Mannheim
Compact Memory

Neue jüdische Presse · 1907-02-01 · Heft 5 (1.2.1907) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue jüdische Presse
Volume
5 (1907)
Issue
Heft 5 (1.2.1907)
Date
1907-02-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2692297-2692511-2692516--02996-2697656
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 5. . Hause, viele besprachen die Predigt, entweder lobend oder kritisierend. Neb.-Meier Löwi uns Frau und Sohn schritten' schweigend ihrer Wohnung zu. Zu Hause augeloinuieri, wünschte Benjamin den Eltern gute Nacht niür-zogsich in sein Zimmer zurück. Auch seine Aintter'suchte bald ihr Lager auf. Der Vater jedoch hatte, noch' nachzuhvlen, was er am Tage versäumt, ev-glaubte sich noch vorbereiteu zu müssen zu dem morgigen Nachmittagsgottesdienst; das hatte er immer'getan, .er wollte es auch diesesmal nicht unterlassen.-. ' Aber die Lichter an der Sabbatlampe waren bereits erloschen; er begab sich daher hinüber in sein Zimmer, das durch' die große Jonikippurkerze erhellt war. Er lies; sich wieder nieder in seinen weichgepolsterten Armsessel, lehnte sich behaglich zurück, nahm' das Machsor in die Hand und begann die Gebete,, die er morgen vorzutragen hatte, halblaut sunnnend zu rezitieren. Dabei war sein Kopf, ohne daß er sich dessen bewußt geworden, zurückgesunken, >nährend er das Gebetbuch, das er mit beiden Händen hielt, auf die Kniee hatte sinken lassen, denn das Gebet, die Größe und Herrlichkeit Gottes rühmend, das er jetzt in der nur für den heiligen Tag bestimmten Melodie halblaut sang, kannte er auswendig. Durch den obern halbgeöffneten Fensterslügel kam ein Luftzug, die Flamme' der Jonikippurkerze flackerte hin und her, ihm war's mit einem Male, als stände nicht eine Kerze vor ihm, sondern mehr als hundert und — Herr Gott im Himmel! war es denn schon Jomkippnr- Nachmittag? — er stand ja vor dem Betpult in seinem weißen Totenhemd und betete Mincha! — Und merkwürdig! er hatte sich doch nicht vorbereitet, aber doch ging alles so gut, so glatt — int Innern seines Herzens dankte er Gott, daß es so gut ging — und wie seine volle angenehme Stimme den weiten Raum erfüllte. — Alles war gut gegangen, das Minchagebet ivar sehr bald zu Ende, da begann er den Satz: „Wajomer Adoschem solachti tidworccho." Aber bei dem Worte „Solachti" stockte er, seltsam, er brachte eS nicht über seine Lippe». Schon dreimal hatte er den Satz begonnen, doch weiter als bis zu der Silbe „So . kam er nicht.. Ribbon schel olam, was war mit ihm vorgegangen? warum konnte er dieses leichte Wort nicht anssprechen? — Nochmals begann er den Satz, und abermals — und abermals — umsonst! — er brachte das verhängnisvolle Wort nicht über seine Lippen. Er fühlte die Blicke der vollzählig versammelten Gemeinde auf sich gerichtet, von vielen Seiten her vernahm er Kichern und „so! — so! — so!" — hörte er bald von hier, bald von dort. '' Nochmals begann er den Satz mit aller Macht seiner Lunge, nochmals und abermals — vergebens, er brachte das Wort nicht heraus. Er fühlte wie das Blut ihm zu Kopfe stieg, wie sein Gesicht dunkelrot ward, wie kalter Schweiß ihm auf die Stirn trat und wie jedes Haar;auf seinem Haupte sich emporrichtete. Verzweiflungsvoll rang er die Hände. „Ribbon schel olam!" schrie er, „was Hab' ich verbrochen, daß Du mich so schwer strafst?" Da vernahm er plötzlich eine Stimme, so tief, so machtvoll, wie er noch keine je vernommen. „Das werde ich Dir zeigen!" sprach's. Von unsichtbaren Händen fühlte er sich enrporgehoben, hoch über die Menge, und ohne daß er wußte, wie er dahin gekommen, befand er sich draußen, vor der'Synagoge, in dem sog. Schulhof. Und der ganze Hof war voll von Leuten, und alle weinten. — Und wieder vernahni er jene seltsam tiefe, machtvolle Stimme: „Alle, die hier weinen, weinen über Dich, Du hast sie alle gekränkt, darinn kränkt Dich jetzt der Allmächtige, der alle Tränen zählt, die zu ihm emporsteigen.'i .; „Ribbon schel olam!" schrie Reb Meier, „Du Prüfst Loch Herz tind Nieren, Du bist doch allwissend, darum mußt Du doch auch wissen, daß das lauter arme Leute sind, denen ich Gutes getan habe. Noch kein Armer hat mein Haus unbeschenkt verlassen!" „Was