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Neue jüdische Presse · 1907-02-15 · Heft 7 (15.2.1907) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 7 (15.2.1907)
Date
1907-02-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Inhalt der Beilage: Aus der zronistischen Bewegung. — Aus den Vereinen. — Kunst und Literatur. Aus der zionistischen Bewegung. Frankfurt a. M. Die hiesige »Zionist. Bereinigung", veranstaltete letzten Donnerstag Abend in der' „Löge zum Adler" einen „Vortragsabend mit Lichtbildern". Herr Ingenieur Treidel aus Jaffa sprach über die Wirtschaftlichen Verhältnissein Palästina. Wir entnehmen seinem Vorträge: Palästina, das vor wenigen Jahrzehnten in seinem Ostjordanlande noch ein Tummelplatz toildec Beduinen war, hat sich infolge vernünstiger Kolonisationspolitik der Türken vorzüglich entwickelt. Die .vornehmen jungen Leute der Beduinen wurden nach Konstantinopel gebracht, dort ailsgebildet und dann zu Beamten in den Bezirken ihrer Stamniesgenossen ernannt. So sind in wenigen Jahrzehnten die Beduinen seßhaft geworden. Die Bauten von Land- Maßen und Eisenbahnen haben ein weiteres zur Entwickelung des Landes beigetragen. Während 1870 Palästina noch 225 jüdische Landbewohner zählte, hat es heute allein 7000 jüdische Landbewohner, die 160 000 Morgen ihr Eigen nennen. Deingemäß ist «uch der Wert des Landes bedeutend gestiegen; der Boden in der jüdischen Oekonomie Petach Tikwa z. B., der vor 7 Jahren noch 250 Fr. pro Morgen kostete, kostet heute über 2000 Fr. Die jüdischen Kolonisten haben besonders im Wein- und Obstbau ihre Befähigung erwiesen, während die deutschen Kolonisten mehr den Ackerbau vorziehen. Eine Entwickelung der deutschen Kolonien ist unwahrscheinlich, denn der deutsche Kolonist muß heute mindestens 12000 Jk mitbringen, um eine Bauernwirtschaft einrichten zu können, und Leute mit diesem Kapital bleiben in Deutschland. Die Zukunft für die Inden in Palästina unter dem mildeil Szepter der Türkei ist die beste; notwendig ist nur, daß vorerst Leute mit Kapital, das Aussicht hat, sich aufs glänzendst, zu verzinsen, nach Palästina gehen. Frankfurt a. M. Bei der Nationalkommission der Frankfurter Zionistischen Vereinigung ginge» ein: Erlös aus verkauften Silberwaren 8,— Jk Erlös aus verkauften Flaschenkapseln 8,20 Jk Aus Nationalsondsbüchsen von Herrn Levison 3,— Jk Herrn Nathan Sondheimer 2,— Jk. Herrn Martin Levigard 21,— Jk Verlorene Wahlwette, Lorsch 2,— Jk Sa. 44,20 Jk Frankfurt a. M. Bei der Expedition des Frankfurter Jsr. Familienblattes gingen für den -lationalfonds ein: A. H. verlorene Wette Reichstagswahl 2,— Jk B. Lamm 1,— Jk Sa. 3,— Jk Hamburg. Herr Julius Holländer aus Altona veranstaltete am 30. Januar die erste zionistische Versammlung inChristiania. Er sprach unter lcbhastem Beifall in einstündiger Rede über das Thema: „Der Zionismus als Lösung der Judenfrage". Der Erfolg war ein recht" befriedigender; trotz geringer Besucherzahl 'wurden nach angeregter Diskussion 33 Schekelzahler gewonnen und ein Komitee «zur Gründung einer Ortsgruppe eingesetzt. Herr Holländer beabsichtigt demnächst auch, in Schweden in einer Reihe von Städten zionistische Borträge zu halten. Das Hanseatische Vcrbandsbureau in Hamburg hat sich im Einverständnis mit dem A.-K.