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Neue jüdische Presse · 1905-04-07 · Heft 14 (7.4.1905) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 14 (7.4.1905)
Date
1905-04-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Nr. 14 des Frankfurter Israelitischen FamilieMattes. Inhalt -er Beilage: O ffcne Anfrage. — Aus aller Welt. — Aus den Vereinen. — Aus derLehrer» welt. — .Jüdisch e Jugend." Offene Anfrage an Se. Ehrwürden Herrn Rabbiner Elieser R a bbinowitsch in Minsk (Rußland). In dem von dem Ex- und Antizionisten A k i b a Rabbino witsch in Poltawa redigierten Organ der Lischkoh haschechauroh, dem „Hapeles",, ist unter anderen angeblichen Meinungsäußerungen einiger russischer Rabbiner gegen den Zionismus und den „Misrachi" auch ein Brief von Ihnen, Herr Rabbiner, abgedruckt, in dem cs u. a. heißt: Und obgleich der Misrachismus sich einen schönen Anschein gibt und sich äußerlich iii ein Mid der Gottesfurcht und der Hebung der Religiosität hüllt, so steht es doch für jeden, der das innerste Wesen der Sache erkennt und durchschaut, ohne jeden Zweifel fest, daß der Zionismus selbst und alles, tvas sich ihm anschließt — daß dies und jenes (Zionismus und Misrachismus) eineAri, beides gleicherweise nicht gut ist; daß der östliche wie der westliche Zionismus nicht Stärkung und Einigung, sondern Entzweiung zum Zweck hat" nsw. Hingegen lesen wir in einer zufällig in unsere Hände gelangten Zuschrift v o n Ihrer Hand, Herr Rabbiner, an Herrn Rabbiner Reines in Li da, das folgende: i) „An meinen verehrten Freund, den berühmten Gaon, den scharfsinnigen und kundigen, hochbegabten, durch Gottesfurcht vor Vielen ausgezeichnet:», durch seine edlen Eigenschaften hochberühmten, ruhmgekröntcn Rabbi Jizchok Jakob Reines, den Gaon und Rabbiner von Lida! „. . . . Als ich ans der Sommerfrische heimkchrte, fand ich Ihr wertes Schreiben vor, die Stimine Jakobs, die um Beistand ruft/) und obgleich es nicht Pflicht ist, ein allgemeines Rundschreiben zu beantworten, wo die Antivort keine meritorische ist, so halte ich es doch, da die Sache von eineni verehrten Gaon wie Sie a u s g e h t, für meine Schuldigkeit, den Empfang zu bestätigen, wiewohl, tvas die Einzelheiten betrifft, diese nur auf mündlichem Wege gründlich besprochen werden können. Möge Euer Ehrwürden nach Herzenswunsch Gottes Segen empfangen, möge Haschem Jisborach mit Ihnen sein und Sie fördern .... mögen Sie die Tröstung Zions und Jerusalems, die Wiedereinsetzung unserer Richter miterleben; mögen Sie mitansehen die Hebung des Ansehens der Thora und die Aufrichtung unserer heiligen Religion, wenn die Kinder in ihr Gebiet zurückkehren werden... Des Friedens Fülle ergieße sich über Sie, verehrter Gaon, nach dem Herzenswunsch Ihres Sie in Liebe grüßenden Elieser Rabbinowitsch." Wir erlauben uns nun, Herr Rabbiner, in aller Ehrerbietung, die Anfrage: Wie reimen sich diese Ihre beiden Aeußerungen zusammen? Wie ist es möglich, daß ein von Ihnen hochverehrter, nach Ihrem eigenen Zeugnis durch Gottesfurcht und Thorakunde hervorragender Gaon, nun auf einmal von Ihnen selbst als gefährlicher Heuchler hingestellt wird, der einer Bewegung vorsteht, die sich nach Ihrem Vorgeben hypokritisch in einen Mantel der Gottesfurcht hüllt, im innersten Wesen aber verderblich und ketzerisch ist und nur daraus ausgeht, Unfrieden und Abfall zu stiften? Oder ist Ihr im „Hapcles" abgedruckter Brief etwa gefälscht? Es wäre für die jüdische Oeffeutlichkeit von dem größten Interesse, dies zu erfahren. Wir bitten Sie, Herr Rabbiner, d^n Tatbestand klarzustellen. ’ E. Aus cUTcr Wett. Deutsches Reich. Berlin.