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Neue jüdische Presse · 1908-01-31 · Heft 5 (31.1.1908) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
6 (1908)
Issue
Heft 5 (31.1.1908)
Date
1908-01-31
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 5. 2er Vortragende betonte am Schlüsse die Pflicht besonders der Mütter, >sich, mit den ernstcil Fragen der Gegenwart zu beschäftigen/um ihren Kindern belehrend und in schweren, zweifelsvollen Stunden helsend und beratend zur Seite stehen zu können. Damit leisten sie dein Judentum unvergleichliche Dienste. Frankfurt a. M., 30. Verein „Montefiore". In seinem gestrigen Schlußvortrage beschäftigte sich Herr Rabbiner Dr. Lazarus mit dem Verhältnis des Judentums zum C h r i st e n t u m. Zn diesem Zwecke mußte er die Entstehung des Christentums, die in die behandelte Geschichtsperiode fällt, beleuchten und sich vor allen Dingen mir der Person seines «tifters beschäftigen. Von der Person Jesus wissen merklvürdiger Weise weder jüdische noch nichtjüdische Quellen jener Zeit etwas. Die einzige Quelle ist die Stelle im Tacitus: „Als damals jener Christus Tumulte hcrvorrief". Aber das Bild Jesus hat'im Neuen Testament viel zu viele persönliche Züge, als daß seine Historizität geleugnet werden könnte. Uns als Juden muß vor allem seine Stellung zum Judentum oder — wie es bei den christlichen Theologen heißt — zum Gesetz interessieren. Das Neue Testament berichtet, daß Jesus Zizzis (Schaufäden) getragen, das Osterlamm nach Borschrist gegessen und am Schabbos die Synagoge besucht hat; auch sagt er im Neuen Testainent, daß er nicht gekommen sei, um das Gesetz aufzuhcbcn, sondern damit es erfüllt werde, und er warnt davor, nur ein Wort "des Gesetzes nicht zu beobachten, «eine Differenzen in der Erfüllung des Gesetzes sink» nur wie die Her Schule Hillcls zu der strengen Auffassung der Schule Schainmais. Das Wort Abraham Geigers ist richtig, daß Jesus keinen Gedanken ausgesprochen hat, den nicht schon die Pharisäer gehabt hatten. Es liegt die Frage nahe, wieso unter diesen Umständen Jesus den Kreuzigungstod erleiden mußte. Das jüdische Volk sehnte sich nach einer nationalen Erlösung, und Jesus trat als nationaler Erlöser auf; das Volk konnte also kein Interesse daran haben, den zu hassen, der ihm Erlösung bringen wollte. Anders aber das hcrodianische Herrschergeschlecht, das in jeinein Interesse ein selbständiges jüdisches Reich nicht wünschte und deshalb init den römischen Obcrherrschern paktierte, — und der römische Prokurator, dem allein das Recht über Leben und Tod zustand, ist es dann auch geivesen, der Jesus als politischen Verbrecher kreuzigen ließ. Jesus Anhänger verließen das Land. Im Auslande konnten sie aber mit einem nationalen Messias nichts beginnen, und so mutzten sie die religiöse Seite der Messiasidee hervorkehren. Das Christentum ist also nicht in Palästina, sondern außerhalb Palästinas entstanden. Das beweist auch die Abfassung des Urtextes des Neuen Testaments in griechischer Sprache und seine Abhängigkeit von der Septuaginta. Der wirkliche Stifter des Christentums ist Saulus aus Tharsns, ein Schüler Gamliels des Jüngeren. Saulus (Paulus) hob die Bcschneidung auf und erklärte das Gesetz für unverbindlich. Er kam auch den heidnischen Anschauungen geistig näher, indem er Jesus als Gottes Sohn erklärte. Johannes erklärte dann Jesus für den sleischgewordenen .Logos (der Gott mit der materiellen Welt verbindet), und so entstand mit dem heiligen Geist das Dogma der Trinität. Jesus ist als Christus nur der Erlöser des Einzelnen, der