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Neue jüdische Presse · 1907-05-10 · Heft 18 (10.5.1907) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 18 (10.5.1907)
Date
1907-05-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zn Nr. 18 des FrucksUjer Israelitischen FamilimblaHeö. Inhalt -er Beilage: Artikel: Der Nikanortag. — Personalien. Aus den Vereinen. — Aus der zionist. Bewegung. — „JüdischeJuge nd." Der Nikanortag. Seit Januar d. I. erscheint bekanntlich in Köln die „Welt" auch hebräisch. Das Blatt wird gut redigiert, wie man es ja von einem Sokolow nicht anders erwarten kann. Auch inhaltlich steht der „Ha'olam" auf der Höhe der Zeit. Unterstützt von einer Gruppe bewährter Mitarbeiter bietet „Ha'olam", sei es inbezug ans Belletristik oder sei es in Ansehung der Wiffenfchaft, fast ausschließlich nur Gediegenes. Als auffällig seicht und zugleich einseitig muß Herrn Beu-Jehuda's Aufsatz in Nr. 12 d. Bl., welcher die Ueberschrift*) trägt, die wir an die Spitze dieser Zeilen setzten, bezeichnet werden. Wäre, cs aber dies allein, so würden wir gleichgültig darüber hinweggcgangcn sein. Denn wie vieles wird nicht niedergeschrieben und durch die Presse vervielfältigt, das höchstens blos Heiterkeit erregt. Wird sich da jeniand bemühen, es richtig zu stellen? Allein hier handelt es sich um Dinge von sehr ernster Natur. Herr Ben-Jehnda möchte nämlich das Purimfcst, wie alles andere, was unmittelbar mit der Synagoge und dem Judentume im Zusammenhänge steht, aus unserer Mitte verbannen und dafür dem Nikanortag die frühere Bedeutung tviedergcben. Der Nikanortag war rin nationaler Festtag. (Maccbb. I 7, 49; II 15, 36 und Megillath Ta'anith. Vgl. Tr. Ta'anith 18b und Jeruschalnii ebenda 66a.) Mit deni Untergänge der nationalen Selbständigkeit aber hatte das rein nationale Fest, das 'Fest nämlich, in welchen: die Nation verherrlicht ward, in der Praxis seine Bedeutung ciugcbüßt und hat sich nur noch in der Geschichte erhalten. (Tr. Rausch ha-Schanoh 18b und Jeruschalmi a. a. O.) Dasselbe war ja auch bei anderen Nationen der Fall. Auch sic feierten einst nationale Feste, die bei ihnen heute nur noch in historischer Erinnerung fortbestehen, nachdem sie nämlich aufgehört haben, eine selbständige Nation zu sein. Wäre Chanuka vom Hause ans nichts anderes als ein nationales Fest gewesen, würde es auch längst für uns seine Bedeutung verloren haben. Allein Channkah ist von vorneherein ein national-synagogales Fest gewesen und da uns die Synagoge geblieben ist, hat sich auch in der Praxis das Fest erhalten. Diesen Unterschied mag aber Herr B.-J. nicht cinsehen. Ihm ist der Nikanortag etwas besonders Großes, ja Unerreichtes. In ihm sieht er sich, verherrlicht; wie kleinlich aber ihm gegenüber kommt er sich, vor in dem Purimfeste! Hier ist es die Nation, welche kämpft und siegt, dort ist es ein schwaches Weib — als ob der Fall vereinzelt in der Geschichte und zumal in der jüdischen Geschichte dastündc —, welchem eine (versprengte, wehrlose!) Nation ihre Errettung vom Untergange verdankt. Herr Ben-Jehuda, der sonst kein Feind der Frauen ist, hätte es lieber gesehen, daß sich die Inden, Esther, die Königin, umgebend, geschlagen und mit ihrem Blute den Sieg über die Perser, denen gegenüber sie eine verschwindend geringe Minorität bildeten, erfochten hätten. Wie ein Sieg unter den gegebenen Verhältnissen möglich gewesen wäre — das im Geiste sich zurecht zu machen, ist Herrn Ben-Jehuda's Sache. Genug an dem, für ihn ist es schmachvoll, daß eine Natior: ihre Rettung einem Weibe verdankensoll. Diese Schmach endlich einmal abzuwenden, ist seine heilige Aufgabe. Wie bringt er es aber zuwege? Nun, hier läßt er einfach Prof. Haupt reden. Das Purimfest, gleich Herrn Ben-Jehuda negierend, hat dieser Bibelkritiker in seiner gefärbten Bibelausgabe folgende Hypothese ausgestellt. Ursprünglich feierten die Juden Palästinas blos den 13. Adar als Nikanortag. Die persischen *) Der Tichl sagt aber nur zum Teil, worüber der Aufsatz handelt. Völker dagegen feierten alljährlich ihrem Gotte Morduk ein Frühlingssest. Daß es gerade teils am 14., teils am 15. Adar begangen wurde, weiß Herr B.