-Mitglied Herrn Dr. Frankel, Kopenhagen bereit erklärt, bei der Agitation und Organisierung neuer Ortsgruppen in den skandinavischen Ländern soviel als möglich mitzuwirken. Der christliche Philozionist, Herr Generalkonsul Paul Ed. Nölting, der schon wiederholt unserer Ortsgruppe ansehnliche Zuwendungen geinacht hat, zeichnete Jk 880 (11 Dunam Land) für den „Pflanznngsverein Palästina". Die Ortsgruppe ehrte ihn, indem sie aus seinen Namen 10 Oelbäüme pslanzen ließ. Zürich. Dem Bortrag, den Herr Professor Für uz über die Zukunft Palästinas in der hiesigen zionistischen Ortsgruppe hielt, entnehmen wir: Hs ist ein Unterschied, ob man Palästina im Herbste oder im Frühling besucht. Im Herbste erlebt man Enttäuschungen, da altes kahl und öde ist, im Frühling dagegen ist es in voller Blüte. Nicht immer gedeihen die Früchte des Landes, gab cs doch in biblischer Zeit auch manchmal Hungersnot, so unter Jakob und in Noömis Zeiten. Besonders fruchtbar ist die philistäische Ebene iin Südwesten des Landes. Hier sind auch die ertragreichsten jüdischen Kolonien angelegt worden. Es gedeiht der Wein, die Orange, die Melone, das Zuckerrohr. Der Sand der Küste bringt den Kulturen auch manchen Schaden,, doch kann dieser Feind leicht bekämpft werden. Unter dem Sande ist ein reicher Humusboden. Weniger fruchtbar ist das Gebiet des Gebirges Judas und doch findet der Wanderer manches prächtiges Seitental mit ausgezeichneten Weinpslanzungen in dieser Gegcnd. Auch der Oelbaum, der charakteristische Baum Palästinas, ist in großer Menge vorhanden. Nach Osten hin breitet sich die Wüste Inda aus. Sehr fruchtbar ist das Gebiet Ephraims. Reich an Quellen und Bächen, sieht auch alles grüner und blühender aus. Die Ebene Jesreel (9 Stunden lang, 6 Stunden breit) ist ein gesegnetes Stück Erde — mehr als 100 000 Menschen könnten sich hier ansiedeln — u. wäre den Kolonisten sehr zu empfehlen, ebenso schön ist die Jordansaue. Früher gab es dort kaum ein Dorf, nur ditz Beduinen ließen hier ihre großen Herden weiden. Der See Genezareth ist sehr fischreich. In Galiläa ist Platz für viele neue Ansiedler, die in leichter Weise-ihr Auskommen finden würden. Das Ostjordanland ist im nördlichen Teile vulkanisches Gebiet und mit zahlreichen Lavabiöcken bestreut. Weiter nach Süden befinden sich, die großen sastreichen Wiesen von Basan, aber auch jede andere Frucht würde hier gedeihen. Die Ebene Lukrah bringt außerordentlich viel Weizen, der auch exportiert wird. Das Gebiet von Gilead ist nicht weniger fruchtbar, fließen doch 11 nie versiegende Bäche, die fischreich sind. Das Gebiet hat prächtige Waldungen, immer grünende Wiesen; es ist ein Paradies für die Beduinen, die inrmer für ihre Tiere das Futter finden, auch im regenlosen Hochsommer. Der Redner schloß seinen Bortrag: Das Land ist fruchtbar und kann noch viele Hunderttausende ernähren. Es braucht nur fleißige Hände, Umsicht, Einigkeit. Der Zionismus ist keine Utopie, er kann realisiert werden. Basel. Zionisten-Berein »M i S r a dj t“, Am Samstag, den 2. Februar, fand die General- Versammlung statt. Der Präsident, Herr R o k o v s - k y, teilte in seinem Jahresberichte mit, daß die Arbeit des Vereins im verflossenen Jahre auf allen Gebieten segensreich toar. Der Kassenbericht schloß mit einem günstigen Aktivsaldo. — In der lebhaften Diskussion über die zukünftige Gestaltung der misrachistischen Arbeit wurden verschiedene Leitsätze angenommen, nach welchen in Zukunft innerhalb und außerhalb der zionistischen Bewegung den Prinzipien der jüdischen Thoratreue Geltung verschafft werden solle. Dem Scho mre-T hora-Verein, der dem Misrachi das Vereinslokal kostenlos überläßt, sprach die Versammlung ihren wärmsten Ddnk