Erlöser dessen, der an ihn glaubt. Jin Judentum aber ist der Messias der Erlöser der Menschheit und wird erst dadurch auch der Erlöser des Einzelnen. So hat das Christentum eine J»dividual-Ethik, das Judentum eine Sozial-Ethik. Wenn wir auf den interessanten Vortrags-Zyklus zurückblicken, so müssen wir konstatieren, daß uns rethorisch, stylistisch und stofflich erstklassige Vor¬ Franksurter Israelitisches Familienblatt. träge geboten wurden. Mit der Grundidee, die sich durch die Vorträge zog, init der Idee, daß wir Juden als eine religiöse Sekte aus dem babylonischen Exil zuriickkehrten und als solche nur die Aufgabe behielten, den Universalismus zu lehren, sind wir jedoch nicht einverstanden. Hätte der Vortragende da recht, dann hätte cs keinen Sinn gehabt, daß Esra und Nchemia unsere Vorfahren aus dem babylonischen Exil zurücksührten, auch würden sich dann die fortgesetzten nationalen Befreiungskämpfe unserer Vorfahren nicht erklären lassen. Und wenn Redner am Schlüsse seiner Ausführungen sagte, daß ivir im Hinblick auf 'die geistigen Werte des Judentums trotz unserer religiösen Verschiedenheit eine feste Einheit bilden sollen, so gestatten wir uns an ihn die Frage, wie anders er sich diese Einheit als auf der nationalen Grundlage denken kann. Soviel für heute; wir werden auf das Thema noch eingehend zurückkommen. Berlin. Jü d i sch e L eseballe und B ib lio» t h e k (Vorsitzender: Dr. Max Ginsbcrg). Dem 13. Jahresbericht entnehmen wir: Im Lesezimmer liegen ständig 7t jüdische Zeitungen, und zwar 36 deutsche, 6 -englische und amerikanische, 7 hebräische, 11 jüdischdeutsche, 3 französische, 2 russische, 2 polnische, 2 rumänische und 1 bulgarische aus. Der Bücherbestand ninfaßt 6081 Bände jüdischen Inhalts, die sich auf folgende Fächer verteilen: Belletristika 951, Kulturgeschichte 322, Hebraiea 897, Literaturgeschichte 182, Philosophie und "Religionswissenschaften 251, Kultus, Ritus, Gebetbücher 216, Geschichte 568, Philologie 133, Erziehungs- und Unterrichtswesen 126, Biographien 151, Philoscmitica 357, Antisemitiea 31. biblische Literatur 229, rabbinische Literatur 212, Erbauungs-Literatur 233, Zeitschriften 661, Schriften über Vereine 279, zionistische Literatur 103, Kirche, Mission 38, Varia 62. Bon diesen 6031 Bänden waren im Berichtsjahre 2811 — nahezu 50°/o — ausgelichen! Die Bibliothek tvurde 1761 mal von 327 verschiedenen Entleihern in Anspruch geuommen. Die Frequenz der Lesehalle stellte sich auf 23171 Personen. Die Mitgliederzahl des Vereins hat sich ans 101, die Summe der Einnahmen ans 6109 ,K. erhöbt, denen Ausgaben von 1717 ,IL gegenüberstebeu. Pose». Der Jüd. Männergesanaverein feierte letzten L-amstag Abend sein 2. « t i f t n n g s - fest unter Mitwirkung der Kapelle des 5. Fußartilleric-NegiincntS und der Kouzertsäugeriii Hedwig Berggruen-Kristeiler, der Tochter des Vereinsdirigenten Musikdirektor B e r g g r u e n. Die Festansprache hielt "der Vorsitzende Arnold B a s ch , in seiner Ansprache seiner Freude über die Anwesenheit des Gemcinderabbiners Dr. F e i l ch c n f e l d und Frau Gemahlin besonders Ausdruck gebend. Dem Feste, das ein überaus gelungenes war, wohnten 700 Personen bei. Posen. Jüdische Lesehalle. Tee deckte Jahresbericht legt von einer erfreulichen Entivicklung Zeugnis ab. Die Bibliothek wuchs von 620 auf 770 Bände, die ausliegenden Zeitungen von 19 auf 26, die Zahl der Besucher von 2758 auf 3213 (davon 1152 Besucher die Lesehalle, die übrigen den Leihverkehr in Anspruch nehmend). Die jüdische Gemeinde versagte bisher der so segensreich wirkenden Institution