-Mraf Pückler in Klein-Tschirne hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, in Berlin wieder reden zu dürfen. Die „Pückler-Vereinigung" hat ihren .Vorsitzenden, Buchdruckereibesitzer Mitsching, beauftragt, dem Minister des Innern von Bethmann-Hollweg ein Gesuch um Aufhebung des vom Polizeipräsidenten erlassenen Redeverbots zu überreichen. . Ein gleiches Gesuch, das seinerzeit an den Minister von Hammerstein gerichtet wurde, blieb - ohne Antwort. In der neuen Eingabe wird erklärt, man hoffe von dem Gerechtigkeitsgefühl des neuen Ministers, daß er das nachholen werde, was seinem Vorgänger durch den Tod unmöglich gemacht wurde. Man bitte, daß einem preußischen Staatsbürger seine Rechte wieder zurückgegeben würden. i) Uebersetzung aus dem Hebräischen. ■*) Es handelte' sich um ein Zirkular in Angelegenheit des „Misrachi". Berlin. „Die Familie Zw i", einvierakliges Stück von David Pinsky in jüdisch-deutscher Sprache ist von russischen Studenten Berlins im Moabiter Stadtthcater zur Aufführung gelangt. Aus den Vereine«. Frankfurt a. M. Am Mittwoch, den 29. März fanden für das diesjährige Winterhalbjahr die Abende des Vereins Nachalath Zwi mit eineni Literatnrabend ihren Abschluß. Herr Leopold Schwab, der neben Herrn Jacob Rosenheim Seele und Träger des im Geiste Samson Raphael Hirsch's wirkenden Vereins ist. "hatte Moses Mendelsohn's berühmtes Merk Jerusalem oder über religttöse M ach t und Judentum zur Besprechung gewählt. Er begann mit einer Charakteristik der jüdischen Persönlichkeit Mendelsohn's. Gleich Samson Raphael Hirsch, war es auch Mendelsohn's Ideal, seine jüdischen Brüder zu modern gebildeten und gleichzeitig vollkommen gesetzestreuen Jehudim zu erziehen. 'Auch er ahnte es, daß nur ans diesem Wege Rettung war, sobald eimnal ein freier Luftzug in die Dumpfheit des Ghettolebens drang und die Thora zu gefährden drohte. Keines schlimmeren Unrechts konnte sich daher am Genius der ßicschichte und an den Manen des Weisen die Reform zu schulden kommen lassen, als Mendelssohn für sich zu reklainieren. 'Auch Mendelssohns Werk „Jerusalem" zeigt, daß voll und ganz die Ideale des gesetzestreuen Judentums in sich trug. Es war im Jahre 1781, als Christian Wilhelm Dohm zu Gunsten der französischen Inden eine Schrift „lieber die bürgerliche Verbesserung der Juden" veröffentlicht und damit den Anstoß zur Einanzipationsbewegung gegeben hatte. Auf die vielen von blindem Fanatismus und Antisemitismus erzeugten Gexenschri ten hin wurde nun Mendelssohn, der sich bereits einen glänzenden Namen a's Philosoph erworben h tto, veranlaßt, aus seiner Reserve heranszutreten und sich für seine Brüder in die Bresche zu stellen. Er verfaßte zu denk damals — also 2 Jahrhunderte nach seinem Erscheinen — ins S)eutfd)c übersetzten Menasse ben Israels „Die Rettung der Juden" eine Vorrede und legte darin seinen Standpunkt zur Emanzi"atio»sfrage fest; durch die hiernach en'strndene Disknis'on fühlte Mendelssohn sich dann bewogen, seine Anschaunng über das Verhältnis von Staat und Kirche einerseits und seine jüdische Lebensanschauung andererseits klar ulegen, und so entstand Jerusalem. Das Buch zerfällt somit in zwei Teile, von denen in dem Kreise des Nachalath Zwi nur der zweite für eine eingehende Würdigung in Frage kam. Dort wird, nachdem Mendelsohn i,n e r st e n Teile der Religion als solcher das Recht zum Gebrauch aller äußeren Machtmittel