-J. zwar nicht, aber er glaubt cs — denn alles Negative glaubt auch er — Prof. Haupt, und er weiß es nun ganz bestimmt. Dieses Fest bestand in Essen und Trinken, und damit sie darin Tüchtiges leisteten, haben sie den Tag vorher fastend zugebracht. Um nicht hinter ihren Gastvölkern zurückzubleiben, hatten die Juden Persiens dasselbe Fest mitgcfeiert. Als später die Kunde von dem Nikanortag zu den Inden in Persien gedrungen war, da verfiel ein persischer Jude auf den Gedanken, dem persisch-nationalen Frühlingsseste einen jüdisch-nationalen Charakter zu verleihen. Zn diesem Ende dichtete er eine Megilloh, >vas ihm umso leichter fiel, als er blos Nikanor in Haman umzuwandeln brauchte. Seine Glaubensgenossen, albern genug, um sich einen Bären aufbinden zu lassen, nahmen die Dichtung für pure Wahrheit hin. Auf diese Weise entstand der Purim, zuerst allerdings in Persien blos, später fand er aber auch in Palästina Eingang. Die Inden der beiden Länder haben also ein Tauschgeschäft miteinander gemacht: die Palästinenser gaben ihren Nikanor hin, dafür beschenkten sie die persischen Glaubensgenossen mit — einem Haman! Länger bei diesem Gefasel zu verweilen, ist unnützes Zeitvergeudcn. Die Echtheit der Megilloth Esther hat ja auch erst neulich Jampel in Brauns Monatsfchr. überzeugend dargelegt. Ich kann darum Herrn B.-J. den Vorwurf nicht ersparen, daß er einseitig ist. Viel besser um die Wissenschaft >väre es, lvenn er seine Kraft für fein Wörterbuch sparen würde und die Kritik anderen Leuten überließe. D r. G r ü n h u t. Personalien. Berlin. Der Begründer der unter den Namen .Hermann Tictz und Leonhard Tietz in Berlin und in Südnnd Westdeutschland, sowie in Belgien bestehenden Warenhäusern, Herr Hermann T i e t.z ist im 'Alter von 70 Jahreir gestorben. Berlin. Der Rentner Louis Cohn, einer der Mitbegründer der Berliner Herrenkonfektion, feierte seinen 90. Geburtstag. Geh. Medizinalrat Professor Dr. Senator ist als Nachfolger Bergmanns zum ersten Vorsitzenden der M e d i z i n i s che n G e s e l t s ch a f t gewählt worden. Wien. Der Kaiser hat dem Großindustriellen Michael Benies das Komthurkreuz des Franz Joses - Ordens verliehen. KSuigshütte. Gericht-assessor Dr. Peltason wurde zum Amtsrichter ernannt. Wien. Am 5. Mai starb der frühere Gemeinderat der Stadt Wien, Dr. Ignaz Mandl, bei dem Lueger in die Schule ging. Mandl war ein Bolksagitator großen Stils, jedoch keine politische oder soziale, ethische oder wirtschaftliche Anschauung war der Leitstern seines Tuns und Lassens, sondern persönlicher Haß und Erbitterung. Seine Freundschaft mit Lueger war die denkbar intimste; der Bruch kam, als Lueger die stärkere Zugkraft des Schlagworts „Antisemitismus" erkannte und die Demokratie verließ. 1904 trat Mandl zum Katholizismus über. Paris. ' Im Alter von 29 Jahren verschied Robert Louis Dreyfus, Mitchef der bekannten Weltsirma Louis Dreyfus & Co., Sohn des rumänischen Generalkonsuls Leopold Louis Dreyfus. Lon-on. Der berühmte Porträtmaler B. S. Marks feiert dieser Tage seinen 80. Geburtstag. Aus den Vereinen. Frankfurt a. M. Der Verein zur Pflege jüd. Wissens (Tifer es Bachurim) gibt bekannt, daß er wie bereits in früheren Jahren auch in diesem Sommer einige Borträge veranstaltet, deren erster Samstag, den 11. ds. Mts., nachmittags öVr.Uhr im Vereinslokal, Hermeswcg 25/27, gehalten wird. Gleichzeitig lädt der Verein zur Teilnahme an dem auf Wunsch vieler Mitglieder neueingerichteten „Chase Odom Schinr" ein, der allwöchentlich Samstag nachmittags 3/i3—%4 Uhr — erstmals Samstag, den 18. Mai — stattfindet. Da das Vereinslokal um diese Stunde besetzt ist, wird der Schinr in einem der kl. Nebensäle der Suppenanstalt, Theobaldstr. 