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Neue jüdische Presse · 1907-11-15 · Heft 44 (15.11.1907) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 44 (15.11.1907)
Date
1907-11-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Beilage zu Nr. 44 des Frankfurter Israelitischen FaMMattes. Inhalt der Beilage: Personalien. — Aus d en Vereinen. — Aus der zionistischen Bewegung. —Aus d er^Lehrerw elt. — Kunst und Literatur Bereins-Kalender. — Jüdische Jugend. Personalien. Berlin. Herr Jakob Loewinski und Frau Sara geb. Löweuthal feierten ihre goldene Hochzeit. Berlin. Paul Mamroth, Direktor der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft» erhielt den Charakter als Kommerzienrat. — Kommerzienrat Ludwig Lehmann wurde von der Weber- und Wirkerinnung zu Nowawes zum E h r e n m e i st e r ernannt. Berlin. Staütelekcriker und Privatdozent an der Technischen Hochschule, Dr. Martin Kallmann tvzcrde zum Professor ernannt. Heidelberg. Durch die Großherzigkeit des New- Porker Millionärs Nathan Strauß ist hier ein Milchpasteurisierungsinstitut errichtet worden. Braunschweig. Justizrat Hey mann ist zum N o t a r ernannt worden. Trotzdem es hier nie an jüdischen. Rechtsanwälten sehlte, hatte bisher noch niemals ein Jude das Notariatsamt erhalten. Vielleicht ist die am 11. Juli vom „Verband der deutschen Juden" an die herzogliche Regierung dieserhalb gerichtete Vorstellung acks die Ernennung von Einfluß gewesen. Posen. Zu undesoidelen Magistrats Mitgliedern wurden die Kausleute M. Brandt in Pieschen und P a s ch in R a w i t s ch gewählt. — In Ostrowo feierte jüngst das F a b i s ch S a l z m a n n'sche Ehepaar das ,Fest der'g o l d e n e n Hochzeit. P.une» 11. November. Unter zahlreicher Beteiligung ist heute Herr Simon Marcus zu Grabe getragen worden» der von mehreren Generationen unserer Gemeinde als „Rab Schaja" gekannt undverehrt» am letzten Freitag kurz vor Sabbat- Beginne im ehrenvollen Alter von 90 Jahren ans unserer Mitte geschieden ist. Es ist mit dem Verblichenen ein Stück Geschichte unserer Gemeinde.von uns gegangen, penn sein Leben war mir 'dem religiösen Leben unserer Gemeinde aufs Engste und Innigste verbunden. Jahrzehnte hindurch hat der Verklärte als Bal-Kaure Gottes Wort in der Synagoge verlesen, an dem Jomim Nanroim mit ergreifender Andacht als Bal-Tfilloh fungiert, und unvergänglich sind die Verdienste, die er sich als Mohel in unserer Gemeinde und in ihrem weitere» Umkreise erworben hat. Ganz besonders schmerzlich empfindet auch die Chewra Kadischa den Verlust ihres Vorsitzenden, der mit Liebe und Hingebung ihre Ziele förderte und ihre Tendenzen verwirklichte. Sein Berufs- und Familienleben war geweiht von religiösem Geiste, und so war er ein von Angehörigen aller Bekanntenkreise geschätzter und verehrter Mann. Zahlreich war denn auch bas Trauergefolge, bas dem ehrwürdigen Greise das letzte Geleit gab, und der Schmerz und die Trauer weiter Kreise fand ihren Ausdruck in dem ergreifenden Hesped, den unser Rabbiner, Herr Dr. Grünthal, am Grabe hielt; bewegten Herzens schilderte derselbe das Lebensbild dieses frommen Mannes, dessen Tugenden in unserer Zeit immer seltener werden. Nachdem noch der Sohn des Verblichenen, Herr