Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 6 (1908)
- Issue
- Heft 29 (24.7.1908)
- Date
- 1908-07-24
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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M 1t. 29 des Frankfurter UmekWm MMmklattes. Nationnlfondsarbeit. i. Allgemeines. Seit Bestehen des jüdischen Nationalfonds — d. i. seit ungefähr 8 Jahren — ist noch nie eine so entschiedene Wachstuinstendcnz bei ihm z» merken gewesen, wie im letzten Jahre. Diese erfreuliche Erscheinung ist freilich nicht auf stabile Ursachen zurückzuführen, sondern erstens der intensiver durchgcsührten Agitation seitens der Sammelstellen, zweitens dem Umstande zu verdanken, daß viele Zionisten ihre Beitragsleistuug für den N.-F. infolge vielfacher, meistens unberechtigter Ursachen in den vorhergehenden Jahren eingestellt hatten. So wie cs nun der heiße Wunsch jedes einzelnen Zionisten ist, Zeuge eines raschen und sichern Anwachsens des jüdischen Nationalfonds zu sein, so ist es Pflicht aller jener, die von einer zionistischen Organisation mit einem Na'tionalfondsamte betraut sind, stabile Grundlagen für das Wachstum des N.-F. zu schaffen. In jedem Lande bieten aber andere Verhältnisse andere Arbeitsmöglichkeiten. Und' ein erfolgreiches Arbeiten bedingt genaues Studium der Verhältnisse des Landes und seiner Bewohner. Deshalb können keine allgemeinenArbeitsregeln für die verschiedenen Sammelstellen aufgestellt werden; und, wenn im nachfolgenden ein Bild der Tätigkeit der Wiener S a m m e l st e l l e geliefert wird, kamt und soll dainit nicht gesagt sein, daß eine etwa anderswo anders eingerichtete Tätigkeit nicht auch ihre Früchte tragen kann. Vorausgeschickt fei der Schilderung nur, daß die Sammelstelle Wien sich nicht nur mit der Agitation für den N.-F. und der Verrechnung und Abführung des für ihn eknlaufenden Geldes befaßt, sondern auch rein Palästina-kulturelle Zwecke (Kiriath, Sefer, Oelbaum, A. P. C., L. D. C.) in das Gebiet ihres Arbeitsfeldes einbezogen hat. In der Sammelstelle Wien ist das Prinzip der Arbeitsteilung vollständig dnrchgeführt, und die geleistete Arbeit ward bis vor kurzem ausschließlich von freiwilligen Mitarbeitern geleistet. U. Agitation. Das große Feld der Organisationen und Privatpersonen, bei denen die Agitation für den N.-F. einsctzen kann, hat sich die S.-St. Wien, um einerseits die Ucbersicht nicht zu verlieren, andererseits die Wirkung der Agitation nicht zu mindern, dahin eingeteilt, daß für jeden einzelnen in Betracht kommenden Faktor die passende Gelegenheit gefunden wird, um ,an ihn im Interesse des N.-F. heranzutreten. Selbstverständlich sind wir mit den zionistischen Unterorganisationen (Distrikts-, Nayonkomitees, Einzelvereinen und Vertrauensmännern) in ununterbrochenem Kontrakt, und diese «teilen entziehen uns nicht ihre so notwendige Mitarbeit. Wir versandten an alle K u l t u s g e m e i n d c n Oesterreich-Ungarns samt den; Okkupationsgebiet (mit Ausnahme derer, deren Amtssprache magyarisch ist) ein Zirkular mit der Bitte um Subventionierung des N.-F. Daraufhin sandten 5 Kultusgemeinden (davon 1 in Niederösterreich — nicht Wien —, 4 in Böhmen) ihre sofortige Beitragsleistung und zwei (1 in Mähren, 1 im Distrikt Podolien) versprachen, vom nächsten Jahre angefangen, eine Zuwendung. Mit 4 Kultusgemeindeu sind unsere Vertreter in Unterhandlung. Weiters richteten wir an alle Advokaten Oesterreichs Zuschriften mit der Bitte, bei Ausgleichsverhandlungen in Ehrenbeleidigungsstritten, sowie im Falle der Inanspruchnahme ihres juristischen Rates bei Abfassung von Testamenten ihren Klienten den N.