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Neue jüdische Presse · 1906-07-20 · Heft 28 (20.7.1906) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
4 (1906)
Issue
Heft 28 (20.7.1906)
Date
1906-07-20
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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«r. 24. Gewissens-Bedenken bei den Orthodoxen Hervorrufen müssen. Doch nicht etwa um dem Badischen Oberrat diese Vorwürfe zu machen, sind diese Artikel geschrieben worden; dem Badischen Oberrat sind diese Vorwürfe schon zehn, schon zwanzig mal gemacht worden, in der beleidigensten Form gemacht worden, ohne daß der Badische -Oberrat irgendwie dagegen vorgegangen ist. Nicht neue Borwürfe sind es,, um den Badischen Oberrat zu kränken, nein, es sollten nur an.den abschreckenden Beispielen des herrschenden Judentums in Baden die Juden in Preußen ersehen, was sie von der für Preußen geplanten Organisation zu halten haben, And das'Judentum in Preußen sollte aufgerüttelt w er den,um gegen d ie geplan teneue -Organisation Stellung zu nehmen. Personalien. Berlin. . Ernennungen Herr Louis Schlesinger, Inhaber der gleichnamigen Lederfirma in Berlin, Hamburg und Köln, wurde zum Kommerzienrat ernannt. Kapellmeister E. K u n w a l d, ein Enkel Leop. Kompert's, ist zum Dirigenten des Philharmonischen Orchesters gewählt worden. Dr. Felix Glaser'wurde zum Oberarzt der inneren Abteilung des städtischen Krankenhauses in Schöneberg gewählt. Die Aerzte Dr. L. Berliner-Reinickendorf, Dr. P. Loevy-Zebingen, Dr. Karl Stern-Nordhausen, Dr. L. Boe nin- Wattenscheid und Dr. L. Blumenthal- Frankfurt a. M. erhielten den Titel Sanitätrat. Potsdam. Seinen neunzig st en Geburtstag bei geistiger und körperlicher Frischp feierte am 10. d. der Bankier Sam. Zielenziger. In seiner frühesten Jugend mit seinen Eltern von Arneberg a. E. nach Potsdam übergesiedelt, begründete er dort vor nunmehr 51 Jahren ein Bankgeschäft, das bald durch seine hervorragenden persönlichen Eigenschaften zu hohem Ansehen gelangte. 1888 errichtete er in Berlin und' 1898 in Essen Zweiggeschäfte, die gleichfalls in Blüte stehen. An den Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde nahm er stets lebhaften Anteil; Jahrzehnte hindurch war er Vorsitzender der Repräsentanten. Erlangen. Das Ehrenbürg er recht der Stadt Erlangen wurde Prof. Dr. Romenthal zu seinem 70. Geburtstage verliehen. Kaiserslautern. Ihre goldene Hochzeit feierten am 16. ds. der Privatier Moses Becker und seine Frau Babette geb. Becker. Rodenberg «Hessen-Nassau). Hier wurde anläßlich seines 75. Geburtstages eine Gedenktafel für den Dichter Julius Rodenberg (Julius Levi), dem bekannten Herausgeber der> „Deutschen Rundschau", feierlichst enthüllte Julius Rodenberg ist seiner Vaterstadt Rodenberg größter Sohn und hat die Beziehungen zu seiner Vaterstadt, in der er die erste Jugendzeit verlebte, stets gepflegt. Konstanz. Sterbefall. Am 12. dss. Mts. verschied im Alter von 17 Jahren der Direktor der Gesellschaft für elektrische Unternehmungen in Berlin, Herr S. Kocherthaler. Der Verstorbene war früher zehn Jahre Mitglied der Großfirma Leviu. Kocherthaler in Madrid und seit neun Jahren in Berlin in der elektrischen Großindustrie erfolgreich tätig. Außer bei der vorgenannten Gesellschaft war er apch Direktor der Elektrizitätswerke Südwest, Akt.