Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 32 (16.8.1907)
- Date
- 1907-08-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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BMW M Nr. 32 des Frallksuiter Israelitischen F milielldlMes. Achter Zionistischer Kongretz. Bericht unseres Spezialforrespondcntcn. Ich komme von Norderney. Norderney, wo mir in einem der jüdischen Restaurants eine Dame die bekannten Worte sagte: „Ich hätte nichts dagegen, wenn meine Kinder sich taufen ließen", worauf ein Herr meinte: „Von der Mischehe allein ist das Heil zu erwarten." Norderney, fast ein jüdisches Bad, wenigstens voller Juden und voller llnjudcntnm. Zwar verspürt man auch dort schon einen frischen Hauch, der vom Haag hinüberwcht, aber im allgemeinen hat die sogenannte jcuncsse isidorce nur für eines Interesse, für Amüsement und sttr Vergnügen. Und nun im Haag: .Inden, echte Juden! Zwar nicht alle Jdealjuden, aber doch mit dem festen Willen, treu zur alten Fahne zu stehen, 'denn eine alte Fahne ist es, um die sie sich scharen. Die Vertreter des jüdischen Volkes, das jüdische Parlament ist im Haag zusammengetretc». Eine Stunde vor Beginn der Sitzung umlagerte eine dichte Menschenmenge das Kongreßgebäude, auf dem die blauweiße Fahne flattert. Freude über das Wiedersehen, gemischt mit dem Ernst, den die Bedeutung des Augen- Llicks erheischt, lagert auf alle Gesichtern. Der riesige Saal mit seinen 3 Galerien, geschmückt mit zionistischen Enblemcn, ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Eine imposante Versammlung. Die Mitglieder des Aktionskomitees erscheinen, jubelnd begrüßt. Lautlose Stille. Der Präsident eröffnet den Kongreß. In schlichten Worten klar und ruhig spricht er. Er spricht über die unverwüstliche Kraft, die im Zionismus ruht. Er kommt weiter ans die Bedeutung Hollands für die Geschichte der Juden, auf den Friedenskongreß, der hier tagt. Er erinnert an die Greuel ,in Rußland, an die Brüsseler Konferenz und spricht die Hoffnung aus, daß das offene Programm, die unverhüllten Absichten der Zionisten schließlich auch von der türkischen Regierung gewürdigt würden. Denn der Zionisnms kann für die Türkei nur Fortschritt und Aufschwung bedeuten. Die drei unverrückbaren Grundlagen des Zionismus sind: Politik, Vorbereitung des Volkes und des Landes. Er berichtet über die Fortschritte, die die Bewegung zu verzeichnen hat. Große Gedanken allein tun's nicht, wenn nicht der Boden vorbereitet tvird. Der Arbeitsplan des Kongresses wird entworfen. Bor allem wird die Organisation, die praktische Palästinaarbcit, die Finanzen, die nationale Erziehung und die innerpolitifche Frage behandelt werden. Im Namen der Stadt Haag spricht Herr de P int o, Präsident des Appellationsgerichtshofes (Reichsgerichts) in längerer Rede seinen Glückwunsch aus. Herr T s ch l e n o w überbriugt die Grüße der palästinensischen Juden. Palästina liefere heute schon den Beweis, daß das Land, das Volk und die Sprache entwicklungsfähig sei. Wolfsohn verliest einen hebräischen Begrüßungsbrief der Gemeinde Haags. Das Wort hat Max Nordan. Da erhebt sich ein Beifalls st n r m, iv i e i ch ihn noch nie erlebt und wie er schwer zu schildern i st. Immer wieder braust es donnernd durch den Saal. Und Nordau rechtfertigt das Vertrauen. In fast cinstündiger glänzender Rede widerlegt er alle 'Angriffe gegen den Zionismus. Immer aufs neue durch tosenden Beifall unterbrochen. Doch als er im Namen ,der 12 Millionen Juden, anknüpfend an den Friedenskongreß, Gerechtigkeit fordert, da steigert sich die Ovation zur Exstase, da springen die tausende von Menschen wie elektrisiert auf und es scheint, als ob sie nicht enden wollte, den mächtig hervorbrechenden Gefühle» Einhalt zu tun. Welche Fülle von geistreichen Antishescn und Schlagworten, in denen französischer und jüdischer Geist sich die Hand reicht. 'Aber wer je diesen Beifall sah, der wird gestehen müssen, daß nur ivenige Redner so gottbegnadet sind, die Menschen so mit sich fortzurcißcn. Die erste Sitzung ist vorüber. Eine Tat ist geschehen. Gerade wir Juden müssen das zugcben, die wir den Gedanken in Gebräuchen und Symbolen verkörpern. Der große Gedanke aber, den der Kongreß zum Ausdruck bringt, der in allen Augen leuchtet und in allen Herzen lebt, das ist der, daß trotz aller Zerrissenheit und Verschiedenheit in Hen Meinungen, trotz Unterschied der Klassen und Stände wir ein einiges Volk sind. Dieser Gedanke inuß und wird sich in die Wirklichkeit umsetzen. Liebermann-Ausstellung Das Lebenswerk Max Liebermanns in 183 Originalwerken im Frankfurter Hunstuerein, Frankfurt a. H. täglich geöffnet von 9Vs—6 Uhr, Sonntags von 10% —1 Uhr mm 7. August bis 6 Oktober 1907. mm losef tz Heinrich Xerz, Kolonialwaren u. Delikatessen Telephon 3662 Griiuelmrgweg 88 Telephon 3662 empfehlen zur Einmachzeit zu billigsten Freisen: Hnt- und Krfstallzucker, Salicyl, Pergamentpapier. Ferner zum Ansetzen: Ia. Weinessig, Korn- und Fracht-Branntwein. Atelier für künstliche Zähne Spezialität ohne Caumen d. h. 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