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Neue jüdische Presse · 1907-02-08 · Heft 6 (8.2.1907) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 6 (8.2.1907)
Date
1907-02-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Beilage zu Nr. 6 des FraÄsmIer Israelitischen FamMeablattes. Inhalt der Beilage: Artikel: Die JihrrSkonjerenz der englischen -«nisten — AuS der Lehrerwelt. — Personalien. — AuS d en Bereinen. — A»L der Geschäftswelt — Briefkasten. Die Jahreskoufereuz der englische» Zionisten. Kchou seit langem nicht erfreute sich die Hechreslonferenz einer so glanzenden Beschickung istle Heuer. Die Konferenz versprach sehr intcrch'ant und zugleich sthr stürmisch zu werden, da Neben wichtig.« Organ sitionifragen und Debatten iiter prak.ische Arb.it in Paläst.na der feit Jahren ttzbcude Kampf zwischen Dr. Gaster auf der einen a«d den Herren Joseph Cowen und L. I. Greenter> auf der anderen Seite auf derselben endßiltig ausgefochteu werden sollte. Die Meinungsverschiedenheiten, richtiger gesagt, die kleinlichen persönlichen Reibereien zwischen den Führern des «rglischen Zionismus, waren, wenn nicht die einzige, so doch die hauptsächlichste Ursache, warum der Zionismus in England, wo er ans politischen Gründen, die hier keiner weiteren Erörterung bedllrfkn, das tüchtigste Korps in der zionistischen Armee bilden müßte, in den letzten paar Jahren verwahrloste. Dieser Zustand durfte nicht länger geduldet werden, und die englischen Zionisten, die die Schwierigkeit der Situation recht gut kannten, waren diesmal fest entschlossen, diesen verderblichen ewigen Reibereien einmal für alle Mal ein Ende »» machen; koste es, was es wolle. — Das war die Anziehungskraft, die soviel- De egierte zusammenbrachte, alle mit genauer Kenn nis des E.nstrs der Situation und mit dem festen Entschluß, de» englischen Zionismus neu zu beleben. Die diesjährige Konferenz fand in Birmingha« statt. Am Samstag Abend ging eine Vorienferenz voraus, die bis 1 Uhr in der Nacht dauerte und der theoretischen Behandlung der praktischen Arbeit in Palästina diente. Als Referent figurierte Dr. Ch. Weitzmann aus Manchesterder den politischen Zionismus kritisierte und eine ausgedehnte reale Politik in Pa ästina rmpfahl. — An der darauffolgenden Debatte beteiligten sich fast alle Deleg erten, die mit wenigen Ausnahmen nach der charteristischen und chowewezionistischen Seite für praktische Arbeit in Paläfina eintraten, die jedoch den Charakter von rivatnnternehmung tragen sollte. Dr. Salti nd-London bewies an dr Hand der Kongresse, daß es ein Irrtum sei, die sogenannte praktische Arbeit als etwas Entgegengesetztes zum politischen Zionismus zu schi.dern, nur konnten die ersten Kongr.s e, die die einzige Ausgabe hatten, der Welt zu verkünden, daß das jüdische Volk seine nationale Existenz noch nicht «»'gegeben habe, sich unmöglich mit praktischer Arbeit befassen. . Sonntag um 10 Uhr vormittags wurde die Konferenz eröffnet mit einer Rede des Prä.identen, S i r F r a n c i s M o n t e f i o r e, der an das zionistische Gewissen der Deputierten appelliert, sich alle Mühe zu geben, daß Friede wieder, in den englischen Zionismus einziehe. — Herr Beut- »ich verlangt, daß die Presse ausgeschlossen werde, wie es die Jto stets tut. sein Vorschlag stößt aber auf die Entrüstung der Delegierten, die es einer wahrhaft demokratischen Bewegung unwürdig halten, sich hinter g.schlosscnen Türen zu verstecken. — Nachdem ein Brief von Mr. L. I. Greenberg verlesen war, in dem er bedauert, der Konf.rerz nicht beiwohnen zu können, erstattet der Schriftführer seinen jährlichen Bericht, an den sich eine Diskussion reiht, die bis 1 Uhr dauert und in der die verschiedensten Punkte mehr oder weniger ausführlich behandelt werden. — Rcv. D r. Daiches - Sunderland rügt den -Umstand, daß der Präsident und Mr. Greenberg zur Zeit des Bejlostoker Pogroms und kurz nach der bekannten Liverpooler Resolution ein Schreiben in der Presse zusammen mit den Führern der Jto. Unterzeichneten, eine Handlung, die alle Mitglieder des Exekutivkomitees der English Zionist Federation auf's ti.fste empört hat Da der Vorsitzende bald