aus. Einem geschätzten Mitglieds des Vorstandes, das in jüngster Zeit von einem hiesigen nichtzionistischen Vereine scharsen Angriffen ausgesetzt war, gab die Versammlung jhre Sympathie kund. — Die Vorstandswahl wurde per Akklamation vorgenommen: es wurden gewählt die Herren: I. Rokovsky, Präsident, c a n d. Phil. I. I. Braun, Vize-Präsident, P. M. Goldschmidt, Kassierer, sin d. m e d. Ch. Lauer, Schriftführer und Kantor L. Löb, Beisitzer. Märamarossziget «Ungarn). Die hiesige Tischgesellschaft „A h a w a s Zion" hielt einen von mehr als 100 Gästen besuchten Lese-Abend ab. Bize- Präsident Wilhelm Kaufmann hielt die Eröffnungsrede, Redakteur B o k o r- Budapest hatte die Vorlesung übernommen, außerdem wurden Chorlieder und Dellamationen geboten und mit einem Bankett geschlossen. Aus den Vereinen. Frankfurt«. M.. 14.Febr. „Montesiore'-Berein. Fräulein Leonie Meyerhof -Hildeck, die bebekannte Schriftstellerin, behandelte in ihrem gestrigen Vortrage „Russische-Juden und die Literatur" die Rolle, die der russische Jude in den Werken der russischen Schriftsteller spielt. Sie zeigte, wie bis zur jüngsten Zeit die russischen Schriftsteller, da sie fast ausschließlich der Aristokratie angehören und mit dem Juden nur wenig in Berührung kommen, ihn nur ungünstig schilderten; so Gogol in „Tote Seelen", Dostojowsky in seinen Novellen, Tolstoy in „Anna Karenina". Erst Gorki und besonders Tschirikow werden den Juden gerecht. Frankfurt a. M. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur wird am 25. dss. Herr Professor Dr. Krakauer über „Der 30jährige Krieg und die Inden" sprechen. Kunst und Literatur. Die „Frkft. Ztg." bringt in ihrer Nr. 44 einen Aufsatz „Aus einer jüdischen Gemeinde an der nubisch en Grenze", der zehn aramäischen Urkunden aus der Zeit der persischen Könige ikerxes, Artaxerxes und.Darius, die 1904 in Assuan, dem alten Syene, an der Grenze von Oberegypten und Aethiopicn in einem Gesäß gefunden wurden, und den früher gefundenen Papyrus Cowley zum Gegenstände hat. Der Schreiber des Aufsatzes kommt auf Grund der Urkunden zu dem Schlüsse, daß damals — 500 v. §hr. — eine „jüdische Militärkolonie" in Syene war. Er schreibt in bezug hierauf: Von jeher haben die Herrscher Egyptens Soldaten ans den Nachbarvölkern verwandt, die kriegerischer^ ivären als die Landeskinder, und für die gefährliche Lüde grenze mochten solche Semiten passend erscheinen. Die militärische Bestimmung steht zu dem in Wirklich tcir friedlichen Leben, das die Papyri voraussetzten, nicht im Widerspruch. So ist es verständlich, daß ein Architekt der Zitadelle erwähnt ist (Pap. 6), daß Mohseyah 5« längerem Dienst auf der Festung abwesend war, vaß ein Militürbefehlshaber als Dichter erscheint (8), daß der Zusatz „zil den Geldzeichen gehörig" (1) gebraucht wird, u. a. m. Wenn nian sich erinnert, daß Herodot, als er zwischen 445 und 432 v. Ehr. Egypten besuchte, davon spricht, daß in Elephantinc persische Bcsatztruppen lagen, so möchte inan gar an die Möglichkeit denken, daß der Vater der Geschichte von solchen jüdischen Soldaten, wie sie mit ihrem Namen jetzt in den neugesnndenen Papyri austauchen, auf der Festung Deb hervmgeführt wurde." Le T rad u c te ur (15. Jahrg.) und The Tr a n slator (4. Jahrg.) Halbmonatsschriften zum Studium der französischen, englischen und deutschen Sprache. Bezugspreis je Fr. 2.50 halbjährlich. Prcbenummern kostenlos durch den Verlag des „Tradncteur" oder des „Translator" in La Chauxde-Fonds (Schloeiz). Wer