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Neue jüdische Presse · 1905-01-20 · Heft 3 (20.1.1905) · page 13

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
3 (1905)
Issue
Heft 3 (20.1.1905)
Date
1905-01-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 3. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Sir. 3. Liebliche, rotwangige Kinder hüpften munter und geschäftig um den Tisch, und betrachteten bon allen Seiten die leckeren Gaben, froh in Erwartung des seltenen Genusses, nach Herzenslust sich laben zu dürfen an soviel Gutem. Und als dann Mütterchen hereintrat und jedem der Kinder ein Tellcrchen füllte, hatte die Freude der kleinen Kinder ihren Höhepunkt erreicht. „Siehst Du, Junge, das gilt uns und unserrn Feste," belehrtc der Alte, „so freuen die Menschen sich am Obamlsebo-Ossor mit uns und zeigen ihre Zuversicht Ln Gottes Güte, der in Winters Nacht einen Strahl-von Frühlingshosfnung sendet. Staunend sah der Junge auf das Treiben der Kinder. — Jetzt traten diese aus der Stube, faßten sich an den Händen und tanzten vergnügt um den Apfelbaum herum, der gerührt diesem Treiben zuschaute. Ein kleines Mädchen hatte sich aus der Kette ausgeschlossen, well es noch beschäftigt war, in einen großen Apfel zu beißen, dessen Backen wetteiferten an Frische und Farbe mit seinen eigenen schönen, roten. Der alte Baum erkannte seine Frucht! Hoch zu oberst in seinem Wipfel hatte sie sich gewiegt und bis zuletzt allem Schütteln tapfer getrotzt, und hätte man sie nicht endlich noch mit dem Obstbrecher losgelöst, sie hätte sich nie getrennt vom Stamme. Mit Schmerzen sah ihr damals der Alte nach, nur schwach getröstet durch das Bewußtsein, daß es seine Bestimmung ist, die Menschen zu erquicken: Aber heute, da er der Kinder Freude sieht an seinem Feste, da weiß er zum ersten Male in seinem langen Leben, daß kein Opfer zu groß ist, um solche Wesen zu erfreuen. Und Wunsch und Hoffnung steigen auf in ihm und klingen als ein einziger Akkord durch seine Zweige. Möge das kommende Jahr ein fruchtgesegnetes werden, um Schatten und Labung denen gewähren zu können, die bei ihm diese Spenden suchen. 8. B. . essen. Bei dem Eintritt des Schabbos zündet unsere Waisenmutter die Lichter an und spricht die üblichen Segenssprüche. Wir sprechen nun leise das Abendgebet. Dagegen wird „Lecho daudi" zur Verherrlichung des'Schabbos gesungen. Der älteste Zögling macht feierlich Kiddusch, und wir Kinder hören aufmerksam zu. Alsdann nehmen wir im hellerleuchteten Saale, am weißgedeckten Tische die.Abendmahlzeit ein. Nachdem dieses geschehen ist, singen wir „Smiraus" und das Tischgebet. Die Kleinen werden ins Bett gebracht, während wir Großen in traulichen Gesprächen den Rest des Abends verbringen. Am. Schabbos Morgen ist es uns gestattet, etwas später aufzustehen. Unsere erste Beschäftigung ist das gemeinsame Sprechen der Gebete. Dann trinken wir Kaffee und essen mit Behagen unseren Schabboskuchen. Ist schönes Wetter, dann geht unsere liebe Waiscnmutter mit uns spazieren. Ist dieses nicht der Fall, dann vertreiben wir uns die Zeit ntit Lesen. Nach dein Essen sprechen wir das Minchagebet. Den freien Nachmittag dürfen wir nach Belieben im Hause verbringen. Auch dürfen die Kinder, welche Angehörige hier haben, von diesen Besuch empfangen. In der Dämmerung sitzen wir Kinder kreisförmig und singen schöne, deutsche Lieder, bis die blinkenden Sterne am Himmel den Schabbosausgang ankündigen. Nun wird das Maariwgcbet gesprochen. Dann wird das Habdoloh in derselben feierlichen Weise gemacht, wie am Abend vorher das Kiddusch. Wir gehen alle neu gestärkt und fröhlich an die verschiedenen Arbeiten und freuen ikns schon im Stillen auf den nächsten Schabbos. Hoffentlich gefällt Dir meine kleine Beschreibung. Eine große Freude würdest Du uns bereiten, lieber Schreibonkel, tvenn Du uns an einem Schabbos oder sonst einmal besuchen würdest. Es grüßt Dich freundlichst . Lina P e r l m u t t e r. Lieber Schreibonkel! ^ie freute ich mich, als unsere Waisenmutter mich auf Deine lb. _Aufforderung, Dir zu beschreiben, wie wir unserrn Schabbos verbringen, aufmerksam machte. Um Dich nicht länger im Unllaren zu lassen, will ich Dich gleich in mein Heim einführen. Ich bin der Zögling einer Waisenanstalt. Meine Beschreibung wird von vielen anderen abweichen, da ich den Schabbos leider nicht im Ellernhause verleben kann; demwch begrüße ich ihn nicht minder freudig, auch wird er in der Anstalt ebenso gefeiert und verherrlicht, wie in vielen, echt jüdischen Familien. Da der Schabbos schon am Freitag Abend beginnt, so rüsten wir, meine Mitschwestern und ich, uns schon nach dem Mittag- Rätsel. 7. Zwei Zeichen sind's, ihr Zahlenwert ist sieben, In Juda's Chronik sind sie aufgrschrieben. Am Freitag-Abendtisch kannst du es finden. Liest statt von vorne Du das Wort von hinten. Auflösung des Rätsels Nr. 6: nj? Haut, “TiN Licht, 1^ Fluß. Louis A. A. Schmidt 45 Bleidenstrasse 45 Frankfurt am Main. 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