abgesprochen und sie ganz auf Lehre und Erinahnung verwiesen hat, die Frage zu lösen versucht, warum das Judentum dieser Vorstellung einer alles Weltlichen entkleideten Religion so wenig entspreche. Mendelsohn kommt zu dem Ergebnis, daß das Judentum eben keine bloße Religion, sondern eine zur Verwirklichung religiöser Endzwecke geschaffenes Volks- und S t a a t s w e s e n sei. .Wer beispielsweise den Sabbath entweihte, war im jüdischen Staate nicht ein Religionsschänter allein, sondern ei: Hochverräter, der das Staatswefen in seinen G undvesten verletzte. — Wie ernst es M. mit seinem Judentum war, erhellt aus dem rührenden Bekenntnis in Jerusalem. Gesetzt den — unmöglichen — Fall, daß es etwas in seinem Judentum gäb^, das seiner Vernunft widerspräche, so würde er ihr Sti lschwrigen gebieten und inbrünstig das Bfalmwot aussprech n „Gott, sende mir das Licht Deiner Wahrheit, daß sie mich bringe und leite zu Deinem heiligen Be ge, zu Deinem Wohnsitze." Für Mendelssohn gibt es bei der Thora keine besonderen Fundamentalbegri fe — alles ist Fundament — alle Gesetze Fundamentalgesetze, wenn auch die Quintessenz der ganzen Thora aus der bekannten Erzählung von Hil.'el und dem Heiden klar hervortritt, daß die ganze Thora nur Kommentar bilde zu dem einen Gebot: Du sollst Deinen Nächsten wie Dich selbst lieben. Der Referent wies an Hand des gesamten Gedankenganges „Jerusalem's" nach, daß der gesetzestreue Standpunkt Mendelssohns unzweifelhaft feststehe; wenn er nicht in allen Ausdrücken und Redewendungen klar zu Tage trete, so komme es daher, daß. das Buch sich an ein christliches Publikum wende und deshalb mit dessen Anschauungsweise rechnen müsse. In der Diskussion wurde zunächst darauf hingewiesen, daß das Grundproblem in Jerusalem — das Verhältnis von „Staat" und ,„Kirche" im Judentum — in unseren Tagen durch den Zionismus ungeahnte Aktualität erlangt habe und daß eine wissenschaftlich und religiös befriedigende Lösung dieses Problems die Vorbedingung für einen echten Sieg des Misrachi innerhalb des Zionismus bilde Im übrigen erörterte man noch eingehend das Ver hältnis der Mendelssohnschen — vorkantischen Ideen zu der Gedankenwelt S. R. Hirschs. Eröffnet wurde der Abend durch ein Re'erat des Herrn S. v. M a a r ß e n über He y e r m a n s D iamantstadt. Der Referent gab eine Skizze der überaus dürftigen Handlung des Romans, der im dunkelsten Judenviertel Amsterdams spielt und eine durch keinerlei Lichtstrahl erhellte Graumalerei des niederdrückenden Milieus bietet, in dem jene Aermsten der Armen leben. Heyermans erblickt d'e Re.tung in völliger Assimilation, jede Spur gründlicher Kenntnis und gerechter Würdigung des Judentums ist ihm fremd, sodaß der Roman, sowohl künstlerisch als ethisch betrachtet, eine höchst unerquickliche Lektüre bildet. Der Vorsitzende schloß den Abend und dam't die Winterarbeit des Vereins mit dem Wunsche, daß die ausgestreuten Keime im Sommer ausgehen und als reise Früchte der 'Arbeit des künftigen Winters zugute kommen möchte». Frankfurt a. M. Verein .Montefiore". Die Hauptversammlung des „Montefiore"-Ve7ein fand am 29. März er. statt und erfreute sich eines sehr zahlreichen Besuches seitens der Mitglieder. Da sich ein näheres Eingehen auf den Jahre:- und Kss niericht infolge der Drucklegung desselben erüb igte, konnte bald zur Wahl für die ausscheidenden Vortandsmitglieder geschritten werden. Die Herren Willi Mainz, S. Spangenthal und S. Singer wurden wieder- und als Ersatz für die eine Wiederwahl ablehnenden