sich auf angenehme Weise in der einen oder andern der oben genannten Sprachen vervollkommnen will, dem empfehlen wir ein Abonnement aus diese praktische» Lehrschristen, deren Vorzüge sind: Zweckmäßige Anordnung, Vielseitigkeit des Stoffes, gediegene Uebersetzungen und Anmerkungen. Sie gestatten eine möglichst mühelose Bereicherung des Wortschatzes und führen den Lernenden in einfachster Weise in die eigentümlichen Redewendungen der fremden sprachen ei». Außerdem wird den Lesern Gelegenheit geboten, mit Franzosen oder Engländern in Briefwechsel zu treten. Aus -er Geschäftswelt. Noch liegt Feld und Flur, Berg und Tal niit Schnee bedeckt, man zieht es immer noch, vor, sich im trauten, wohldurchwärmten Zimmer ausznhalten, statt sich den eisig kalten Nordwind ins Gesicht peitschen zu lassen, und doch werden die jüdischen Geister durch eine kurze Kalendernotiz an die Vorboten des sich langsam nahenden Lenzes gemahnt. „Chamischo-ossor bischwät" lautet diese einfache Kalenderbemerknng. Die Natur hat ihr erstes Werk zur Erneuerung des Erdbodens vollbracht. Die Bäume beginnen, neue Säfte in sich aufzunehme». — Langsam, fast unmerklich beginnt die Natur ihr Winterlleid von sich zu schütteln. Die Nächte werden kürzer, die Tage länger und kaum haben wir uns vorgesehen, steht die Pnrimzeit vor unseren Türen. „Purim" dies zweisilbige, jedoch für die jüdische Geschichte, so vielbedeutende Wort, welch herrlich schöne Jugenderinncrung zaubert es mir vor mein geistiges Auge! Ich sehe mich am frühen Morgen an der Hand meines lieben Vaters aus der Synagoge — wo die Megilla vorgelesen wurde — nach Hause gekommen, nehme in alter Elle meinen Wloxgen* imbiß zu mir, um ja nur das Zusammenstellen des „Schlach-monauß" nicht zu versäumen. Mit welcher wichtigen Umsicht wurde da das verschiedene Gebäck auf die dazu bestimmten Teller gelegt; es hieß da auspassen, um ein Vermischen der milchigen und fleischigen Backwaren zu vermeiden. Unwillkürlich muß ich zwischen der, ich möchte sagen, „Schwerfälligkeit" der damaligen Zeit und dem sich heute auch in dieser Beziehung zeigenden Fortschritt eine Parallele ziehen. Wollte man früher ein schmackhaftes Gebäck bereiten, hieß es entweder mit Butter, also milchig, oder mit animalischen Fetten — dann fleischig — backen. Wie anders und bequemer hat es heute die jüdische Küche, zumal, seitdem es der Sana-Gesellschaft m. b. H., Cleve nach vielen Versuchen gelungen ist „Tomor" zu fabrizieren, das sich in solch kurzer Zeit einen Weltruf eroberte. Dieses „Tomor" ist, was ja schon der Name „Domo r" (Palme) sagt, sin aus oem Fette der Kokosnuß hergestelltes Produkt, welches der Natur - Butter in Bezug auf Geschmack, Aussehen und Aroma vollkommen ebenbürtig ist und dabei den unschätzbaren Vorteil hat, daß es sowohl für Milchals auch Fleischspeisen verwendet werden darf und wird dieses „Tomor" unter ständiger Aussicht und Leitung eines von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. B. Wolf in Köln angestellten streng religiösen Beamten hergestellt. — (ließet das Nähere, „Tomor" betreffend, gestatte ich mir auf das in der heutigen Nummer veröffentlichte Inserat hinzuweisen.) Möge sich selbst der strengste Jehudi mit ruhigem Gewissen das mit „Tomor" bereitete Purimgebäck, speziell die unentbehrlichen „Hamans", sowohl bei milchigen als auch fleischigen Mahlzeiten recht gut munden lassen. Die Beilage „Indische Jugend" erscheint nächste Woche.

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