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Neue jüdische Presse · 1904-04-22 · Heft 15 (22.4.1904) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
2 (1904)
Issue
Heft 15 (22.4.1904)
Date
1904-04-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Vellage zu Nr. 15 des Frankfurter Israelitischen Famllienblattes. „Dal Hat de Jnd dahn!" Unter andere» Feldzugseciiinernngen bringt die „Pr. Lchrerztg." auch eine Episode, die wohl wert ist, anch tveiteren Kreisen betannt zn werden. „An einem trüben Aovenibertage des Jahres 1870, als wir vor Paris lagen," berichtet der Erzähler, „geriet unsere Kompagnie, die einen ziemlich weit vorgeschobenen Posten innehatte, bei einem Ausfall, den die Belagerten machten, in eine üble Lage. Bon der französischen Uebermacht aus das Härteste bedrängt, und von drei Seiten vom Feinde cingeschlossen, kämpften wir mit dem Mute der Verzweiflung, da unser aller Untergang oder, was uns noch schimpflicher deuchte, unsere Gesangei»,ahme so gut!vie geivis; war. Denn wir sonnten weder vorwärts noch rückwärts: wir waren eingeklemmt wie in einer Falle. Als der Feind ctiva bis ans achtzig Schritt gegen uns hcrangedrungen war, sprang plötzlich aus unserer Schützenlinie ein einzelner Mann aus und lief mit lautem Hurra den heranstürmcnden Franzosen entgegen. Die ganze Kompagnie fiel in den lauten Rnj ein nnd folgte ihm nach. Ohne ans das Komniando zu hören, schlugen die Tambonre zum Sturm an. Gleich darauf kamen auch die anderen Kompagnien unseres Fnsilierbataillons zu unserer Unterstützung heran, und das ganze Ba»- taitlon stürmte nun mit lautem marsch» marsch, Hurra! aus den Feind los. Dieser stutzt, sein Angriff erlahmt, seine Reihen stocken bei dem mörderischen Feuer der llnserigen, nnd endlich weicht er zurück. Sein' Angriff ist abgeschlagen, der Kampfplatz lvird von uns behauptet. Plötzlich sprengte, als unsere Kompagnie noch im Schnellfeuer begriffen war, der BataillonSkommandeur, Oberstleutnant H., in unsere Schützenlinie hinein und fragte sehr laut mit erregter Stimme: „Wer hat hier zuerst Hurra geschrien?" Als darauf nieiiiaiid antwortete, schrie er noch lauter: „Himmclkrcuz . . . ., ich will wissen, wer hier-zuerst Hurra rief!" Run aber erhielt er erst recht keine Antwort, weit jeder glaubte, es sei ein Fehler begangen worden, und der Schuldige habe eine strenge Strafe z» gewärtigen. Als jedoch der Oberstleutnant zmn drittenmal mit noch verstärkterer Stimme nnd einem neuen Donnerwetter dieselbe Frage an die Kompagnie richtete, rief eine Stimme ans den Reihen der Schützen: „Dat hat de Jnd dahn!" Da geschah cttvas, fährt der Erzählor fort, was 'uns alle höchlichst überraschte: „Du bist es gewesen, mein Sohn? Komm her, las; Dich umarmen! Das war eine Tat, die ich Dir nie vergessen werde!" Mit diesen Worten schloß der Oberstleutnant den Tapferen — cS war der Gefreite A., ein Jude.— in seine Arme. Auch der Hauptmann und die anderen Offiziere kamen heran und schüttelten ihm, dem die hellen Freudentränen über die Wangen heruntcrrannen, die Hände. Der Wackere erhielt bald daraus das Eiserne Kreuz." Bücherschau. Babel nnd Bibel. Randglossen zu den beiden Vorträgen Friedrich Delitzschs von Tr. Jakob Horovitz. 15 Seiten. l!>01. Verlag I. Kausfmann, Frankfurt a. M. Die Schrift ist aus einem Vortrag entstanden, den der Verfasser, wie er in der Vorbemerkung sagt, .vor mehr als Jahresfrist in dein hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur und in der Frankfurt-Loge gehalten hat. Wohl ist seit dem Vortrage Delitzschs sowohl von jüdischen, wie von christlichen Gelehrten eine schier unabsehbare Reihe von Gegenschriften entstanden, jedoch die vorliegende Schrift zeichnet sich ans durch die besondere Kraft ihrer Argumente nnd sie darf 'Anspruch machen ans das höchste aktuelle Interesse durch ihre Bezugnahme aus den in den jüngsten Wochen