Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 37 (18.9.1908)
- Date
- 1908-09-18
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37 Seite 11 Dies kann vielmehr nur Aufgabe eines besonderen Unternehmens sein, das über die nötigen fachmännischen Kräfte und vor allem über reichliche Mittel verfügt und sich mit denr Aufkauf und der Vorbereitung von größeren Landflachen für Siedlungszwecke speziell befaßt. Wenn es auch wahr ist, daß zur völligen landwirtschaftlichen Erschließung Palästinas viele Hunderte Millionen erforderlich sind, die für uns vorläufig unerreichbar sind, so ist es doch andererseits sicher, daß die P. L. D. C. schon jetzt Bedeutendes leisten könnte, ioenn sie das statutarisch vorgesehene Anfangskapital von Lstr. 50 000 besitzen würde. In allen Kulturländern hat sich das Terrain- und Parzellierungsgeschäft — richtig geleitet — als ein rentables erwiesen, und zweifellos wird es auch in Palästina seine Lebensfähigkeit beweisen. Der durch die Wiederherstellung der türkischen Verfassung dem Orient bevorstehende wirtschaftliche Aufschwung dürfte wahrscheinlich diesen Erwerbszweig am meisten begünstigen, weil sich in der Regel die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes vor allem in dem schnellen Steigen seiner Bodenpreise äußert. Der rechtzeitige Erwerb großer Terrains ist aber nicht nur eine vom rein geschäftlichen Standpunkt große Gewinnchancen bietende Maßregel, sondern zugleich auch eine nationale Notwendigkeit, der zu gehorchen Pflicht eines um feine Zukunft besorgten Volkes ist. Wir richten daher an alle treuen Zionsfreunde den dringenden Mahnruf, mit denr Erwerb von Shares der P. L. D. C. jetzt nicht länger zu zögern. Ebenso erwarten wir, daß unsere Gesinnungsgenossen, die bisher nur Inhaber einzelner oder weniger Aktien sind, ihren Aktienbesitz entsprechend ihrem Vermögensstande recht bald erhöhen werden. Unsere Anhänger mögen sich darüber klar sein, daß es sich im vorliegenden Falle um keine Spenden, sondern um eine wirklich durchaus sichere und voraussichtlich auch recht rentable Kapitalsanlage handelt, die einem großen nationalen Zwecke dient. Unsere aktiven Gesinnungsgenossen mögen sich ferner bewußt sein, daß der energische Vertrieb von Shares der P. L. D. C. ftir uns die wich-, tigste Aufgabe der Gegenwart ist. Hoffen wir, daß unser heutiger Mahnruf nicht unerhört verhallen wird. Im Aufträge des vorbereitenden Komitees, gez. O. Marburg. Berlin, den 13. Sept. 1908. Aufstellung der bis zum 1. September 1908 für die Palästiue Land Development Company eingegangenen Zeich- Land nungen. Betrag Zahl der Ritßland Lstr. 1216 Aktionäre. 665 Deutschland „ 970 278 Rtimänien tt 345 106 J.-Oesterreich tt 236 36 Galizien tt 208 96 Holland ft 156 23 Böhmen tt 110 42 Bukowina tt 60 40 Belgien tt 52 9 Schweiz tt 41 14 Süd-Afrika tt 40 4 Serbien tt 35 3 Ungarn tt 28 13 Bulgarien tt 27 7 Verein. Staaten tt 20 4 Italien tt ' 13 3 England tt 27 4 Egypten tt 10 2 Dänemark tt 5 1 Canada tt 2 1 Palästina tt 2 1 zusammen Lstr. 3613*) v. 1352 Akt. *) Die Aktie kostet Lstr. 1 Mk. 20,50 Kr. 24,25 Frcs. 25,25 Rbl. 9,60. FmnMLr FsraEsM NyMßnbWt. Zahlstellen unserer Gesellschaft sind: The Jewish Colonial Trust, London, E. C. Walbrook, Brook House. Bankhaus A. H. Heymann & Co., Berlin NW. 7, Unter den Linden 59. I. L. Goldberg, Wilna (Rußland). Sammelstelle des jüdischen Nationalfonds für Oesterreich, Wien IX., Türkenstraße 9. Marmorosch, Blank L Co., Bucarest, fiir Rechnung des Jewish Colonial Trust, London. Bankierskantoor van Lissa & Kann, Haag. Budapest. Dr. Wilhelm Totis. Vorstandsmitglied der autononien orthod. jüd. Gemeinde und Vizepräsident der orthod. Ctzewra-Kadischa, ist — erst 57 Jahre alt — nach langem Leiden verschieden. Köln. Leopold E Manuel erhielt den Titel Kommissionsrat. New-Aork. Henry SBotf, ein aus Eckwersheim im Elsaß gebürtiger Jude, genießt den Ruf, der bedeutend st eHolzgraveur Amerikas zu sein. Hiesige