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Neue jüdische Presse · 1907-08-02 · Heft 30 (2.8.1907) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 30 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Nr. 30 des Frankfurter Israelitischen FaMienblattes. Inhalt der BeUage: Das Geschwisterpaar. — Personalien. — Aus der zionistischen Bewegung. Das Geschwisterpaar. Von S. S 11 c » s k i. fertigt. Ihre Genossinnen umgebe» sie mit einer an Anbetung grenzenden Verehrung. Denn sie hat für jede derselben ein tröstendes Wort, eine zärtliche Geberde. Ich selbst kann mich dem Zauber, der ihrem Wesen entströmt, kaum entziehen. Tun wir, mein Freund, ein Lutes Werk. Verbinden wir als Ehegatten diese beiden, wie siir einander geschaffenen Menschenkinder." „Ich weiß eine Stelle des Tibers," spricht Lisa zu sich, „die tief genug ist. Sic soll mir ein kühles Grab werden." „Mein Herr hat eine scharfe Waffe, ich weiß, wo er sie hält. Meine Hand wird nicht zittern, wenn ich mich durchbohre," ermutigt sich Jouatau. — — Die Nacht ist gewichen. Eine leuchtende Helle durchflutete den Raum. Goldene Lichter huschten vom Mädchen zum Jüngling — und zugleich dringt ein Schrei ans beider Brust, jubelnd, aufjanchzend. „Meine geliebte, verloren geglaubte Schwester!" „Mein teuerer Bruder!" Ein überirdisches Lächeln liegt ans den Gesichtern der sich umschlungen haltenden Geschwister. Es blieb dort als Widerschein des himmlischen Glanzes, den sie sterbend erblickten. — Der befreiende Tod hatte sie sür immer vereinigt. Personalien. Frankfurt a. M. Dem Oberarzt der Hauptabteilung des Städtischen Krankenhauses, Dr. Karl Herxheim er, wurde der Pro fe s s o rtitel verliehen. Berlin. Dozent Dr. Lazarus, der zum llniversitätsprofcssor ernannt wurde, ist in Czernowitz als Sohn des Landessanitütsrates Dr. Lazarus im Jahre 1873 geboren. Er besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und studierte dann in Wien, Heidelberg und Berlin. Zugleich mit _ der Doktorpromotion erwarb er am 30. März 189 < zu Wien die Approbation als Arzt und wurde sofort Assistent bei dem inneren Kliniker Nothnagel. Nach kurzer Zeit ging er aber schon zur chiurgischen Klinik über, wo er bis 1901 Assistent von Billroths Nachfolger Gussenbauer war. Im März 1901 kehrte er dann wieder zur inneren Medizin zurück, als Oberarzt an der Berliner Charitee und Assistent der ersten medizinischen Klinik unter v. Leyden. Wegen seiner wissenschaftlichen Arbeiten wurde ihm 1903 auch die deutsche Approbation erteilt, gleichzeitig wurde er in den preußischen Staatsvcrband ausgenommen. Am 16. März 1903 habilitierte er sich als Privatdozent. Merchingen. Hier starb im hohen Alter von 103 Jahren Frau Karoline Strauß. Sie war gesund bis ans Ende. Breslau. Dem Architekten WalterGrowald ist die Rettungsmedaille am Band verliehen worden. Growald hatte vor einigen Monaten einen Ertrinkenden aus den Fluten der Oder gerettet. Wie». Oberst Alexander Ritter von E i ß wurde zum Generalmajor befördert. Prag. Dem ordentlichen Universitätsprofessor Dr. Guido Goldschmidt wurde der Orden der Eisernen Krone 3. Klasse und dem ordentlichen Universitäts-Professor Dr. Arnold Pick der Titel und Charakter eines H o f r a t e s verliehen. Rom. Prof. Mortara. der Präsident des Appelgerichtes in.