Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 2 (1904)
- Issue
- Heft 44 (18.11.1904)
- Date
- 1904-11-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4A. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. U. Ted ihres Vaters kann sie sich nicht erinnern, aber sie weiß, daß er draußen liegt, weit hinter der Stadt am Friedhöfe; er liegt in einer tiefen Grube »itd kann von dort nte heraus, im Sommer auch nicht. . . Niemals! . . . Darum hütet sic sich und. sitzt die langen Wintertage zu Hause in der Stube; sie wartet, bis es finster wird und die ' Mutter kommen muß. „Schon finster!" geht sie beständig zum Fenster. „Bald, bald muß sie kommen." - Aber das Warten dauert ihr sehr lange. In dem kleinen Stübchen mit den verfrorenen kleine» Mheiben wird es finster, während es auf. der Gasse noch hell ist, und die Zeit dehnt sich für Röschen so lange. „Es ist doch schon finster, warum kommt sie nicht?" seufzt sie mit Ungeduld. Md wenn im kleinen Stübchen die Finsternis dicht wird und Röschen die Dinge um sich nicht mehr unterscheiden kann, außer dem kleinen Ofen, den die Mutter vor kurzem mit Kalk verklebt hat, bann pflegt sie ein Geräusch an der Türe zu hören. Ihr Meines Herzchen will ihr vor Freude aus dem Busen springen und sie trällert : „Die Mutter kommt, die Mutter kommt!" -Sie weiß, daß sonst niemand zu ihnen kommt, uird wirklich, die Mutter kommt. 'Halb erfroren stellt sie Len Korb neben .die. Türe und ruft; „Wo bist du, Röschen?" „Da bin ich, Mutter; hier beim Bett — zünd' nur das Feuer an." Die Mutter reibt ein Zündholz «n und entzündet die Lampe. Ein schwacher Schein erhellt das Stübchen— aber für Röschen ist es genug. Sie braucht nur die Mutter zu sehen. Und sie sieht sie ganz gut vor dem rauchigen Feuer und ihr Herz wird fröhlich. . ■ „Mutter, wirst du Nachtmahl kochen?" „Gewiß," antwortet die Mutter, „bist wohl hungrig?" „Nein! Ich Hab' gar keine Lust zu essen, aber du. willst doch essen." „Ich will auch nicht, ich Hab' auf dem Markte ein halbes Pfund Brot gekauft und es mit einem angefaulten Apfel verzehrt!" Die Mutter schürt das .Feuer. Als es tüchtig brennt, stellt sie einen Topf Wasser zu und setzt sich mit '-MöSchen abseits. Diese blickt bald aufs Feuer, bald auf die Mütter, und sie sühlt'süh so wohlso^värm:^ Das Wasser im Topfe beginnt lustig zu brodeln. Die Mutter kocht ein wenig Gräuptzn und in einer halben Stunde.-verzehren sie gemeinsam ihr Nachtmahl. : Nach den ersten zwei Löffel beginnt die Mutter zu husten. Röschen hört auf zu essen und wartet, bis der -Anfall vorüber sein wird. Die Mutter, will ihr sagen, sie möge nicht warten und nur weiteressen, aber der Husten würgt sie und sie ist nicht imstande, ein Wort hcrvorzubringen. ' „-Dtütterchcn, hast schon genug gehustet," bittet das kleine Röschen mit Tränen in den Augen. „Hast Mitleid mit mir?" fragt die Mutter und fährt'liebkosend über Röschens Haar. Aber statt zu antworten, fällt ihr Röschen um den Hals und beginnt heftig zu weinen. II. Röschen ist zwölf Fahre alt geworden. Es ist Sommer. Durch die kleinen, mit Staub überzogenen Fensterscheiben haben sich die Sonnenstrahlen wie mit Gewalt? einen Weg ins Stübchen gebahnt und fallen nun auf Röschens.Antlitz. Röschen, die de» ganzen Morgen traurig dagesefsen ist, ermuntert sich unter den Liebkosungen des süßen Lichtes und es zieht sie hinaus auf die Gasse. . . Aber was soll sie dort tun? Zum Spielen hat sie keine Gefährtin; alle Mädchen in ihren Jahren gehen in feinen Kleidchen umher und sie hat nicht einmal Schuhe anzuziehen, man schämt sich ihres Umgangs. Nur eine Freundin hat sie — die Mutter! Sie ist so gut, so gut.