-F. zur Berücksichtigung 'zu empfehlen. Ein Erfolg ist in 4 Fällen bisher zu verzeichnen. Schließlich 'versandten wir an die H' ö ch st best e u e r t e n der Wiener Israel. Kultusgcmeinde das von der Kölner Zentrale redigierte Purimflugblatt (Erfolg 20 Kr.) und werden am Tischo-be-W ein weiteres von Köln bezogenes Flugblatt versenden. In nächster Zeit kommen neue Gelegenheitszirkulare heraus, die wir im Gegensätze zum Gebrauch der amtlich entwerteten N.-F.-Telegrammblankette an Privatpersonen mit der Bitte um Zuweisung einer Spende für den N.-F. versenden werden. Ihr Gebrauch ist bei allen Familienfesten und Trauerfällen vorgesehen. Nach einer Anknüpfung an den besonderen Anlaß wird das Wesen und der Zweck des N.-F. erklärt, und dem Empfänger ein „Gedenke des N.-F." zugerufen. Keine Gelegenheit wird ausgelassen werden, die Zirkulare werdeir besonders angefertigt für: Geburten, Brith- Milah, Bar-Mizwah, Verlobungen, Hochzeiten, Ehejubiläen und Todesfälle. Der Jahrzeitstag Theodor Herzls vcranlaßte uns, im größeren Stile für den Herzlwald zu agitieren. Auch wird Sorge getragen, ein bichtmaschiges Retz für Lokalagitation zu schaffen, und wir glauben, im Vereine mit den D-K. binnen 3 Monaten in jedem für uns in Betracht kommenden, wenn auch noch so kleinen Orte, unsere Vertrauensmänner resp. Lokalkommissionen zu haben. Das im heurigen Jahr gefeierte Regierungsjubiläum des Kaisers Franz Joseph gibt uns wiederum Gelegenheit, zwecks Schaffung eines Kaiser Franz Joseph-Haines in Palästina uns an die jüdischen Landesorganisationen, Kultusgemeinden, humanitären Vereine und die höchstbestcuerten Kreise der jüdischen Bevölkerung zu wenden. Im Hinblick darauf, daß wir die Tagespresse mittels ihrer Ausweise als Stachel benutzen können und mit Rücksicht darauf, daß man mit der Eitelkeit gewisser Kreise und dem Bestreben, ihre patriotische Gesinnung bei jeder Gelegenheit öffentlich zu dokumentieren, rechnen kann, braucht uns um den Erfolg dieser Agitation nicht bange zu sein. H. K-r. (Fortsetzung folgt.) Aus den Vereinen. Karlsruhe. Der Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen hat es laut seinem soeben erschienenen Jahresberichte in seiner letzten Generalversammlung abgelehnt, ein Waisenhaus zu bauen, da die Erziehung in Familien sich bewährte. Die Generalversammlung erörterte ferner die Frage, unter welchen Umständen auch Kindern, die das 14. Lebensjahr bereits überschritten haben, die Unterstützung weiter gewährt werden könne. Es wurde beschlossen, die Beihilfe immer dann fortzusehen, wenn die Pfleglinge einen technischen Beruf (als Handwerker, Näherinnen ufw-j 'ergreifen wollen, und in solchen Fällen mit dem zuständigen Handwerkerverein in Verbindung zu treten. Der Verein war inr qbgelaufenen Berichtsjahre abermals in der glücklichen Lage, allen berechtigten Anforderungen wegen Aufnahme von Waisenkindern in Pflege oder wegen Unterstützung von solchen, die bei Verwandten bleiben konnten, entsprechen zu können. Es sind im vergangenen Jahre in Vereins- Fürsorge 16 Kinder ausgenommen und 21 Kinder entlassen worden. Von den in Fürsorge verbliebenen 90 Kindern sind 7 in Pflege bei geeigneten Familien untergebracht, 1 Knabe wird mit Unterstützung des „Vereins zur Förderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Israeliten des Großherzogtums Baden in Karlsruhe" in Ahlem ausgebildet, 1 Knabe weilt im Landesstist in Karlsruhe, 2 Knaben erlernen die Kaufmannschaft, und die übrigen sind unter Gewährung von Erziehungsbeitragen bei ihren Eltern, Müttern bezw. Verwandten verblieben. Der Etat balanziert mit Mark 31970,60; das Vereinsvermögen