Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 45 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- Seite 13 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45. Frankfurter JsraüitifHes Familienblatt. Seite 18 Frankfurter BOrserbrfiu eia lfolksgetränk. 1. Bier das schwächste alkoholhaltige Getränk. Das Bier ist dasjenige alkoholhaltige Getränk, in welchem der Alkohol in geringster Menge verkommt. Der Alkoholgehalt des Frankfurter Bttrgerbräns beträgt 3—4% , im Durchschnitt 3Jfc°i0, der des Weins 6-14-6, im Durchschnitt 10°/o und der des Branntweins 25—50% und darüber. Der im Vergleich damit so ausserordentlich geringe Alkoholgehalt unseres Bieres kann bei einem mässigen Genuss desselben dem menschlichen Organismus überhaupt nicht nachteilig sein. 2. Jeder Mensch Alkoholkonsument. Auch bei völliger Abstinenz von alkoholhaltigen Getränken nimmt jeder Mensch durch die Ernährung dauernd Alkohol und alkoholbildende Stoffe zu sich. 3. Die meisten Nahrungs- und Genussmittel alkoholhaltig. Zu den alkoholhaltigen Nahrungs- und Genussmitteln gehören: a) Das Brot, das nach neueren Untersuchungen ganz regelmässig gewisse Mengen Alkohol enthält. b) Gelagertes Obst, Frucht safte und dergl. c) Die sogenannten alkoholfreien Getränke, die nur in sehr seltenen Ausnahmefällen als wirklich alkoholfrei befunden worden sind. 4. Alkohol auch im menschlichen Körper. Die Bildung von Alkohol erfolgt nicht nur durch die den geistigen Getränken zugrunde liegende alkoholische Gährnng, sondern findet auch im menschlichen Organismus selbst statt. Es ist bemerkenswert, dass das Fleisch, vor allem aber auch das Gehirn der Säugetiere, Alkohol in freiem Zustande enthält. 5. Alkohol ein Nahrungmittel. Der Alkohol ist ein vollgültiges Nahrungsmittel, da er Fett ersetzt und Eiweiss schützt. 6, Bürgerbräu ein Volksnahrungsmittel. Mit vollem Recht wird das Bier als Volksnahrungsmittel, als „flüssiges Brot“ bezeichnet. Ein Liter Bürgerbräu enthält je nach seinem Charakter (Hell — Dunkel — Export — Bock) : Trockensubstanz 50—100 Gramm; darin sind enthalten: a) Eiweiss 3-3 Gramm, b) Nährsalze, namentlich phosphorsaure Salze, die für den menschlichen Organismus von grosser Wichtigkeit sind, c) Malzextrakt (Hauptbestandteil der Trockensubstanz), der für Eianke, Rekonvaleszenten und schwächliche Personen als Nähr- und Stärkungsmittel von den Aerzten mit bestem Erfolge empfohlen wird. 7. Nahrungsmittel möglichst auch Genussmittel. Brot ist zwar als Nahrungsmittel viel billiger zu haben, als die gleiche Menge Nährstoff im Bier; doch darf dabei nicht übersehen werden, dass auch das Eiweissbedärfnis des menschlichen Körpers sich dem Kostenpunkte nach in sehr verschiedener Weise decken lässt. Denn das aus Fleischabfällen und dergl. gewonnene Eiweiss ist an sich ebensogut imstande, dem Organismus als Nahrungsmittel zu dienen, wie dieselbe Menge Eiweiss in einem gut zubereiteten Stück besten Fleisches, das natürlich auch erheblich teurer ist als das aus Abfällen und dergl. stammende Eiweiss. Der Kulturmensch braucht eben die Nahrungs mittel gleichzeitig auch als Genussmittel zubereitet, wenn der Körper sie ohne Widerwillen aufnehmen soll. In dieser Beziehung ist daher auch das Frankfurter Bürgerbrän ein das Angenehme mit dem Nützlichen in hohem Masse vereinigendes, nahrhaftes Genussmittel, dessen Bedeutung und Wert besonders durch die eigenartigen Mischungs- und VerbindnngBverhältnisse von Kohlenhydraten, Nährsalzen, Alkohol und Kohlensäure bedingt ist. 8. Unmässiger Biergenuss schädlich. Unmässiger Biergenuss ist unzweifelhaft schädlich. Die schädlichen Folgen unmä-sigen Biergenusses sind aber nicht allein dem darin enthaltenen Alkohol, sondern vor allem der übermässigen Flüssigkeitsznfohr zuzuschreiben. Auch Unmässigkeit im Genuss grösserer Mengen nicht alkoholartiger Getränke, wie Kaffee, Tee, Mineralwasser n. a. fQhrt zu denselben schweren Schädigungen des menschlichen Organismus, wie sie vielfach fälschlich dem Alkoholmissbrauch zur Last gelegt werden. 9, Kaffee und Tee schädlicher als Bier. Bei dem als Ersatz für Bier von mehreren Seiten eifrig empfohlenen Kaffee und Tee kommt noch hinzu, dass sie im Gegensatz zu jenen nicht nur ohne den geringsten Nährwert sind, sondern durch ihren Gehalt an giftigen Alkaloiden auch ohne übermässigen Genuss sehr bedenkliche Schädigungen des Nervensystems zur Folge haben können. 10. Bier von jeher das deutsche Nationalgetränk. Seit den frühesten Tagen ist das Bier das allgemein verbreitete und gewohnte Genassgetränk der Deutschen. Die grössten Geister unserer Nation, Schiller, Goethe und Bismarck, unsere grössten Dichter und Denker, sie alle waren einem frohen Trünke nicht abhold und pflegten des Bacchus und Gambrinus Gaben sich dankbar zn freuen. In unverminderter Kraft hat der deutsche Volkskörper durch alle Jahrhunderte hindurch seine Lebensfrische bewahrt. Achtunggebietender denn je klingt heute der deutsche Name über den Erdkreis. Nur ein durch und durch gesundes Volk vermochte diese Machtfülle nach aussen zu entfalten und den Reichtum an Kulturgütern sich zu erringen, deren wir uns heute erfreuen können. Unsere Vorväter waren keine „Abstinenten“ und wussten nichts von der grämlichen Weisheit derWasserapostel unserer Zeit. „Lehen undleben lassen“ war allezeit ihr Wahlspruch. Ein gesunder Sinn weiss ohnedies auch im Genuss das richtige Mass zu halten, und es ist nicht zu besorgen, dass dieser Sinn uns eines Tages abhanden kommt. In rastlosem Fortschritt sind Technik und Wissenschaft bemüht, die auch dem materiellen Lebensgenuss dienenden Güter zu verbessern und zu veredeln. In rühmlicher Weise kann die heute glänzend entwickelte deutsche Brauindustrie das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, im Verein mit der Wissenschaft bestrebt zu sein, dem Volke stets ein gesundes, nahrhaftes und schmackhaftes Erzeugnis zu bieten. frankfurter Bürgerbräu Rein — Rekommlich — Out. In Flaschen erhältlich in den durch Schilder bezeichneten Restaurationen, in den besseren * Kolonialwarengeschäften u. s. w.