Kunsthändler beabsichtigen, demnächst eine Ausstellung seiner Werke zu veranstalten. Ans der zionistischen Bewegung. Personalien. Frankfurt a. M. An ihrem 78. Geburtstage verschied im Hause ihres Schwiegersohnes Professors Dr. Fink Frau Rabbiner Therese Thalmann geb. Hamburger, Witwe des Klausrabbiners Thalmann in Karlsruhe. — Dr. Phil. Adolf Brüll, Herausgeber der „Populär-wissenschaftl. Monatsblätter zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen", ist nach langem Leiden verschieden. Er war ein Sohn Rabbiners Nehemias Brüll, der 1870 als Nachfolger Abraham Geigers nach hier berufen wurde und 1891 hier starb. Bis vor einigen Jahren war der Verstorbene als Oberlehrer am hiesigen Philanthropin tätig. Berlin. Fabrikant Karl Leopold Netter, Seniorchef der Firma Wolf, Netter u. Jacoby in Straßbnrg re., bekannt durch seinen Wohltätigkeitssinn, erhielt den Roten Adlerorden 4. Kl. Frau Geh. Kommerzienrat Henriette Becker feierte ihren 75. Geburtstag. Frau B. ist eine Philanthropin großen Styls; von ihren Schöpfungen und Stiftungen seien hier genannt: die Hochschulknrse, der Verein „Franenbildung — Frauenstudium", die Gartenbauschule in Königsberg, die Stiftung für den Neubau des israel. Waisenhauses, für das Altersheim der jüd. Geineinde in Königsberg und für das jüd. Siechenhaus der Provinz Ostpreußen. Die Ausstellung für jüdische Kunst in Berlin verdankte ihr ihr Zustandekommen. — > Geh. Sanitätsrat Dr. Bar sch all erhielt den Kronenorden 3. Kl. — Wie die ,.Allg. Ztg. d. Indent." berichtet, gehört Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Henoch, der jüngst sein üOjähriges Jubiläum als außerordentlicher Professor beging, längst nicht mehr dem Judentum an. In diesem Falle hat also auch nicht die Taufe zur ordentlichen Professur verholsen. München. Am 11. September feierte der Nestor der Münchener Orthodoxie, Herr Moritz Feuchtwan g e r, seinen 80. Geburtstag. Der Jubilar erfreut sich in allen Kreisen der Bürgerschaft der größten Hochachtung und wurde daher auch von allen Seiten auf das Höchste geehrt. Bis vor wenigen Jahren war er in der israelitischen Gemeinde-Verwaltung tätig und hat hier jederzeit die Interessen der Orthodoxie auf das Wärmste wahrgenommen. Sein Hauptarbeitsfeld war und ist jedoch die Chewrah Kadischah, in welcher er seit nahezu 40 Jahren das Amt eines Vorsitzenden in mustergültigster Weise bekleidet. Jeder Bedürftige findet stets bei ihm ein geneigtes Ohr und bis vor kurzer Zeit versäumte er nicht, sich stets bei den Beerdigungen persönlich zu beteiligen. — Allein sein Wirken beschränkt sich nicht auf München allein; seit 35 Jahren ist er alljährlich Kurgast in Reichenhall, und was er hier für die mittellosen Kranken leistet, das wissen nur diejenigen, die den Badeplatz besuchen, richtig zu würdigen. — Neben den vielen Ehrungen, die ihm am Jubiläumstag zu Teil wurden, .sei besonders diejenige des Stadt-Magistrats München hervorgchoben; in Begleitung eines höchst ehrenvollen Glückwunsch-Schreibens ließ derselbe ein prachtvolles Rosenbouquet überreichen. Breslau. Dem berühmten Augenärzte, Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Hermann Cohn, ist am Freitag den 11. September, dem zweiten Jahrestage seines Hinscheidens, ans seinem Grabe im israelitischen Friedhöfe an der Lohestraße ein Denkmal errichtet worden, zu welchem Baurat Stiaßny in Wien den Entwurf angefertigt hatte. Zürich. Im Alter von 50 Jahren verschied Professor Dr. Moritz Guggenheim, der erste und einzige jüdische Gymnasiallehrer in Zürich. Radnitz (Böhmen). Im Alter von 75 Jahren verschied der Seniorchef der Firma I. L. Popper, Herr Leopold Popper. Der Verstorbene war der Präsident der Israel. Beerdigungsbrüderschast. Tabor in Böhmen, 13. September. Heute verschied hier im Alter von 68 Jahren der um die hiesige jüdische Gemeinde hochverdiente langjährige Gemeindevorsteher. Herr Philipp Gutmann. Derselbe war Mitglied der Repräsentanz der