Sch. 3 — JL L. O. 3;_ „ Paul Landauer 2„ Beno Lamm gratuliert zur Hochzeit Rotschild-Rosenberg 0,50 „ Herm. Ertcschrk, Ablösung Gratulationsdepesche zur Verlobung des Herrn Messinger-Zürich mit Frl. Emanuel, Fulda 0,5t) „ Frankfurt a. M. Im Bureau für den Jüd. Nationalsonds, Hier, Grünestr. 29, gingen ein von: L. Wassermann 10,— JL - Leop. Brün eil '•J5_ M. K., Rückertstr. Z_; Stammtisch, 31. 12. i,65 19,65 Jl. Ferner spendet der Vorstand der zion. Ortsgruppe Frankfurt anläßlich der Chanukafeier 2 Oelbaume für Herrn Dr. med. Bloede aus Straßburg je einen Oelbaum für 12,— M. Herrn A. Lewisohn C,— „ Frl. El. Lewisoh» 6,— „ Herr Dr. A. Nossrg 6,— „ Herrn S. Singer 6.- „ Herrn K. Rosenheimer 6,— , Herrn Gg. Freudcnsteiir 6- „ Herrn Dd. Baracker 6.— „ Herrn u. Frarr B. Banrbcrger 6,— „ 60,— JL Frankfurt a. M. In seinem Vortrage ,D i e Zukunft des Judentum3", welchen Vortrag er letzten Montag Abend in der Misrachi- Ortsgruppe hielt, zeigte Referendar Möller- Altona einleitend, daß es nur eine relative Wahrheit gibt und daher auch die sogenannte voraussetzungslose Wissenschaft mit Hypothesen arbeiten muß, also ohne Glauben nicht auskommen kann, weshalb der traditionell - gesetzestreue Jude mit Ruhe dem Fortschreiten der Wissenschaften gegenüber stehen darf. _ Eine Weltanschauung will — so fuhr er fort — erkämpft und erlebt werden, sie ist aber nicht zu erlernen. Man hüte sich vor orthod. Zelotentum, wie vor atheistischem Pfaffentum. Die Traditionell- Gesetzestreuen, die sich dem Zionismus anschlvssen, haben das Vertrauen zu der Kraft der Wahrheit ihrer jüd. Weltanschauung, daß sie sich innerhalb einer Organisation, die auf der jüdischen Tradition, so sie auf Existenzberechtigung und Zukunft Anspruch erhebt, aufgebaut sein muß, dnrchringt. Wie die Neologie durch die Taufe, so verliert die rein konfessionelle Orthodoxie durch die Assiniilation ihre Jugend — und der Zionismus, der gegen die Taufe und gegen die Assimilation wirkt, hat bereits bewiesen, daß er jüdisch erhaltend ist. Das Baseler Programm entspricht nicht dein Ideal der Misrachisten; aber das Baseler Programm ist der Ausgangspunkt der ziou. Bewegung, und auch die zion. Bewegung muß ihre natürliche Entwicklung durchmachen. Unsere alten Weisen haben sich, wie verschiedene Stellen im Talmud beweisen, die Erlösung des jüdischen Volkes als eine allmähliche vorgestellt. Die Errichtung einer rechtlich-gesicherten Heimstätte in Palästina ist ganz im Sinne unserer alten Weisen, die das Wiederwohnen des jüd. Volkes in Palästina als eine Vorbedingung für das Kommen der messianifchen Zeit lehren. Redner ging in seinen» ejnstündigen Vortrage des weiteren auf die Einzelheiten der Geschichte der zionistischen Bewegung und des Misrachi ein; auch beschäftigte er sich mit der Resolution, die vorige Woche die in Marburg versammelten traditionellgesetzestreuen Rabbinen bezüglich des Zionismus faßten; er wies dabei auf den Widerspruch hin, der darin liegt, im ersten Teile der Resolution eine Stellungnahme für oder gegen den Zionismus nicht für möglich zu erklären und im zweiten Teile der Resolution doch Stellung zn nehmen. Dem beifällig aufgenommeneir Vortrage schloß sich eine längere Diskussion an, die Professor Wehl, der Vorsitzende der Misrachi-Ortsgruppe, leitete und aus der einige Ausführungen wiedergegeben seien. I. L. Goiteilt findet es eigentümlich, daß — nachdem die zion. Bewegung 12 Jahre besteht — die Rabbinen