Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 5 (1907)
- Issue
- Heft 26 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage M Nr. 26 des Frankfurter Israelitischen Familieublattes. Aus der zionistischen Bewegung. Bielitz, 3. Juli. Der gestern und vorgestern in hiesiger Stadt abgehaltene Parteitag der österr. Zionisten war sehr stark besucht. — Den Jahresbericht des Landeskomitees erstattete dessen Obmann .Dr. S cha l i t - Wien, der auf die politischen Erfolge der Zionisten im letzten Jahre hinwies, und betonte, hast die Vorgänge in Rußland der mittelbare Anstoß sür eine selbständige jüdische Politik der österr. Juden wurden. Trotz der Unterstützung Englands und Amerikas sei leider nicht erreicht worden, daß die Jndenfrage auf die Tagesordung der Haager Friedenskonferenz gesetzt wurde. Es werde aber eine Ausstellung in: Haag veranstaltet, die eine Statistik der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Inden -der ganzen Welt und eine Statistik des Judenmassakres der letzten 100 Jahre und ihre Folgen zeige. — Die Debatten drehten sich besonders um die Beteiligung an fremdnationalen Bestrebungen. — Dr. Mahler hielt ein Referat über jüdische Ansiedlungen in Palästina. Sprechsaal. ) (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Von dem Israelitischen H ü l f s v e r e i n erhielten einige hiesige jüdische Mitbürger das folgende Schreiben: „Die Herren Eisigmann und Weissisch wollen in Jerusalem eine Kuvertsabrik errichten, sie sind auf ihrer Knnstreise durch Deutschland bereits zum zweiten Male hier in Frankfurt, um die hiesigen Wohltäter zu brandschatzen. Wir warnen hierdurch vor denselben und bitten um ihre Abweisung. gez. Hülssverein der Deutschen Inden, Leopold Hirschler. Nach Empfang dieses Schreibens ging einer der Empfänger zum Hülfsverein, uni die Gründe zu hören, die dieses Warnungsschrejben veranlaßten. Als Grund wurde ihm angegeben, daß die Herren Eisigmann und Weissisch bereits znm zweiten Male hier seien und daß sie noch immer keine Kuvertfabrik in Jerusalem errichtet hätten. . Nun ist zweifellos richtig, daß die Kuvertfabrik vorläufig noch Nicht angefangen hat zu arbeiten, weil das notwendige Minimal-Anfangskapital noch nicht vorhanden ist; jedoch ist den Herren Eisigmann und Weissisch durch Entgegenkommen einer großen Anzahl von Wohltätern gelungen, die Summe von ca. Jk 7000 zusammenzubringen, die sich noch in den Händen der Herren: Dr. Hans Eideon Heymann - Berlin, Hermann Lehmann- Frankfurt a. M. und Fritz S o nd h eime r-Frankfurt a. M. befindet. — Auf Informationen, die Herr Sondheimer in Palästina über die Herren E. und W. einzog, gingen die besten Auskünfte über ihre Person ein und es ist von keiner Seite bisher etwas Nachteiliges gegen die Herren geltend gemacht worden. Es muß der eigenen Meinung überlassen bleiben, ob er eine Kuvertsabrik in Jerusalem für aussichtsreich hält oder nicht; aber .es liegt doch nicht die geringste Veranlassung zu diesem Warnungsschreiben vor, und es ist sehr zu bedauern, daß der Unterzeichner des Warnungsschreibens sich auf die ihm gewordenen Auskünfte nicht bewogen fühlte, dieses znrückzuziehen. — Die beiden Herren werden, wenn sie das für ihre Fabrik notwendige Kapital aufgebracht haben, Europa verlassen und das beabsichtigte Unternehmen in Angriff nehmen. Kunst und Literatur. „H a s ch i l o a ch", Monatsschrift fiir Literatur, Wissenschaft und Leben. Herausgeber und Redakteur: Ch. N. Bjalik, Mitredakteur: D r. Josef Klausner. Band XV, Heft 5, Mai 1907. Bezugspreis : halbjährlich (Juli—Januar 3 Rub., jährlich 6 Rub. Adresse: M. M. cklssyschkin, Odessa (Rußland), Chersonskaja 46. Dieses Heft enthält folgende Beiträge: 1) Zur Lage der jüd. Handwerker und Arbeiter: Mordchaj ben Hillel, Hakanen. 