Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1915)
- Date
- 1915-01-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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I r N ieitop zu ilt. 1 des fanfeftttk ircaetittfdieu famüienfilflttes. »!l l! 7.1 1 6| 7.1 el 582 Kunst und Literatur. , D i e H a u P t s P r a ch e n unserer Zeit von Ludwig Harald S ch ü tz. Mit einer Einleitung: Die wichtigsten Sprachen der Vergangenheit, sowie mit zahlreichen Schrift- und Sprachproben und einer Sprachenkarte. Frankfurt a. M., Verlag von I. St. Goar. IX, 226 S. Der bekannte Frankfurter Sprachforscher Schütz hat iu dem oben angezeigten Werke die Summe seiner umfassenden Sprachkenntnissc eine»! größeren Publikum unterbreitet und damit sowohl dem Äenner wie dem Laien Mannigsaltiges geboten. Sämtliche Sprachen der Welt — von den bekanntesten europäischen bis zu den nur wenig erforschten der wilden Stämme Afrikas und Australiens — werden in ihren Eigenheiten vorgeführt, die Zusammenhänge dargestcllt, die. charakteristischen Eigenheiten hervorgchoben. Für jede Sprache ist eme Schriftprobe nebst Transskription beigefügt, deren Text irgend ein interessantes Lied, eine Erzählung, ein Gespräch enthält, welches auch einen kleinen Einblick in das Geistesleben des Volkes gewährt, welches die betresscnde Sprache spricht. ' Für die Leser dieser Zeitschrift hat das Buch noch insofern Interesse, als cs natürlich auch das Hebräische behandelt, allerdings in dem Kapitel, welches die wichtigsten Sprachen der „Vergangenheit" vorführt. Immerhin wird erwähnt, daßdas Hebräische „in Palästina noch an einzelnen Stellen gesprochen" wird. ES mag. zugegeben werden, daß es schwer sei, bei der Anordnung des Buches, welches die einzelnen Sprachen territorial von Land zu Land fortschreitend behandelt, eine. passende Stelle für das Hebräische zu finden, doch erscheint es mir richtig, heute schon Palästina als das Land des modernen Hebräischen zu bezeichnen. Hebräische Tageszeitungen erscheinen allerdings auch in anderen Ländern, auch anderswo wird hebräisch gesprochen, aber ein hebräisches Schulsystem init Volks- und Mittelschulen, ja bald auch mit einer hebräischen Universität, ein hebräisch als Verkehrssprache benutzendes Bankwesen, offizielle Regierungsbekanntniachiingcn in hebräischer Sprache besitzt eben nur Palästina. All das sind für die Leser dieser Zeitung wohlbekannte Dinge, es sollte aber wieder einmal gezeigt werden, daß so vorurteilslose Gelehrte, wie der Verfasser, der sich gerade in Frankfurt a. M. um das Studium der orientalischen Sprachen so verdient gemacht hat, das moderne hebräisch-jüdische Leben nur wenig, kennen. Dabei zeigen gerade die von ihm selbst angeführten Textproben die ungeheure Wandlungsfähigkeit und Elastizität des Hebräischen, das sich mit Leichtigkeit allen Zeiten und Knltnrformen anpaßt. Für das älteste Hebräische wird die bekannte Inschrift aus dem Bau des Siloah- Tunnels bei Jerusalem angeführt, und zwar eine genaue Reproduktion her .Felseninschrift in ihrem gegenwärtigen Zustande, eine Uebertragung in moderne hebräische Schrift, eine - Transskxiption in. lateinischen Buchstaben und eine Ucbersetznngsprobe. Das Hebräische, 2600 Jahre später, wird iu einer Probe ans Rosenbergs Hebräischer Konversationsgrammatrk geboten, nämlich ein Eisenbahngespräch. Zur 8kot könnte man dieses Gespräch, in welchem moderne Bezeichnungen wie Bahnhof, Billete, Raucheoups u. dergl. Vorkommen, auch lateinisch oder alt - griechisch wiedergeben, das würde aber nur eine antiquarische Spielerei sein. Daß aber derartige Gespräche täglich von Leuten aller _ Berufe und Altersklassen geführt werden, beweist bc»er als alle theoretischen Abhandlungen, daß es sich hier um eine lebende. Sprache handelt, die noch dieselbe ist, wie sie vor 2600 Jahren gesprochen wurde. In einer späteren Auflage dürste der Verfasser, der z. B. den Dialekt Pidgeon - English behandelt, auch den etwa dieselbe Stellung einnehmenden sog. Jargon der russischen Juden, das Jüdisch-Deutsche oder Jiddisch erwähnen. Ferner erschiene mir eine kurze Notiz über die beiden Hauptdiatekte des Hebräischen — das Aschke» nasische und das Sephardische — angebracht, zumal die Transskription der Silvahinschrift in dem irsteren, die des Eisenbahngesprächs in dem andern, und zwar ohne jede Erwähnung oder' Begründung des Unterschieds vorgenommen wurde. Trotz dieser geringen Ausstellungen bietet aber das Buch auch dem Laien in philologischen Dingen eine große Fülle von Anregungen, und schon die außerordentlich zahlreichen Text- und Schriftproben allein machen das Buch interessant. Druck und Ausstattung des Werkes lasse» nichts zu wünschen übrig. A. Sch. Färberei Gfebr. Rover, Frankfurt a. M. 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