immer noch erklären, sie nicht genügend zu kennen und deshalb kein klares Urteil fällen zu können. Die Resolution in Marburg sei nicht von der Versammlung abgefaßt worden, sondern am Mittwoch sei die Diskussion wegen vorgerückter Zeit abgebrochen worden, und Donnerstag früh wurde dann der Versammlung eine fertige Resolution vorgelegt, über die nur mit „Nein" oder „Ja" abzustimmen war. Prof. Weyl findet das Ergebnis der Marburger Versammlung als nicht ungünstig, und zwar im Hinblick auf den Wortlaut der Resolution, der eine prinzipiell religiöse Gegnerschaft nicht zum Ausdruck bringt, und dann im Hinblick auf die Tatsache, daß eine erhebliche Minorität (ungefähr 40°/°) gegen die Resolution stimmte. Merkwürdig sei der Wortlaut der' Resolution; der Zionismus als Ganzes wird besser behandelt, als der Misrachi, der gerade das religiöse Moment energisch vertritt. Auch den Misrachisten sei das Religiöse das Erste, und die zion. Führer mögen daher gewarnt sein, mit dem religiösen Jener nicht zu spielen. Redner weist auf den gewaltigen Rückgang des religiösen Judentums hin; Gemeinden, in denen noch vor wenigen Jahrzehnten 10 und 20 Privatleute das jüdische Schrifttuin durch und durch kannten und stets weiterstudierten, haben heule nicht ein Mitglied mehr, das nur einen Satz im Talmud lesen kann; auch seien ihm aus der Provinz zahlreiche Fälle bekannt, daß Väter, die den Samstag beobachten und um keinen Preis die Speisegetze übertreten würden, ihre Kinder gleich in am Samstag geöffnete Geschäfte tun; die Herren Rabbinen sollten deshalb froh fein, daß durch den Zionisnius wieder jüdische Begeisterung geweckt wird. Nicht überall lügen so gesunde religiöse Verhältnisse vor, wie in Frankfurt und Hainburg. In den religiös verwüsteten Gegenden Deutschlands besonders könne der Misrachi eine die Wirksamkeit der gesetzestreucn Rabbiner lebhaft unterstützende und die noch nicht ganz abgefallene Jugend erhaltende und anfeuernde Tätigkeit entfalten. Es sprach ferner Martin L e v i g a r d in eindringlicher Weise, ivie wir es von ihm gewohnt sind, für den Misrachi, und Dr. Feuchtwanger, der es bedauerte, daß es infolge verspäteter Benachrichtigung von Marburg her dem Zentralkomitee in letzter Stunde nicht mehr möglich gewesen sei, noch einige Vertreter des Misrachi an die Marbnrger Rabbincrversamnrlung zu deputieren. Köln n. Rh. In einer Sitzung des Engeren Aktionskomitees, die am 27. Dezember 1908 in Köln unter Vorsitz des Präsidenten D. Wolffsohn- Köln stattfand, wurden eine Reihe von Projekten beraten und den zuständigen Jnstttutioncu der Partei überwiesen. Eine Sitzung des Großen Aktionskomitees wurde auf den 15. und 16. März nach Köln einberufcn. In dieser Sitzung werden wohl auch Ort und Zeit des neunten Zionistenkongresses bestimmt werden. Hamburg. Die zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona veranstaltete am 26. Dezember in sämtlichen Räumen des Logenheims eine Chanukaferer durch einen K o st ü in b a l l im Rahmen eines „Volksfestes in P alästina". Die Vorbereitungen hatte ein Vergnügungsausschuß unter Leitung von Frarr Dr Halpern und Frau Dr. V i ltor übernommen. In den mit orientalische» und zionistischen Ernblemen ausgestatleten Räumen sammelten sich mehrere Hundert Teilnehnrer. Den ersten Teil bildeten Vorträge, unter denen die von Herrn Oberkautor Rosenblatt künstlerisch vorgetrageneu Lieder in jüdischer Mundart besonders großen Beifall fanden. Daran