Hermann Marcus aus Frankfurt a. M., dem verehrten Vater Worte innigen Abschieds zugerufen hatte, wurden die irdischen Reste des allverehrten Mannes in das kühle Grab gebettet. Sein Andenken bleibt aber ein immerdar gesegnetes. Wien. Der deutsche Kaiser verlieh kaiserl. Rat Wilhelm Pollak und Kommerzienrat Albert Herz selb den Krone norden 3. Klasse. - Marienbad in Böhmen. Der gewesene Stadtverordnete und Vorsteher der israel. Gemeinde, Dr. incd. Moritz Lang, ist nach langem schweren Leiden in Wien gestorben und hier, an dem Orte seines segensreichen Wirkens, zur Ruhe bestattet worden. Mäko tllngarn). Im 101. Lebensjahre verschied hier Frau Lea Weiß. Die Frau hatte ihr Lebtag mit der Armut zu kämpfen, ist aber niemals krank gewesen. London. Im Alter von 74 Jahren starb hier Hymann A. Abrahams und im Alter von 76 Jahren in Leeds Maximilian Zossen he im, beide sehr angesehene und tätige Männer im jüdischen Gemeindeleben. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Zu der akademischen Feier des Israel. Hilfsvereins, über dessen letztjährige Tätigkeit wir bereits in voriger Nummer berichteten, hatten fast alle gemeinnützigen Anstalten und Vereine Frankfurts ihre Vertreter entsandt. Im Auftrag des Armenamts sprach Stadtrat Dr. Fl es ch, für den Armenverein Herr Metzger, für die Zentrale für private Fürsorge Herr Polligkeit, für den Verein für weibliche- Fürsoge Frau Dann und Frau Fürth. Die Festansprache hielt Herr Charles Hallgarten, der Vorsitzende. Frankfun a. M. Mittwoch Abend hielt Herr Dr. I. Hülsen im, „Montesiore"-Berein einen Bortrag, der die zahlreich erschienenen Hörer lebhast fesselte. Die klassisch-erhabene Welt der griechischen Architektur ließ der Redner vor den Zuhörern in eindrucksvollen Bildern vorüberziehen und versäumte nicht, jene entlegenen Kulturperioden in Zusammenhang mit unserer heutigen!Kunst Und Kultur zu bringen. So manche Irejsende Bemerkung über künstlerische Kultur überhaupt war in den Vortrag eüigesiochten, auch wurde das Gebiet der griechischen Plastik in Verbindung mit der Architektur mehrfach gcflieift. — Bei dieser Gelegenheit möchten wir nicht unerwähnt lassen, daß die Vortrage des Vereins in diesem Jahre fast regelmäßig einen derartig starken Besuch aufwiesen, daß die Vereinsräume nicht ausreichten. Es ist daher unbedingt nöttg, daß die Vereinsleitung an die Vergrößerung ihres Lokales denkt, wenn sie den Ansprüchen ihrer Mitglieder gerecht werden will. Frankfurt a. M. Der Jahresbericht der Suppenanstalt für israel. Arme zeichnet sich dadurch von anderen Jahresberichten aus, daß er keine Rechnungsablage kennt. Wie groß das Vermögen der Anstalt ist, aus welchen Posten sich die Einnahmen und Ausgaben zusammensetzen — kein Wörtchen erfährt der Leser darüber. Es ist das ein Verfahren, das einer alten, aber deshalb noch nicht guten Gewohnheit entspricht» — und gerade jetzt, da' der Verein mit einem Defizit arbeitet und des erhöhten Interesses des Publikums bedarf, dürfte für ihn der geeignete Moment gekommen sein, mit seiner Besonderheit zu brechen. lieber die Tätigkeit der Suppenanstalt ist selbstverständlich nur das 'Rühmenswerteste zu sagen. 58108 Porttonen wurden von: 1. Oktober 1906 bis 30. Septbr. 