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Neue jüdische Presse · 1908-09-18 · Heft 37 (18.9.1908) · p. Seite 13

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 37 (18.9.1908)
Date
1908-09-18
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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Seite 13. Nr. 37. Frankfurter FsraelitiDes Fcmnlienblakt. Prag. Am 7. ds. Mts. fand hier unter dem Vorsitze Oberlehrers Springer die 35. Hauptversammlung des „Israel. Landeslehrerverein in Böhmen" statt. Raghvarad iUngarn). Rabbiner Benjamin Fuchs in Nagy - Joka, Sohn unseres Oberrabbiners, wurde zum Rabbiner in B ö s i n g und Rabbiner Josef Rubin st ein, Nesse unseres Oberrabbiners, zuni Rabbiner in V i t t e n c gewählt. Kiew (Rußland). Die Statuten der „H i l s s g e s e l l s ch a s t für j ii i>. Lehrer u n d M e l a m d i m" haben die behördliche Genehmigung erhalten. Die Gesellschaft will beschäftigungslosen und arbeitsunfähigen Kollegen hiljreich zur Seite stehen. Sie gewährt zinslose Darlehen, juridische und medizinische Hilfe und veranstaltet pädagogische Kurse; auch wird sie eine pädagogische Zeitschrift herausgeben. Sprechsaal. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) In Heft 4 der Monatsschrift „P a l ä st i n a" erörtert Dr. med. R a h e l S t r a u ß - M ü n ch e k „Frauenarbeit in Palästina" in einem ans Selbstbeobachtung begründeten Artikel. Sv instruktiv dieser ist, so vollständig man den Vorschlägen . zustimmen kann, welche die Verfasserin zur H :!V> diese Doppel-Brochoh ). v. v. , . . der palästinensischen Frau und Frauenfrage j imyien die>e Brochoh, welche absolut nichts Progranrm — genial aus führt. Der Verfasserin ist doch so gut wie mir bekannt, daß hie talmudische Aera und spätere Zeiten rabbinisch und profan gelehrte Frauen aufweisen und — bewundern. Daß es übrigens heutzutage, in der Epoche der bedeutsamsten Frauenbewegung, gewichtige Stimmen, von Männern und Frauen gibt, welche der jener talmudischen analogen Meinung sind, daß eine tote beim Mann gleich weitgehende Wissens bildung der Frau nur für die ausnahmsweis und bevorzugt Begabten gut und möglich ist, weiß die vereheliche Verfasserin besser als ich. Ich persönlich werde, so sympathisch und hochachtungswert mir die moderne Frauenbewegung als Ganzes ist, mich überhaupt hüten, in diesem Punkte mich näher auszulassen; es sei denn — um nicht feige zu scheinen — daß ich mich zu der Meinung bekenne: in der Frauenbildung muß und sollte diejenige der Empsindung und der p r a k t i s ch e n Kenntnisse vom Hause und von der Erziehung unbestritten vor dem Buchwissen präpondericren, — eine Meinung, mit welcher ich mich sicher in Uebereinstimmung mit der geehrten Verfasserin befinde. 4. Auf die landesübliche Bemängelung der für beide Geschlechter verschiedenen und entsprechenden Brochoh (Benediktivnen) im Morgengebet brauche ich hier wohl nicht näher einzugehen — in einer Zeit femininer Männer und soit disant emanzipierter Mannweiber! Man hätte ja für unsere Zeit diese Doppel-Brochoh s. v. v. extra erfinden und und so sympathisch diese Vorschläge berühi bei den „Allerkleinsten" einsetzen, für welche gerinne n" — oder Pflegeanstalten? — gefor werden, „die durch Belehrung und Tat die Mutter unterstützen", — — so enthält doch die in Rede stehende Abhandlung der