5, abgehalten. Auch Mchtmitgliedern steht die Beteiligung offen. Diese Mitteilungen sind ein neuer Beweis für die Regsamkeit, deren sich der Verein erfreut und für sein Bestreben, die jungen Leute, die sich an seinen Veranstaltungen beteiligen, zu pflichtbewußten, ernsten Jehudim heranzubilden. Wir hören »och, daß in dem neueingerichteten Schinr auch aus Anfänger Rücksicht genommen werden soll, sodaß jedermann daran teilnehmen kann. Frankfurt a. M. Jüd. Bibliothek und Lesehalle. Bon Montag den 6. Mai ab ist die Bibliothek und Lesehalle wie folgt geöffnet: Montag bis Freitag 12—3 Uhr mittags, Samsrag 11—X Uhr vorm, und 3—7 Uhr nachm., Sonntag 9—1 Uhr vorm. Die Ausleihestunden sind Sonntag—Freitag 12—2 Uhr. mittags.' Freivurg in Baden. Der Verein zur Förderung des Handwerks nnd der technischen Berufsarten uchter den Israeliten des Großherzogtums Baden, Abteilung Freiburg, hatte in diesem Jahre den Verlust seines ersten Vorsitzenden Br. Daniel Mayer zn verzeichnen, an dessen Stelle Hauptlehrer A. Heidingsseld trat. Die fünf Lehrlinge, die in dem Lehrlingsheim zu Karlsruhe untergebracht sind, berechtigen zn den besten Ei Wartungen. Zwei von den russischen Progromwaisen übernahm der Verein auf seine Kosten in Obhut und Pflege. Eine Enquete über das Schicksal der früheren Lehrlinge hatte ein gutes Resultat. 44 arbeiteten mit gutem, teilweise ausgezeichneten Erfolge als 'Meister oder Gesellen in ihrem erlernten Handwerk; nur zehn mußten den Beruf verlassen, teilweise wegen Krankheit, teilweise wegen Familienverhältnisse uno nur sechs wegen Unfähigkeit? Nahezu 70 Prozent der ehemaligen Pfleglinge sind also dem Handwerk mit gutem Erfolg treu geblieben. Die Einnahmen des Vereins betrugen. 2813,90 Mark, die Ausgaben 5782,75 Mark, das Vermögen 16 620,40 Mark. Der Verein hat innerhalb seines Wirkungskreises in 24 Gemeinden 254 Mitglieder. Aus der zionistische» Bewegung. Frankfurt a. M. Bei der Kommission für den jüd. Nationalsonds gingen ein aus Büchsen: Jos. Rosenbaum, Ostendstr. 4 0,04 ~JL Fritz Sondheimer " 50,— „ I. Neumann 0,45 „ L. Oppenheimer 1,20 „ Lehrer Pineas 0,82 „ Pension Langer 1,29 „ Markus u. Katz 2,60 „ 56,40 J£ Gesammelt von Frl. Aron Cohn auf der Hochzeit von Frl. Weisberg mit Herrn Ginzberg 7,20 JL 63,60 JL Materialien gingen ein von Frl. Estella Pineas, Toni Goldschmidt und Herrn Dessau. Frankfurt a. M. Bei der Expedition des Frankfurter Jsr. Familienblatts gingen für den Nationalfonds ein: Familie Wolpe gratuliert Ingenieur Feingold, Warschau, zur Verlobung 0,50 JL Frau Klein, Herren R. Lachmann und H. Geis, Berlin 2,— DniSburg. Am 2. Mai 5. I. wurde in einer von der diesigen Z i o n i st'i f ch e n Bereinigung einbernfenen öffentlichen Versammlung nach einem Bortrage des Herrn D r. H. 'Epstein folgende Resolution gefaßt: Die Versammlung mißbilligt scharf das Verhalten der Berliner jüdischen Gemeindevertretung in der Angelegenheit des Herrn Rabbiners Dr. Emil Kehn. Sie spricht Herrn Rabbiner Dr. Cohn ihre Hochachtung ans für sein tapferes, edles Auftreten, da? allein eines stolzen Juden und eines Lehrers und Führers in Israel würdig ist. Barmizwohs. (Ohne redaktionelle Verantwortlichkeit. Wir bitten um gefl. Mitteilung der Barmizwohs; die Aufnahme geschieht kostenlos). Arnold, Sohn der Frau Leopold Weil Ww., Fichtestraße 7, in der Synagoge Schützenstraße. Julius, Sohn des Herrn Katz, Baumweg 23 in der Synagoge Börneplatz. Vereins-Kalender. Verein Tiferes Bachurim. Samstag, den 11. Mai, nachmittags 5Ve Uhr: Vortrag im Vereinslokal, Hermesweg 25/27. Ortsgruppe Misrachi. Mittwoch, 15. Mai, abends 9 Uhr, Kursaal Milani: Referat des Herrn Leopold Oppenheimer über „Die Notwendigkeit des Misrachi." — Gäste willkommen. S. Weil, Samstags geschlossen. Tapezier- und —- - Dekoratlonsgeachäft 7 Pestalozzistrasse 7.

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