-Ges. in Schöneberg, und Mitglied des Aufsichtsrats einer Reihe weiterer Gesellschaften. Budapest. Auszeichnung. Univerfitätsprofessor Dr. Eduard Maihler, ein Orientalist von europäischem Ruf, ist zum Offizier der französischen Akademie der Wissenschaften ernannt worden. - London. Adelsverleihung. Der Bankier Edgar Speyer,. Seniorchef der Firma Speyer Brothers, wurde in den Baronetstand erhoben. Sir Speher wurde 1862 als Sohn des Bankiers Gust. Speyer in Frankfurt a. M. geboren. London. Alfred Beit gestorben. Auf seinem Landsitz in Hertfordshire starb, am 16. ds. Alfred Beit, einer der reichsten Männer Englands, ein Mann mit den größten Ideen. Beit, aus Hamburg gebürtig, dem er stets das größte Interesse bewahrte (erst im Februar stiftete er 2 Millionen für eine Universität in Hamburg), war Teilhaber des Hauses Wernher, Beit u. Co. und einer der bedeutendsten unter den Minenmagnaten des Transvaals. Beit war.nicht verheiratet. Manchester. Auszeichnung JvanLevinstein, geb. 1815 zu Berlin, eine der hervorragendsten Persönlichkeiten in den Kreisen der chemischen Industrie, wurde von der hiesigen Universität mit der Würde eines „Master of Science" ausgezeichnet. . Paris, 18. Juli. Major Dreyfus wird seinen Dienst in Bincennes am 1. Aug. antreten. Bis dahin wird auch der' Ordensrat der Ehrenlegion sein Gutachten über die Verleihung des Ordens an Dreyfus abgegeben haben. Paris- Auszeichnung. vr. med. F.Widal wurde zum Mitglied der Akademie der Medizin! gewählt. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Paris, Sterbefall. Der durch seine zahlreichen Stiftungen zu "Gunsten der französischen Astronomen bekannte frühere Finanzier und Senator Raphael B i s ch o f f s h e i m ist gestorben. Er hatte iv a. die berühmte Sternwarte Mont Gros bei Nizza gestiftet und unterhalten. Rew-Uork. Sterbefall. Am 17. Juni starb nach fünfjährigem Leiden die bekannte und hochgeachtete Aerztin Mrs. Mary Putmann-Jacoby, Gattin des berühmten Kinderarztes Dr. Abraham Jacoby. Als Tochter des Journalisten George P. Putmann 1813 in London geboren, kam sie, fünf Jahre alt, mit ihren Eltern nach Newyork. Schon in jungen Jahren zeigte sich ihre Liebe für die Wissenschaft. Nachdem sie in Philadelphia das Womens Medical College und das Newyorker College of Pharmarcie besucht hatte, ging sie zur Vervollkommnung ihrer Studien nach Paris und verblieb dort fünf Jahre. Sie promovierte an der Ecole de Medicine als die erste Frau, die zu. diesem Institut zugelassen wurde. .Zurückgekehrt nach Ncwyork, trat sie in das Lehrkollegium der Newyorker Academie öf Medicine. Die Heimgegangene war die Verfasserin mehrerer medizinischer Werke, und eiftige Verfechterin des Frauenstimmrechts. Ernennungen. Der Posten eines Direktors an dem chemischen Laboratorium der Universitätwelchen bisher Professor Morris L o e b inne hatte, ist Dr. Arthur Decket Lamb angeboten worden;) fernex wurde. Rev. Dr. Abram S. I jfa a c s die Professur für Hebräisch übertragen. Ans der Lehrerwett. Breslau. An dem Ferienkursus für Religionswissenschaften, der gegenwärtig hier abgehalten wird, nehmen 23 Herren und 7 Damen teil. Konstanz. Am 8. dss. Mts. beging Herr Religionslehrer und Kantor Geismar sein 25jähriges Jubiläum als Beamter der hiesigen Synogen- Gemeinde. Stratzburg. Die Generalversammlung des elf aß - lothringischen Rab Line r-B erbau d e s wird am 7. August d. I. im Hotel Romann stattfinden. Herr Oberrabbiner Ury versendet folgendes Zirkular an die Rabbiner seines Bezirks: „Sehr geehrter Herr Kollege! Ich ersuche Sie höflichst, die Herren Kantoren Ihres Rabbinats einer fPrüfung in Schechita, im