schloß sich ein von 16 jungen Damen aufgeführter orientalischer Schleiertanz. Nach- Beendigung der Vorträge entwickelte sich ein buntes Palästinajahrmarktstreiben. Deir Mittelpunkt bildete ein „Harem" mit türkischem Casö und eine Orient- Bar. Außerdem waren noch verschiedene Verkaufsbuden, sowie eine Tonibola aufgestellt, deren Hauptgewinne in Bezalelteppichen bestanden. Reichen Absatz fand eine von Hermann Struck eigens zu dieser Veranstaltung gezeichnete Festpostkarte. Erst gegen Morgen schloß das Fest, das zur allgemeinen Zufriedenheit verlief, und für die Ortsgruppe einen erheblichen Ueberschutz ergab, der für die verschiedenen Palästinainstitutionen bestimmt ist. Posen. Die Ratronal-jüürsche Frauen. Vereinigung veranstaltete ein Kinderfest, welches sich überaus reger Beteiligung zu erfreuen hatte. Mit dem Gesänge des Liedes „Mit vollem Klang aus froher Brust" zog eine fröhliche Kinderschaar, etwa 170 an der Zahl, mit ihren Angehörigen in den mit blarr-weißen Fahnen geschmückten Saal. Das Fest wurde durch einen von einer Borstandsdame. Frau F. Lubinski, sehr sinnreich verfaßten und einem jungen Mädchen mit tief empfundenen Worten vorgetragenen Prolog eingeleitet. Nach dem Anzünden der Menorah. hielt Herr Lehrer Auerbach eine dem Kindergemüt angepaßte Ansprache, in welcher er den Kindern die ruhmreichen Taten der Makkabäer vorführte, dann auf die Lichtgestalt Theodor Herzl's und sein Wirken für sein Volk hinwies nnd die Kinder zum treuen Festhalten an ihrem Judentum ermahnte. Bei der darauf folgenden Kaffee- resp. Chokoladentafel wechselten Reden ernsten und heiteren Inhalts. Eine Vorstandsdame dankte den Kindern für das fleißige Sammeln von Materialien und regte zn neuer Sammeltätigkeit an, indem sie den Kindern den Zweck der Sammlungen wieder vor Augen führte. Ein Singspiel, Solotanz, Jargonlieder, sowie die Erlaubnis, noch 1 .Stündchen zu tanzen, erhöhte die Festesfreude. Mit dem Gesänge „dort wo die Zeder" endete das schöne, wohlgelungene Fest. Mit Freude konnten wir an der Zahl der Besucher nnd Neuanmeldnngen konstatieren, daß von seiten des Publikum's der zionistischen Jugendproganda immer größere Sympathie entgegengebracht wird. .V: ~ : «■■»).*' Antwerpen. Von der Emwerbunasferrr des Neubaus der hiesigen jüd. Realschule, die glänzend verlies, hatten wir Antwerpener Misrachisten noch unsere besondere Freude. Herr Sally Wolfs, dessen Optimismus und ungewöhnliche Energie wir das prächtige Werk verdanken; ist einer der unsrrgen, ebenso wie der Direktor der Anstalt, Herr Dr. Mrrkin. In seiner Rede legte Herr Wölfs auch die Notwendigkeit der Arrstalt aus nationalen Gründen dar und wies auf die jüd. Renaissancebewegung hin. Besondere Freude hatten wir auch von der Rezitation der Heine'schen Romanze „Belsazar" in der hebräischen Uebertragung des Herrn Direktor Dr. Mirkrir; ein nennjähriger Knabe trug das Ge- -dicht so fein nrranziert vor, daß alles begeistert war. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Am 3. Januar hielt der Verein „T i f e r e s B a ch u r i nt" seine diesjährige Generalversammlung ab, die nur schwach besucht war. Der Vorsitzende, Herr Herm. Goldschmidt, verlas nach Eröffnung derselben den Jahres - und Kassenbericht, aus dem hervorging, daß der Verein bei einem Mitgliederbestand von 128 (i. V. 135) mit einem Plus von gegen Mk. 20 abschließt. Der Besuch war im allgemeinen befriedigend, die Besuchsdurchschnittsziffer betrug 35 (35). An Vorträgen wurden 17 gehalten, außerdem am 28. 