Du den armen Leuten gegeben hast," sprach die Stimme, „das weiß der Allwissende; Geld, kaltes Gelb hast Di; ihnen gegeben, doch nicht ein einziges Frankfurter Israelitisches Familicnblatt. freundliches Wort, »ach denen grade die Armen sich so sehr sehnen. Und siehst Du nicht jene, die dort an der Seite stehen? — Es sind die Leute, die in allen diesen Jahren in Deinem Hanse bcdienstet waren. — Alle, alle haben über Dich gemeint, denn Du warst ihnen stets ein harter, schroffer Gebieter. — Und siehst Du dort Deine Frau und Deinen Sohn? — Deine brave sanfte Frau, Dein wackerer Sohn, auch sie weinen über Dich, denn wie vergilst Du ihre Liebe, ihre Treue? — Und alle die Tränen, die über Dich geweint worden sind, sind emporgestiegen vor den Thron des Allerhöchsten, der heute —" (Fortsetzung folgt.) Kunst und Literatur. Mitteilungen zur j ü d. Volk s k n n d e. Organ der Gesellschaft für jüd. Volkskunde in Hamburg und der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums in Wien. Herausgegeben von Dr. M. Grnnwald, Rabbiner der isr. Knltnsgemeinde Wien. Neue Folge. Jahrg. II, Heft IV. Berlin, Calvary 1906. Die Mitteilungen haben von ihrer ersten Nummer an durch ihren reichen Inhalt, durch die Fülle des in ihnen enthaltenen kulturhistorischen und historischen Materials das Interesse jedes gebildeten Juden erweckt und wachgehalten. Jetzt erscheinen sie in neuem Gewände, doch der Inhalt hat nicht darunter gelitten. Das Verl,egende .Heft entspricht speziell seinem Titel „Mitteilungen zur Jüdischen Volkskunde", enthält cs doch eine mehr als 2 Bogen starke Abhandlung über die Juden in Teheran und eine interessante ausführliche Besprechung des Berichtes deS jüdischen Falaschasvrschers Jagnes Faitlowitsch über die Resultate seiner Reise nach Abessynien. An die Büch erschau schließt sich eine eingehende „Zeitschriftenschan" an. Ganz besonders können wir unseren Lesern den "Aufsatz über die Juden in Teheran empfehlen, der unstreitig das anssührlichste und gründlichste repräsentiert, was bis jetzt über dieses Thema geschrieben wurde. S. H. L., Prag. VKenbaever Druckluft-Anlage Telefon 123. Offenbach a. H9. Telefon 123. Unübertroffene bewährteste Tepplchralnlgung. Wocherr-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Lunch.) Samstag, den 2. Februar (= 18. Scbwat): Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 4 Uhr 50 Min Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M 6 Uhr 10 Min. Berlin 5 Uhr 40 Min. Thoraabschnitt I isr au: Der Schwiegervater Mosche's besucht letzteren, führt ihm Frau und Kinder wieder zu, nachdem Mosche sie im Lande Midjan zurückgelassen hatte. Mosche geht dem Schwiegervater entgegen, sie küssen sich und Jisran kehrt in Mosche's Zelt ein. Mosche erzählt von dem wnnderreichen Auszug von Egypten, Jisran freut sich darüber. — Mosche setzt sich nieder, um in eigener Person das ganze Volk zu richten. Jisran bemerkt, wie unpraktisch und ermüdend das für beide Teile ist. Er gibt den Rat, Beamte und kl n t e r b e a m t e einzusetzen. Dies geschieht. Jisran kehrt alsbald darauf heim. (Letztere Episode kamt als Beweis für die Göttlichkeit der Thora angesehen werden. Mosche ist kindlich unbeholfen, nicht die p r i m i t i v - st e n S t a a t s e i u r i ch t n n g e n tveiß er zu treffen. Ein s o l ch e r Mann kann nicht für Tausende von Jahren und Tausende von Menscheit Gesetze schaffen. Er ist nur Gottes a n S f ü h r e n d e s Organ! Siehe Hirsch's .Kommentar!! — Israel betritt die Wüste Sinai, um ans dem Berg Sinai die. Lehre zu empfangen. Gott läßt voraus das Volk verwarnen und vorbereiten. Das Volk verspricht Gehorsam. Sie waschen ihre Kleider und halten sich heilig drei Tage im voraus. Der Berg wird nmzäunt. Während des Offenbarungsaktes darf ihn keiner berühren oder gar besteigen. "Am dritten Tage gibt Gott das Gesetz unter furchtbaren Erscheinungen der Natur: Der Berg Sinai erbebte, flammte und rauchte. Eine dichte Wolke lagert über dem Berg, mächtiger Posannenschall ertönt. Mosche allein, hat Seite 5. den Berg bestiegen. Gottes Stimme kündet die „z e h n . Geb o l e", jene G r n n d l e h r e n . d i e der A tk- Menschheit das e r ft e u n d hoch