von Delitzsch erschienenen Rückblick und Ausblick. Mit einer zwingenden, durch ihre Klarheit nnd Schärfe hervorstechenden Beweisführung hat es der Verfasser verstanden, den Berliner Gelehrten heiiiizuleuchten; er geht seinen Gedanken bis in die kleinste Einzelheit nach nnd schlägt ihn dann oft mit seinen eigenen Waffen, sodaß von den stolzen Sätzen nichts übrig bleibt. Obwohl die Schrift auch dem Gelehrten viel Neues bietet, so ist sie durch ihre lebendige Darstellungsweise und durch ihren prägnanten Styl aber anch für das große Publikum eine fesselnde Lektüre, die überdies selbst dem iineingeweihten Leser ein umfassendes Bild über den Babel-Bibel-Streit gewährt. Während das erste und dritte Kapitel die zwei Haupttheseu des ersten Vortrags mit feinem Humor in ihrer ganzen 'Nichtigkeit äusdeckt, macht das zweite Kapitel den Haupteffekt des zweiten Vortrags zunichte, indem es zur Evidenz uachweist, daß.von einer Ossenbarung des Sonnengottes Schamesch und Hammnrcchbi nicht die Rede ist. Es ist ein besonderes Verdienst des Verfassers, schlagend nachgewiesen zu habe», das; dieses angebliche Vorbild der sinaitischen Offenbarung überhaupt nicht existiert. Nicht minder interessant ist die allgemeine Einleitung, die die Methode Delitzsch charakterisiert und nachweist, wie Delitzsch und Chamberlain in dem Bestreben, auf die höchsten Kreise der Gesellschaft Einfluß zn gewinnen, sich anfangs bekämpfen, bis sich schließlich der Manu der Wissenschaft dem Dilettanten beugt nnd gleichfalls die Aufgabe übernimmt das Judentum herabznsctzcn; so glaubt er seinen Einfluß sich zu sichern. Es ist nicht möglich, im Rahmen eines kurzen Referats den reichen Inhalt der Schrift wiedcrzugebeu. Wir glauben aber, daß unsere kurzen Andeutungen genügen, weitere Kreise zn veranlassen, sich die Schrift anznschafsen. 8. .N: Personalien. Hamburg. (Ein jüdischer Postveteran) Anläßlich seiner dieser Tage erfolgten Pensionierung erhielt der Oberpostschaffner Nenmann Wolfs das Allgemeine Ehrenzeichen. Nicht nur der llmstand, daß jüdische Postbeamte in unseren Tagen zu den Raritäten gehören, da jüdischen Bewerbern diese Karriere bekanntlich schwer zugänglich ist, sondern auch die Tatsache, daß dieser Beamter 8? Jahre hindurch unter anerkannter Zufriedenheit seiner Vorgesetzten treu seines Amtes waltete, macht diesen Fall erwähnenswert. Herr Wolfs ist zugleich ein Veteran der Kriegsjahre 1866 nnd 1870. Vakanzen. Krefeld. Rabbiner per I. September. Schriftliche Bewerbungen bis 1. Mai an den Vorstand. Antwerpen. 1 sentinaristisch gebildeter Lehrer und 1 akademisch gebildeter Lehrer kür Französisch nnd Englisch. Bewerbungen bis 8April an Direktor Nobel. Büren i. W. Religionslehrer und Borbeter per bald. Gebalt bei freier Dle.rst.voanung > >»i> -U Ncbenei» kommen. Familiennachrichten. (Aufnahme in diese Rubrik kostenlos.) Geburten. Ein Sohn, Herrn S. Weiß, Frankfurt a. M, Fahrgasse 120. Ein Sohn, Herrn Jul. Stern, München-Gladbach. Eine Tochter, Herrn MartinMendelsohn, Köln a. Rh. Eine Tochter, Herrn Max Kahn, Mainz. Verlobte. Johanna Frank, Gelnhausen, mit Sally Bickhardt, Frankfurt a. Bk. Rosalie Kahn, Memmingen, mit Alfred Heimann, Frankfurt o. M. Baby Seligmann, Zürich, mit Henry Rotschild, Mülhausen i. Eis. Laura Adler, München, mit Dr. Anselm Kahn, Augsburg. Bertha Freudenberger, Arnstein i. Ntjk., mit Albert Aron, Bamberg. Fanny Kirchheimer, Heilbronn, mit Adolf Rosenthal. Nürnberg. Sterbefälle. Adelheid Mannheimer, 68 I., Frankfurt a. Pt. Leopold Altmann. 94 I., Frankfurt a. M. Salomon Bing, 62 I., Fürth i. B. Babetka Banmann, 61 I., Straßburg i. E. Babette Kullmann, Kreuznach. Emanuel Scharff, Landau. - Ww. Kllhn, Worms. Wachen-Kalender. Samstag, den 23. April. Wochcnabschnitt: Acherei maus Kedauschim. Sabbath-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 20 Min., Berlin 8 Uhr 02 Min., Straßburg 8 Uhr 15 Min. Omer 24. Sonntag Abend: Omer 25. Montag Abend: Omer 26. Dienstag Abend: Omer 27. Mittwoch Abend: Onier 28. Donnerstag Abend: Omer 29. Das .Frankfurter Israelitische Familienblatt" kostet in Frankfurt a. M. Mk. 1.