zugibt, daß es ein Fehler gewesen war, wird diesem Punkte, der für die Verhandlungen fatal sein könnte, ohne weiteres ein Ende gemacht. — Die Frage eines Organs, dessen Fehlen sich sehr nachteilig für den hiesigen Zionismus erwiesen hatte, nimmt einige Zeit in Anspruch, wird aber nachher einer Kommission überwiesen. Die Verhandlungen der Nachmittagssitzung waren in Wirklichkeit von äußerster Wichtiglest. Zuerst trugen die Debatten einen streng sachlichen Charakter. Ten Streitapfel bildete die Frage der praktischen Arbeit in Palästina. Als Hauptredner figurierten Mr. Joseph Cowen auf der einen und die Drs. G a st er und Weitzmann auf der anderen Seite. Alle Redner verteidigten ihre Sache in der glänzendsten Weise. Gaster und Weitzmann bewiesen die Notwendigkeit realer Arbeit, während Mr. Cowen, gestützt auf eigene und eingeholte kommerzielle Kenntnis, gegen neue Unternehmungen auftrat. Bald schlug aber der Ton um, und eine fürchterliche persönliche Szene entstand zwischen Dr. Gaster und Mr. Eowcn, die alle Delegierten in äußerste Verzweiflung versetzte. Ein Jeder glaubte, nun sei das Ende gekommen. Es war ein Glück, daß der Vorsitzende eine Pause von 10 Minuten ankündigte. Diese kurze Zeit wurde von den Delegierten dazu ausgenützt, eine Versöhnung zustande zu bringen, die merkwürdigerweise gelang. Die Freude, die sich der Delegierten bemächtigte, läßt sich unmöglich schildern. Ein Jeder fühlte, daß die Krisis mit einem Schlage beendigt wurde und der englische Zionismus endlich in die Bahn geleitet wurde, die ihn ohne jeden Zweifel zu sehr großen Erfolgen führen wird. Der Feiere, der nnerwarleterweise in Birmingham geschlossen wurde, ist von unermeßlicher Bedeutung für den Zionismus im allgemeinen. Dieser Friede bedeutet den Schluß der Meinungsverschiedenheiten und den Anfang einer neuen Zeit, wo neben Eintracht und Frieden zielbewußtes Vorwärisrücken die Charakterzüge des Zionismus bedeuten werden. — Es läßt sich begreifen, daß, nachdem die Aussöhnung stattgefunden hatte, die verschiedenen Wahlen und Resolutionen kurz aber würdig behandelt wurden, bis die Konferenz um 7 Uhr geschlossen wurde. Abends fand ein Massenmeeting statt, zu dem auch Mr. Greenberg erschienen war. Mr. Greenberg, den seine wichtigen zionistischen Arbeiten zwangen, sein Amt eines Schriftführers der Federation niederzulegen, erhielt eine sehr schmeichelhafte Adresse. Dr. Gaster war der Hauptredner des Abends, er verurteilte in seiner Rede das neue „Projekt" der Jto in der schärfsten Weise. —b — d. Ans der Lehrerwelt. Hannover. Z»m zweiten Ortsrabbiner der hiesigen Gemeinde ist Rabbiner Dr. S. F r e u n d- Ostrowo gewählt worden. Hamburg. An äßt w seines Scheidens aus dem Amte — nach 40jähriger Tätigkeit — erhielt der alloerehrte Obcrkantor N. I. S ü ß k i n d vom Senat folgendes Schreiben: „Geehrter Herr Süßkind! Es ist der Senats- Kommission zur Kenntnis gekommen, daß Sie, nachdem Sie fast vierzig Jahre im Dienste Ihrer Gemeinde gewirkt haben, mit Rücksicht aiif Ihr vorgerücktes Alter im Januar dieses Jahres von dem Amte eines Oberrantors zuriickgetreten sind. Sie haben Ihr Amt, wie der Kommission bezeugt ist, alle Zeit in hingebender Treue verwaltet und durch die Ihnen verliehene schöne Gabe des Gesanges zur Hebung 'und würdigen Ausgestaltung des Gottesdienstes wesentlich beigctragen. Zugleich hat die Ehrcnhastigleit Ihres Charakters Ihnen das Vertrauen und die Zuneigung weiterer Kreise erworben. Die Kommission benutzt daher gern den Anlaß des Ausscheidens aus Ihrem Amte, um Ihnen die Hochachtung, die sic Ihnen zollt, zum Ausdruck zu bringen. Sie verbindet damit den Wunsch, daß Sie sich des'wohlverdienten Ruhestandes im Kreise Ihrer geliebten Söhne noch viele Jahre zu ersieuen vermögen, und daß Ihnen Ihre gute Gesundheit und dainit der Soitnenschein erhalten bleibe, de» das höhere Alter am wenigsten entbehren kam». Die Seiiatskonnnission für die 'Angelegenheiten dar israelitischen Religionsgemeinden. gez. Kühler. Schvnlankc. Die Notiz des Morn ini Sprechsaal der vorletzten Stummer „Das Winterfest der ife Realschule betreffend", veranlaßt mich. Ihnen dach Programm der „C h a m i s ch o - O s o r" - F e i e r da» hebräischen Schule dahier, welche von Herrn Rabbiner Dr. Baniberger geleitet wird, mitzuteilen. 