Vers, einen Passus, welcher von gesetzcstren-jüdischer Seite nicht unwidersprochen bleiben kann. Der Passus nämlich: daß „lt nsere Religion ja durchaus den Mann bevorz u g t". z Ich will nrich hier nicht auf Doktorfragcu eiulassen, wie etwa: ob es zutreffend sei, das- „Judentuin", so die alle Lebensmomente uinfassendc jüdische Lebensauffassung und jüd. Lcbenssatzung, als „Religion" im üblichen Sinne zu bezeichnen. Vielleicht teilt die akademisch maturierte Verfasserin die hierauf bezüglichen Ausführungen von Samson Raphael Hirsch nicht. Sicher aber kennt sie diesen „modernsten" aller gesetzestreu-jüdischen Judentum-Forscher hinreichend — oder sollte ihn soweit kennen .— um überzeugt zu sein, daß jener Passus von der Bevorzugung des Mannes jedenfalls theoretisch, d. h. dem Sinne der jüd. Gesetzcslehre nach, wenn nicht auch in praxi, sehr unzutreffend ist. Jener von der orthodoxen Verfasserin leider adoptierte Passus gehört ja zu dem eisernen >— man wäre versucht zu sagen: Alteisen- — Bestand von hergebracht - schiefen Urteilen über Judentum, die in Hirschs Pentateuch-Kommentar und Jeschurun — auch an a. O. u. O. — klassische Abfertigung finden, aber immer wieder auftauchen. Jbid hätte sich die Verfasserin leicht überzeugen können, daß — um die landesüblichen Einwände Revue passieren zu lassen: 1. die (primäre) Befreiung des jüdischen Weibes von einem Bruchteil der an Zcitmomente geknüpften Mizwot keine Zurücksetzung der Frau ist, eher eine Bevorzugung —: weil der Genius der jüdischen Gesetzeslehre voraussetzt, daß das häusliche Walten der jüd. Frau ihr so fortdauernd Gelegenheit zur Beherzigung und Betätigung jüdischer Ideen gibt, daß sie dazu nicht so vieler Symbolgesetze bedarf wie der vom Erwerbsleben z. T. absorbierte Mann, um diese Ideen in sich wach zu halten. Meinerseits glaube ich, daß der glänzendste Beweis für diese Auffassung gerade darin liegt, daß es just ein Teil der in bestimmten Zeitmomenten geforderten Mizwot ist, welche der Frau erlassen sind, .weil — wie ich erwähnen niöchte — die jüdische Frau zu Zeiten, insbesondere in ihrem Mutter - Wirken Pflichten übt — und das jüdische Mädchen für solche Pflichten erzogen werden soll! — welche der jüd. Gesetzesgeist so hoch wertet, daß vor ihnen jener Teil der Mannes-Symbolhandlnngen zurückzutreten hat, s. v. v. überflüssig wird. —;- 2. Die traurige Verwechslung von „jüdisch" und „orientalisch" ist ferner doch auch von andern als Hirsch längst xmal zurechtgewiesen worden. Die Verfasserin hätte daher getrost sich dahin entscheiden dürfen, daß an dem gegenwärtigen Stand der jüdisch-palästinensischen Frau nur der Einfluß des „orientalischen Milieu", event. auch die — Galutnot, die Schuld trägt, aber sicherlich nicht „unsere Religion". Die Verfasserin hätte dies m. C. um so sicherer konstatieren können und müssen, weil der Satz von der Bevorzugung des jüdischen Mannes nicht nur theoretisch falsch ist. |3._ Gewiß verschweigt der Talmud auch die Auffassung nicht, daß eine selbst im rabbinischen Schrifttum allzugroße Bildung der Frau vom Uebel sei. . Dem halten aber entgegenstehende Meinungen die Wage, wie das Hirsch s. A. — soweit ich mich im Augenblicke erinnere in einem Frankfurter Schul- -ilderes besagt, als: 1. Was heute keine ernstzunehmende „Frauenchtlerin" mehr bestreitet, daß nämlich die Sphäre oer