die Förderung. Der Bericht schreibt hierüber: „Als die Repräsentanten- Versammlung im Anfang dieses Jahres ein Gesuch um Subventionierung unserer Lesehalle wiederum ablehnte und an den Vorstand das Ersuchen richtete, eine eigene Gemeinde-Lesehalle einzurichten, haben wir im Interesse der Sache dem Vorstand das Anerbieten gemacht, die bestehende Lesehalle in Gemeindeverwaltung zu übernehmen. Die Verhandlungen sind, wie aus den Anlagen ersichtlich, an dem Widerstreben L-eite H des Vorstandes gescheitert, für die Fortführung der Lesehalle in völlig neutralem, tendenziösen Sinne vollgültige Garantien zu bieten. Nachdem durch eine» neuerlichen Beschluß der Repräsentantenversammlung der Plan, neben unserer Lesehalle noch eine besondere Gemeinde-Lesehalle zu errichten, fallen gelassen worden ist, dürfen wir wohl hoffen, daß man sich nunmehr zur Subventionierung der bestehenden Institution entschließt. Stratzburg. Der Jüdische Turnverein hat sich in den zwei Jahren feines Bestehens in allen Kreisen der jüdischen «yuipathie erworben und ist ständig an aktiven und passiven Mitgliedern gewachsen. Der Verein hatte bisher gegen Bezahlung die Turngeräte der isracl. Gewerbeschule, erhält aber demnächst unentgeltlich von her Stadt seine Turngeräte. Tie jüngst stattgehabte Generalversammlung des Vereins ergab folgendes Wahlresultat: H. Bickart (1. Vorsitzender), E. Strauß (2. Vorsitzender), Juli u s W e i I l und R. B a d e r (Schriftführer), F e r d. Meyer und Marcel Bloch (Turnwarte), Bär, <2 c l i g m a n n und Bauer. Czarnikau. Im Verein fürjüdischeGeschichte und Literatur, hielt am Mittwoch den 23. d. Mts. unser allverehrter Herr Rabb. Dr. Wey l einen Vortrag über „M o sai sch-talm udi sch e Bestimmungen der Realität im Kauf und B e r k a u f." Der Vortrag wurde mit großem Beifall anfgenominen. Die hiesige z i o n i sti f ch e O r t s g r n p p c . von der ich s. Z. berichtete und große Erwartungen daran knüpfte, steht leider auf dem Aussterbeetat. Durch einige zionistische Vorträge könnte der Verein wieder ins Leben gerufen ivcrdcn. Im Interesse der guten. Sache wäre es sehr zu wünschen, >venn einige Herren ans dem Zionistenkrcise sich bereit erklären wollten, in nncigeilnütziger Weise hier einige Borträge zu halten. G. Vereins-Kalender. „Moutefiore"-Verein. Mittwoch, 5. Februar, abends 9 Uhr: Musikalisch-deklamatorische Vorträge. Verein Tiseres Bachurim. Sonntag, 2. Februar, Herr Salti Michel: Moses Mendelssohn. Erster Vortrag des Zyklus. Verein „Rachlatz Zwi". Mittwoch, 5. Februar, abends 9 Uhr, im Vereinslokale Schützenstraße 2: Lektüreabend 1111. 3. B. M. Kap. 19, 11 und ff. Bergnügungs-Club junger Lente. lGegründet 1907). Samstag, 1. Februar, abends 91/» Uhr: Außerordentliche Generalversammlung im Hotel König von England, Battonstraße 70 I. , Jüdischer Frauenverein E. B. Mittwoch, 5. Februar, abends 8/2 Uhr, Schützenstraße 12. 2. Lehrgang. Unter Leitung des Herrn I. Roscnhcim. Gebet und Gebete. Disknssion. Gäste (Damen) sind willkommen. Verein für jüdische Geschichte nnd Literatur. Montag, 3. Februar, abends 8% Uhr, in der Frankfurt-Loge, Eschersheimerlandstr. 27. Dr. Jsak Heinemann über „Wirtschastliche Arbeit und ihre Wertschätzung im alten Israel". Feinste Pralines in Original-Packung 90 Pfg. Mk. 1.50 Mk. 3.—. Uebfrauenstpasse 3. Oederwreg 25. Niederlage: Grüneburgweg 3. Mein Spezial-Atelier — für Scheitel und Perücken — befindet sich jetzt Zeit 22, I. _ Joseph Oepen* Jung, Töngesgasse 6. Esslöffel, Messer u. Gabeln 3 Mk. per 6 Paar. 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