1907 an Unbemittelte und Arme verabreicht, und zahlreiche Wöchnerinnen erhielten Kinder- und Bettwäsche, sowie die nötigen Gebrauchsgegenstände. Frankfurt a. M. Der weit bekannte Dolksdichter und Deklamator S. Goldfaden veranstaltete am <Sonntag in der „Loge zum Adler" einen „Jüdisch-musikalischen u. literarischen Abend". Ein zahlreiches Publikum hätte sich'eingefunden, sodaß der weite Saal bis zum letzten Platz besetzt war. Mit großer Spannung lauschten die Zuhörer den Reproduktionen des Mnstlers, die sich aufs glänzendste bewährten und mit stürmischem Beifall ausgenommen wurden. Besonders das Gedicht „Nu, nu" rief nicht endenwollenden Beifall und Bravorufe hervor. Von den andern mitwirkenden Kräften des Abends sind die Leistungen der Herren A. Großkopf 'u. Sali Rosenheimer hervorzuheben. Auch die Klavierbegleitung des Fräulein Sachs war tadellos. Emden. Im hiesigen Montefiore-Berein hielt Herr Referendar Dr. A. Löb vor zahlreich versammeltem Publikum einen Vortrag über .Yehuda Halevi". Die hochinteressanten und belehrenden Ausführungen des Herrn Referenten wurden durch reichen Beifall belohnt. Aus -er zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Kommission für den jüd. Nattonalfonds gingen ein: Materialien von L. Aronsohn, Ob. Atzemer; Hirsch Katz, Musikantenweg; Frl. Johanna Löb, Langestraße; Herrn Eisikmann, Jerusalem; Herr» Hugo Oberdörfer. Aus Büchsen: Karl Herzberg 1,70 M. L. Messerer 1,— „ L. Aronsohn 1,30 „ Frankfurt a. M. Das Bureau des Misrachi ^ür Westeuropa gibt die vorläufige Liste der Vertrauensmänner in Deutschland bekannt. Gesinnungsgenossen werden gebeten, sich mit dem ihnen örtlich am nächsten wohnenden Bertrmlensmamr zum Zwecke gemeinsamer Arbeit, insbesondere zum Zwecke der Schekelsammlung sür die erstrebte Misrachi- Föderation, in Verbindung zu setzen. Berlin w.: Herr Hermann Struck, Brückenallee 33; Beuthen O. S.: Herr Kantor W. A. Loeb; Brcslan VI: Herr Max Kober; Dessau: Herr Kantor Weil; Frankfurt: Herr Saly Geis, Bilbelersir. 4/6; Fulda: Herr Mendel Wertheim; Friedberg, i. H.: Herr Lehrer Ehrmann; Hamburg-Mtona: Herr Dr. Ludwig Franck,' Altona, Blücherstr.; Heidelberg: Herr Dr. Jonas Simon; Kattowitz: Herr Wiener; Kiel: t"err cand. jur. Jakob Möller, Christianistr. 14; eipzig: Herr Julius Ascher i. Fa. H. Lehmann, Promenabestr. 13; Lübeck: Herr Hugo Rotschild, obere Johanustr.; Mannheim: Herr Otto Simon, C. VH. 11; Nürnberg-Fürth: Herr Dr. Js. Bamberger, Nürnberg, Essenweinstr.; Straßburg: Herr Emil Bickhardt, Steinring 12; Stuttgart: Herr Emanuek Kaufmann. Gesinnungsgenossen, die bereit sind, das Amt I des Vertrauensmannes in solchen Städten zu übernehmen, wo der Misrachi noch keine Vertretung besitzt, werden gebeten, sich mit dem Vertrauensmann von Frankfurt in Verbindung zu fetzen. Die außerdeutschen Vertrauensmänner werden demnächst 'bekannt gegeben. Wien. Veranlaßt dnrch eine Beschimpfung des Zionismus, die der getaufte Jude Professor Ar nold, früher Löwysohn, sich in seinem jüngst erschienenen Buche „Das moderne Drama"'zu schulden,kommen ließ, veranstalteten die zionistischen Studenten bei dessen Erscheinen im Hörsaale durch Zischen und Pjeifen eine Demonstration, sodaß er sich gezwungen sah, den Saal zu