• Ancona, ist zum General- Sekretär im Justizministerium ernannt worden. New-Uork. In der Wohnung seiner Schwester Frau Adolphe Loveman verschied nach längerer Krankheit der berühmte Naturforscher Professor Angela Heilperin. Herbert Straus, der Sohn des Staatssekretärs Isidor Straus, vermählte sich mit Therese Kuhn, Tochter des Privatier Edward Kuhn. Aus der zionistische» Bewegung. Wilna. Das „Zentral-Komitee der zionistischen Organisation in Rußland" hat ein Zirkular veröffentlicht, das sich mit den Wahlen zur 3. Duma beschäftigt. Das Zentral-Komitee fordert die Vereine und Mitglieder der Organisation auf, an den Wahlen tätigen Anteil zu nehmen. In dem Zirkular heißt es: „Unser Programm bleibt wie bisher, wie es der Helsingforer Kongres formuliert hat: Kämpfend sür die Demokratisierung der Staatsgesetze fordern wir die Gleichberechtigung und die Anerkennung der jüdischen Nation und ihrer Sprache, die Vertretung der Minderheit, das Recht auf Sabbatruhe und das Zusammenrufen einer allrussischen jüdisch-nationalen Versammlung." Nach einem Midrasch. Das ewig Schreckliche war geschehen. Die Mauern Jernsalems niedergerissen, der Tempel zerstört, das Heiligtum geschändet, die.Edelsten des Volkes Juda, an Titus Siegeswagen gefesselt, nach Rom geführt. — — — — — — — Die Waffen ruhten, und die Römer, stolz auf den Sieg, sonnten sich im Freudentaumel. Nun lag sie am Boden die Mächtige, gebrochen war ihre Kraft, die Adlerschwingen gelähmt. Auf einem Felsen an der Tiber saßen die Freunde Cajus und Clodius, zwei vornehme Römer, in lcbhafteni Gespräch. Die Eroberung Palästinas, die Einzelheiten des blutigen Krieges bildeten ihr Gespräch. „O Cajus," sagte der weichherzige Clodius zn seinem ungleich älteren.Freunde» „Ivie sehnte ich mich nach all den Gräueln der Schlachten nach der friedlichen Ruhe, nach einem Feste unserer Schutzgöttin Vesta, wie wir es heute hatten." — Clodius schwieg, und beide schauten mit Entzücken in die untergehende Sonne, deren feurige Strahlen sich im klaren Wasserspiegel badeten. Dann begann er wieder: „Sie kämpften mit wildem Heldenmut, als wären cs zürnende Götter gewesen. Kraft, Tapferkeit, gepaart mit furchtbarer Erbitterung gegen uns, erfüllte,sie. Und erst als wir sie gebrochen, als wir ihr Paladium vernichtet hatten, da mußte der Mutigste vor so vielem grauenvollen Elend verzagen." — — — — — — „In meinem Hause," sprach Clodius weiter, „befindet sich ein junger Sklave, der dem jüdischen Stamme angehört. Ich zahlte sür ihn eine hohe Summe, doch ich bedaure ps nicht. Oft lasse ich mein Auge mit Bewunderung auf dem herrlichen Ebenmaß seiner Glieder ruhen. Seine ausgezeichnete Schönheit könnte einen Phidias begeistern. Ich zweifle nicht daran, Jonatan entstammt einer vornehmen Familie, dafür spricht auch seine vollkommene Kenntnis der griechischen und lateinischen Sprache. — Heute am Morgen war cS, ich traf ihn im Garten. Er stand gen Osten und seine Lippen murmelten leise ein Gebet. Ich sah ihm zu, ohne daß er mich bemerkte. Als er wieder an seine Arbeit ging, fragte ich ihn, nur um den Wohllaut seiner Stimme zu hören, wie es ihm in meinem Hause, denn ich zeichne ihn vor allen andern Sklaven aus, gefalle. Da antwortete er mir mit den Worten Ciceros: „Nicht in dem Atemzuge liegt das Leben, sondern es hat überhaupt keinen Wert für den, der ein Sklave ist." Ich ging von ihm fort, damit er mein Erstaunen nicht sehe. Und wäre es kein Jude gewesen, der dies gesprochen, ich hätte ihn ans Herz gedrückt. Denn ich liebe die Menschen, welche aussprechen, ivas sie denken." „Ich habe einen Plan," begann nun Cajus, „der mir während Deiner Schilderung einsiel. Auch ich habe mir eine junge Sklavin von jenem Stamme gekauft. Sie ist schlank und zart, doch von kräftigem Körperbau. Ihre Haut durchsichtig und von jener Marmorglätte, um