beträgt 247 000,99 Mark. Worms. Der Israelit. Unterstützungsverein hat in seinem 47. Vereinsjahr 2117 Personen mit 4793 Jk unterstützt, 210 Personen mehr als im vorhergehenden Jahre. Die Zahl der ausländischen Hilfesuchenden ist so ziemlich dieselbe geblieben, dagegen haben sich die Bedürftigen aus der Gemeinde und aus der nächsten Umgebung ganz erheblich vermehrt, — ein Zeichen der Verschlechterung der Erwerbsverhältnisse. Aus der Lehrerwett. Frankfurt a. M. Vakanzen. — Lambsheim in der Pfalz (4200 Einwohner, 19 jüd. Familien), Lehrer, Vorbeter und Schächter per sofort oder später, 700 Jk, freie Wohnung, 800 bis 1000 Jk Nebenverdienst. — Trabelsdorf bei Bamberg (200 C., 15 jüd. F.), Lehrer, Vorbeter und Schächter per bald, 700 Jk, freie Wohnung und Heizung, 3—400 Jk Nebenverdienst. — Eberbach in Baden, Hilfsvorbeter für die hohen Feiertage. — Braunfels a. d. Lahn (1600 E), 1300 Jk Gehalt. — Hechingen in Hohenzollern (4400 E., 82 jüd. F.), Lehrer und Vorbeter, 1400 Jk Anfangsgehalt (2400 Jk Höchstgehalt), freie Wohnung, 1000 Jk Nebeneinkommen. — Nordheim a. d. Rhön (1200 E., 15 jüd. F.), 1100 Jk Gehalt. Köln a. Rh. Die Stadtverordneten bewilligten dem hiesigen jüd. Lehrerseminar einen jährlichen Zuschuß'von 1500 Jk Dieser Zuschuß wird bereits vom 1. Llpril ab gewährt. Würzburg. Zum Beginn des neuen Schuljahres wird Dr. M. Braun schweig er, seit 44 Jahren Lehrer am hiesigen Israelit. Lehrerseminar, i.n den Ruhestand treten. Hamburg. In Kisstngen. wo er zur Kur weilte, verschied an einem Herzschlage Dr. Joseph He i n e m a n n, Oberlehrer an der hiesigen Talmud- Thora - Realschule. Paris. Die vorige Woche unter dem Vorsitz des neuen Großrabbiners Alfred Levy stattgehabte Generalversammlung des französischen Rabbinerverbandes war von 33 Mitgliedern besucht. Für die weite Oeffentlichkeit hatte die Tagung diesmal besonderes Interesse, weil man einen Beschluß in Sachen der Ehereform erwartete. Glücklicher Weise ist die Angelegenheit durch den Einfluß eines Laien beeinflußt worden. Während der Verhandlungen erschien nämlich Baron Edmund Rothschild, um als Präsident des Konsistoriums her Versammlung die Grüße dieser Körperschaft zu überbringen und sich zugleich über die geplanten Chereformen zu äußern. Baron Edmund setzte den Herren auseinander, daß er auf seinen Reisen während des letzten Jahres wahrgenommen habe, daß die reformatorischen Absichten der französischen Rabbinen im.Kreise der gesamtenJu den heitnichtange nehmberührt hätten; namentlich habe ihm der Chief-Rabbi in London nach dieser Richtung überzeugende Mitteilungen gemacht. Der Baron bat die Rcchbiner, ihre Kraft der Erhaltung des traditionellen Judentums zu widmen, nicht aber aus dem Wege der Reformen und Aenderungen immer weiter zu schreiten. Obgleich der Grand-Rabbin in seiner Erwiderung sich den Anschauungen des Barons nicht anschloß, wurde doch der Beschluß gefaßt, unter prinzipieller Aufrechterhaltung der Reformdekrete ihre Ausführung bis nach nochmaliger Prüfung zu berschieben. St. George« beiDreßburg. Rabbiner Samuel Rosenbanm verschied im 78. Lebensjahre. Er wird in Preßburg an der Seite seines großen Vaters, des einstigen Rosch-beth-din der Preßburger jüdischen Gemeinde, beigesetzt werden. „Montefiore"-Vereiu. Mittwoch, den 29. Juli: Herr Alfred Berger über „Amerikanische Wirtschaftsbilder". n H kf ■ I vi 11 H k Nationale Lehrkräfte. — Englisch, 'Französisch eto. I Eröffnet ■Bin 18. Juli 1008 Hotel Luitpold Cafe Luitpold Vergnügungs-Etablissement Luitpold Bar Luitpold Kaiserstrasse 64 und Taunusstrasse 35 in nächster Näne d.es HanptToali nli ofs. Direktion: lernik. 4785