verlassen. Professor Arnold hatte sich in seinem Buche folgenden Satz erlaubt: „Das jüdische Milieudrama wurde auch von den beiden Erfindern und Impresarien des sogenannten Zionismus Theodor Hcrzl und Max Nordmr gepflegt." Wie». Ein nachahmenswertes Beispiel hat Herr Barnch Cahane aus Plojesti (Rumänien) gegeben, indem er in der letzten Plenarversammlung des Zionistischen Zentralvereines 50,000 F r s. dem Jüdischen Nationalfond testierte. Aus der Lehrerwelt. Düsseldorf. Rabbiner a. D. Dr. Jakob Horowitz, bis zum 1. Oktober 1904 Rabbiner der Krefelder jüd. Gemeinde, wurde während eines von ihm gehaltenen Bortrages vom Herzschlage getroffen und verschied. Zweibrückeu. Der langjährige Zwist zwischen dem Rabbiner Dr. Meyer und der israelitischen Kultusgemeinde Zweibrücken ist nunmehr erledigt. Dr. Meyer wurde von der Regierung seines Amtes als Rabbiner der Gemeinde Zweibrücken enthoben. 8raz. Dr. David Herzog. Dozent an der Prager Universität, wurde als Nachfolger des verstorbenen Rabbiners Dr. Samuel Mühsam zum Rabbiner von Steiermark, Käritten und Krain mit dein Sitze in Graz gewählt. Kuust und Literatur. Diwan des Jehuda Halevi. Eine Auswahl in deutschen Uebertragungen von S. Heller, Abr. Geiger, Michael Sachs, S. Kristeller, A. Sulzbach usw. Herausgegeben von Gustav Kärpeles. 2. Auslage. 180 Seiten. Leipzig 1907. Verlag von M. W. Kaufmann. Die Lieder des jüdischen Dichterfürsten Jehuda Halevi (1086—1140) sind ein.Gemeingut des jüdischen Volles; cm allen Fest- und Trauertagen tönen sie in Israels Gotteshäusern. Wer auch die Liebe, den Wein und die Freundschaft hat er besungen, und es ist gut. wenn wir Juden wissen, wie ein jüdischer Dichter mit wahrhaft jüdischem Empfinden diese drei besungen hat. Gustav Kärpeles ausgewählte deutsche Ausgabe in den besten Uebertragungen kann daher nur warm empfohlen werden., Libanon. DIichtnngen für das jüdische Haus. Gesammelt und herausgegeben von Robert Hirschfeld. Einleitung von Dr. Gustav Karpelcs. Auf Veranlassung der Großloge für Deutschland. Vm. U. O. B. B. 338 Seiten. ./L 4.50. Berlin, M. Poppelauer. Das Buch gereicht der Leistungsfähigkeit des Poppelauer'schen Berlages zur Ehre, denn es repräsentiert sich ungewöhnlich geschmackvoll in Einband und Druck, und der Preis.ist im Hinblick auf das Gebotene ein sehr geringer. Die Geschenlliteratur für Barmizwos hat 'Mit dem Buche eine sehr schätzenswerte Bereicherung erfahren. Briefkaste«. L. B. Newvork zählt 750 000, Chicago und Philadelphia je 80000 Juden. ]Rr. percy Gill’s Jnstitnl Kalsexstnuse 31. -^ Nationale Lehrkräfte. - Engl., Franz., Ital., Sjtan., Russ. Vereins - Kalender. Verein Nachalag Zwi. Samstag, 16. Nov., nachm. 2'Uhr im Hörsaal der Synagoge, Friedbcrger - Anlage, Lektüre und Besprechung S. R. Hkrsch's „Neunzehn Briefe" unter Leitung von Herrn Oberlehrer Dr. J.'H. Bondi. „Mouteftore"-Verein. Freitag, 15. Nov., abends 8% Uhr: Gemütliches Beisammensein. Montag, 18. Nov., abends 9 Uhr: „Leseabend". Mittwoch, 20. Nov., abends 9 Uhr: Musikalischdeklamatorische Borträge. Verein Tiferes Bachuriin. Sonntag, 17. Nov., abends %9 Uhr, Herr Dr. Phil. Mainzer: „Die religiösen Lehrgedanken in den Psalmen."

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