die sie alle römischen Jungfrauen beneiden dürften. Clodius, sie ist das schönste Weib, das ich je erblickte. Und habci von einer solch vornehmen Würde, die einer Patrizierin anstehn würde. Lija hat wunderbar kleine feine Hände, mit denen sie die kunstvollsten weiblichen Handarbeiten ver¬ „Dein Plan ist gut ansgedacht," antwortete Clodins, „doch fürchte ich, daß wir auf Widerstand stoßen werden. Denn wir haben nur ihren Leib gefesselt, ihren Geist haben wir nicht in Banden." „Sind sie nicht unser!" rief nun der von seiner Idee begeisterte Römer aus. „Unser ist ihr Körper, ihre Schönheit, ihr Denken und Handeln. War noch ein Sklave Herr seines Willens?" „Doch sage mir, Cajus," frug nun Clodius, „ist das, was wir tun wollen auch menschlich schön?" „O Du Schwärmer! — Wenn Dü nicht willst, nun — so werde ich statt Deiner handeln." Starr, mit weitanfgerissenen Augen hörte Lija den Befehl ihres Gebieters. Was sagte er? Sie sei die Ehegattin eines Mannes, eines Menschen, den sie nie gesehen, eines Heiden? „Bist Du vielleicht mit meinen Leistungen nicht zufrieden?" fragte sie ihn. „Ich will Schwereres verrichten, will die niedrigsten 'Arbeiten tun, nur lasse mich so ivie ich bin, lasse mir mein einziges Gut." „Beim Zeus, Du wirst mich mit Deinen Tränen, die Dich noch schöner machen, nicht rühren," antwortete Clodius, „es ist beschlossen, — und gehorche, Sklavin." In stiller Ruhe lag Rom. Die 'Nacht breitete ihre dunklen Fittigen über die Stadt aus. Das leise Wimmern der Sklavin Lija dringt nicht hinaus. Wie ein verschüchterter Vogel kauerte sie in einem Winkel eines Gemaches, -in dem sie sich mit einem ihr fremden Mann allein weiß. Doch auch dieser hielt sein Antlitz in seinen Händen vergraben, und heiße Tränen entströniten seinen Augen. „Gott mein Gott," sagte Jonatan für sich hin, „wo gibt es ein beweinenswerteres Elend, als das meine. Der Sohn und Erbe des Hohenpriesters Jischmael in Schmach und Erniedrigung. Geduldig ertrug ich die Sklavenketten. Hoffte ich doch mit gläubigem Herzen, daß Du sie sprengen wirst. Schlasend und ivachend umgaukelten mich die holdesten Träume. Ich sah mich. Deinen Dienst versehend, ins Allerheiligste treten, mit dem heiligen Salböl auf dem Haupte, die Stirne geschmückt mit dem Diadem, als Träger des „heilig dem Ewigen". — Und nun soll mir 'die sündhafte Verbindung mit einer niedrigen, heidnischen Sklavin auch diesen Trost rauben. Nie und nimmer. Ich werde stark sein. Der Sünde Reiz wird mich nicht betören." In leisen Flüstertönen kam es von "der andern Seite des Gemaches von den Lippen Lijas. „Wie lang dauert diese Nacht. Düster und schaurig ist sie, wie mein Leben. O mein Vater, endige meine Pein und lasse mich sterben. Lasse es nicht zu, daß ein verächtlicher Sklave die Tochter Jischmaels, Deines höchsten Priesters, beschimpfe. Nimm mich, die Verstoßene, Verwaiste in Deinen allmächtigen Schutz. Nicht sinken will ich in meiner eigenen Achtung." Und schaudernd hüllt sie sich fester in ihr grobes Gewand.- Nur langsam verrinnen die Stunden sür die tödlich sich Hassenden. Von ihrem Gefängnisse' aus können sie einen Streifen des Himmels sehen, der allmählich sich lichter färbt, — und mit der zunehmenden Helle kommt Muhe und Entschlossenheit in die Gemüter der Gepeinigten. Zahn-jlfetier ^Dreher Frankfurt a. 91. Hasengasse 11, I. Sprechstunden morgens 8 bis abends 7 Uhr. Sonntags 9 bis 1 Uhr. Künstliche Zähne mit und ohne Gaumenplatten. Spezialität: Nervtöten, Plombieren, Zahnreinigen. 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