beiden Geschlechter verschieden ist, so heiß umstritten und — dehnbar auch ihre Grenzgebiete sein mögen. Und 2., daß jedweder in seiner Geschlechts- Sphäre sich zufrieden fühlen oder geben soll und in ihr „nach Gottes Willen zu leben gelobe." (Letzteres heißt: „boruch" in Hirschischer und gut-rabbinischer Auffassung!). — — Schließlich möchte ich sogar die Behauptung nicht unterdrücken, daß die Verfasserin bei ihrer Palästina- Reise wohl leicht hätte eruieren können und isicher erfahren hat, daß durchschnittlich die unbemittelte j ü d. Frau auch in Palästina höher steht als die ökonomisch gleichsituicrte nichtjüdische Orientalin. Ich glaube, diese Behauptung, die ich aus einem Analogieschluß aus der Stellung der russisch-polnischen unbemittelten Judcnsrau deduciere, wohlgemut wagen zu können. — Da, wo den Mann wirklich sein „Lernen" „adele", krönt die Frau ihre Hauswirksamkeit. 6. Mit der Konstatierung dieses relativen Vorzuges der jüdischen Frau auch des Orients wird natürlich das Verdienst keineswegs geschmälert, das der Abhandlung der Verfasserin zukommt, welche die positiven Schäden der palästinensischen Jüdin beleuchtet, diagnostiziert und zu beheben anstrebt (siehe dabei die Absichten des jüdischen Frauen-Verbands für Palästina). — M ü uche n. I. T a l m i d o. Bunte Chronik. Gelegentlich des 50 jährigen Todestages des H u m o r i st e n M. G. S aph i r, der — nebenbei bemerkt — in seinem 38. Lebensjahre zum Protestantismus übertrat, sei folgende Stelle seiner Memoiren wiedergegebeu: „Ich muß bei meinem Großvater anfangen, damit verbindet sich sonderbarerweise der Name Kaiser Josefs. Den Namen Saphir hat mein Großvater angenommen, als auf Befehl dieses Kaisers die Israeliten Familiennamen annehmen mußten. Mein Großvater hieß Israel. Als die Verordnung der Familiennamen ins Werk gesetzt wurde, berief ihn zu diesem Behufe der damalige Stuhlrichter, dem dieses Geschäft oblag, zu sich und fragte ihn, tote er heißen wolle. Mein Großvater wußte es anfangs selbst nicht, doch da er einen Siegelring als Erbstück an seinem Zeigefinger trug, in dem ein Saphir saß, so sagte der Stuhlrichter: „Heißen Sie sichSaphir." Und so geschah es. Allein noch in interessanterer Beziehung verknüpft sich das Andenken an meinen Großvater bei mir mit Kaiser Joseph. Es war;ein großer, stattlicher, Ansehen gebietender Mann. Noch steht er inr Geiste vor mir. Haar und schneeiger Bart gaben ihm ein ehrwürdiges, eine Adlernase und zwei feurige, blitzende Augen ein patriarchalisches Ansehen. Er trug einen großen breitkrempigen Hut und einen großen Stock mit silbernem Knopf, so daß er einem französischen Maire nicht ganz unähnlich war. Er lebte früher in Scor, einem ganz kleinen Ort, ebenfalls jenseits Stuhlweißenburgs. Er lebte, wie die Jsraeliten-Lilien jener Zeit lebten, die nichts säeten, nichts spinnen und die der liebe Gott Merkur doch nährte. Er >var reich, sehr reich. Ursache genug, daß ihn die Bauern seines Ortes haßten. Denn heute kam Jerencz und hatte kein Geld und ließ sich von ihni Geld auf seine nächste Weinfcchsung geben. Morgen kam Jozsi und ließ sich von ihm Geld auf seine nächste Schafwolle geben, übermorgen kam Miska und ließ sich von ihin Geld aus seine nächste Kornernte geben usw. Wenn aber die Zeit kam, wo der Wein gekeltert, die Wolle geschoren und das Kor» eingesührt