Her en Levi und Eisenkrämer die Herren Max Frenkel und Alfred Berger neugcwählt. Zum 1. Borätzenden des Vereins wurde Herr Felix Horovitz mit großer Majoritüt bestiinmt. Als Beweis für das lebhafte Interesse, welches di: M tgliedec dem Ver in entgegcnbringe», folgte dann noch eine angeregte Debatte über verschiedene Anträge und Anfragen aus der Versammlung. Berlin, Die Mitgliederversammlung des Vereins jüdische Arbeiterkolonie und Asyl in Weißensee bei Berlin fand am 26. März ds. Js. im Bureau des Dentsch-Jsraelitilchen Gemeindebundes statt. Der Vorsitzende, Herr Fabrikbesitzer Moritz R o s e n o w, gedachte des im Berichtsjahre Heimgegangenen Mitbegründers, ersten Vorsitzenden und immerwährenden Ehrenmitgliedes, Herrn Maurermeisters Marcus Adler, mit Worten dankbarster Anerkennung. Der Be icht über b'e güntige Entwickelung der Kolonie, die in der kurzen (eit ihres Bestehens schon über 1609 Unglücklichen Aufnahme gewährt hat, fand freudige Aufnahme. Bor allenr verdient der gute Geist, der in der Kolonie herrscht, die lebthafteste Anerkennung. Es konnte auf schöne Beispiele echt menschiicker Gesinnung, tir nicht nur in zahlreichen Da "kschr iben frühe er Kolonisten an den Inspektor, sondern auch in cb.'eu H ndlnngen zum Ausdruck kamen, hingewiesen werden. Trotz der wachsenden Sympathie hat sich, wie der Rechnungsbericht für 1964 ausweist, ein Fehlbetrag von Alk. 551.10 ergeben. In dankenswerter Weise hat sich der Vorsitzende des Wohlfahrtsauschusses, Herr Oscar Tietz, bereit erklärt, dieses Manko zu decken; sein Stellvertreter, Herr Max B l u m e n f e l d t, hat Mark 50 für die Ergänzung der Turngeräte bewilligt. Zu dem Wohlfahrtsausschuß wurden die Herren: Emil Cohn, Samuel Cohn, Moritz Dante l s o h n und Emil I a c o b y in Fa. Wagner & Jacoby hinzugewählt. Die ausscheidendcn Vorstandsmitglieder und Kassenreoisoren wurden einstimmig wiedergewählt. Berlin. Der im Frühjahr 1994 begründete Verband d e r D e u t s ch e n I u d e n", dem nunmehr fast ausnahmslos alle größeren jüdischen Gemeinden und sonstigen Verbünde beigctreten s nd, hat in Berlin einen ständigen Ausschuß gebildet. Die Tätigkeit des letzteren erstreckt sich unter anderem auf Wahrung der Rechte der Juden bei der für Preußen vorbereiteten Schulreform; ferner ist eine im ganzen Reiche veranstaltete Umfrage im Gange über Zurücksetzungen, welche Juden ihres Clmbens halber in den verschiedenen Zweigen der Staats- und Kommunalverwaltung, im Zivil- und Heeresdienst erleiden. Besonders ins Äuge gefaßt ist hierbei auch eine aktenmäßige Feststellung des Ausschlusses jüdischer Bürger vom Schössen- und Geschworenendienste. Der Verband plant für den Oktober 1905 eine öffentliche Hauptversammlung. Sul; a. Wals. Der hiesige israelitische Handarbeitsverein hatte während deS Winters eine Lotterie veranstaltet, deren Reingewinn hauptsächlich zu Gunsten der russischen Auswanderer verwendet werden sollte. Am Purim fand die Ziehung derselben statt und konnten — nach Abzug der Kosten — von der Lotterie und der damit zusammenhängenden Abendunterhaltung folgende Gelder zur Verfügung gestellt werden: 400 Mark für das Answanderungskomitee zu Basel» 250 Mark dm Armenrat von Sulz, 125 Mark der isr. Armenkasse daselbst. Amsterdam, im März 1995. Nicht allein in Deutschland, sondern auch anderwärts, besonders in den Niederlanden, gewinnt die Alliance Jsraelite Universelle, hier unter dem Name» „Allgemein Jsraelietisch Verband" bekannt, neuen

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