Landesjudenschaft des Königreich Böhmens, Stadtverordneter, Mitglied des Bezirksschulrates und der Bezirksvertretung und in den letzten Jahren Ehrenvorsteher der jüdischen Gemeinde. Zizkov bei Prag, 14. Sept. Heute starb hier Herr Simon Weiß, Holzhändler, einer der Begründer unsrer blühenden jüd. Gemeinde. Der Vcrstorstorbene gehörte dem Vorstande derselben bis zu seinem Tode als Kassierer an. . Frankfurt a. M. -Bei der Expedition des Frkft. Jsr. Fmbl. gingen für den Nationalfonds ein: Josef Oppenheimer 2,— Ja Josua Schur 1,— „ B. N. Salkind zuin Jahrzeittage 18. Elul seines seligen Vaters 2,— „ Frau Bertha Hirsch, Homburg v. d. H.: Staniol. 6,— M. 6- 3,25 8,40 2,60 28,- 3,50 3,oo Im Frankfurter Büro des Jüd. Nationalfonds, Grünestraße 29, gingen ein: Frau Selma Sondheimer, ein Oelbanm im Herzlwald Zum 14. September 1 Oelbaum im Herzlwald auf den Namen von Henni Frohmann Sally Noßbauin Nathan Sondheimer Gebr. Geis Fritz Sondheiiner S. H. Goldmann Abr. Lewisohn Berlin. Mitteilungen des Zentralbüros der Zion. Bereinigung für Deutschland. — Das vor kurzem erschienene Zionistische LlBC-Buch hat einen wider Erwarten großen Erfolg gehabt, sodaß jetzt, 3 Monate nach Erscheinen, bereits der größte Teil der Auflage vergriffen ist. Das Werk hat in der Presse eine Beachtung gefunden, wie sie bisher noch selten einem jüdischen Buche zu Teil geworden ist. In allen Besprechungen wird die Einzigartigkeit des Zionistischen ABC-Buchcs hervorgehoben und der Vorzug, den das Buch als Jnforinationsquelle für jedeir Juden besitzt, der sich für die modernen sozialen und politischen Probleme der Judenheit interessiert/ Für alle diejenigen, die an der neuen Gestaltung der Verhältnisse in der Türkei Anteil nehmen, ist das Zionistische ABC-Buch geradezu unentbehrlich, da es eine vollständige undpopulär gehaltene sieb erficht der gesamten türkischen Rechtsverhältnisse bietet. Mit Rücksicht ans den sehr kleinen Rest der Auflage bitten wir dringend, Bestellungen an das Zionistische Zentralbürv, Berlin - Charlottenbnrg, Bleibtreustraße 49 (Preis 2,75 JL drosch., 3,50 JL gebunden, zuzüglich 30 Pfg. resp. 60 Pfg. Porto, für mehrere Exemplare Paketporto) umgehend aufzugeben, damit das Werk für die Winterpropaganda noch genügend ansgenutzt werden kann. Eine Neuauflage ist vor Ende nächsten Jahres nicht zu erwarten. Aus den Vereinen. Basel. Der Verein zur Förderung des gesetzestreucn Judentums in der Schweiz veranstaltet Sonntag den 20. September, nachmittags 2i/2 Uhr in Zürich int großen Saale des Kaufmännischen Vereins seine ordentliche General- Versammlung. Der Tagesordnung geht ein Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. A. Cohn-Basel über: „Monismus und Judentum" voraus. Gäste, auch Damen, sind willkommen. Aus der Lehrerwett. Wiesbaden. Am 13. ds. Mts. weilten hier die Herren Rabb. Dr. L a n d a u - Weilburg und Dr. Weingarten- Ems zu einer Abschiedsseier des am 1. Oktober in den Ruhestand tretenden greisen Rabbiners und Gelehrten, Herrn Dr. Silberstein. Herr Dr. Landau feierte seinen Kollegen ccks Gelehrten und Verfasser religiös-pädagogischer Schriften, und Herr Dr. Weingarten hob in seiner Ansprache die Kollegialität seines Freundes hervor. Beiden dankte Herr Dr. Silber st ein und versprach. weiterhin Freundschaft seinen Amtsgenossen zu bewahren. — Lberlahnsteim. Dem Beispiele der meisten Gemeinden im ehemaligen Herzogtum Nassau folgend, kaufte nunmehr auch unsere Knltusgemeinde die hiesige jüdische Lehrerstelle in die Ruhegehaltskasse der Kommunalbeamten des Regierungsbezirks Wiesbaden ein. — Diese erfreuliche Tatsache ist auch von den Gemeinden Herborn und Langenschwalbach zu berichten. — Vivat sequentes! Genf (Schweiz). Oberrabbiner Ernst Gins» b u r g e r, bisher Direktor der israel. Religionsschulen in Paris, ist zum Rabbiner unserer Gemeinde gewählt worden. Der Gewählte wurde 1875 in Hericourt (Haute Saone) geboren und besuchte das Rabbinerseminar in Paris.