-. . In allem gibt sie ihr nach, die gute Mutter; selbst wenn sie, vom Markte nach Hause kommend, zu husten beginnt und Röschen fleht, sie möchte doch aufhören, gibt sie ihr auch nach. Nur bei Nacht hilft ihr Bitten nichts. Heute nachts hat sie so schrecklich gehustet. Röschen hat ihr zweimaal Wasser gereicht und es hat nicht geholfen . . nicht aufhören wollen . . . Warum hustet die Mütter so? Sie sagt, es sei ein Fehler, doch könne man damit sein Alter erreichen. Ihre Mutter — die Großmutter — hat auch daran gelitten und hat ihr Alter erreicht. . . „O Gott, saß mir die Mütter leben!" schluchzt es in . Röschens kleinem Herzchen. Sie stellt sich der Mutter blasses Gesicht vor und es zieht sie hin zu ihr . . . Das enge Stübchen wird ihr noch enger . . . Ein Gedanke zuckt ihr durchs kleine Köpfchen: „Züm Markt, zur Mutter!:,." Und barfuß, mft dem alten zerrissenen Kleidchen angetan, stürmt sie gleich hinaus zur Mutter. „Nun, warum bist du gekommen, Röschen?" -fragt-sie i>ie. Mutter zärtlich. . . . . „So, Mutter . . . es war mir bange . . antwortet Röschen verschämt. „Nun, nun, es tut nichts . . .," tröstet sie die Mutter, „steh' nur da, Geld lös' ich' sowieso keins." Eine Höckerin von gegenüber, die wegen einer Kopeke Verdienst mit der Mutter beständig in Kreit lebt-.und nur „gut Freund", wird, wenn sie beide nichts lösen, verläßt ihren Sitz und geht aus die beiden zu... Auf Röschen blickend, beginnt sie: „Weißt du, Chaja, dein Röschen wächst prächtig." „Möchte nur ihr. Glück , so wachsen," - seufzt Chaja, mit feuchten Augen ihr Kind betrachtend. „Was denkst'du," spricht die Höckerin weiter, „ein Jahr, noch eins,— bald ist sie eine Jungfrau: und muß einen Bräutigam haben. Die Jahre fliehen. Wie lange. ist' es.her, als ich solch ein Mädchen war? Es kommt mir vor, wie wenn's gestern gewesen war. Ein schönes Mädchen," endigt die Höckerin und be-- trachtet Röschens gekräuselte Härchen, die in Locken auf die. breite Sttrnefallen und ihr blasses Antlitz mit den tiefen, schwarzen Äeuglein. ' " ■ t -Möchte ihr Glück so schön werden, wie sieschön ist," seufzt Chaja, „ihr Vater mög' ein guter Fürbitter sein für sie, du. lieber Gott im Himmel!" ' ' „Gewiß!" bemerkt die Höckerin, „wer denn, wenn nicht- „er". Allenfalls, Chaja, mußt du darangehen, für ihre Zukunft zu sorgen.". „9hm, was soll ich tun," seufzt die Mutter, „soll? ich sie mit einem Korb Aepfel aus den Markt stellen? Lös' ich doch selbst nichts." - .. . „Warum mit einem Korb Aepfel!" füllt ihr die Höckerin ins Wort, als fürchtete sie eine neue Konkurrentin. „Besser ist es'doch, du läßt sie eine „Stelle" suchen... Heutzutage findet man das Glück nicht auf der Straße. . ." ' ' - - . (Schluß folgt.) Rätsel. Mit y -verbrauch’ ich es soeben, UmEuchdies Rätsel aufzugeben, j Auch wär’s der Mann, der einst gekommen^ Den Sündenbock mit fortgenommen. Mit ist’s was in meiner Nähe, Wo ich anch bin, wo ich auch stehe. Auch wird es sicherlich mein Schwert, Wenn Gott uns Zions Besitz bescheert. . Bon jetzt ab erscheint in jeder Nummer unserer Beilage .Jüdische Jugend" ein Rätsel. Wer' von unseren jungen -LefernTv -RätselgelSst hat, dessen Name wird veröffentlicht und er erhält von unS ein gutes Buch als Geschenk. Wir bitten,' das erste Mal die Abonnementsquittung mitzusenden. Die Redaktion. -o- -o- =Q= =0= =©= =©= NOttRatfDäSChe für Herren ond Damen, weit unter regulärem Preis. | AleiäerSloAe, gjfi Besondere Uz SchttPZGR, grosse Hausschflrzen von 38 /Oj an, Kinderscharzen von IS rH an. Tändelschürzen von 12 /H an. 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