Uebersetzen des Gebetuches und des Pentateuch zu unterziehen und mir im Laufe von drei Monaten das Resultat mitteilen zu wollen. Bitte Sie gleichzeitig um Ihre gefällige Aeußerung über das moralische Verhalten Ihrer Prüflinge." Die Bedeutung dieses Rundschreibens Ist uns nicht ganz verständlich. Sollten wirklich erst die Rabbiner der Einzelbewirke durch den Oberrabbiner zur Beaufsichtigung der Schechita, was doch eine ihrer wichtigsten Aufgaben sein sollte, veranlaßt werden müssen, so ist das ein neuer Beweis für die „Segnungen" der Konsistorialverfassung. Die Prüfung der Fähigkeiten der Kantoren im Hebräischen aber erscheint uns geradezu ungeheuerlich, und es würde uns sehr interessieren^ näheres über die Begründung dieser Forderung zu hören. Es handelt sich doch um Lehrer, die ihr Amt zum Teil schon seit Jahren versehen. LemeS «Ungarn). 17. Juli. Bei der Sonntag stattgefundeneu Generalversammlung der hiesigen Gemeindefund Bezirkes wurde Herr M o s e s D e u t s ch, Sohn des Bonhhäder und Schwiegersohn des Erlauer Oberrabbiners mit großer Begeisterung zum Bezirksrabbiner, gewählt. Der neugewählte Rabbiner erfreut sich in allen Kreisen des Rufes eines bedeutenden und vorzüglichen Redners und istdaher die Gemeinde zu ihrer getroffenen Wahl zu beglückwünschen. Budapest. Am 10. und 11. ds. fand hier eine Konferenz der Melamdim und Religionslehrer statt. Dieselben beschlossen, sich dem orthodoxen Pensionsverein „Agudas Pekide Hakehilaus" anzuschließen, jedoch, zur Wahrung ihrer sonstigen Interessen einen eigenen Unterstützungsverein zu gründen. Rew-Uork. Trotzdem er erst vor einigen Jahren aus Oesterreich eingewandert war, hat der plötzliche Tod Rabbi Chajim Katz, genannt Rabbi Chajim der Tute, eine große Lücke in dem.East End-Distrikt Ridge street, dem bevölkerten der Welt, gerissen. Rabbi Chajim, der in den wenigen Jahren seines hiesigen Wirkens eine Synagogen-Gemeinde und eine Talmudschule gründete, verstand es, sich jeden, mit dem er bei seiner unermüdlichen Tätigkeit in Berührung kam, zum Freunde zu machen. Aus -er zionistische« Bewegung. Frankfurt a. M. Eine Herzl-Gedenkfeier imiHochfommer — ein Wagnis, das nur wenige Ortsgruppen sich geleistet haben dürsten. Der Frankfurter Ortsgruppe ist dieses Wagnis' glänzend gelungen, denn der große Saal des'Kaufmännischen Vereines war gut besetzt. Seile fl. Die Feier selbst nahm einen würdigen Verlauf. Slktionskomitce-Mitglied Dr. Frieikemann, der Freund des großen Toten, hielt die Gedenkrede. Mit meisterlicher Feinheit zeichnete der Redner an dem Faden seines äußeren Lebensweges die Psyche Herzl's, damit beantwortend, was es war, das ihn so hoch über alle anderen Menschen hob, was ihn, der vollständig außerhalb der Sphäre jüdischen Denkens und jüdischer.Sitte exogen war und lebte, befähigte, in einetn Augenblick fein Volk zu erkennen, in einem Augenblick zweitausend Jahre des Golus-« lebens seines Volkes zu begreifen. Erst die Dreyfus-Affäre hatte Herzl's Augenmerk auf die Judenfrage gelenkt, und Zola's mächtiges J'accuse war es, das eine der gewaltigsten Gestalten der jüdischen Geschichte schuf, denn die Frucht des Zolaschen Donnerwortes war Herzl's „Judenstaat"» mit welchem Buch in Herzl die jüdische Volksseele er-, wacht war und nun schnell über Länder und Meere hinweg ein zum Leben erweckendes Licht in hunderttausende jüdischer Seelen von ihrer Feuerskrast' hineinsenkte; der „Judenstaat" schuf den modernen Zionismus und machte Herzl zum Führer, seines