st c S i t t e it -.. g e s e tz ab gaben, die Unterlage jeder w a h r e n K v l t lit. - Das Volk fürchtet die altzngroße Nähe Gottes. Mosche beruhigt das Volk.. Den ' Schluß der Sidra bildet ein Abschnitt über Wesen und Bedeutung des Erd-Altars. "Ans Gründen der Sittsamleit und Selbftheiligmig sollte er nicht durch Treppenstufen bestiegen werden. Es führte eine schiefe Ebene, eine Rampe, zn 'seiner Höhe hinan. Datum der Offenbarung ist nicht angegeben..:7 Aach der Tradition war es der G. Sivan. * In inanchei: Gemeinden wird dem besonderen Inhalt des Wo ch en a b sch m ttes Jisran zufolge in.der. laut vorgetragcnen Tchacharis-Schmono Esrei das „JiSmach-Manscheh" gesungen, eine Anspielung auf - den "Abschnitt der Gesetzgebung. Mancherorts vor Schema im Schachris - Geber die Me-auro-Einschaltmtg „Jmaraus he-cil". Inhalt derselben: Unergründlichkcit des göttliche^ Gesetzes. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. ——— Gegen Gicht und Rheumatismus bewährt. Bunte Chronik. Der II r s p r n n g eines Vermögens. Meyer G u g g e n y eint, Vater von sieben Söh- - ne», war vor Jahren aus Deutschland cingewanbert - und gründete in N ewy o r k einen Kleiderhandel, der i bald en gros betrieben werden konnte. Nun begab - es sich einstens, daß ein Kunde in der Stadt Mexiko '. in Znhliingsstockung geriet. Zwei der Söhne, Unter ihnen Simon, der jetzt voraussichtlich Senator werden wird, mußten eiligst zu dem Schuldner reisen, - da es sich tun eitlen ganz erhebliche,t Betrag handelte. Der Mexikaner empfing sie mit großem Bedauern. ' Er werde schwerlich Bargeld zahleir können, meinte er, aber er habe ein «ilberbergwerk, das er gertr für die Schtildforderung hergeben werde. Er wisse nicht, ob . die Silbermine wertvoll sei oder nicht, da er aus Mangel an Betriebskapital sie, nicht gehörig habe aß» beuten können. Da sonst nichts zu bekommenwar, ' überttahnten die jungen Leute das Bergwerk, das in einem damals noch 'von aller Welt abgeschnittenen Teil der Republik lag. Sie scheuten die Mühe nicht, ' hinzureiseii und fanden bald, daß die Miene reiches ' Erz enthielt. Damals gab es itt Mexiko keine «chmekz-; Hütten oder ^cheidcanstalteii, das Erz selbst wurde ' nach deit Vereinigten Staaten zu weiterer Berarber- - tung geschafft. Die Guggenheims legten an Ort und Stelle eine bescheidene Schmekzhütte an und sitarten so einen großen Teil der Transportkosten, «ie er- . richteten dann Scheideanstalten nniveit Newyorks und errangen bald durch Ankäufe neuer Bergwerke in verschiedenen Teilen Mexikos und der Vereinigten Staaten eine führende Stelle in der Kupfer- und Silber- Produktion. Aus der Geschäftswelt. Die zwecleittsprechende Ausstattuitg von "Anuoneen, einen für jeden Inserenten außerordentlich wichtigen Faktor, behandelt der soeben erschienene ZeIt u n g s -Katalog von R. M o s s e pro 1007 in einer Separat-Beilage „Das Csichs-Jnserat", die mehrere hnndert auffälliger illustrierter Annoncen- Entivürfc enthält. Der Katalog selbst bringt wiederum in übersichtlicher Anordnung alle für den. Jtiscrenteit wissenswerten "Angaben. Das Erscheinen des Katalogs hat sich in diesem Jahre etwas verzögert;: die vielen Pernndernngcn der Jnsertionspreise, die als Folge des neuen Buchdrnckertarifs in Aussicht standen, sollte» Berücksichtigung finden. Die bewährte Form der Schrcibmappe ist beibehaltcn worden. Ein Wasserrehtbrttch ereignete sich kürzlich in dem Lcdcrlager der Firma Ludwig Hirfchfeld tt. Co. in der Fischerfeldstraße. Obwohl der Schaden sofort bemerkt und alles getan wurde, tun. eine größere Atisdehnuttg zn verhindern, sind doch Häute im Werte; von ea. 4000 beschädigt worden. Ter Schaden ist durch Versicherung bei der „Frankfurter Transport?, Unfall- und Glas Versicherungs-Aktien-Gesellschaft" gedeckt. Gute Lust in Wohn- und Arbeits-- räuine» ist im Interesse unserer heute so vielfach gefährdeten Gesundheit ein dringendes Erfordernis gewerdcn. Notwendiger wie manches Möbelstück im Ziinmer ist deshalb eilt entsprechender. Lustreinignngs-Apparar. Der beste' uns - bekannte Lnftreinigungs-Apparat ist: „Goll's Patciit-Danerlüstung „Goklvia". Wir ken-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.