1. OS. ein größeres Vereinsfest. — Verschiedene Vorschläge aus der Versammlung zwecks Reduzierung der unverhüllnismäßig hohen Portoausgaben werden dem neuen Vorstand zur Prüfung übergeben. Der Verein ist dem Burid gesetzestreucr jüd. Jugendvereinc beigetreten; Herr Goldschmidt hat als Delegierter dem ersten hier kürzlich abgehaltenen Bundestage beigewohnt, über welche Tagung er kurz berichtet. Als Punkt 2 standen Neuwahlen auf der Tagesordnung. Leider sah sich der höchst verdienstvolle erste Vorsitzende ans privaten Gründen genötigt, fein Amt niederzulegen, desgleichen schieden Herr Sally Weil und Laz. Horovitz ans dem Vorstand aus. Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: 1. Vors.: Emil Gortlreb, 2. Vors.: Georg F r e u d e n st e i«, Schriftführer: I. Ginsberg, Kassierer: S. Posen, Beisitzer: W. Rosen. Fraukfurt a. M, 7. Jan. „Monte fr ore"- Berein. — In seinem gestrigen Bortrage „Ansgewählte Kapitel aus der Kunstg e s ch i ch t e" beschäftigte sich Privatdozent Dr. Hülsen mit de: jüdischen Kunst. Die Frage, ob es eine jüdische Kunst gibt, bejaht Referent; jüdische Kunst sei alles, was innen und außen wahrhaftig ist und nicht gegen den jüd. Geist verstößt. Auch die Frage, ob man sich vom Standpunkte des Judentums aus mit der Kunst beschäftigen soll, beantwortet er bejahend, da das altjüd. Schrifttum erneu ausgeprägten sirrrr für Aesthetik bekundet. Bei anderen Völkern wolle die Kunst an Stelle der Religion erbauen, bei uns Juden aber nehme sie nicht die Stelle der Religion ein. Aus den wcitererr Ausjühruiigerr des Redners sei noch hervorgehoben, daß er den styl der neuen Synagoge an der Friedberger Anlage für rmjüdisch erklärte. B. Frankfurt a. M., 7. Januar Im Verein „Nachlaß Zwi" sprach gestern Abend Professor Dr. E. Fink über das Thema „Naturwissenschaftliche Hypothesen im Lichte jüdischer A n s ch a n rr rr g". Er beleuchtete die Kant- Laplacesche Theorie (Nebularhypothese), die Lehre Darwins und Häckels nnd kurz das Wichtigste der Geologie und der Anthropologie und zeigte, wie hier überall das, was rnr Widerspruch zu den Auffassungen des Judentums steht, vor einer ernsten Prüfung nicht standhält. Auf den Inhalt des Vortrags näher eirrzngehen, muh verzichtet werden, da irr diesem Vortrage jeder Satz von Bedeutung war und eine kurze Wiedergabe zur Unklarheit führen müßte. Frankfurt a. M. Bon turn Bornande der Bereinigung zur Pflege von Literatur und Geselligkeit wird uns mitgeteilt, daß der Verein am 24. Januar, abends 8 Uhr, im Festsaale der Alemannia, Schillerplatz 4—6, einen Ansfnhrnngs- und Rezitations-Abend des bekannten und besonders hier in Frankfurt so beliebten Dichters Rudolf Presber veranstaltet. In freundschaftlichstem Entgegenkommen hat der Dichter das Programm selbst zusammengestellt und seinen Einakter „H e r b st z a n b e r" dem Verein zur Aufführung freigegeben. — Wir nehmen es als gutes Zeichen, daß die von dem Verein im Vorjahre veranstalteten Referat- und Rezitationsabende sich so großer Beliebtheit erfreuten und erhoffen auch für diesen Fest-Abend das Interesse weiter Kreise. Eintrittskarten ä Mk. 2 und Mk. 1 sind beim Vorstand erhältlich (Herm. Frank, Uhlandstr. 48, Karl Isaak, Hölderlinstr. 5, Gcrbr. Plant, Schntzenstr. .2, Alfred Ledermann, Weiherstr. 6). Der Reinertrag des Abends wird für die vom Erdbeben Betroffenen in Süd-Italien abgefnhrt. 4780