Volkes. Mit atemloser Spannung folgte das Publikum dem Redner, der mit den Worten: „Mitten» im Leben ist zu ihm der Tod gekommen; wenn er zu großen Menschen kommt, schreitet neben ihm die Unsterblichkeit" schloß. Dem Vortrag ginget Rezitationen — die Rezitationen hatte Fräulein S ch a m e s übernommen — voraus und nach. Frankfurt a. M. Für den Rationalsonds gingen bei. der Expedition des Frankfurter Israel. Familienblattes ein: Zur Eintragung des Herrn Medizinalrat Dr. Adler-Lübeck in das „Goldene Buch" Ch. F. 20, I. H. 20, I F. 20, Lassar Levisohn 20, SO S. H. Goldmann gratuliert Herrn und?rau Dr. Jakob Feuchtwanger zur Geurt ihres Sohnes Jk 1.— Marie Anneler-Beck, Bern M. 15.— Selbstbesteuerung von S. N. JL 1.20 Leopold Oppenheimer JL 1.— Jos. Oppenheimer I., und Jos. Oppen- . heimer II. M. 1.80 Dr. <§., Benno Lamm, S. Nd.» Saly Geis, Selmar Geis ü 30 Pfg. M, 1.50 Materialien von Speyer und Oppenheimer. Berlin, 18. Juli. Hier wurde gestern ein Misrachi-Berein gegründet. Haauover. Gründung eines Misrachfl- Vereins. Hier hat sich ein Misrachi-Berein gebildet, dem 25 Herren beitraten. Der Vorstand besteht gus den Herren Brüh, W i e s e n f e l d, C. Kahn, Horovitz'und Schul. Wien. Theodor Herzl-StraßeinCzernow i tz. Wie das Lemberger „Tagblatt" vom 13. ds. Mts. zu berichten weiß, hat der Czernowitzer Gemeinderat einstimmig beschlossen, eine Straße in! Czernowitz nach dem verstorbenen Zionistenführer Dr. Theodor Herzl zu benennen. Dies ist die erste Theodor Herzl-Straße der Welt. Jaffa «Palästina). Hier ist eine Gesellschast „P a l ä st i n a - I n d u st r i.e - G e s e l s ch a f t" mst einem Kapital von 1000 Lstr. (160 Aktien h. 25 Lstr.) gegründet worden. Herr Lewantin, der Direktor der hiesigen Filiale der Jüd. Colonialbank, ist nach Beiruth gefahren, um dort eine Filiale der Colonialbank zu eröffnen. Rew-Uork. Die jüdische Knaben-Brigade, die bis zum Januar 1905 mst der Association deramerikanischenZionisten vereinigt war» und jetzt unter dem Namen American Boys Brigade figuriert, hat einen interessanten Bericht über ihre Tätigkeit im abgelaufenen Jahre deröffentlicht. Die Organisation bezweckt die physische und moralische Hebung der jüdischen Knaben in den dicht bevölkerten Distriken der City, indem sie Reinlichkeit, Ordnung, Disziplin, Selbstbewußtsein, Genügsamkeit den Knaben anzuerziehen bestrebt ist. Sie ist nach dem Muster der Jewish Labs Brigade in London, die jetzt 1000 Knaben zählt, zugeschnstten. Die Hebungen werden täglich des Nachmittags und Llbends mst Ausnahme des Sabbats und des Sonntags vorgenommen. Das Alter der Knaben ist zwischen 8 und 18 Jahren. Die Brigade erhält sich dadurch, daß ein jeder Knabe 2 Cents die Woche zahlt und 3000 Dollar vom Publikum zugeschossen werden. Cape Tow«. Ein großes Meeting mst dem doppelten Programm, zu ehren das Andenken Herzls gelegentlich seines Jahrzeststages und zu protestieren Legen die Bjelostoker Greuel, wurde hier letzten Sonntag abgehalten. Es waren die angesehensten Persönlichkesten der Stadt, u. a. der gewesene Premierminister Schreiner und der Kommissionär der öffentlichen Arbesten Shmart, anwesend.^_ Rew-Uork, 6. Juli. Die Jahresversammlung der amerikanischen Zionisten fand unter Anwesenheit von 300 Delegierten letzten Sonntag und Montag in Tannersville (N. P.) statt. Präsident Dr. Harry Friedenwald leitete die Versammlung. Es wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt:

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