2) In einer Winternacht, Erzählung (Schluß) von A. A. Kabak. 3) Zwei Wege: Sch. I. Jsch-Hurwitz. 4) Mit dem Frühling, Gedicht: I. L. Baruch. 5) Der ökonomische Zionismus (Schluß): A. Zioni. 6. Der jüdische Hellenismus vor den Hasmonäern (III. Schluß): Dr. S. Bernfeld. 7) In Erez- Jsrael (Reiseskizzen II): Jacob Rabinowitz. 8) Die arabische Bewegung und Borderasien (Schluß): A. Chermoni. 9) Was die Blumen im Felde wissen . . . Gedicht: Jakob Kahan. 10) Briefe aus Erez-Fsrael (I): M. Smiljansky. 11) Stätte der Thorah (Feuilleton): A. L. Lewinsky. Besonders hervorgehoben zu werden verdient der Aussatz: Zwei Wege von Sch. I. Jsch-Hurwitz. Es ist das gewissenhafte Streben nach Selbsterkenntnis und die rücksichtslose Denkkühnheit, die ihn über das Niveau unserer gegenlvärtig leider im Zick-Zack der engherzigen Parteidialektion sich bewegenden Publizistik erheben. Der Verfasser tritt an das Problem heran: Worin ist die Garantie, .richtiger eine Garantie für die Erhaltung des Judentums zu suchen? Das Judentum befindet sich augenscheinlich in einem Nebergangsstadium: welche Gestalt dürfte nim dem Judentum dieser Uebergang verleihen? Oder bedeutet er etwa den liebergang von Sein znm Nichtsein? „Man darf so nicht fragen!" — ruft man Herrn Hurwitz zu. Es sei eine Profanation J>et jüdischen Geschichte, ja eine Verletzung der jüdischen nationalen Individualität, wenn man sich Sorgen über ihre Lebensfähigkeit macht. Dieser Einwand verwandelt sich alsbald in eine Anklage gegen den Verfasser, als hätte er die Existenzberechtigung des Judentums in Frage gestellt. So zog er sich die fanatischsten Borwürfe zu» als er mit seinem ersten Artikel „Zur Frage dev Existenz des Judentums" auftrat. Vielleicht trägt Herr Hurwitz selbst Schuld daran, daß er mißverstanden worden ist, jedenfalls wurde er ganz unbarmherzig mißverstanden. Freilich bestreitet Herr Hurwitz die Existenzberechtigung eines gewissen Judentums» wenn mrnt so sagen darf; nämlich: — des Golus-Judentums. Bedeutet denn dies die Bestreitung der Existenzberechtigung des Judentums? Involviert nicht vielmehr dieses negative Verhältnis zum Golus die Postulierung eines freien Judentums, das gleichsam keiner Existenzberechtigungen bedürfen soll . . . Zwei Wege gibt es, kann es geben; nur zwei: Entweder ein Jndenland, oder keine Juden. Sein oder Nichtsein. Nur nicht Sein und Nichtsein zugleich. Leben oder sterben; nur nicht als ein Krüppel von der Geschichte sich herumschleppcn lassen. Nur diese zwei Wege darf es geben. Tertinm non ckawr! Und man wisse: Nur wenn die Juden den Golus aus den Tiefen der Seele heraus hassen werden, werden sie freie Juden sein. Das ist die Problemstellung, die in diesem Aufsätze einen prägnanten Ausdruck gewinnt. Es ist die berufene Opposition gegen A ch a d - Ha am, der die Erhaltung des Golus-Judentums durch ein „geistiges Zentrum" anstrebt. Fmanzierungsgesellscliaft mit beschränkter Haftung Frankfurt a. 31., Weserstrasse 7. Vermittelung von’ Vergleichen aller Art, insbesondere zur Vermeidung, bezw. Beendigung von Konkursen und kostspieliger Prozesse mit und ohne finanzielle Beteiligung. Zuverlässige Gutachten u. Auskünfte in Konkursangelegenheiten. Finanzierungen, Sanierungen und Liquidationen kaufmännischer und industrieller Geschäfte. Aufstellung und Prüfung von Bilanzen, Erbschaftsregulierungen. Besondere Abteilung für das Inkasso und den Ankauf kaufmännischer Forderungen. E. Bertling, Zahn-Atelier Königswarterstr. SS, vis-a-vis dem Königswarterspital. 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