war, da wollten«Ferencz und Jozsi und Miska kein Geld bezahlen, aber auch keinen Wein, keine Wolle und kein Korn an den „zsido" geben, sondern dasselbe an andere für bares Geld verkaufen, und da wurde der „zsido" geflucht und beschimpft und verlästert, — und so kams, daß in einer schönen Nacht das Haus meines Großvaters brannte und niemand löschte und niemand löschen durfte. Und Ferencz und Miska glaubten, das Schuldenbuch des „zsiito" wäre auch verbrannt, es war aber nicht so. v Mein Großvater baute das Haus am Csorer Bache wieder auf, —> und siehe da, es brannte wieder, zufällig, ganz zufällig, und alle, die löschen sollten, lachten zufällig, ganz zufällig. Und meine Großmutter nahm ihre zwei Kinder auf den Rücken, und mein Großvater nahm etwas Solideres, nämlich einen großen Sack voll Dukaten und Edelsteinen, und warf ihn heimlich in einen tiefen, verfallenen Brunne», der in seinem Garten war, und sie ließen Haus und Hof brennen. Sie bekamen in ganz Csor kein Obdach, und sie wanderten in finsterer Nacht, nur schwach von der Helle des brennenden Häuschens beleuchtet, sie wanderten die Nacht durch, abgebrannt mit zwei kleinen Kindern, und sie wanderten bis Stuhlweißenburg, und sie pochten ans Tor und jammerten und die Kinder winselten, und sie erhielten zur Antwort: „Ein zsiito darf in der Nacht nicht in dieser königlichen Freistadt sein." Da ließ mein Großvater sein Weib und seine Kinder in den» Hause seines Fischers vor her Stadt, bei dem er stets Fische kaufte und sagte zu ihr: Ich gehe gegen Wien.; Sie fragte: Zu wem willst Du da gehen in Wien? Und er sagte: Ich weiß schon, zu wem ich gehen werde, — zum Kaiser Joseph. Und er kam nach Wien, und er kam bis zum Kaiser Joseph. Die Persönlichkeit meines Großvaters war gewinnend und imposant, sein Wesen gerade und offen, und er mußte sich wohl Verdienste erworben haben. Der Kaiser Joseph kannte ihn. Er hatte wohl bei Rekrutierungen, bei Militärspitälern, bei Regulierung der sogenannten Tolcranzgelder (er war Steuereinnehmer im Komitat) sich Verdienste gesammelt. Ich weiß cs nicht mehr so genau, aber es genügt, daß. er zurückkam und vom Kaiser Joseph die dazumal kaum glaubliche gnädige Auszeichnung bekam, sich in der königlichen Freistadt ansässig zu machen. Mein Großvater kehrte mit diesem Gnadenbriefe Kaiser Josephs zurück. Mlein jetzt, wo es ihm freistand, da zu wohnen, sagte er: „Ich will nicht da wohnen," und er zog nach Lovas-Bereny, -nachdem er in einer günstigen Nacht seine Dukaten holte und in Lovas-Bereny ein neues Haus zu gründen begann." Meine Herren, das war keine Kleinigkeit! Denken Sie nur, ich hatte mich total vec- EM stiegen; über mir Felsenschroffen, unter mir ein Abgrund von hundert Metern und ke'ne Möglichkeit, vor- oder rückwärts zu kommen. Zwanzig Stunden Hab' ich so aushalten müssen und es war nur ein Glück, daß ich eine MD Schachtel Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen M in der Tasche hatte, ohne die ich keine Tour HM unternehme. Die haben mich nicht nur vor Durst bewahrt, denen danke ich's vor allem, EM daß ich ohne schwere Erkältung davongekommen bin. Fays ächte Sodener muß man auf jede Hochtour mitnehmen. Man kaust fie für 85 Pfg. per Schachtel in allen Apotheken, Drogerien und Mineralwasserhandlungen.

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