— eknschlicßltch Bringerlohn, auswärts Alk. 1.02 einschließlich Bestellgeld (bei Abholung von der Post 12 Pfg. weniger). Auch im Auslände nehmen sämtliche Postanstalten Abonnements entgegen. Bezug durch Streifband Pik. 1.50 vierteljährlich Ausland Mk 2.—). Kaiser Friedrich Quelle — Offenbach a. M. Vornehmstes Tafelwasser. G. lOagtier, Dentist, Rechneigrabenstr. 4. Sprechstunden von 9-12 und 2-6 Uhr. Zahnplompen in Gold, Porzellan, Silber u. Emaille, sowie Zahnkronen u. Gebisse in Gold, Platin u. s. w. iu nur feiner Ausführung. Schmerzlose Behandlung unter Garantie. Israelitischer Mädchenklub FahrgtuiMe MG. DV* Jeden Abend von Vti—10 Uhr geöffnet. In WeEn nimmt M. Poppelauer s Buchhandlung Neue Friedrichstraße 59 Abonnements und Inserate aus das Frankfurter Israel. F-amttienblatt zu Originalbedingungen entgegen. Bnnte Chronik. Ein Mißverständnis. Vom Sälvatorleben in München wird in der „Straßb. Post" eine hübsche Geschichte erzählt, die vor einigen Jahren, noch zu Lebzeiten des Kapellmeisters Hermann Levi, passiert ist. Kain da ein junges Ehepaar ans einer norddeutschen Provinzstadt zur Satvatorzeit nach München und zog natürlich auch ans den Nockherberg. Im Gedränge verlor die Dame ihren Gatten und nahm schließlich Platz an einem Tisch, an den, mehrere „bessere Herren" nnd auch Damen saßen. Nicht lange, so kam sie mit einem artigen Nachbarn in Unterhaltung. Sie wären seit einer Woche in München und Hütten schon viel gesehen, erzählte das junge .Weibchen. Brennend gern aber hätte iie einige von den vielen bekannten Künstlern gezeigt bekomme», die in München leben, und an denen sie, ohne es zn wissen, vielleicht auf der Straße vorbeilief. Nun, meinte der freundliche Herr, dem könne Vielleicht geholfen werden, wen etiva sie denn kenneir lernen möchte. Sehr literarisch und fürs Theater schwärmend, entgegnete sie, daß am meisten sie Mar Halbe interessieren würde. Das sei, erklärte ihr Nachbar, der joviale Herr mit dem blonden Bart, der ihnen gegenübersitze. Aber nun konnte sie nicht glauben, daß ihr Wunsch so schnell zn erfüllen sei. Und übrigens sehe der Betreffende auch nicht wie ein Dichter ans, sondern ivie ein kluger Philister. Wen sonst sie denn haben wolle, fragte der andere wieder. Bon Michael Georg Eonrad, dem .Kamps¬ und Streitbaren, hatte sie auch schon gelesen. Das sei der Hüne mit dem dichten Haarschopf, der da eben kindlich harmlos mit der Kellnerin scherze. Und neben ihm sitze die Frau v. Suttner. Der Schwarze, der aussieht ivie ein Kaplan, aber heiße Frank Wedekind, die zarte, etivas gonvernanrenhafte Dame Gabriele Reuter, »„fr da sei anch Bierbanm. Nun wurde die Sache der kleine» Frau aber doch zn. bunt. „Und wer wollen denn Sie sein?" fragte sie, ein wenig pikiert. „Ich heiße Levi." Da war sie ganz beleidigt. „Wissen Sie," sagte sie entrüstet, „das; Lie mich znm besten halten, laß ich noch 'hingehen, aber das; Sie nun auch spotten, weil ich jüdisch bin, ist nicht. nett von Ihnen." Sprachs und lief wie erlöst ihrem Gatten entgegen, den sie eben kommen sah. Mau hatte ihr aber gar nichts anfgebniiden. Eine A h n f r a u von Heinrich Hei u e. lieber Denkwürdigkeiten einer jüdischen Frau aus dem 17. Jahrhundert ist jüngster Tage zn Kopenhagen ein Vortrag gehalten worden, dem die nachstehenden. Daten entnommen sind. Tie in Rede stehende Frau war 1645 in Hamburg geboren und starb 1719 in Metz; sie führte den hübschen Vornamen Glücket, der Familienname ihres Vaters wird uns nicht berichtet. Früh zum ersten Male verwitlvet, führte sie für ihre zwölf überlebenden Kinder das Juwelen«

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