1. Psalm 128, von den Knaben vorgetragen. 2. Ansprache des Herrn Rabbiners. 3. Wettstreit zwischen dem 15. Aw und de» 15. Schwat, verfaßt und vorgetragen von den Schülerinnen der ersten Klasse Frieda Stadt und Herl» Grunwald. 4. Psalm 150, von den Mädchen vorgetragen. 5. Verteilung von „Chamiicho-Osor"-Obst an sämtliche Schulkinder. Die Feier, zu der sich der Vorstand der Gemeind» und der Schule und auch andere Herren und Dame» eingefunden hatten, nahm einen sehr hübschen Verlauf und fanden die Leistungen der Kinder volle Anerkennung. Es möge nicht unerwähnt bleibei» daß für die tadellose Einübung der Gesänge dem «» der Schule wirkenden Herrn Lehrer Wolfs bes»nderes Lob gebührt. London. Aria College, das jüdische Lehrer- Seminar zu Portsea, ist nach 18 monatlicher Nute» brechung infolge bedeutender Umbauten feierlichst wi»> der eröffnet worden. Das College verdankt sein Bostehen einem Vermächtnisse von L. 25000 des 185» verstorbenen Lewis Aria; eröffnet wurde es jedoch erK 1874, denn ein Prozeß mit der Familie des Erblassers, der dem College über L. 8000 kostete dauerte 16 Jahre und verzögerte die Begründung de» I College um diese Zeit. Der gegenwärtige Direktor I des Instituts ist Rev. I. Abelson. Personalien. München. Ich habe Ihnen eine Mitteilung zu machen, die sicher allgemein interessieren dürft». Nun endlich scheint das preußisch-jüdische Reserveleutnantseis geschmolzen zu sein. Das Wunder iH geschehen. Es gibt nunmehr preußische, ungetanste jüdische Leutnants. Bei den Ernennungen am 27. Januar wurde» folgende jüdische Vizefelowebel und Vizewachtmcist« zu kgl. preußischen Leutnants der Rose r v e ernannt. Und zwar: Die Bizeseldwebel Cohen (Anklam) im Kuvmärk. Dragonerregiment Nr. 14, B a r ch e w i tz (Breslau) im 2. Schles. Hnsarenrcgiment Nr. 6, fflatj (Soest) u. Billmann (Recklinghausen) im 58. Ins- Regiment, G o m p e r tz (Köln) im Elsaß. Trainbatailk. Nr. 15, F riedländer (Hamburg) im 143. Jnf- Regt., Jakobsthal (Colmar) im Elsaß. Traine bataillon Nr. 15, Herzbrnch (Königsberg) im 1. Ostpreuß. Jägerbataillon und Flesch (Berlin Hy in der Landwehr 1. Anfg. der Eisenbahnbrigadei Im übrigen sollen schon, wie ich erfuhr, in» letzten Jahre mehrfach Juden zu Leutnants ernannt worden sein. (Wir geben diese Mitteilungen mit aller Reserve wieder. D. Redakt.) Aus de» Vereinen. Frankfurt a. M., 7. ilebr. Mnnteiiore» Verein In seinem gestrigen Vortrage über Ber - thold Auerbach entwarf Herr Lehrer S. Rothschild- Worms, ein Bild von diesem Manne, dar mit dem Bilde, welches wir uns von ihm gemacht haben, übereinstimmt. Erzogen in einem religiösen Hause, vorbereitet für den Rabbinerberuf und »u» nicht zur Rabbinatsprüsung zugelassen, weil die wärt? tembergische Regierung ihm als Angehörigen der Burschenschaften die Prüfung verweigerte, konnte ein Anerbach sein Judentum niemals so vergessen, wie Börne und Heine, wenn er auch in derselben Zeih und unter den gleiche» Einflüssen wie diese lebte und in seinem ganzen Denken ihnen sehr ähnelte. Sein Denken galt mit jeder Faser seiner Persönlichkeit dem deutschen Volke, und deshalb starb er gebrochen und enttäuscht, denn als in den letzten Jahren seines Lebens — er starb am 8. Februar 1882 —- die antisemitische Sturmflut hervorbrach, da mußt» er erkennen, daß das deutsche Volk nie einen Juden voll und ganz als Deutschen anerkennen werde — und dem jüdischen Volke, das ihm sein Glück gegeben hätte, hatte er sich allmähiich vollkommen entfremdet Der ^ständige Bortrag behandelte das Leben Auerbachs und seine Werke in eingehender und interessanter Weise, und dem Redner wurde nach Schluß seiner Ausführungen reicher Beifall. Frankfurt a M. Verein kür jüdisch« Geschichte und Literatur. Herr Rabiiner Dr. Ludwig A. Rosenthal -Pr.-Stargard sprach letzten Montag Abend über das Thema „Psalmen und Weltliteratur". Der Redner nahm di» hervorragendsten Erzeugnisse der Weltliteratur vor und zeigte, daß die ernsthaftesten Gedanken der Well-

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